…wird ein Feuer entfachen!
  • Vor 100 Jahren, am 16. Februar 1919, fand in Österreich die erste Wahl statt, an der sich Frauen beteiligen durften. Diese Errungenschaft war direktes Resultat der revolutionären Bewegung in Österreich 1918, dem Kampf der Massen und insbesondere der Arbeiterklasse, der damals ausgehend von der Russischen Revolution weltweit Wellen schlug.

    Auch heute sehen wir den Aufstieg neuer Frauenbewegungen, die sich in eine weltweite Welle großer Bewegungen gegen alle Formen der Unterdrückung und Ausbeutung einreihen. In Polen verhinderten Massenproteste 2016 die Verschärfung von Abtreibungsgesetzen, in Irland stimmten letztes Jahr 2/3 in einer Volksabstimmung gegen einen Artikel der Verfassung, der Abtreibung verbot. In den USA gingen zur Angelobung von Donald Trump etwa drei Millionen Menschen wegen dessen frauenfeindlichen Aussagen auf die Straße. In einer Reihe von Ländern von Lateinamerika bis Indien gab und gibt es Massenbewegungen gegen die Gewalt an Frauen. In Spanien streikten letzten Jahr am 8. März über 6 Millionen Menschen für politische und soziale Frauenrechte, was von der Tageszeitung El Periódico als „mehr als ein Streik, beinahe eine Revolution“ beschrieben wurde.

    Frauenunterdrückung & Kapitalismus hängen zusammen!

    Dieser Zusammenhang zwischen Frauenbewegung und anderen Massenbewegungen gegen das herrschende System ist nicht zufällig – denn der Kapitalismus hat die Frauenunterdrückung aus der Vergangenheit übernommen und sich zu eigen gemacht. Damit machte der Kampf um Frauenbefreiung historisch gesehen immer dann Fortschritte, wenn die Arbeiterklasse – Frauen, Männer, alle Menschen – das System in Frage stellte und dem Kapital Zugeständnisse abpressen konnte. Der Kampf um Frauenbefreiung ist ein Klassenkampf, ein Kampf der ArbeiterInnen gegen das Kapital und kann letztendlich nur durch eine Überwindung des Kapitalismus tatsächlich siegreich sein. Gleichzeitig ist der Kampf um Frauenbefreiung auch zentral dafür, dass die Spaltung der Arbeiterklasse überwunden werden kann. Kein Sozialismus ohne Frauenbefreiung, keine Frauenbefreiung ohne Sozialismus!

    Dieses Konzept steht im Gegensatz zu der feministischen Vorstellung, dass der Weg zur Frauenbefreiung ein Kampf aller Frauen, egal ob Kapitalistin oder Arbeiterin ist, der oft gänzlich getrennt von der Klassenfrage gesehen wird, oder sich im besten Fall nur in einigen Punkte mit dem Kampf der gesamten Arbeiterklasse überschneidet. In der Praxis überwinden die derzeitigen Frauenbewegungen die Limitierungen solcher spalterischen Konzepte. So wurde in Spanien ein „Frauenstreik“ ausgerufen und Männer von Organisatorinnen dazu aufgefordert, ihre Unterstützung dadurch zu zeigen, dass sie statt den Frauen arbeiten gehen sollten – also als Streikbrecher agieren. In der Realität beteiligten sich jedoch Männer massenhaft an den Protesten.

    Für eine proletarische Frauenbewegung…

    Die Situation in Österreich, die sich unter Schwarz-Blau für Frauen noch verschlechtert, zeigt deutlich, dass auch in Österreich die Zeit für eine breite Bewegung für Frauenbefreiung reif ist. Österreich ist in Sachen Frauenmord EU-weiter Spitzenreiter. Das neue Jahr ist gerade einmal zwei Wochen alt, und es wurden bereits vier Morde an Mädchen und Frauen verübt. Die Täter sind Familienmitglieder oder (Ex-)Partner. Gleichzeitig kürzt die Regierung finanzielle Mittel für Präventions- und Schutzmaßnahmen. Auch die Möglichkeit auf Abtreibung, die in Österreich durch die „Fristenregelung“ nur geduldet wird, soll laut Regierungsprogramm von Schwarz-Blau zusätzlich eingeschränkt werden, etwa durch verpflichtende Beratungen.

