Revolution gegen die Epstein-Klasse! (Funke Nr. 241)


Die Epstein-Files sorgen weltweit für Entsetzen. Sie zeigen die völlige Verkommenheit des Kapitalismus und seiner herrschenden Klasse. Von Felix Bernfeld
Jeden Tag findet man in den drei Millionen Dokumenten (das sind noch nicht einmal alle) neue Hinweise auf Gewalt- und Sexualverbrechen, Kindesmissbrauch, Menschenhandel und andere Widerwärtigkeiten, die im weitläufigen Netzwerk rund um Jeffrey Epstein begangen wurden.
In diesem Netzwerk finden wir eine repräsentative Auswahl des bürgerlichen Who’s Who: US-Präsidenten (Donald Trump, Bill Clinton) und deren enge Mitarbeiter (Steve Bannon, Larry Summers), milliardenschwere Unternehmer (Bill Gates, Peter Thiel, Richard Branson, Leon Black), Adelige ((Ex-)Prinz Andrew, Prinzessin Mette-Marit), internationale Spitzenpolitiker (Ehud Barak, Peter Mandelson), Intellektuelle (Noam Chomsky) usw. usf.
Epstein organisierte dabei nicht nur den „Lolita-Express“, das Flugzeug in dem hunderte Mädchen wie Einrichtungsgegenstände rund um die ganze Welt verfrachtet wurden, sondern war auch Dreh- und Angelpunkt für lukrative Absprachen und Deals. Ein Beispiel: Eine Schweizer Bank wandte sich in einem Konflikt mit dem US-Justizministerium 2015 an Epstein und schloss mit ihm einen „Beratervertrag“ über 25 Millionen USD ab. Epstein erreichte, dass die Bank mit einer Strafzahlung von 45,245 Millionen USD davonkam, während andere Banken in ähnlichen Fällen deutlich höhere Strafen (bis zu 547 Millionen USD) zahlen mussten. Wir können davon ausgehen, dass Epsteins Kontakte in Hochfinanz und Staatsapparat dabei eine sehr nützliche Rolle gespielt haben.
Epstein nutzte seine guten Connections für unzählige „Beratungen“ dieser Art und erfüllte damit eine nützliche Rolle für große und kleine Kapitalisten, auch für solche, die nicht auf der berüchtigten Insel oder den New Yorker Anwesen waren, sondern „nur“ finanziell profitierten und dabei wohlwollend über seine anderen Machenschaften hinweggesehen haben – von denen heute niemand etwas gewusst haben will. Kapitalisten, die ihr Netzwerk erweitern wollten, haben dafür bei Epstein angedockt, wie etwa die verzweifelten Annäherungsversuche von Elon Musk zeigen. Ein Licht wird auch auf die vermeintlich feindlich gegenüberstehenden Lager der US-Politiklandschaft geworfen: Die Differenzen zwischen Republikanern und Demokraten, bis hin zum „linken“ Professor Noam Chomsky, schienen sich in Luft aufzulösen, wenn sie alle bei Epstein zusammentrafen.
Das ist der Grund, wieso die herrschende Klasse die ganze Sache unter den Tisch kehren will. Nicht jeder Bürgerliche ist ein pädophiler Triebtäter, aber die Bourgeoisie als Klasse ist stets bereit, jedes Verbrechen zu entschuldigen (oder selber zu begehen), solange es nur den Profiten dient.
Kapitalisten, die diesem Grundsatz nicht folgen, haben einen Nachteil gegenüber jenen, die nicht von Skrupeln geplagt sind. Die herrschende Klasse besteht aus Spekulanten und Investoren, die willig in verunreinigte Babynahrung wie in Aufrüstung investieren, Kriege anzetteln, Umweltauflagen verletzen oder Sparpakete beschließen, wohlwissend, dass all das den Tod für Tausende Menschen bedeuten wird. Das Gefühl von Allmächtigkeit mischt sich mit dem Wissen, nahezu straflos mit jedem Verbrechen durchzukommen, was den moralischen Bankrott auf historische Höhen treibt. Bis heute gibt es keine Verurteilungen bis auf Epstein und seine Komplizin Maxwell. Diese Leute wissen, dass sich im Kapitalismus alles auf Waren reduziert – warum also nicht auch Frauen und Kinder?
Der obszöne Reichtum der herrschenden Klasse beeinflusst nicht nur ihre eigene Psychologie, sondern auch die der Arbeiterklasse. Das reichste 1% besitzt heute mehr Reichtum als 95% der Menschheit, während fast 60% aller Menschen sich Sorgen über möglichen Jobverlust oder Arbeitslosigkeit machen. Weite Teile der Gesellschaft sind wütend über diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, was „immer ein sicheres Zeichen [ist], dass in den wirtschaftlichen Grundlagen der Gesellschaft weitgehende Verschiebungen Platz gegriffen haben, dass bestehende Zustände bereits mit dem Fortschritt der Entwicklung in Widerspruch geraten sind.“ (Engels)
Vergangene Skandale haben dazu geführt, dass das Individuum im Fokus stand und die Frage, wie böse ein Mensch sein kann. Doch der Epstein-Skandal führt dazu, dass das System insgesamt in Frage gestellt wird. Erinnern wir uns daran, dass diese Akten seit Jahren vorliegen und Demokraten wie Republikaner sich wechselseitig die Verschleierung der Wahrheit vorgeworfen haben, bis Trump sie unter massivem Druck herausgegeben hat (nicht ohne davor noch die Namen von zahlreichen Tätern zu schwärzen).
Sie verdeutlichen, dass das kapitalistische System unfähig ist, die verwundbarsten Schichten der Bevölkerung zu schützen. Auch in Österreich kamen (unabhängig von Epstein) Missbrauchs-Skandale bei den SOS-Kinderdörfern ans Tageslicht. Ein Großspender hat die Möglichkeit erhalten, mehrere Nächte in einem SOS-Kinderdorf in Nepal zu verbringen, um dort Kinder zu missbrauchen. Ein System gestützt auf Superreiche, die nahezu mit Straflosigkeit durch die Welt gehen und sich alles kaufen können, provoziert genau sowas.
Dass sich das Vertrauen in die bürgerlichen Institutionen wie Polizei, Gerichte, Parlamente in Luft auflöst, ist notwendige Voraussetzung für die Revolution. Als letzter Rettungsring der Herrschenden wird eine russische Verschwörung gegen den Westen gewittert. Die „linke“ taz oder der Standard berichten etwa, dass das Herankarren von tausenden Mädchen und Frauen eine Falle gewesen sein könnte, die Epstein in Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst vornahm, um westliche Politiker zu erpressen (gut dokumentierte Verbindungen zum israelischen Staat werden hingegen unter den Teppich gekehrt). Doch um einen Club an hedonistischen Pädophilen in die Elite des Westens zu spülen, braucht es keine Einmischung von Russland. Dafür sorgt die soziale Selektion innerhalb der 1 % ganz von selbst. Genauso wenig braucht es antisemitische Verschwörungserzählungen, um sich diese Verbrechen zu erklären. Die Epstein-Klasse ist die herrschende Klasse – egal welcher Religion, Herkunft oder Partei –, die ihresgleichen immer schützen wird. Bis sie von der Arbeiterklasse gestürzt wird.
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