Der Kampf der Schüler in Spanien 1986–87 und die Rolle der Marxisten


Der spanische Schülerstreik von 1986/87 war eine geschichtsträchtige Bewegung: Er dauerte drei Monate, erfasste drei Millionen Schüler und Studenten, brachte Hunderttausende auf die Straße und endete mit einem Sieg über die Regierung der Sozialistischen Partei
Dieses von Alan Woods verfasste Dokument schildert den Verlauf der Bewegung Schritt für Schritt und arbeitet die wichtigsten politischen Schlussfolgerungen heraus. Alan war während des größten Teils des Kampfes in Spanien und stand in täglichem Austausch mit den spanischen Marxisten, die die Bewegung anführten.
Die Bewegung brach fast zehn Jahre nach den revolutionären Ereignissen im Kampf gegen die Franco-Diktatur aus. Die Niederlage dieser Bewegung, die von den Führern der spanischen Sozialistischen und Kommunistischen Partei in die sicheren Bahnen der bürgerlichen Demokratie umgeleitet worden war – mit der verhassten Monarchie an der Spitze und ohne Konsequenzen für die Verbrechen der Diktatur –, hatte eine Periode der Ebbe im Klassenkampf und der Demoralisierung unter der Arbeiterklasse und den jugendlichen Aktivisten jener Generation eingeleitet.
Alle offiziellen Kommentatoren, Journalisten, gelehrten Soziologen und dergleichen hatten befunden, die nachfolgende Generation von Jugendlichen sei apathisch und an Politik nicht interessiert; man sprach von der Generation des pasotismo („Ist mir doch egal“). Ein tiefes Misstrauen gegenüber der offiziellen Politik gab es zweifellos – die PSOE (Sozialistische Partei) hatte 1982 eine überwältigende Mehrheit gewonnen und betrieb dann aber eine arbeiterfeindliche Politik. Sie hatte versprochen, niemals der NATO beizutreten, vollzog dann eine Kehrtwende und warb im Referendum von 1986 für ein „Ja“. Sie hatte versprochen, Bildung und Gesundheitsversorgung zu verbessern, und setzte dann Kürzungen durch. Sie war mit dem Versprechen an die Macht gekommen, etwas für die arbeitenden Menschen zu erreichen, und führte dann in der sogenannten reconversión industrial (Industrieumstrukturierung) einen harten Angriff auf die Arbeitsplätze, schloss staatliche Betriebe und zerstörte ganze Gemeinden. Obendrein begann sie einen brutalen Krieg gegen die baskischen Nationalisten und schuf dafür die paramilitärischen Todesschwadronen der GAL. Kein Wunder, dass die Jugendlichen angewidert waren und dachten: „Die Politiker sind doch alle gleich.“
Das war der Hintergrund für eine der größten Klassenkampfexplosionen, die Spanien seit Langem erlebt hatte. Doch es war keineswegs ausgemacht, dass die Bewegung solche Ausmaße annehmen, dass sie so lange andauern und schon gar nicht, dass sie mit einem Sieg enden würde. Die Führung war ein entscheidender Faktor – und gestellt wurde sie von den Marxisten.
Die Organisation, die damals unter dem Namen Nuevo Claridad bekannt war – benannt nach der Zeitung des linken Flügels der Sozialistischen Partei in den 1930er Jahren –, hatte gerade die Marke von 1.000 Mitgliedern erreicht. Viele davon waren allerdings Veteranen aus dem Kampf gegen die Franco-Diktatur, die inaktiv geworden und eher Sympathisanten als aktive Kämpfer waren. Die Organisation verfügte über eine Handvoll Jugendlicher und hatte Ende 1985 rund um das Referendum über die NATO-Mitgliedschaft Agitation unter Schülern und Studenten entwickelt, besonders in Álava und Navarra. Daraus entstand die Idee der Schülergewerkschaft (Sindicato de Estudiantes – SE), doch die SE hatte noch keine Massenbasis. Sie konnte nur auf einige wenige Stützpunkte in Madrid, Katalonien, Málaga, Sevilla und im Baskenland zählen.