    Die Politik der Regierung stellt einen Angriff insbesondere auf die Frauen der Arbeiterklasse dar. So dient der angepriesene „Familienbonus“, der Steuererleichterungen verspricht, Familien mit hohem Einkommen. Auch die Kürzung der Mindestsicherung betrifft in erster Linie Frauen und Kinder, die häufiger armutsgefährdet sind und 2/3 der Mindestsicherungsbezieherinnen ausmachen. Indes wird ein konservatives Familien- und Frauenbild von Regierung bewusst gefördert und genutzt, um die Einsparungen im Sozialsystem durch gratis Frauenarbeit abzufedern. So sagt Bundeskanzler Kurz zum „Masterplan Pflege“, man wolle sich auf „die Pflege zu Hause konzentrieren“. Dafür sollen „Anreize für pflegende Angehörige“ geschaffen werden. Dabei wird schon jetzt die Pflege zu ca. 80% von Frauen geleistet. Doch auch im professionellen Pflegebereich, der chronisch unterbezahlt und unterbesetzt wird, besteht das Personal zu 92% (mobile Pflege), bzw. 84% (stationäre Pflege) aus Frauen. Mit purem Zynismus plant die Regierung zur „Verbesserung“ der Lage von – zumeist migrantischen – Pflegekräften… eine Imagekampagne!

    … für eine Großdemonstration zum Frauenkampftag 2019!

    Den Angriffen der Regierung auf Frauenrechte und den Lebensstandard von Frauen kann nur eine Gegenoffensive der Arbeiterklasse etwas entgegenhalten. Als Auftakt für eine breite Bewegung für Frauenrechte setzen wir uns daher in der Linken für eine Großdemonstration gegen Schwarz-Blau zum internationalen Frauenkampftag 2019 ein. Die Initiative zur Organisierung einer Großdemonstration von Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Frauenorganisationen und linken Organisationen wurde von der Sozialistischen Jugend Österreich am Verbandstag 2018 angenommen, und ein ähnlicher Antrag auf der Landeskonferenz der SJ Wien im Dezember 2018 bestätigt.

    • Gegen Einschnitte in Mindersicherung und Notstandshilfe!
    • Für den Ausbau ausfinanzierter Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren!
    • 30 Stunden Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich für alle!
    • Für eine kostenlose, qualitativ hochwertige öffentliche Kinder- und Altenbetreuung!
    • Flächendeckende und kostenlose Abtreibung sowie Verhütungsmittel!

     

    Siehe auch:

    Frauenmorde stoppen: Für eine Bewegung gegen Gewalt an Frauen

    Für die Selbstbestimmung über Körper, Sexualität und Leben- Für den Sturz von Schwarz-Blau

    (Erschienen im Funke Nr. 170/Februar 2019)

  • International sehen wir immer mehr Massenproteste für Frauenrechte. Österreich ist indes trauriger EU-Spitzenreiter in Sachen Frauenmord. Wir müssen dagegen laut werden, argumentiert Natalie Ziermann.

  • Vor nunmehr einem Jahr verbreitete sich die sogenannte #MeToo Debatte, in der Frauen weltweit begannen, sexuelle Übergriffe und Missbräuche, die ihnen widerfahren sind, bekannt zu machen. Von Yola Kipcak.

  • Eine laufende Serie über die Mitgliedschaft in der IMT (USA), in der GenossInnen erklären, was sie dazu bewegt hat, das kapitalistische System abzulehnen und den revolutionären Sozialismus anzunehmen.

  • In den letzten Jahren hat sich der Kampf gegen Geschlechterunterdrückung und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in vielen Ländern zu Massenbewegungen entwickelt. Über Geschichte, Theorie und Perspektive für die Emanzipation.

  • Auf den Straßen Dublins wurde gefeiert, als dem konservativen Establishment in Irland ein weiterer, heftiger Schlag versetzt wurde. Der erdrutschartige Sieg zur Aufhebung des Artikel 8, welcher Abtreibung in Irland verbot, folgt dem unerwarteten „Ja“ zur gleichgeschlechtlichen Ehe vor drei Jahren.

  • Frauenvolksbegehren. Noch bis 4. April kann man die Einleitung eines Frauenvolksbegehrens per Unterschrift auf Gemeindeämtern und Magistraten unterstützen. Zu den erhobenen Forderungen, zur Methodik und den Perspektiven der Frauenbefreiung. Von Emanuel Tomaselli.

  • Am 8. März fand in Spanien der sogenannte „feministische Streik“ statt. Nachdem die kleineren Gewerkschaften CNT und CGT zu einem 24-Stunden-Streik der Frauen aufgerufen hatten, mussten ihnen die größeren Gewerkschaftsverbände CCOO und UGT folgen und riefen ebenfalls eine Arbeitsniederlegung für zwei Stunden aus. Das Ergebnis war die größte Massenmobilisierung, die Europa seit Jahren gesehen hat. Von Sandro Tsipouras.

