Lehrer: Gewerkschaft auf Tauchstation


Das österreichische Schulwesen hat schon bessere Tage erlebt – sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Während die Regierung mit der rassistischen Zwangsmaßnahme des Kopftuchverbots die tatsächlichen Probleme an Schulen und in der Gesellschaft übertünchen will, formiert sich unter den Schülern Widerstand. Von Tobias Wiesinger, Lehrer & RKP-Mitglied
Ein Schulstreik, der sich gegen Diskriminierung ausspricht und tatsächliche Verbesserungen im Bildungssystem fordert, verdient die Unterstützung aller Lehrkräfte. Umso mehr, weil von verschiedenen Seiten versucht wird, den Streik zu kriminalisieren und Jugendliche einzuschüchtern.
So versuchte etwa in Graz ein Direktor, Aktivisten wegzuschicken, die vor der Schule Flyer verteilten. Begründet wurde dies mit dem Verbot parteipolitischer Werbung in Schulen. Die Bildungsdirektion Steiermark setzte nach und erklärte die Teilnahme am Schulstreik zum unentschuldigten Fernbleiben vom Unterricht.
An vielen Schulen gibt es nicht nur unter Schülern, sondern auch unter Lehrpersonen eine klare Ablehnung des Kopftuchverbots. Berichten zufolge wird es an manchen Schulen sogar kollektiv nicht umgesetzt. Anstatt diese Stimmung aufzugreifen, geht die Gewerkschaft jedoch auf Tauchstation.
Das Gesetz stellt nicht nur eine Diskriminierung und einen Eingriff in demokratische Grundrechte dar. Ein ähnliches Vorhaben wurde bereits 2020 vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Es widerspricht auch den Grundsätzen pädagogischer Arbeit. Kleidervorschriften durchsetzen zu müssen, degradiert Lehrkräfte zur Hilfspolizei im Klassenzimmer.
Statt die wirklichen Probleme des Schulalltags zu benennen – steigenden Arbeitsdruck, ausufernde Bürokratie, befristete Verträge, Quereinsteiger und Lehramtsstudierende ohne abgeschlossene Ausbildung oder intransparente Anrechnungen von Vordienstzeiten –, stimmen Gewerkschaftsführer in die Scheindebatte vom vermeintlichen „Problemfaktor Islam“ ein.
Was es braucht, ist eine Trendwende in der Bildungs- und Gewerkschaftspolitik. Während muslimische Mädchen als Sündenbock herhalten sollen, ist die Bundesregierung nicht bereit, die notwendigen Mittel für ein ausfinanziertes Bildungssystem bereitzustellen.
Gleichzeitig helfen die Gewerkschaftsspitzen beim Niedersparen des Schulwesens mit. Das Aufschnüren des Gehaltsabschlusses für öffentlich Bedienstete im vergangenen Herbst, das faktisch einen Reallohnverlust bedeutet, reiht sich in diese Politik ein. All das geschieht – wie beim Kopftuchverbot – ohne tatsächliche Mitsprache der einfachen Gewerkschaftsmitglieder und Bediensteten.
Deshalb fordern wir die Gewerkschaftsführungen auf allen Ebenen – vom Vorsitzenden der GÖD bis zu den Personalvertretern an den Schulen – dazu auf,
(Funke Nr. 247/01.10.2026)