Wehrpflicht-Streik


Die deutsche Jugend kämpft gegen die Militarisierung, die österreichische gegen das rassistische Kopftuchverbot. Beide haben denselben Gegner. Von Matthias Monschein
Der deutsche Kapitalismus braucht Aufrüstung zur Untermauerung seiner wirtschaftlichen Dominanz in Europa und dafür harte Kürzungen für die Arbeiterklasse. Aber in drei Landeswahlen wurde die Kanzlerpartei CDU in den letzten Wochen dezimiert: Sachsen-Anhalt (-19,9%), Mecklenburg-Vorpommern (nun nicht mehr im Landtag) und Berlin (-9,4%).
„Mit 70 noch schwer arbeiten und dann in den Sarg rein? Das will der Merz!“, so eine Frau am CDU-Wahlstand, repräsentativ für die gesamte Arbeiterklasse. Merz will kein Handgriff richtig gelingen und er wird immer verhasster. Einst prestigeträchtige Posten wie CDU-Vorsitz und Kanzleramt werden von den Medien nun als „Himmelfahrtskommando“ bezeichnet.
Je schneller der politische Boden unter den Füßen schwindet, desto mehr sputet man sich, im Mangel eines anderen Auswegs, den Klassenkampf von oben zu beschleunigen. „Genau deswegen können wir diese Entscheidungen jetzt nicht aufschieben. Die Reformen müssen kommen“, so Merz nach den Wahldebakeln. Auch bei der Wehrpflicht beschleunigt die Regierung den Takt: Hat die Regierung ursprünglich die Einführung der verpflichtenden Musterung für den Juli 2027 verkündet, wurden bereits Tausende Jugendliche – selbst jene, die den Wehrdienst dezidiert ablehnen – dazu vorgeladen.
In diesem politischen Klima gingen die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht am 25. September mit über 45.000 kämpferischen Schülern in die vierte Runde.
Die Bewegung hat das Potenzial, die Arbeiterklasse mitzureißen. Dass diese nach einem Ausweg aus den permanenten Angriffen auf ihr Leben sucht, drückt sich in riesigen Gewerkschaftsprotesten und erwähnten Wahlergebnissen aus – verzerrt im rasanten Anstieg der „Anti-Establishment“-AfD – oder in Berlin, wo Die Linke die Enteignung von Immobilienkonzernen versprach, ihre Stimmen verdoppelte und die Wahl gewann.
Die Streikkomitees, in denen sich die Schüler selbst organisieren, sind das Werkzeug, um die Bewegung auszuweiten. Sie können genutzt werden, um gesamte Schulen um diesen Kern der kämpferischsten Schüler herum zu mobilisieren, aber auch, um mit Schülertrupps auf die Arbeiter zuzugehen, um mit geeinten Kräften und der Methode des Klassenkampfs gegen die Regierung der Krisenverwalter des Kapitalismus anzukämpfen.
Schlussendlich muss der Kampf gegen den Kapitalismus und seine Krisen auch über die Grenzen Deutschlands hinausgehen, um erfolgreich zu sein. Besonders inspirierend ist deshalb, wie sich das Streikkomitee Ingolstadt mit den Schülern Österreichs, die ihren Streik gegen das Kopftuchverbot vorbereiten, solidarisierte.
Wir und unsere Klassengeschwister in Deutschland haben unterschiedliche konkrete Anlässe zu kämpfen, doch denselben Gegner: den Kapitalismus, der uns keine Zukunft bietet außer Kriegen, Krisen und Hetze.
(Funke Nr. 247/01.10.2026)