8. März: Ruf nach der Revolution!


Das Schlimmste, das man sich als Frau oder Mädchen vorstellen kann, wird durch die Teilveröffentlichung der Epstein-Files ins Bewusstsein gerufen. Hier sind nur die widerwärtigsten Beispiele für systematische Gewalt an und Unterdrückung von Frauen dokumentiert. Die Kampfbereitschaft von jungen Mädchen und Frauen ist weltweit groß, wie alljährliche Demos beweisen. Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir uns organisieren und brauchen ein Programm. Wir sagen: Zurück zur revolutionären Tradition des 8. März! Von Mio Purgathofer
Der internationale Kampftag der Arbeiterinnen wird auf Initiative von Clara Zetkin seit 1911 begangen, von der Kommunistischen Internationale wurde 1921 der 8. März als Tag festgelegt. Ziel der Initiative war die Frauenfrage in der Arbeiterbewegung zu stärken. Gleichzeitig achteten die Genossinnen darauf, die programmatische Trennung zwischen der bürgerlichen Frauenbewegung (dem Feminismus) und der proletarischen Frauenbefreiung klarzustellen. Die Feministinnen kämpften stets für ihre spezifischen Rechte der Frau der privilegierten Klasse und Schichten. Die Forderungen nach Mutterschutz, und Krippen lehnten sie aus ihrer Klassenperspektive ab, denn dies schmälerte den Profit. So z.B. 1908 auf der Gesamtrussischen Frauenkonferenz. Eine Resolution für Arbeitsrecht von Frauen wurde von den bürgerlichen Frauen abgelehnt. Die Kommunistinnen brachten daraufhin auch den Antrag auf allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen ein, der auch abgelehnt wurde. Die Feministinnen wollten Frauenwahlrecht, das an Privateigentum gebunden ist. Daraufhin sind die revolutionären Frauen hinausgegangen. Kommunistinnen unterstütz(t)en den Kampf um volle demokratische Gleichstellung, aber ihr Programm beschränkt sich nicht auf Gleichberechtigung innerhalb der Ausbeuterklasse. Im Gegenteil, sie kämpfen für wirkliche Frauenbefreiung durch die Abschaffung der Lohnsklaverei.
Selbst wenn Frauen alle demokratischen Rechte haben und als Arbeiterinnen vollständig in den Arbeitsmarkt integriert sind, befreit sie das nicht aus dem Gefängnis der bürgerlichen Familie, in der sie notwendige gesellschaftliche Arbeit kostenlos entrichten. Wir dürfen daher nicht die Illusion haben, dass die Machtübernahme der Arbeiterklasse Sexismus und Frauenunterdrückung von allein beseitigt. Die Unterdrückung der Frau in der Klassengesellschaft ist auch Teil der Gewohnheit, der Fremd- und Selbstsicht geworden. Aber die materiellen Bedingungen, die Frauenunterdrückung vollständig zu beseitigen, werden erst mit dem Sturz des Kapitalismus geschaffen. Daher: Wir müssen für unsere Rechte kämpfen, an jedem Abschnitt unseres Weges.
Der Feminismus geht davon aus, dass der Kampf für die Frauenbefreiung, der Kampf von Frauen gegen Männer ist. Für Kommunistinnen war der 8. März aber immer der Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter: „Wir begehen ihn [den 8. März] aber gerade in unserer jetzigen Situation nicht als Festtag, sondern als Kampftag, als Tag der Sammlung und der Entschlossenheit. Die bürgerliche Gesellschaft hat die Gleichberechtigung der Frau niemals freiwillig gewährt; sie ist vielmehr in jedem Lande durch den Kampf der Arbeiterklasse, durch den Kampf der proletarischen Frauen selbst errungen worden“ (Aufruf zum 8. März aus der Roten Fahne 1922). Die russische Revolution ist das inspirierendste Beispiel für die kommunistische Tradition des Frauenkampftags.
Am 8. März 1917 traten die Textilarbeiterinnen Petrograds in den Streik, um den Frauenkampftag zu begehen, gegen den Weltkrieg und für Brot. Das war der Startschuss der Russischen Revolution, die im Oktober siegreich den Kapitalismus stürzen würde. Sie gingen durch die Straßen, warfen Steine und Schneebälle an Fabriksgebäude und forderten die Arbeiter auf, auch in den Kampf zu ziehen. 75.000 waren an diesem Tag auf der Straße, am 9. März waren es schon 400.000. In nicht einmal einer Woche war das Zarenregime gestürzt. Die Bewegung breitete sich in ganz Russland aus. Überall wurden Räte gegründet, in den Fabriken, Wohnvierteln und selbst spontan, etwa in Reisegemeinschaften. Selbstverständlich übten Frauen hier jedes Recht aus: Rede- und Wahlrecht – lange bevor irgendein Parlament es ihnen erlaubt hätte.
