Kopftuchverbot ist kein Mädchenschutz


Das Kopftuchverbot wird uns von der Regierung und den Medien als Mädchenschutz und Befreiung verkauft. Wir sagen: Eine staatliche Kleidervorschrift hat nichts mit Selbstbestimmung zu tun. Von Mio Purgathofer
Auf Kindern lastet ein enormer gesellschaftlicher Druck, vor allem in der Familie. Besonders Jugendliche aus Arbeiterfamilien haben in der Familie die Aufgabe, Angehörige zu pflegen, auf Geschwister aufzupassen, für die Eltern zu übersetzen und beim Haushalt mitzuhelfen. Die Sexualisierung von Mädchen ist die Spitze dieser Ausbeutung. Es ist der abscheuliche Auswuchs davon, dass Frauen und Mädchen zu Dienstmädchen degradiert sind.
Jobverlust, permanenter Stress, Armut und Unsicherheit: die Familie muss das soziale Auffangnetz bieten und die menschlichen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern werden auf die Zerreißprobe gestellt. Dieser Druck wird durch die Einsparungen der Regierung im Gesundheits- und Sozialbereich, die vor allem die ärmsten Familien treffen, systematisch erhöht. Gleichzeitig fallen Jugendzentren dem Sparzwang zum Opfer und die Inflation macht Freizeitgestaltung unleistbar. Die Regierung verfolgt eine kinder-, mädchen- und frauenfeindliche Politik. Unter diesen Bedingungen ist ein selbstbestimmtes Aufwachsen unmöglich!
Jugendliche haben hier keinen Spielraum, sich selbst zu entfalten. Das ist kein kulturelles Phänomen und hat (anders als die Regierung es behauptet) nichts mit dem Islam zu tun, sondern ist genau die Rolle, die Frauen und Kinder im Kapitalismus haben. Das wird auch dadurch bewiesen, dass Jugendliche jeder Herkunft und Religion ähnliche Probleme haben.
Anstatt Bedingungen zu schaffen, unter denen Mädchen sich tatsächlich selbstbestimmt und frei von konservativen Zwängen entwickeln können, erhöht die Regierung erneut die Ansprüche an die Familie, die genau die, die hier angeblich „geschützt werden“, dann zu spüren bekommen.
Das alles beweist, dass die Regierung lügt, wenn sie von Kinderschutz und Selbstbestimmung spricht. In Wahrheit ist das Kopftuchverbot ein weiterer Weg, um mit Rassismus von echten Problemen an der Schule abzulenken – Lehrermangel, fehlende psychologische Betreuung, Sprachcoaching, Nachmittagsbetreuung usw.
Laut Integrationsministerin geht es beim Kopftuchverbot darum, unsere „westlichen Werte“ vor dem „politischen Islam“ zu schützen. Etwa die Tradition der katholischen Kirche von Kindermissbrauch, der jahrzehntelang bewusst unter den Teppich gekehrt wird? Der Epstein-Skandal, der weit bis in die Spitzen der österreichischen Elite reicht, hat gezeigt, was die „Werte“ der Herrscher der imperialistischen Länder wirklich sind. Es ist offensichtlich Heuchelei.
Wirkliche Selbstbestimmung kommt durch den gemeinsamen Kampf gegen den Rassismus, gegen rechte Politik und gegen den Kapitalismus. Politische Diskussionen zu führen, sich an der Schule für den Streik zu organisieren und die Solidarität der Mitschüler zu haben, das gibt jungen Mädchen und allen Jugendlichen Selbstbewusstsein.
Denn befreien können wir uns nur selbst. Die Regierung macht das genaue Gegenteil, indem sie einen weiteren Zwang ausspricht. Deshalb ist es auch kein Widerspruch, dass Kommunisten den Kampf der Frauen im Iran gegen den staatlichen Kopftuchzwang unterstützen und hier in Österreich gegen das rassistische Kopftuchverbot kämpfen! Für echte Befreiung braucht es den Kampf aller Unterdrückten – gemeinsam gegen den Kapitalismus!
(Funke Nr. 247/01.10.2026)