Stocker: Realitätsfremd und abgehoben


Anfang August beschloss Bundeskanzler Stocker, alle arbeitenden Mütter gleichzeitig herabzuwürdigen, als er öffentlich sagte, Kinderbetreuung sei keine Arbeit. Er erntete viel Kritik von allen Parteien, inklusive seiner eigenen. Doch die Frage, die Stocker gestellt wurde, wie er Frauen und Kinder glaubwürdig unterstützen will, „wenn das politische System sie im Alltag mit unbezahlter Care-Arbeit, finanziellen Belastungen und struktureller Unsichtbarkeit alleine lässt, während gleichzeitig mehr Geburten gefordert werden“, beantwortete niemand. Wir antworten. Von Mio Purgathofer
Um das Problem an der Wurzel zu packen, müssen wir das System auf den Kopf stellen.
Was schlagen die Parlamentsparteien vor? Stockers Position ist klar – Frauen sollen gleichzeitig Vollzeit arbeiten und Kinderbetreuung, Kranken- und Altenpflege zuhause „nebenbei“ erledigen. Das ist am besten für die Profite. Die SPÖ, Neos und Grünen haben den Frauen Österreichs nur leere Worte von Dankbarkeit und Anerkennung zu bieten, doch jeder redet am Kern der Frage vorbei.
Eine Idee, die immer wieder auftaucht, ist die Entlohnung der Hausarbeit. Das fordern nicht nur Herbert Kickl und die FPÖ-Familiensprecherin in einem Statement zu Kanzler Stocker, sondern auch Doskozil (SPÖ Burgenland) oder die Mainstream-Feministin Silvia Federici. Laut Federici würde der Hausarbeitslohn die Reproduktionsarbeit als „echte Arbeit“ anerkennen und Frauen in der Familie wirtschaftliche Unabhängigkeit verschaffen. Warum fordern also Rechte dasselbe? In der Realität würde ein Hausarbeitslohn die Rolle der Frau am Herd verewigen.
Stattdessen wollen wir für echte Unabhängigkeit kämpfen, indem die Hausarbeit, die Kinderbetreuung, Kranken- und Altenpflege zur gesellschaftlichen Aufgabe werden und aufhören, eine Frauenfrage zu sein. Das bietet die Grundlage für ein Familienleben, das auf Freiwilligkeit und Liebe basiert.
(Funke Nr. 246/03.09.2026)