Dennoch ergriff diese kleine Organisation eine kühne Initiative. Nachdem sie die aufgestaute Wut unter den Jugendlichen richtig eingeschätzt und die Resonanz auf den ersten Demonstrationsaufruf in Madrid am 20. November 1986 gesehen hatte, rief sie zu einem landesweiten Schülerstreik am 4. Dezember auf. Das war gewagt. Niemand wusste, ob der Aufruf Wirkung zeigen würde, und wir hatten ganz sicher nicht die Kräfte, ihn ordentlich zu organisieren. Doch der Streik breitete sich wie ein Lauffeuer aus und wurde zum Ausgangspunkt der gesamten Bewegung. Die Bedingungen waren reif; alles, was fehlte, war ein Bezugspunkt. In den Schulen, wo es kaum oder gar keine organisatorischen Traditionen gab, konnte selbst eine kleine Organisation unter den richtigen Bedingungen eine Massenwirkung entfalten.
Das Dokument erläutert die verschiedenen Aspekte der Arbeit, die die Führung einer solchen Massenbewegung mit sich bringt: von der Frage der Selbstverteidigung gegen Angriffe von Faschisten und Polizei über den Umgang mit den Medien und die Frage, wie man der Bewegung gegen Sektierer[1] und Reformisten eine demokratische und einheitliche Führung gibt, bis hin zu der Frage, wie man die Sympathie der Arbeiter für die Schülerbewegung gewinnt. Alan Woods arbeitet zahlreiche Aspekte heraus, aus denen sich allgemeine Lehren ziehen lassen.
Eine der wichtigsten Lehren betrifft die Rolle der Führung. Es ist möglich, dass es auch ohne die Rolle der Marxisten zu einer Schülerbewegung gekommen wäre – aber sie hätte wahrscheinlich die Form eines spontanen Wutausbruchs angenommen, bei dem verschiedene Landesteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten losgezogen wären, mit Ausschreitungen und ungeordneten Zusammenstößen mit der Polizei (angestachelt von Provokateuren). Sie hätte mit Sicherheit nicht so lange gedauert, nicht denselben vereinten Charakter gehabt und wäre ganz gewiss nicht mit einem Sieg zu Ende gegangen.
Entscheidend war die Rolle einer marxistischen Führung mit klaren Vorstellungen, einem Verständnis der Lehren früherer Bewegungen, des Charakters von Staat und Polizei, einer festen Orientierung auf die Arbeiterbewegung sowie einem Gespür für Taktik und Strategie.
Die Bewegung hatte große Wirkung auf die Arbeiterklasse insgesamt. Das war kein Zufall. Die Marxisten an der Spitze der Schülergewerkschaft verfolgten bewusst die Politik, die Schüler auf die Arbeiterbewegung zu orientieren – sowohl durch Appelle an deren Führungen als auch durch den Versuch, Verbindungen von unten herzustellen.
Wir kämpften gegen eine PSOE-Regierung, die nur vier Jahre zuvor mit den Stimmen von Millionen Arbeitern gewählt worden war. Unsere Herangehensweise lautete: „Diese Regierung wurde von Arbeitern gewählt, aber sie regiert für die Unternehmer – wir sind die Kinder der Arbeiterklasse und fordern, dass die Interessen der Mehrheit an erster Stelle stehen.“ Das kam bei der Masse der Arbeiter an, und ohne deren Sympathie und Unterstützung hätten die Schüler nicht gewinnen können.