Frauen sind in sozialen Bewegungen oft die Radikalsten. Wegen der Mehrfachbelastung als Arbeiterinnen, Mütter, Ehefrauen und Töchter sind sie aber unter normalen Verhältnissen typischerweise schlechter organisiert als Männer, sie haben keine Zeit und Muße für halbe Sachen! Die Bolschewiki hatten daher schon immer versucht Frauen durch Propaganda unter Arbeiterinnen gezielt in die Parteiarbeit zu integrieren und gleichzeitig die Frauenfrage im Programm und im Bewusstsein aller Mitglieder zu verankern.
Mit der Machtübernahme der Räte wurden schnell alle rechtlichen Forderungen erfüllt: volle rechtliche Gleichstellung, Zivile Ehe und (unverschuldete) Scheidung, Abtreibung (straffrei und kostenfrei), Sexualität wurde Privatsache mit Ausnahme von Sexualvergehen, Mutterschutz, bezahlte Karenz, allgemeines Frauenwahlrecht, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, keine Diskriminierung unehelicher Kinder…
Aber die wichtigsten Fortschritte passieren nicht auf der rechtlichen Ebene, sondern durch die Mobilisierung der Arbeiterinnen. Während moderne Feministinnen für eine faire Aufteilung der Hausarbeit oder sogar für einen Hausarbeitslohn argumentieren, hatten die Bolschewiki einen ganz anderen Ansatz. Die Einführung des 8-Stunden-Tags ermöglichte vielen Frauen zum ersten Mal, am öffentlichen und politischen Leben teilzunehmen.
Es geht aber nicht darum, die Doppelbelastung von Arbeiterinnen den Arbeitern zu übergeben, sondern die materiellen Funktionen der Familie zu eliminieren: Die Hausarbeit muss vergesellschaftet werden, durch öffentliche Kinderbetreuung, Gemeinschaftsküchen, Waschsalons, Wohngemeinschaften usw. Nur so kann aus einem Zweckbündnis zur Kindererziehung und Versorgung eine freie Partnerschaft werden. Die revolutionären Frauen organisierten selbstständig gemeinsame Krippen oder Kindergärten und Kantinen.
Weil Russland aber ein enorm armes Land war, blieben viele dieser Reformen vorerst Stückwerk, aber diese Initiativen erfuhren volle politische Unterstützung durch den Arbeiterstaat. Dies änderte sich erst, als mit der politischen Konterrevolution der Stalinisten das konservative Familienbild wieder angeschoben wurde, ein vollständiges Zurückrollen der Frauenbefreiung war aber nicht mehr möglich.
Der Kampf gegen Sexismus wurde im revolutionären Russland vom Zhenotdel organisiert, eine eigene Abteilung für Frauenbefreiung in der bolschewistischen Partei. Als „moralischer Rammbock“ (ein Begriff der von Leo Trotzki geprägt wurde) gingen die Zhenotdel-Frauen in die ländlichen Regionen und ermutigten die Bäuerinnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie organisierten Kampagnen gegen den Analphabetismus und unterdrückende religiöse Normen und lehrten das Lesen gleich mit kommunistischer Literatur. Frauen wurden über ihre neuen Rechte gebildet, aber sie wurden vor allem inspiriert, diese selbst durchzusetzen. Gewappnet mit der marxistischen Theorie gingen sie zurück in die Fabrik und verlangten sichere Arbeitsbedingungen, Mutterschutz und ein Ende der Belästigung. Viele Frauen am Land entschieden sich, ihre Ehemänner zu verlassen und in die Stadt zu ziehen, ins öffentliche Leben zu treten. Die Zhenotdel-Bewegung war eine zweite Revolution, die nach der Machtübernahme der Arbeiterklasse die Gleichberechtigung der Geschlechter vorantrieb.
Das sind die Traditionen des 8. März, die wir auch heute gegen die Institutionalisierung und Kommerzialisierung dieses Tages verteidigen.
Der Klassenkampf ist weltweit auf dem Vormarsch und auch in Österreich wird es eine Gen-Z-Revolution geben. Wir nehmen die Sache selbst in die Hand und organisieren uns, um selbst für unsere Befreiung zu kämpfen! Her mit dem ganzen Leben – rein in die RKP!
(Funke Nr. 241/19.02.2026)