Klassenkampf gegen Militarismus


„Kanonen statt Butter“ tönt es aus allen Parlamenten Europas. Die Schüler Deutschlands zeigen, wie man den Kriegen der Reichen den Krieg erklärt! Von Matthias Monschein
„Helft mit, denn die Zukunft gehört euch“, wandte sich der deutsche Kanzler Merz nach der Wahl 2025 an die Jugend. Was birgt diese Zukunft? Die Aussicht ist ungewiss. Die deutsche Industrie ist von chinesischer Überproduktion bedrängt; ihrem profitabelsten Herrschaftsgebiet, Osteuropa, droht der Druck eines militärisch erstarkten Russlands. All das entzweit die EU, die unmittelbare Machtbasis des deutschen Kapitalismus.
Der Ausweg der deutschen Kapitalisten: ihre wirtschaftliche Dominanz mit der „stärksten konventionellen Armee Europas“ politisch zu untermauern – Rückkehr der (noch freiwilligen) Wehrpflicht, hunderte Milliarden in Aufrüstung, Milliardenkürzungen für die Arbeiterklasse. Für die Jugend eine Zukunft in Uniform. Die Bourgeoisie meint es ernst – es geht um ihre Profite.
Die deutschen Schüler antworteten mit der radikalsten Jugendbewegung seit Jahrzehnten. Zehntausende Schüler streikten landesweit an bisher drei Aktionstagen – mit Kufiyas, unter roten Fahnen und Slogans, die den Klassencharakter der Aufrüstung entblößen: „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft.“ Zuletzt stagnierte die Bewegung aber bei rund 50.000 Teilnehmern – die staatlichen Repressionen spielen eine Rolle, doch auch die Notwendigkeit einer Perspektive.
Eine relevante Kraft in der Schulstreikbewegung ist die SDAJ, Jugendorganisation der DKP. Ihr Verdienst: die Initiative für die Schulstreiks und das Aufstellen oben genannter Slogans – beides kann ihnen die Bourgeoisie nicht verzeihen und so zerreißen sie sie in ihren Medien. Ihre Schwäche: das Fehlen einer richtigen Einschätzung des Militarismus.
Grundlage der Politik ihrer Mutterpartei ist die Theorie der „antimonopolistischen Demokratie“, sprich, man könne im Bund mit Kleinbürgertum und pazifistischen oder gar fortschrittlichen Schichten der Bourgeoisie den bürgerlichen Staat nutzen, um gegen das kriegstreiberische Großkapital vorzugehen. Dahinter verbirgt sich die falsche Idee, es gäbe die Möglichkeit eines friedlichen Kapitalismus, dem man durch Hintanstellen klassenkämpferischer Slogans politisch zum Durchbruch verhelfen könne.
In den Schulstreiks bedeutet es, die Bewegung auf die „Friedensbewegung“ im Abstrakten ausweiten zu wollen, frei nach „Unser Kampf geht alle was an“. Die Opposition zu Kapitalismus und den reformistischen Arbeiterführern, die ihn stützen, wird verwischt, um eine „breite“ Friedensbewegung zu erhalten. Diese Strategie schafft kein Vertrauen unter den Arbeitern, die unruhig sind und schon miterleben, dass Gewerkschaften und Die Linke keinen Kampf für ihre Arbeitsplätze und Bedingungen organisieren. Das volle Ausschöpfen des Potentials von klassenkämpferischem Antimilitarismus wird so behindert.
So öffnet sich in der Bewegung ein Platz für Ideen links der SDAJ, der etwa von Ole Nymoen und Simon David Dreßler, Lesern des GegenStandpunkts, befüllt wird. Sie greifen die Fehler der SDAJ an und meinen, man solle überhaupt keine Forderungen an den Staat stellen – es schüre nur Illusionen. Konstruktive Forderungen wie „Bildung statt Bomben!“ seien prinzipiell überflüssig; Schüler sollten einander nur das Wesen des Staats erklären und mit Verbrennen ihrer Einberufungsschreiben die Bundeswehr zersetzen.
Ole & Simons Vorschlag bedeutet den Versuch, sich dem bürgerlichen Staat individuell zu entziehen, statt ihm den Klassenkampf anzusagen. Abgesehen davon, dass aber mittels Gewalt einberufen werden kann (siehe Kidnappings in der Ukraine), heißt es jedenfalls die Etablierung eines „Armuts-Wehrdienst“ wie in den USA.
Liberale Medien pushen die zwei „Linksfluencer” von Beginn an. Klar, denn sie lehnen jeden kollektiven Kampf ab. Egal, wie scheinradikal man es formuliert, so eine Opposition können sich Kapitalisten nur wünschen.
Die Bewegung auszuweiten, wie es die SDAJ auch will, ist der richtige Instinkt – aber nicht, um abstrakt „mehr” zu sein; sie muss konkret die Arbeiterklasse in den Kampf ziehen, denn mit ihrer Stellung im Produktionsprozess hat sie die Macht, Staat und Kapitalisten ihre Forderungen aufzuzwingen. Dafür ist es aber notwendig, in allen Forderungen klar den Standpunkt der Arbeiterklasse zu vertreten.
Damit ein Kampf außerdem überhaupt entstehen kann, muss er sich den Weg durch die Betondecke des Reformismus bahnen. Die formale Sympathie der Linkspartei und des DGB genügt nicht; die Streikkomitees an den Schulen müssen Schüler zu Betrieben, Streiks, Versammlungen schicken – die Arbeiter politisch gewinnen und so gemeinsam die reformistische Führung der Arbeiterorganisationen durch Druck von unten in den Kampf zwingen.
Hinter den Schulstreiks steht nicht die bloße Ablehnung der Wehrpflicht, sondern Widerstand gegen den Kapitalismus, der keine Zukunft abseits der Militarisierung hat. Die Bewegung kann ein Kristallisationspunkt für die Arbeiterbewegung werden, selbständig für ihre Interessen zu kämpfen – diese Perspektive verteidigt auch die deutsche RKP innerhalb der Bewegung seit Beginn.
Für unser Land kämpfen wir nicht, solange dort nur die Banken und Konzerne herrschen; für unsere Klasse kämpfen wir – so wie die Arbeiterklasse und die Jugend aller Länder. Nur so haben wir Jugendlichen eine Zukunft.
(Funke Nr. 246/03.09.2026)