Ein Vorfall veranschaulicht, wie groß die Unterstützung war. In Tarragona gab es ein von der SE geführtes Schülerstreikkomitee, das täglich zusammentrat und sich aus Vertretern von rund 40 verschiedenen Schulen zusammensetzte. Als die Frage aufkam, wie man auf die Arbeiterbewegung zugeht, erzählte ein Schüler, der eine der größten Oberschulen der Stadt vertrat, sein Vater sei Betriebsrat im örtlichen Hafen. Auf diesem Weg erhielten wir eine Einladung, vor der Vollversammlung der Hafenarbeiter zu sprechen, auf der die Arbeit unter der Belegschaft geplant wurde. Also zogen wir – eine Gruppe von Schülern zwischen 15 und 17 Jahren – im Morgengrauen hinunter zum Hafen, um vor hunderten Hafenarbeitern zu sprechen. Das war eine beängstigende Erfahrung! Die Arbeiter hörten uns zu und spendeten begeisterten Beifall. Es wurde eine Sammlung durchgeführt, bei der 100.000 Peseten zusammenkamen (damals viel Geld, heute vielleicht 4.000 Euro). Zusätzlich sagte das Betriebsratskomitee zu, denselben Betrag beizusteuern und die Notwendigkeit von Solidaritätsaktionen auf dem landesweiten Treffen der Coordinadora, der nationalen Organisation der Hafenarbeiter, anzusprechen. Am Ende beschloss die Coordinadora einen einstündigen Streik in allen spanischen Häfen aus Solidarität mit den Schülern.
Tatsächlich war am Ende gerade die Furcht davor, dass die Bewegung auf die Arbeiterklasse übergreifen könnte, einer der Faktoren, die das Bildungsministerium zu substanziellen Zugeständnissen bewegten.
Der Sieg der Schülerbewegung hatte enorme Auswirkungen auf die spanische Gesellschaft insgesamt. Zum ersten Mal war es einer Bewegung gelungen, die PSOE-Regierung zu besiegen. Das ermutigte verschiedene Teile der Arbeiterschaft, selbst in den Kampf zu treten. Unmittelbar nach der Schülerbewegung kam es zu einem Aufstand in der Arbeiterstadt Reinosa in Kantabrien, wo Arbeiter, die um die Arbeitsplätze im örtlichen Stahlwerk kämpften, sich der brutalen Repression der Guardia Civil (einer militärisch organisierten Polizeitruppe) entgegenstellten, die scharfe Munition, Panzerfahrzeuge und einen Hubschrauber einsetzte.
Ein Jahr später, als die Regierung ein sogenanntes „Jugendbeschäftigungsprogramm“ einführte, gab es erneut eine gewaltige Schülerbewegung, die schließlich in einem 24-stündigen Generalstreik mündete, zu dem die wichtigsten Gewerkschaften für den 14. Dezember 1988 aufriefen und der das Land zum Stillstand brachte. Ohne Zweifel diente das Beispiel der Schülerbewegung von 1986/87 als Inspiration für diesen mächtigen Streik, der die Regierung zum Rückzug zwang.
Wir hoffen, dass dieses Dokument dazu beiträgt, eine neue Generation revolutionärer Schüler- und Studentenaktivisten zu wappnen, indem es einige der wichtigsten Lehren der spanischen Schülerbewegung von 1986/87 und ihrer Führung durch revolutionäre Marxisten herausarbeitet.
Ein Glossar der Abkürzungen und Organisationen ist am Ende dieses Artikels angefügt.
Das vorliegende Dokument entstand über einen Zeitraum von drei Monaten, beginnend im Dezember 1986 und endend mit der Unterzeichnung der historischen Vereinbarung zwischen der spanischen Schülergewerkschaft und der Regierung Felipe González.
Es folgt eine detaillierte Schilderung der beispiellosen Bewegung von Millionen spanischer Jugendlicher, der es gelang, die geballte Macht des spanischen Staates zu besiegen, bedeutende Zugeständnisse zu erringen und damit den Damm zu brechen für die darauffolgende gewaltige Streik- und Protestwelle.
