Frühjahrslohnrunde: Lohn, Preis, Profit


Die Frühjahrslohnrunde startet gerade in einer Reihe von wichtigen Industriesektoren (Chemie, Elektro, Papier usw.). Sie steht ganz im Zeichen des Iran-Kriegs und der damit verbundenen Teuerungskrise. Von Konstantin Korn
Die Gewerkschaften gingen in diese KV-Verhandlungen mit der Perspektive einer sich verbessernden Industriekonjunktur. Nach drei Jahren der Rezession schien zu Jahresbeginn die Lage der Industrie wieder besser zu werden. Auslastung der Fabriksanlagen, Investitionstätigkeit und Auftragsbücher lassen darauf schließen, dass es mit den heimischen Industriekonzernen wieder bergauf geht, so Reinhold Binder (Vorsitzender der PRO-GE). Im vergangenen Herbst hatte Binder für die Metaller mit Verweis auf die tiefe Krise vieler Unternehmen einem grottenschlechten Abschluss mit Reallohnverlust zugestimmt.
Zu Jahresbeginn gab sich selbst die Industriellenvereinigung vorsichtig optimistisch. Dennoch ist die Gewerkschaftsführung betont vorsichtig, was Forderungen anbelangt. Sie belässt es bislang bei nebulösen Formulierungen wie: „Der Fokus liegt beim Geld, es geht vor allem um dauerhafte Lohnerhöhungen.“ Einer Nulllohnrunde oder Einmalzahlungen erteilt man damit zwar eine Absage, aber ein Abschluss unter der Inflationsrate ist damit noch nicht ausgeschlossen.
Gerade zum Startschuss der Frühjahrslohnrunde schießen aber die Energiepreise wieder durch die Decke. Der Krieg gegen den Iran wirft alle Prognosen wieder über den Haufen. Die österreichische Industrie ist von den Preisen von Erdöl und Erdgas extrem abhängig. Die Vorstellung, es gehe jetzt wieder mit der Konjunktur bergauf, entpuppt sich mit jedem weiteren Raketenangriff als Illusion. Die internationalen Beziehungen sind derart instabil, dass dauerhaft kein Ausweg aus der Krise zu erwarten ist. Und der österreichische Kapitalismus leidet spätestens seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs enorm unter diesen tektonischen Verschiebungen zwischen den imperialistischen Mächten. Der Irankrieg verschärft diese Lage noch einmal dramatisch.
Die Industriellen werden unter diesen Bedingungen wieder Druck machen. Und die Erfahrung des letzten Jahres – Herbst- und Frühjahrslohnrunde gleichermaßen – zeigt, dass die Gewerkschaftsführung mit der Logik zur „Sicherung des Standorts“ (sprich der Profite) nur Reallohnverluste ausverhandelt. Die Bosse danken es ihnen, in dem sie je nach Auftragslage Stellen streichen, Hauptsache die Rendite wird nach oben getrieben.
Wir beschreiben die Gewerkschaftsbürokratie, einschließlich der meisten Betriebsräte, als „Betondecke“, die auf den Arbeitern lastet und ihnen keinen Spielraum lässt, für die eigenen Interessen zu kämpfen. Die Gewerkschaft versucht die Zügel festzuhalten und scheut davor zurück, die eigene Basis zu mobilisieren. Auf Betriebsversammlungen wird nicht diskutiert, geschweige denn eine den veränderten Rahmenbedingungen angepasste Kampfstrategie besprochen. So bleiben die Arbeiter vereinzelt.
Unter diesen Bedingungen wird das Bewusstsein der Kollegen gehämmert. Eine Krise jagt die nächste, Stabilität gibt es keine mehr, der hart erarbeitete Lebensstandard ist in Gefahr. Solange der Profit regiert, wird sich daran nichts mehr ändern. Kommunisten haben die Aufgabe, jede Gelegenheit zu nutzen, um mit ihren Kollegen über die Ursachen dieser Krisen zu diskutieren. Wir zeigen, warum sich die Arbeiter organisieren müssen, um kollektiv den Kapitalisten Gegenwehr leisten zu können und dass sie den Kapitalismus stürzen müssen
(Funke Nr. 242/24.03.2026)