Neue Broschüre: Widerstand macht Schule


Die Jugend spricht auf der Straße eine eindeutige Sprache: statt patriotischer Fahnen gibt es Palästina- und One-Piece-Flaggen. Bei Fridays for Future wurde die Regierung noch nett gebeten, auf das Interesse der Menschheit zu achten, jetzt ist der Slogan in Deutschland: Merz, leck Eier! Die Jugend weiß: Von unseren Herrschenden können wir uns nichts mehr erwarten und zieht deshalb als erstes in den Kampf. Von Fabian Cisar
Aber um die Zukunft zu erkämpfen, braucht es die Lehren der Vergangenheit.
Dementsprechend widmet sich die neue Broschüre Widerstand macht Schule den Erfahrungen und Lehren vergangener Schul- & Unistreiks. Der Hauptartikel von Alan Woods beschäftigt sich mit dem Schulstreik in Spanien 1986/87 und der Rolle der Marxisten.
Hier sehen wir, wie weit eine erfolgreiche Schülerbewegung gehen kann.
Die Schüler Spaniens zwangen unter kommunistischer Führung die Regierung in die Knie und erkämpften zum ersten Mal gratis Oberstufen und Universitäten – obwohl eigentlich massive Einsparungen geplant waren!
Das läutete eine neue Periode im Klassenkampf ein: Von nun an hat man sich, egal ob am Arbeitsplatz, im Hörsaal oder im Klassenzimmer, gar nichts mehr gefallen lassen!
Der Schulstreik erfasste 3 Millionen im ganzen Land und brachte Hunderttausende auf die Straße. Entscheidend für den Erfolg war der selbstorganisierte Kampf der Schüler und Schülerinnen. In den Schulen gründete die Schülerschaft Komitees, die eine Streikleitung wählten, regelmäßig über den Stand der Bewegung diskutierten und die Mobilisierungen ausweiteten.
Jede Schule wurde so zu einer Streikbastion, die sich regional und national vernetzte und organisierte – in Form der Schülergewerkschaft. Es war unserer Schwesterorganisation, welche in den Komitees und der Gewerkschaft eine führende Rolle spielte. Das konnten sie übrigens vor allem deshalb tun, weil sie wiederum mit den Lehren ihrer vergangenen Kämpfe ausgestattet waren! Das ist die Tradition, in der wir heute stehen.
Außerdem beinhaltet die Broschüre Texte zum Bildungssystem im Kapitalismus sowie eine Artikelreihe über Österreichs kämpferische Bewegungen an Schulen und Unis. Von früheren Generationen an Schülern können wir hier zum Beispiel lernen, wie man praktisch einen Schulstreik organisiert. Von den Schulstreiks 1998, 2006 bis 2013: Das Herzstück der Bewegung waren die Streikkomitees bzw. die Streikkonferenzen. Das ist der Ort, wo alle zusammenfinden, die etwas verändern wollen und gemeinsam als eingeschworenes Team Wege finden, aus passiven Unterstützern aktive Mitkämpfer zu machen und die gleichgültige Mehrheit zumindest in passive Unterstützer zu verwandeln. Wie die Erfahrung zeigt, kann eine kleine Gruppe viel erreichen, es braucht nur die richtigen Ideen! Wer nach Inspiration sucht, der wird hier auf jeden Fall fündig!
Es gibt immer wieder Beispiele, wie Direktionen versuchen, zu verhindern, dass die Schüler am politischen Leben teilnehmen wollen. Das ist in der Geschichte auch nichts Neues. So gab es bei den Streiks 1998 am BRG Auhof (OÖ) einen Direktor, der den Schülern im Falle eines Streiks damit drohte, dass „Köpfe rollen würden“. Es war ein unerfahrenes, neues – dafür aber mutiges – Streikkomitee, welches ihm die Stirn bot und im Endeffekt jeder seinen Kopf behalten durfte. Sie konnten 200 Schüler zum Streik mobilisieren. Der Direktor konnte nichts machen, nachdem das Komitee mit seinen Forderungen eine große Unterstützung auch unter den Lehrpersonen und Eltern versammeln konnte.
Manche Direktoren kommen sogar auf die Idee, ihre Schüler einzusperren, damit diese ja nicht auf Streikdemonstrationen gehen! Was man in diesem Fall macht und wie man es schafft, dass hunderte einfach die Zäune überspringen, die sie von ihren streikenden Mitschülern trennen und dabei „usse! usse!“ (raus! raus!) rufen, lernt man aus dem Schulstreik in Vorarlberg (2009).
Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir sie zuerst verstehen. Dafür braucht es die Lehren der vergangenen Kämpfe. So erlernen wir die richtige Methode, um zukünftige Bewegungen zum Sieg führen zu können. Die Broschüre ist also ein must read für Schul- und Uniaktivisten
(Funke Nr. 247/01.10.2026)