An der Richtigkeit der Feststellung, dass die Massenbewegung der Jugend – organisiert und geführt von der Schülergewerkschaft SE unter einer bewusst marxistischen Führung – der Zünder für die Bewegung der spanischen Arbeiterklasse war, lässt sich nicht mehr zweifeln. So viel räumt inzwischen jeder ernstzunehmende kapitalistische Kommentator ein, in Spanien wie international. So schrieb die amerikanische Zeitschrift Time in ihrer Ausgabe vom 27. April 1987 in einer Analyse des Streiks, der die spanische Gesellschaft bis in die Osterwoche hinein lahmlegte:
„Die ersten Ausbrüche ereigneten sich im vergangenen Januar, als Hunderttausende Schüler und Studenten … eine Reihe von Demonstrationen gegen geplante Bildungsreformen begannen. Die Studierenden forderten mehr staatliche Mittel für die Hochschulbildung, niedrigere Studiengebühren und die Abschaffung der Auswahlverfahren. Bei mindestens einem Dutzend Gelegenheiten arteten die Märsche in Straßenschlachten mit der Polizei aus [??]. Als die Regierung schließlich die meisten Forderungen der Studierenden erfüllte, lösten die Zugeständnisse eine Kettenreaktion aus: Ärzte, Pflegekräfte, Professoren, Bauern, Ladenbesitzer, Apotheker, sogar Motorradkuriere traten in den Ausstand. Ein Regierungsvertreter sagt: ‚Der Studentenprotest war der Zünder für alles Weitere. Die Studenten haben bekommen, was sie wollten, indem sie auf die Straße gingen. Jetzt streikt jeder wegen jeder Kleinigkeit.‘“
Sieht man von der falschen Bewertung der Massendemonstrationen der Jugend ab – die trotz des von feindseligen bürgerlichen Kommentatoren eifrig gepflegten Mythos niemals „in Gewalt ausarteten“ –, so wird der allgemeine Punkt über die Bedeutung der Bewegung klar benannt. Solche Zitate ließen sich beliebig vermehren.
Schon allein die Rolle, die die Massenbewegung der Jugend als Kristallisationspunkt für die aufgestaute Unzufriedenheit von Millionen Arbeitern spielte, würde eine sorgfältige Analyse rechtfertigen. Ebenso klar ist aber, dass die Bewegung ohne das Programm, die Politik, die Taktik und die Strategie ihrer Führung diese Wirkung nie gehabt und in der Tat sehr schnell eine Niederlage erlitten hätte. Diese zweite Überlegung ist aus marxistischer Sicht sogar noch wichtiger. Sie verdeutlicht die entscheidende Rolle des subjektiven Faktors im Klassenkampf – oder, um es deutlicher zu sagen: die entscheidende Rolle der Führung.
Selbst eine derart offen antimarxistische Publikation wie der britische New Statesman sah sich gezwungen, der Rolle der spanischen Marxisten beim Aufbau einer erfolgreichen Massenbewegung der Jugend widerwillig Tribut zu zollen. In der Ausgabe vom 24. April heißt es:
„Die Oberschüler, die zu Jahresbeginn die Schlagzeilen beherrschten, sind sehr effektiv von einer ‚kämpferischen‘ Strömung organisiert worden, die sich um eine Wochenzeitung namens Nuevo Claridad gruppiert. Der plötzliche politische Aktivismus der Jugendlichen überraschte die Regierung und wurde von der UGT [der wichtigsten Gewerkschaft, Anm.] mit Freude begrüßt, die Nuevo Claridad und der Schülergewerkschaft Druckkapazitäten, Versammlungsräume und Geldmittel zur Verfügung stellte.“
Diese späte Anerkennung der Rolle der Marxisten in der internationalen kapitalistischen Presse – derselben Presse, die alles daransetzte, die Nachrichten über die Bewegung von drei Millionen spanischer Jugendlicher zu unterdrücken, während sie stattfand – ist nur ein schwaches Echo der gewaltigen Wirkung, die diese Bewegung auf das Bewusstsein aller Klassen der spanischen Gesellschaft hatte, und insbesondere auf die Arbeiterklasse, die in der Praxis sah, wie es möglich war, sich mit der Regierung anzulegen und sie auf der Grundlage vereinigter, kämpferischer Massenaktionen zu besiegen.
