Pride: Einheit der Unterdrückten gegen Hass und Spaltung


In ganz Österreich fanden in den Sommermonaten Pride-Paraden statt. Der Druck auf die LGBT+ Community steigt: Diskriminierung und Hassverbrechen nehmen zu, zuletzt gab es in Niederösterreich einen homophob motivierten Mord; in Berlin wurde bei einem Anschlag auf die Pride eine Frau getötet, weitere 29 wurden verletzt. In der kapitalistischen Krise nehmen reaktionäre Ideen an Fahrt auf. Eine klassenkämpferische Pride könnte dem was entgegensetzen, die bürgerlich liberal dominierten Pride-Partys können das nicht. Von Mio Purgathofer
Im Gegenteil: Sie lassen sich finanziell und politisch von bürgerlicher Politik instrumentalisieren, die permanent Kulturkampf, Wut und Hass schürt. Die Prides werden von Neos und Sozialdemokraten als scheinbar unpolitische Party-Events gepusht und öffentlich finanziert. Im Gegenzug werden systematisch LGBT-Anliegen in den Dienst ihrer Agenda gestellt:
Unlängst erklärte der EU-Gerichtshof die LGBTIQ-Rechte zum Teil der „pluralistischen Identität der Union“. Die angebliche Rettung von LGBT-Personen wird inhaltlich verknüpft mit der Unterstützung Israels, mit der Aufrüstung des „demokratischen Westens“ gegen den bösen (Nah-)Osten, mit ausuferndem Rassismus. Die jetzigen Prides sind politisch – aber nicht im Sinne des Kampfes gegen Unterdrückung, sondern als ideologische Flugzeugträger der westlichen Imperialisten. Ukraine-, EU- und Neos-Fahnen sind auf Prides erwünscht; eine Palästina-Flagge auf dem CSD in Graz wurde polizeilich (!) entfernt, in Bregenz gab es deswegen Ausladungen.
Wann immer die Pride als Teil des gemeinsamen Kampfes gegen alle Unterdrückung praktiziert wird, erzeugt dies sofort Panik bei Bürgerlichen. In Wr. Neustadt war der rote Block (RKP, KPÖ, KJÖ, SJ und Solawi) so kämpferisch, dass die Neos die Pride beleidigt verließen. Später versuchten sie, die Linke auf der Pride in den Medien zu skandalisieren – MeinBezirk titelt „Nahostkonflikt-Parolen überschatten Regenbogenparade“ und ein Neos-Sprecher meint gegenüber den NÖN: „Wenn weltpolitischen Themen mehr Bühne gegeben wird als lokalen Anliegen und Kampfparolen die Musik übertönen, dann läuft etwas gewaltig falsch.“ Sie drohten auch gleich die Förderung der Stadt für die Pride zu streichen – ärgerlicherweise war ausgerechnet diese Pride gar nicht aus öffentlicher Hand finanziert. Der politische Erpressungsversuch lief ins Leere, als die dortigen Organisatoren standhaft gegen eine „neoliberale Kommerzialisierung und Verwässerung des Ursprungsgedankens der Pride“ Stellung bezogen.
Die Kommerzialisierung der Prides und bürgerliche Einflussnahme ruft in der queeren Community durchaus Empörung hervor. Doch im Gegensatz zu den Wr. Neustädter Organisatoren gingen Versuche wie jene der „Pride Reclaimed“ und beim „Marsch für’n Arsch“ in Wien in eine völlig falsche Richtung: Hier wurde im Grunde unpolitische Identitätspolitik praktiziert. Jegliche Organisationsfahnen wurden „verboten“, es wurde mehr Arbeit in die Zensur und Kontrolle der Demoteilnehmer gesteckt, als in kämpferische politische Reden, Banner und Programm.
Der Kampf um eine klassenkämpferische Pride, gegen die Instrumentalisierung durch Establishment und Imperialismus, für eine antikapitalistische Perspektive sind der Weg vorwärts für die Bewegung! Nur so können auch der depressive und isolierende Individualismus und die Identitätspolitik zurückgedrängt werden, die queere und feministische Kreise durchziehen. Diese Ideen bieten als Antwort auf Unterdrückung nur Ausweglosigkeit, permanentes Misstrauen in Menschen und Angst.
Die RKP war auf über 20 Pride-Paraden und Demos und organisierte in mehreren Bundesländern Veranstaltung zu queerer Unterdrückung und wie wir sie bekämpfen. Das kommunistische Programm stößt bei Jugendlichen auf viel Zustimmung, die zunehmend sehen, dass Sichtbarkeit nicht reicht und Identitätspolitik sogar schädlich ist. Bis Ende August konnten wir auf den Prides über 600 Funke-Ausgaben verkaufen und mehr als 100 Kontakte knüpfen, die uns beitreten möchten.
(Funke Nr. 246/03.09.2026)