Hände weg von Kuba!


Kuba steht still. Der US-Imperialismus erwürgt das Land systematisch: erst durch den Angriff auf Venezuela, den zweitgrößten Öllieferanten, am 3. Januar; dann erzwang Trump den Lieferstopp Mexikos; schließlich das Dekret vom 29. Januar, das Kuba zur „ungewöhnlichen und außerordentlichen Bedrohung“ der USA erklärt und jedem Land mit Sanktionen droht, das Öl liefert. Von Sandro Tsipouras
Eine russische Lieferung von Ende März reichte für zwei Wochen. Die Folge: Stromausfälle von bis zu 22 Stunden am Tag, leere Regale, Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Schließung der Bildungseinrichtungen, eine erschöpfte Bevölkerung. Es ist die gefährlichste Periode, die die kubanische Revolution je durchlebt hat.
Es geht hier nicht nur um ein kleines souveränes Land in Nachbarschaft der USA, sondern um ein Land, das den Kapitalismus abgeschafft hat. Die kubanische Bourgeoisie war historisch zu schwach, um auch nur die bürgerlich-demokratischen Aufgaben – nationale Unabhängigkeit, Bodenreform – zu lösen. Weil sie an den US-Imperialismus gekettet war, hatte sie auch kein Interesse daran. So mussten die Massen das Programm tragen, und dabei erhoben sie auch ihre eigenen, weitergehenden Forderungen.
1960 musste die Revolution entweder zurückweichen und die Massen verraten – oder weitergehen. Castro und Guevara wählten den zweiten Weg. Defensivmaßnahmen gegen die imperialistische Sabotage wurden zur Grundlage für eine verstaatlichte Planwirtschaft. Das ist eine lebendige Bestätigung der permanenten Revolution und die Grundlage der sozialen Errungenschaften, um deren Zerstörung es Washington heute geht: die höchste Ärztedichte der Welt, Abschaffung der absoluten Armut, kostenlose Bildung und Gesundheit.
Mit dem Ziel, Kuba wieder zu einer Halbkolonie zu machen und russischen wie chinesischen Einfluss zu vertreiben, fordern Trump und Außenminister Rubio die volle kapitalistische Restauration. Am 14. Mai überbrachte CIA-Direktor Ratcliffe persönlich die Botschaft: Unterwerft euch, oder es ergeht euch wie Maduro. Wenige Tage später streute man über das Portal Axios einen verlogenen Vorwand für eine militärische Aggression: Angeblich bedrohen kubanische Drohnen Florida.
Die bürgerlichen „Verbündeten“ jedenfalls nicht. Russland und China protestieren diplomatisch, liefern einen Tanker und tun dann – nichts. Auch „multipolare“ Staaten verfolgen ihre eigenen Kapitalinteressen. Kuba hat keine Sowjetunion mehr im Rücken.
Die kubanische Führung verhandelt unter Druck mit dem US-Imperialismus. Aber wenn dies nicht nach den Vorstellungen der US-Regierung verläuft, dann werden die USA sich die Insel auch mit Gewalt holen. Die Anklage gegen Raul Castro vor einem US-Gericht öffnet die Türe für ein neues Caracas-Szenario.
Es bleibt eine einzige reale Kraft: die internationale Arbeiterklasse. Das ist eine konkrete Aufgabe: Nur eine Massenbewegung von unten kann die Regierungen in Mexiko, Kolumbien oder Brasilien zwingen, den imperialistischen Diktaten zu trotzen und Öl zu schicken. Der mächtige Verband der Ölarbeiter Brasiliens fordert von der Lula-Regierung genau das. Die brasilianische Sektion der RKI beteiligt sich an dieser Kampagne. Dieser Druck muss auch in den USA selbst ausgeübt werden: von der Jugend, die gegen den Völkermord in Gaza aufsteht, und von all jenen, die sich den ICE-Razzien entgegenstellten. Die Massenorganisationen Kubas müssen derweil die Versorgung der Bevölkerung mit Strom und Lebensmitteln und Aufgaben der Hygiene und Sicherheit planmäßig in die eigene Hand nehmen. Die Niederlage des US-Imperialismus im Iran lässt die Illusion seiner Unbesiegbarkeit zerbröckeln und gibt Kuba und ganz Lateinamerika neuen Mut.
Die Verteidigung der kubanischen Revolution ist vom internationalen Klassenkampf, vom Prozess der Weltrevolution, nicht zu trennen. Deshalb ist die dringlichste Aufgabe der Aufbau der RKI – um nicht nur Kuba, sondern alle Völker von Erpressung, Verelendung und Barbarei zu befreien.
(Funke Nr. 244/03.06.2026)