In den Monaten nach dem Ende des Schülerstreiks wurde die spanische Gesellschaft von einer Streikwelle nach der anderen erschüttert, an der praktisch alle Teile der Arbeiterklasse beteiligt waren. Die spanischen Arbeiter entdecken die großen revolutionären Traditionen der Vergangenheit in der Praxis wieder. Doch die Führer der wichtigsten Arbeiterorganisationen haben sich als das Haupthindernis auf dem Weg der Arbeiterbewegung herausgestellt. Ihr vollständiger Mangel an Vertrauen in die Arbeiterklasse und die völlige Aufgabe jeder sozialistischen Perspektive fand ihren Ausdruck in den Worten eines der Führer der katalanischen „Kommunistischen“ Partei, der PSUC, der in El País schrieb: „Am Tag nach dem Tag X [d. h. nach einem Generalstreik – Anm.] würde in allen Betrieben die Frage lauten: ‚Und was jetzt?’ Und da wir die Antwort nicht haben, wäre es besser, die Frage gar nicht erst aufkommen zu lassen.“
Nur die spanischen Marxisten, die Anhänger von Nuevo Claridad, haben konsequent für einen 24-stündigen Generalstreik argumentiert, verknüpft mit einem Kampf zur Umgestaltung der Gewerkschaften und der Sozialistischen Partei und für eine wirklich sozialistische Politik – als einzige Alternative zur rechten Politik der Regierung González.
Marx sagte einmal, für die Masse der Arbeiterklasse sei ein wirklicher Schritt vorwärts im Kampf mehr wert als hundert richtige Programme. Mit ihrer Führung von drei Millionen Jugendlichen, die zu einem historischen Sieg führte, haben die spanischen Marxisten die Überlegenheit ihrer Ideen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis bewiesen. Im Verlauf der jüngsten Streikwelle bemerkten viele Arbeiteraktivisten: „Wir müssen es machen wie die Schüler.“ Damit meinen sie, dass sie Programm, Politik, Methoden und Taktik des Marxismus übernehmen müssen, weil das der einzige Weg ist, um zu erreichen, wofür sie kämpfen. Zu diesem Schluss werden die Arbeiter aller Länder auf Grundlage ihrer Erfahrungen in der kommenden Periode unweigerlich gelangen.
Die jüngsten Bewegungen in Frankreich und Spanien sind ein weiteres Anzeichen für die äußerst instabile und unberechenbare Lage des europäischen Kapitalismus. Sie sind ein wichtiges Symptom und ein Vorbote noch größerer Bewegungen in der Zukunft, an denen nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Arbeiterklasse beteiligt sein wird.
Alle Strömungen außer den Marxisten hielten größere Bewegungen dieser Art für ausgeschlossen. Man glaubte lieber an einen allgemeinen Rechtsruck, an „Reaktion“, die Jugend sei angeblich „unpolitisch“, und so weiter und so fort.
Doch es war unvermeidlich, dass jene Prozesse der Unzufriedenheit, der Wut und der Frustration, die sich in den tiefsten Schichten der Massen still angesammelt hatten, plötzlich hervorbrechen würden. Darin liegt die Unausweichlichkeit plötzlicher und scharfer Wendungen in der Situation.
Ebenso vorhersehbar – und vorhergesagt – war, dass die Jugend sich als erste Schicht in Bewegung setzen würde, und zwar besonders die Schüler und Studenten, jene Schicht, die am empfindlichsten auf die allgemeine Stimmung in der Gesellschaft reagiert. Es ist klar, dass die Schüler- und Studentenbewegung an sich kein eigenständiges Gewicht hat. Historisch aber kann sie als ein äußerst empfindliches Barometer wirken, an dem sich die in den Massen anbahnende Stimmung ablesen lassen.
Die Bedeutung der französischen Ereignisse liegt auf der Hand und wird an anderer Stelle analysiert. [In Frankreich gab es zeitgleich eine Bewegung an den Universitäten.] Aus marxistischer Sicht war die Bewegung in Spanien jedoch noch bedeutsamer. Die bewusste Verschwörung des Schweigens in der internationalen bürgerlichen Presse war kein Zufall. Wegen ihrer Dynamik und ihres Umfangs war die Lage in Spanien selbst eine Nachricht für die Titelseiten.
