Ein Viertel der weltweit 39.000 Arbeiter und Arbeiterinnen wollen die Traton-Manager (MAN, Scania, VW) ihrer Profitgier opfern, darunter alle 2.400 Beschäftigten am Standort Steyr. Das wird nicht passieren.

 

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500 Mio. € Dividenden schüttet die MAN-Mutter Traton am 23. September 2020 an ihre Aktionäre aus. Dutzende Millionen davon landen in den Privatstiftungen der Familien Porsche und Piëch. Dieser Industrieadel kontrolliert die Mehrheit des VW-Konzerns, die Ausbeutung der Arbeitskraft ihrer Beschäftigten machte sie zu den reichsten Familien Österreichs. Allein die Piëch-Familienstiftung ist 37 Mrd. € schwer.

Eine Woche später, am 30. September kündigen die Manager den Standortvertrag mit dem Betriebsrat und verkünden die kommende Schließung des Werkes. Für uns liegt der Fall klar: Wenn diese Blutsauger hier nicht mehr wollen, dann sollen sie abziehen. Das Werk aber, alle Maschinen, die Technologie, das Know-How und alle Beschäftigten bleiben in Steyr.

Es geht unmittelbar um 2.400 Beschäftigte, um noch einmal so viel Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie, sowie in der lokalen Dienstleistungsbranche von der Friseurin bis zum Wirten, die in Zukunft keine Kundschaft mehr haben werden. Es macht auch den Unterschied aus, ob man als Kind eines Facharbeiters oder eines Arbeitslosen aufwächst. Ob man ein Haus abzahlen kann, oder nicht. Kurz: es geht um das Schicksal von zehntausenden Menschen in der Region Steyr.

In Erwägung dieser Fragen schlagen wir einen Kampfplan vor, der die Verstaatlichung des Werkes und die Arbeiterkontrolle über das Werk anstrebt. Die bisherigen Eigentümer sollen dabei entschädigt werden, wobei ihnen alle öffentlichen Subventionen und die Extra-Profite, die den Beschäftigten im nunmehr gekündigten Standortvertrag abverlangt wurden, in Abzug gebracht werden. Seit Jahren schinden sich die Steyr-Beschäftigten täglich einen extra-LKW ab, doch das war diesen Herren und Damen nicht genug. Jetzt stellen wir die Gegenrechnung: Das MAN-Werk soll zu einem Kompetenzzentrum für alternative Antriebstechnik ausgebaut werden. Andere Firmen im Technologiebereich, die aktuell ums Überleben kämpfen, sollen in weiterer Folge in diesen staatlichen Leitbetrieb mit Arbeiterkontrolle eingeordnet werden. In Zukunft heißt es: Schließung bedeutet Steyrisierung – der Massenentlassungsterror muss aufhören!

2020 man solifoto

Dieser Arbeitskampf wird lang und hart, und daher schlagen wir vor:

  • Solidaritätskomitees in Steyr und der ganzen Region, die an Schulen, Plätzen, vor anderen Betrieben, Sportplätzen, Konzerten … Solidarität organisieren.
  • Die Bildung von gewerkschaftlichen Aktivgruppen im Werk. Es gilt, die Moral im Werk zu stärken und sich so dicht hinter den Betriebsrat zu stellen, sodass dieser nicht schwach wird angesichts der Drohungen, Erpressungen und Verlockungen der Manager. Der VW-Konzern spielt alle Lieder.
  • Die Bildung eines Koordinationsausschusses der Betriebsratskörperschaften von MAN, SKF und BMW, als ersten Schritt um die gesamte organisierte Arbeiterbewegung in diesen Arbeitskampf einzubeziehen.
  • PROGE und GPA-djp sollen in ihren Strukturen und Medien bundesweit und international ständig über die Anstrengungen der MAN-ArbeiterInnen und aller von Massenentlassungen betroffenen Betriebe berichten und eine österreichweite Generalstreik-Bewegung gegen Schließungen und Massenentlassungen vorbereiten.

Ausdrücklich warnen wir vor bereits in der Praxis gescheiterten Ideen und Strategien (siehe ATB in Spielberg). Das wichtigste Ablenkungsmanöver ist das Schüren der Hoffnung, dass neue Investoren einsteigen. Dies hat zuletzt Wirtschaftsministerin Schramböck angedeutet. Klar, selbst in dieser tiefen Krise wird es Superreiche Risikoinvestoren geben, die die Notsituation der hochqualifizierten ArbeiterInnen in Steyr ausnützen würden, um mit einer Rest-Belegschaft unter noch härten Bedingungen noch ein paar Millionen rauszupressen. Das ist in unseren Augen kein akzeptabler „Kompromiss“, sondern höchstens das Ergebnis einer Niederlage, die es jedoch gerade eben abzuwenden gilt.

Eine zweite falsche Hoffnung ist, dass die Gerichte den „Standortvertrag“ als gültig erklären und MAN zwingen, weiter bis 2030 in Steyr zu produzieren. Sicher haben die ArbeiterInnen Recht, aber kein Gericht wird ihnen dieses Recht zusprechen.

Das Recht als ArbeiterInnen, ein menschenwürdiges Leben zu führen, hat sich unsere Bewegung erkämpft, gerade auch in Steyr mit seiner stolzen Tradition des Widerstands gegen Faschismus und Kapital.

Lasst uns ein neues Kapitel aufschlagen!

Wenn du diesen Ideen zustimmst und an Schule, Gewerkschaft oder Betrieb mithelfen möchtest, den Sieg der MAN Belegschaft sicherzustellen melde dich bei uns:

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