Heißer Herbst oder heiße Luft?


Während die Regierung mit Rassismus spaltet und ein Sparbudget auf Schiene gebracht hat, wird die diesjährige Herbstlohnrunde besonders ruhig. Von Konstantin Korn
Die in Zahlen gegossenen „Erfolge“ der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführung lassen sich mit den Worten der österreichischen Nationalbank vom 10. Juni in einem Satz zusammenfassen: „Tariflohnwachstum 2026 mit 2,3 % deutlich unter der rollierenden Inflation“. Konkreter an derselben Stelle: „Mit dem projizierten Plus von 2,3 % wird das Wachstum der Tariflöhne auch deutlich hinter der rollierenden Inflation von 3,5 % (VPI für 2025) zurückbleiben.“ Es ist zu erwarten, dass diese Zahlen angesichts der prognostizierten Inflation auch für das restliche Jahr gültig bleiben werden.
Statt mit eskalierenden Streiks und branchenübergreifenden Arbeitskämpfen den Lebensstandard der Beschäftigten zu verteidigen, haben die Gewerkschaften Reallohnverluste kampflos akzeptiert und mitumgesetzt. Mit Mehrjahresabschlüssen für die Metallindustrie, den Sozialbereich und die öffentlichen Bediensteten hat sich die Gewerkschaft noch dazu die Hände gebunden. Deshalb wird die heurige Herbstlohnrunde nicht die Bedeutung haben wie in früheren Jahren. Die gut organisierten Metaller, die normalerweise für andere Branchen den Ton vorgeben, fallen heuer weg. Umso schwieriger wird es für die Sektoren wie den Handel, in denen der gewerkschaftliche Organisationsgrad niedrig ist.
Dementsprechend zurückhaltend geht die GPA in den Herbst. Betriebsräte aus dem Handel haben uns berichtet, dass sie bislang keine Informationen bekommen haben, wie und mit welchen Forderungen die Lohnrunde geführt werden soll. Umso wichtiger erscheinen uns Initiativen von unten, wo Betriebsräte (wie z.B. bei Thalia) nicht auf oben warten, sondern selber die Belegschaft mobilisieren. Mittels einer Umfrage wurde nicht nur die Stimmung bezüglich Arbeitsbelastung und Lohn abgefragt, sondern auch die Kampfbereitschaft. Noch bevor die Gewerkschaftsgremien tagen, wird es bei Thalia eine Betriebsversammlung geben, um die Belegschaft einzubinden und so auch Druck auf die GPA zu machen. Diesem Vorbild sollten alle Betriebe folgen.
Neben dem Handel stehen vor allem die KV-Verhandlungen für die 55.000 Eisenbahner an. Die Umfrage der Gewerkschaft hat gezeigt, dass die Kollegen keine Reallohnverluste hinnehmen wollen. 95% wollen eine Abgleichung der Inflation bei den IST-Löhnen. Weitere Forderungen sind die Erhöhung der Nachtzulage und die Verteidigung der Ruhezeiten. Die Gewerkschaft VIDA verspricht einen „heißen Herbst“, doch die Art der Umfrage zeigt schon, dass die Gewerkschaft keine offensive Lohnpolitik vertritt. Von Lohnerhöhungen über der Inflationsrate ist keine Rede mehr.
Die Gewerkschaftsführung will in erster Linie die Krise nur mitverwalten und zeigt keinen Weg nach vorne auf. Die Sozialpartnerschafts– und Standortlogik wird von den meisten Betriebsräten mitgetragen, wir halten sie grundlegend für falsch.
Kommunistinnen und Kommunisten müssen heute gegenüber ihren Kollegen vor allem erklären können, dass in Zeiten der kapitalistischen Krise damit nichts zu holen ist. Die Mitglieder der RKP stehen für die Umwandlung der Gewerkschaften in demokratische Klassenkampforganisationen und argumentieren im Betrieb für eine Perspektive zum revolutionären Sturz des Kapitalismus.
(Funke Nr. 246/03.09.2026)