Revolutionäre Finanzen: Marx und Engels


Die Mittel für die revolutionäre Bewegung können nur aus der Bewegung selbst kommen. Dafür sind die Begründer des Marxismus – Karl Marx und Friedrich Engels – das beste Beispiel. Von Miriam van den Nest
Nur wenige Wochen nachdem sie ihre Weltanschauung im Kommunistischen Manifest dargelegt hatten, brach die europäische Revolution 1848/49 aus. Ab dem 1. Juni gab Marx unter Mitarbeit von Engels die Neue Rheinische Zeitung (NRZ) heraus – Zentralorgan und Sammelbecken der jungen kommunistischen Kräfte. Die NRZ analysierte laufend die revolutionären Ereignisse und bezog zu allen grundlegenden Fragen Stellung: Unabhängigkeit, Landfrage, demokratische Rechte, etc.
Nach der ersten Ausgabe sprang wegen des revolutionären Inhalts die Hälfte der bürgerlichen Geldgeber ab. Kaum ein Monat später, nachdem sich die Zeitung voll und ganz hinter den Juni-Aufstand der Pariser Arbeiter stellte, zog der Rest seine Unterstützung zurück. Engels – selbst Sohn eines reichen Fabriksbesitzers – bemerkte über seinen Vater: „Statt 1000 Taler schickt er uns lieber 1000 Kartätschkugeln (Kanonenkugeln; Anm.) auf den Hals“. 1848 zeigte sich in allen Belangen: Die Bürgerlichen fürchten das junge Proletariat viel mehr als Adel und König.
Somit war die NRZ stets auf der Suche nach Beiträgen aus der Bewegung. Eine große Spende kam vom Führer der polnischen Emigranten in Berlin – schließlich war die NRZ leidenschaftliche Unterstützerin der Unabhängigkeit und Revolution Polens. Doch der größte Beitrag kam von Marx, der sein bürgerliches Leben hinter sich ließ und fast sein gesamtes Vermögen in die Zeitung steckte. So konnte die Zeitung für ein ganzes Jahr erscheinen, bevor sie der preußischen Zensur zum Opfer fiel und die meisten Mitarbeiter verfolgt wurden.
Die Geschichte der Zeitung zeigt auch, wie eng sie mit der Arbeiterbewegung und den historischen Ereignissen verknüpft war. Dazu schrieb Engels:
„…Mit fast gar keinen Geldmitteln angefangen – die wenigen ihr zugesicherten entgingen ihr, wie gesagt, bald –, brachte sie es schon im September auf eine Auflage von fast 5000. Der Belagerungszustand von Köln suspendierte sie; Mitte Oktober mußte sie wieder von vorne anfangen. Aber im Mai 1849 bei ihrer Unterdrückung stand sie schon wieder auf 6000 Abonnenten… Keine deutsche Zeitung, weder vorher noch nachher, hat je die Macht und den Einfluß besessen, hat es verstanden, so die proletarischen Massen zu elektrisieren wie die »Neue Rheinische«.“
Marx ’ Beitrag – politisch wie finanziell – war also absolut notwendig, damit die noch junge Arbeiterklasse mit eigener Stimme zu sprechen lernte. Im weiteren Verlauf lebte Marx bekanntermaßen in bitterer Armut und opferte seine eigene Gesundheit, um die Analyse des Kapitalismus zu vertiefen und am Aufbau der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) mitzuwirken. Währenddessen musste Engels nach der 1848er Revolution schweren Herzens nach Manchester übersiedeln, um in der Fabrik seines Vaters zu arbeiten und dem „hündischen Kommerz“ (O-Ton Engels) zu dienen – für die Finanzierung seiner und vor allem Marxs politischen Arbeit.
Beide leisteten einen unverzichtbaren Beitrag, um den Kampf der Arbeiterklasse auf eine feste Grundlage zu stellen.
(Funke Nr. 242/24.03.2026)