  • Auf der ganzen Welt steht die Unterdrückung der Frau auf der Tagesordnung. Heute – am Internationalen Frauenkampftag – wurde ein Streik in mehreren Ländern ausgerufen und in vielen weiteren finden Demonstrationen, Kundgebungen und Treffen statt.  Eine Stellungnahme der Internationalen Marxistischen Tendenz zum 8. März

  • Die Kurz-Regierung bedeutet nicht nur soziale Einsparungen, sondern auch ein reaktionäres Familienbild und Mehrbelastung für die Frau. So muss der diesjährige Frauentag auch ein Kampftag gegen die schwarz-blaue Regierung sein. Wir wollen nicht einfach hinnehmen, dass unser Leben zerstört wird. Wir müssen uns organisieren und Widerstand gegen jede Verschlechterung leisten, die im Namen der „Reform“, des „Sparzwanges“ und der „Förderung der Familie“ durchgedrückt werden sollen.

  • Die schwarz-blaue Regierung ergänzt ihre sozialen Angriffe und Kürzungen mit reaktionärer Frauen- und Familienpolitik. Wir brauchen eine Bewegung für die Selbstbestimmung von Frauen über Körper, Sexualität und Leben.

  • Schwarz-Blau will die Umverteilungsspirale von Reichtum und Lebenschancen noch schneller hin zu den ohnehin Privilegierten in Bewegung setzen. Statt „Selbstbestimmung über das Leben“, steht bei ihnen die sogenannte „Selbstverantwortung“ im Mittelpunkt. Die „Selbstverantwortung“ ist dabei eine ebensolche Demagogie, wie die permanente Inszenierung von MigrantInnen als Ursache der sozialen Probleme.

  • Jewgenija Bogdanowna Bosch (geborene Maisch) wurde am 23. August 1879 in der Ukraine, die damals zum russischen Zarenreich gehörte, geboren. Ihr Vater war Gutsbesitzer, ihre Mutter eine ukrainische Adelige.

  • Im Oktober wurde bekannt, dass der Filmproduzent Harvey Weinstein zahlreiche Frauen sexuell belästigt, genötigt und vergewaltigt haben soll. Daraufhin startete die Schauspielerin Alyssa Milano die Social Media Kampagne #MeToo. Seitdem ist auch in Österreich die Diskussion über Sexismus und sexistische Übergriffe hochgekocht.

  • Am 18. November fand in Dornbirn wieder einmal der „Marsch für das Leben“ statt, auf dem klerikal-reaktionäre Kräfte singend durch die Straßen zogen, um gegen das Recht auf Abtreibung zu demonstrieren. Wie immer waren wir zur Stelle, um eine Alternative aufzuzeigen und für das Selbstbestimmungsrecht der Frau einzustehen. Wir organisierten eine Gegenkundgebung mit Rede, Transparenten und Schildern, die mit Slogans wie „Revolution statt Inquisition“ oder „My Body My Choice“ beschriftet waren.

  • Nathalie Lemel wurde am 26. August 1827 in der französischen Hafenstadt Brest geboren und wuchs dort als Tochter von Kaffeehausbesitzern auf. Sie besuchte bis zum Alter von zwölf Jahren die Schule und arbeitete danach als Buchbinderin. 1845 heiratete sie den Buchbinder Jerome Lemel, mit dem sie drei Kinder hatte. Auf der Suche nach Arbeit zogen sie nach Paris, wo Nathalie als Buchverkäuferin tätig war. Dort – mit der Not und Armut der ArbeiterInnen konfrontiert – wurde sie in den 1860er Jahren zur aktiven revolutionären Sozialistin.

  • Mary Harris Jones wurde 1837 in Irland geboren und wanderte in den 1840er Jahren mit ihrer Familie in die USA aus. Sie arbeitete zuerst als Lehrerin in einem Kloster, dann als Schneiderin für meist reiche Familien. Dadurch lernte sie schnell, was die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind. Von Cora Lackner

  • Der Film „Die göttliche Ordnung“ beschäftigt sich mit der Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz 1971. Bruno Pegrovic und Agnes Pegger haben sich ihn für uns angesehen.

  • Paule Mink wurde als Adèle Paulina Mekarska am 9. November 1839 in Clermont-Ferrand geboren. Ihr Vater war ein polnischer Offizier, ihre Mutter eine französische Adelige. Die Familie lebte in Paris, wo sie Heimunterricht von PrivatlehrerInnen bekam. Sie war hochgebildet und wurde früh politisch aktiv.

  • Elisabeth Dmitrieff wurde 1850 als Tochter eines Aristokraten und einer Krankenschwester in der russischen Provinz Pskov geboren. Bereits in jungen Jahren war sie in der aufkeimenden sozialistischen Bewegung in St. Petersburg aktiv und nahm sich insbesondere ihren Landsmann, den russischen Schriftsteller und Revolutionär Nikolai Tschernyschewski als ideologisches Vorbild, den auch Karl Marx las und bewunderte.