Gewerkschaft erleichtert Bürgerlichen die Offensive


Die Gewerkschaften haben nur eine Antwort auf die Krise des österreichischen Kapitalismus. Sie wollen eine Regierung, in der auch Gewerkschafter sitzen, um diese Krise mitzuverwalten. Damit machen sie es den Bürgerlichen nur noch leichter, in die Offensive zu gehen. Von Martin Zuba
Die Einbeziehung einiger bekannter Funktionäre aus Gewerkschaft und Arbeiterkammer in die Regierungsmannschaft der Sozialdemokratie führt nicht zur Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse, sondern ganz im Gegenteil. Dadurch wird der Gewerkschaftsapparat zu einer undurchlässigen Betondecke, die die Arbeiterklasse niederhält. Das ist die politische Voraussetzung, damit die Kapitalisten an allen Fronten in die Offensive gehen können – von der Budgetpolitik bis hin zu den Kollektivverträgen.
Dass die „verantwortungsbewusste“ Rolle der Gewerkschaften klarerweise nicht dazu führt, dass die Arbeitgeber in denjenigen Branchen, in denen es prächtig läuft, zu Zugeständnissen bereit sind, musste die Gewerkschaft bei den KV-Verhandlungen für den Banken- (siehe Funke Nr. 244) und Energieversorgungssektor feststellen. Trotz Rekordgewinnen lagen die Lohnabschlüsse dort unter der Inflationsrate.
In den Medien freuen sich die Arbeitgeber über diese gelungene „Trendwende“. Die Zahlen sprechen für sich. Der Tariflohn-Monitor der Nationalbank zeigt, dass seit Herbst 2025 die Tarifabschlüsse durchgängig einige Prozentpunkte unter der maßgeblichen Inflation liegen. Das soll zur Norm werden, wenn es nach den Kapitalisten geht. Imperialistische Konflikte bedeuten weiterhin große Instabilität, und die verschärfte Konkurrenz zwischen den Handelsblöcken lässt nicht darauf hoffen, dass das eine oder andere Prozent Lohnverzicht ausreicht, um die tiefe Krise des heimischen Kapitalismus zu lösen und den Weg für eine harmonische, positive Wirtschaftsentwicklung freizumachen. Die Regierung wird im Gleichschritt mit den Bossen am Abbau des Sozialstaats und der Kürzung der Löhne arbeiten, solange die Arbeiterbewegung das nicht zu verhindern lernt.
(Funke Nr. 245/08.07.2026)