Der folgende Leserbrief über die Ausnützung der Kurzarbeit zulasten der ArbeiterInnen bei der Magna erreichte uns.

 

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Während über 50.000 Menschen in der Steiermark aufgrund der durch Corona ausgelösten Krise keine Arbeit und dadurch finanzielle Probleme haben, werden im Werk Magna Powertrain in Lannach ArbeiterInnen gezwungen, für Kurzarbeitentlohnung Vollzeit in der Getriebemontage (für Audi) zu arbeiten!

Ich selbst arbeite seit Jahren in der Produktion bei Magna und war mit meiner Arbeit und meinem Arbeitgeber immer vollauf zufrieden. Es gab faire Bezahlung für faire Arbeitsleistung. Doch seit der „Corona-Krise“ hat sich das grundlegend geändert. Seit Monaten hat das Werk Lannach Kurzarbeit angemeldet. Das bedeutet (offiziell), wir arbeiten nur 60% also 3 statt 5 Tage die Woche und bekommen, je nach Einkommen, im Normalfall 80% unseres Nettolohns ausbezahlt. So weit, so gut!

Seit einigen Wochen jedoch hat die Firma damit angefangen, ArbeiterInnen aus ihren alten Abteilungen wegzuholen und der Audi-Getriebemontage zuzuteilen, da dort eine hohe Nachfrage besteht. Auch das ist soweit sehr gut. Allerdings wurden wir zum größten Teil nicht freiwillig dahin versetzt und statt die 3 Tage die Woche, wie es bei der Kurzarbeit ja sein sollte, müssen wir teilweise mindestens 5 Tage die Woche dort arbeiten!

Für dieselbe Kurzarbeitsentlohnung (80%) wie andere Mitarbeiter aus anderen Abteilungen die nur 3 Tage die Woche arbeiten! Die Mehrarbeit pro Woche wird nur in (finanziell) wertlosem Zeitausgleich abgegolten, den wir nicht einmal dann nehmen dürfen wann wir ihn bräuchten! Würden wir uns dem verweigern, so wurde uns wortwörtlich mitgeteilt: Zitat: „80% Geld mit Arbeit ist immer noch besser als 50% Geld ohne Arbeit!“ Zitat Ende!

Das ist eine klare Kündigungsandrohung, wenn wir nicht Vollzeit für Kurzarbeiterlohn arbeiten würden! (Also indirekte Erpressung!)

  1. die Firma Magna Powertrain Lannach bezieht Staatshilfen für Kurzarbeit
  2. lässt ArbeiterInnen „zwangsweise“, trotzdem Vollzeit (5 Tage die Woche) arbeiten
  3. bezahlt dafür nur Kurzarbeiterlohn und
  4. wer das nicht mitmachen will muss mit Entlassung rechnen!!!

Der Betriebsrat hat bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts dagegen unternommen. Ich frage mich deshalb, warum gibt es überhaupt einen Betriebsrat?

So nutzt das Unternehmen die aufgrund der „Corona-Krise“ entstandene wirtschaftliche Lage gleich dreifach um finanziellen Vorteil daraus zu ziehen:

  1. den „normalen“ Profit, der durch die Produktion für Audi entsteht,
  2. die staatlichen Zuschüsse, die die Firma bekommt und
  3. die Minderbezahlung der Arbeitskräfte (die faktisch Vollzeit arbeiten müssen, aber nur 80% finanziell dafür bekommen).

Die einzige Möglichkeit, die den MitarbeiterInnen noch angeboten wird um ihre finanzielle Situation zu verbessern ist es, zu den 5 Tagen die Woche, auch noch am Wochenende und feiertags zusätzlich („freiwillig“) Überstunden zu machen. Das ist meiner Meinung nach bereits Ausbeutung! Als BürgerIn dieses Landes ist es mir unverständlich, wie solche Geschäftspraktiken legal sein können. Denn während Zehntausende in der Steiermark gerne arbeiten wollen würden, werden andere dazu gezwungen „unterbezahlt“ mehr zu arbeiten, als sie wollen. Ist das gerecht?

Ein/e ZwangsarbeiterIn

(Erschienen in Funke Nr. 185/1.7.2020)

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