DGB: Profit oder Arbeit?


Deutschland. 2025 wurden 120.000 Industriearbeitsplätze abgebaut (50.000 davon in der Automobilindustrie) und die Angriffe gehen weiter: BMW minus 8.000 Stellen, VW will 4 Autowerke (Zwickau, Neckarsulm, Hannover und Emden) schließen und Mercedes-Benz fordert die Verlängerung der Wochenarbeitszeit im Autosektor von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Gleichzeitig werden heuer wieder Milliarden Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet (VW: 2,6 Mrd., BMW 2,7 Mrd., Mercedes 3,3 Mrd.). Gewerkschaftsführung und Betriebsräte versuchen weiter, Profit und Arbeit unter einen Hut zu bringen – aber das geht sich nicht aus. Man muss sich konsequent für eine Seite entscheiden! Von Martin Halder.
In den Belegschaften hat sich inzwischen so viel Druck aufgebaut, dass die IG Metall für den 21.09. zu einem Aktionstag der Autobranche aufrief und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für den 26.09. zu einem Protesttag gegen die Sparpolitik der Regierung. An beiden Tagen gingen jeweils 175.000 deutschlandweit auf die Straße – viel mehr als die Organisatoren erwarteten. Jetzt starten die KV-Verhandlungen für 3,8 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Das Potenzial für einen allgemeinen Abwehrkampf ist hoch. Ein Auto-Arbeiter aus Hannover sagt zum Stellenabbau: „Man muss sich dagegen erheben, ansonsten wird man nur ein Spielball der Arbeitgeber oder Konzerne.“
Doch die Gewerkschaftsspitze will eine große Auseinandersetzung verhindern – wissend, dass die Arbeiter gewinnen können. Sie verfolgt ein anderes Konzept: mit Konzernen und Regierung eine gemeinsame „Lösung“ zu finden. Das bedeutet praktisch die Mitverwaltung des Stellenabbaus und die ständige Desorganisierung des Abwehrkampfs.
So stimmte die IG Metall nach den Streiks bei VW Ende 2024 der Streichung von 35.000 Stellen zu, solange sie ohne Werksschließungen und Massenentlassungen abgebaut werden. Anfang September, kurz vor den Protesttagen, stimmten SPD- und Gewerkschaftsvertreter, die eine Mehrheit im Aufsichtsrat bei VW haben, für die Sparpläne und die Steigerung der Profitmarge auf 9% bis 2030 – fast eine Verdreifachung!
Wer mit dem Konzernchef übereinkommt, dass die Profimarge erhöht werden muss, lädt ihn zu neuen Angriffen ein. So kündigt VW nur wenige Tage nach den Protesten mit einem Schlag die meisten hauseigenen VW-Tarifverträge auf, womit Regelungen für Urlaub, zusätzliche Bezahlungen sowie die garantierte Arbeitszeit nun auf dem Spiel stehen.
Doch selbst nach diesem Frontalangriff kündigte die VW-Betriebsratschefin Daniela Davallo „heftige Auseinandersetzung“ erst mit Jahreswechsel an, da bis zum 31.12. der Tarifvertrag und damit die sogenannte „Friedenspflicht“ noch gelte. Es ist immer dasselbe: Die Bosse dürfen ihre Abkommen brechen, die Gewerkschaftsführung hält sie mit strengster Sorgfalt ein.
Die sozialpartnerschaftliche Orientierung der DGB-Führung muss aufgebrochen und durch einen Klassenstandpunkt ersetzt werden: Arbeitsplätze und Lebensstandard verteidigen geht nur mit einem Angriff auf die Profite der Konzerne! Dies ist der Tenor in den großen Jugendblocks, die sich in allen Städten mit Slogans gegen Krieg und Aufrüstung an den DGB-Aktionen beteiligen. Wenn Konzerne zu Masseentlassungen, Werkschließungen oder Lohnzurückhaltung greifen, muss ein rücksichtsloser Kampf um die Verstaatlichung unter Kontrolle der Beschäftigten geführt werden. Menschen vor Profite! Das ist die einzige Möglichkeit, steigende Arbeitslosigkeit, Arbeitsdruck und Aufrüstung umzukehren. Nur wenn die Wirtschaft in den Händen der Arbeiterklasse ist, können wir sie so umgestalten, dass sie für die Bedürfnisse der Gesellschaft und nicht für den Krieg oder die Gewinne der Aktionäre arbeitet.