Es war die größte Bewegung in Spanien seit zehn Jahren und die größte Schülerbewegung in der Geschichte Spaniens. Dennoch widmete der britische Guardian der spanischen Weihnachtslotterie mehr Platz! Das war typisch für die ausländischen Medien insgesamt.
Die Bedeutung der spanischen Ereignisse lag darin, dass die Streikbewegung von Anfang an von der spanischen Marxistischen Strömung organisiert, geplant und geführt wurde – vertreten durch die Zeitschrift Nuevo Claridad und die Jugendorganisation Jóvenes por el Socialismo (JPS, Jugend für den Sozialismus), die vor zehn Jahren von Genossen gegründet worden war, die aus der spanischen Sozialistischen Jugend (JJ.SS) ausgeschlossen worden waren.
Es ist auch nicht wirklich zutreffend, die spanische Bewegung als bloßen „Ableger“ der Ereignisse in Frankreich zu bezeichnen. Zweifellos hatten die französischen Ereignisse großen Einfluss auf das Bewusstsein der spanischen Jugend. Doch der Streikaufruf für den 4. Dezember war lange vorher von der Schülergewerkschaft (SE) erlassen worden, einer Organisation, die etwa ein Jahr zuvor von den Anhängern von Nuevo Claridad und der JPS gegründet worden war. Drei Monate lang, von September an, führten diese Genossen an den Schulen in ganz Spanien, besonders aber in Madrid, Massenagitation und -propaganda durch. Diese vorbereitende Agitation diente dazu, die Stimmung unter den Jugendlichen auszuloten. Die Ergebnisse überraschten selbst die optimistischsten Genossen.
Lange vor der Explosion in Frankreich meldeten die jungen spanischen Genossen zurück, an den Schulen herrsche eine explosive Stimmung. Auf dieser Grundlage beschlossen sie, zu einem Generalstreik an den Schulen für den 4. Dezember aufzurufen.
Das Sparprogramm der Regierung González hatte zu brutalen Angriffen auf den Lebensstandard, zu Betriebsschließungen und zu Reallohnsenkungen geführt. Junge Menschen gehören, wie immer, zu den am härtesten Betroffenen.
Die Zustände im spanischen Bildungswesen zählen zu den schlechtesten in Europa. Bildung war nicht kostenlos. Viele Schulen verlangten Unterrichtsgebühren. Sämtliche Lehrbücher und Materialien mussten (schon ab der Grundschule) bezahlt werden und stellten eine erhebliche Belastung für die Haushalte von Arbeiterfamilien dar. An den Universitäten waren Einschreibegebühren fällig. Nur eine verschwindend kleine Zahl von Studierenden erhielt Stipendien, und diese waren lächerlich gering.
Angesichts von Massenarbeitslosigkeit (offiziell 22 %) bringen viele Arbeitereltern große Opfer, um ihren Kindern die bestmögliche Bildung zu sichern – in der vergeblichen Hoffnung, ihnen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Dennoch werden die spanischen Universitäten, mehr noch als anderswo, von den Kindern der Reichen beherrscht. Deshalb hat die Losung „Die Kinder der Arbeiter an die Universität“ bei den Arbeitern ein starkes Echo gefunden, wahrscheinlich stärker als in anderen europäischen Ländern.
Der unmittelbare Anlass war der Ausschluss mehrerer Tausend Schüler von der Universität, obwohl sie alle erforderlichen Prüfungen bestanden hatten. Es bildete sich ein Komitee der nicht zugelassenen Schüler. Die Schülergewerkschaft griff ein und rief für November zu einer Demonstration in Madrid auf. Die Resonanz auf diese Demonstration, zu der 5.000 Menschen kamen, überzeugte die Genossen davon, dass der Streik am 4. Dezember eine große Beteiligung finden könnte – wobei niemand ahnte, welche Ausmaße er annehmen würde.
