Ein Bericht von aktuellen Entwicklungen in den Kämpfen besetzter Fabriken in Argentinien und Venezuela.

In den letzten Wochen spitzte sich der Kampf der Bewegung der besetzten Betriebe in Argentinien und Venezuela zu. In den letzten Monaten sahen wir einen neuerlichen Aufschwung dieser Bewegung. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass die herrschende Klasse diese Bewegung enthaupten will, damit erfolgreiche Beispiele von Betriebsbesetzungen und ArbeiterInnenkontrolle nicht Schule machen können.

IMPA (Argentinien)

Am 10. August trat die Belegschaft der IMPA (Industria Metalúrgica y Plástica de Argentina) in Buenos Aires zusammen und fasste den Beschluss gegen den richterlichen Räumungsbescheid Widerstand zu leisten. Die IMPA wurde zu einem der Symbole der Bewegung der besetzten Betriebe in Argentinien und ist Teil der “Nationalen Bewegung der besetzten Fabriken“ (MNER).
Gegenwärtig arbeiten 63 KollegInnen in der IMPA, außerdem beherbergt das Werk 150 TeilnehmerInnen einer Erwachsenbildungseinrichtung, eine Klinik, die BewohnerInnen des umliegenden Stadtviertels Almagro eine kostenlose Gesundheitsversorgung garantiert sowie ein Kulturzentrum, das von Hunderten Jugendlichen frequentiert wird. Die IMPA ist nicht “nur eine besetzte Fabrik unter ArbeiterInnenkontrolle, die IMPA ist ein von der Bevölkerung wieder instandgesetzter Freiraum, die IMPA ist für uns wie unser Land”, wie die ArbeiterInnen sagen.
Mit mehreren erfolgreichen Mobilisierungen konnte nun so viel Druck aufgebaut werden, dass der Räumungsbescheid wieder aufgehoben wurde. Die staatliche Banco Nacion hat Zusagen über eine weitere finanzielle Unterstützung für die Genossenschaft gegeben. Eduardo Murua, einer der Führer der IMPA-Belegschaft, möchte sich auf diesem Weg bei allen GenossInnen der IMT und allen, die unsere Solidaritätskampagne unterstützt haben, bedanken.

Zanon (Argentinien)

Einen wichtigen Erfolg feierten dafür die ArbeiterInnen der seit acht Jahren besetzen Keramikfabrik Zanon in Neuquén. Die Belegschaft bekam die Fabrik per Gesetz übertragen und wird nun offiziell den Namen FaSiPat (Fábrica Sin Patrones) tragen. Ihr Kampf war ein Ergebnis des Widerstands gegen den Versuch durch Massenentlassungen die Wirtschaftskrise von 2001 auf die ArbeiterInnen abzuwälzen. Seit dem Beginn der Betriebsbesetzung konnte die Belegschaft die Produktion erfolgreich weiterführen und 400 neue Jobs schaffen.

Einen ausführlichen Bericht gibt es hier

Mitsubishi (Venezuela)

Die Belegschaft des Mitsubishi-Werks MMC in Barcelona (Venezuela) steht nun am Beginn eines solchen Kampfes. Der japanische Multi hat vor einigen Wochen die Werkschließung bekannt gegeben. Der Grund: die Krise der Autoindustrie und die starke Gewerkschaft der ArbeiterInnen bei MMC, die den Bossen ein Dorn im Auge ist. Schon im Jänner dieses Jahres hielten die ArbeiterInnen 60 Tage lang das Werk besetzt und protestierten damit gegen die Entlassung von LeiharbeiterInnen. Die von MarxistInnen geführte Gewerkschaft bei MMC hat nun die Besetzung des Betriebes beschlossen und wird mit allen Mitteln für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen. Unterstützung erhielt sie vom Arbeitsministerium, das die Schließung verurteilte. Die GenossInnen der CMR haben vor allem an die anderen Gewerkschaften in der Region und an die Basis der PSUV appelliert, den Kampf der Mitsubishi-ArbeiterInnen aktiv zu unterstützen. Das Ziel ist die Verstaatlichung der Fabrik unter ArbeiterInnenkontrolle. Dieser Arbeitskampf ist von größter Bedeutung für die gesamte ArbeiterInnenbewegung in Venezuela.

Am 7. September kam die Nachricht, dass Mitsubishi die Schließung wieder zurücknimmt und die Produktion weiterführen wird. Dem war am 28. August eine Massenversammlung von 750 GewerkschafterInnen, BauernaktivistInnen, StudentInnen und PSUV-AktivistInnen vorangegangen. Dort wurde die Gründung einer "Sozialistischen Kommune" beschlossen. Dieser Etappenerfolg ist jedenfalls eine wichtige Bestätigung für die Methoden der MarxistInnen in der venezolanischen Gewerkschaftsbewegung und der PSUV.

Einen genaueren Bericht gibt es hier

„Der Funke“ wird die besetzten Betriebe in Lateinamerika auch weiterhin mit voller Kraft unterstützen. In unserer nächsten Ausgabe werden wir ausführlich über diese Kämpfe berichten.




Unsere Arbeit kostet Geld. Dabei sind wir exklusiv auf die Unterstützung unserer LeserInnen und UnterstützerInnen angewiesen. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, zögere nicht und lass uns deine Solidarität spüren. Ob groß oder klein, jeder Betrag hilft und wird wertgeschätzt.

Der Funke
IBAN: AT48 1513 3009 5102 5576
BIC: OBKLAT2L