Die wichtigsten Forderungen lauteten zu diesem Zeitpunkt: (1) Zulassung aller nicht zugelassenen Schüler zur Universität, und zwar an der Fakultät ihrer Wahl. (2) Aufhebung der Gesetze, die den Hochschulzugang beschränken; Abschaffung des Auswahlverfahrens und der Zulassungsquoten. (3) Sofortige Senkung der Einschreibegebühren. (4) Beibehaltung sämtlicher Aufnahmeprüfungen im September. (5) Fortschrittliche Reform des Bildungsstatuts: Schulräte sollen zu gleichen Teilen aus Lehrern, Eltern und Schülern bestehen. (6) Sofortige Rücknahme des Erlasses des Bildungsministeriums zur Regelung schulischer und außerschulischer Aktivitäten. Sofortige Streichung von Absatz 9.2 des Erlasses wegen seines repressiven Charakters und seine Ersetzung durch Verhaltensregeln, die von Lehrern, Eltern und Schülern gleichberechtigt ausgearbeitet werden, um das demokratische Leben an den Bildungseinrichtungen zu regeln. (7) Drastische Erhöhung der Mittel für das öffentliche Bildungswesen.
Diese Forderungen spiegelten im Großen und Ganzen die wichtigsten Beschwerden der Schüler zu jenem Zeitpunkt wider. Sie stellten noch kein vollständig ausgearbeitetes politisches Programm dar, sondern gaben die Anfangsphase des Erwachens der Bewegung wieder.
Dennoch bedeuteten sie schon damals einen grundlegenden Angriff auf das Sparprogramm der Regierung. Um sie umzusetzen, hätten die Kürzungen im Bildungswesen rückgängig gemacht werden müssen, was erhebliche Mehrausgaben für den Staat bedeutet hätte.
Einige dieser Punkte müssen erklärt werden. Der Minister bestritt später vehement, dass er die Aufnahmeprüfungen im September habe abschaffen wollen. Es gibt jedoch sichere Belege dafür, dass ein solcher Plan existierte und nur durch die Streiks am 4. und 17. Dezember verhindert wurde. Dieser Rückzug der Regierung war einer der ersten Erfolge der Bewegung.
Punkt (6) bezieht sich auf das Statut, das die Disziplin an den Schulen regelt. Es wurde 1954 auf dem Höhepunkt der Franco-Diktatur verfasst und enthält äußerst reaktionäre und drakonische Bestimmungen. Infolge der Kämpfe der vergangenen zehn Jahre war es faktisch zum toten Buchstaben geworden. Nun aber wollte die „sozialistische“ Regierung es wieder in Kraft setzen und damit eine Konterrevolution im inneren Leben der Schulen herbeiführen. Infolge des Dezemberstreiks musste die Regierung auch in diesem Punkt zurückweichen.
Die Arbeit der Organisierung und Vorbereitung des Streiks leistete die Schülergewerkschaft. Theoretisch waren allerdings auch andere Kräfte beteiligt. Der Streik wurde im Namen von drei Organisationen ausgerufen: der Schülergewerkschaft, dem Komitee der „nicht zugelassenen Schüler“ und einem „Koordinierungskomitee“, das zunächst zur Abstimmung zwischen Schulen und Universitäten eingerichtet worden war. Da niemand die führende Rolle der Schülergewerkschaft bezweifelte, beherrschten die Marxisten praktisch alle drei Organisationen von Anfang an. Angesichts der späteren Ereignisse ist es wichtig, diesen Punkt klarzustellen. Es wurde ein Verhandlungskomitee aus 15 Personen gewählt, das wiederum faktisch von den Marxisten kontrolliert wurde, aber mehrheitlich aus nicht organisierten Schülern bestand, dazu ein Sektierer (Lambertist) und ein Mitglied der Kommunistischen Partei (PCE).
In der Zeit vor dem Streik wurden alle Schulen in Madrid mehrfach besucht. Die Schülergewerkschaft verteilte systematisch Flugblätter und ein gedrucktes Plakat, das zum Streik und Demonstration am 4. Dezember aufrief.
Angesichts des halbbonapartistischen Charakters der spanischen Gesetze ist für eine legale Demonstration zehn Tage im Voraus eine polizeiliche Genehmigung einzuholen. Es war wichtig, die Demonstration genehmigen zu lassen, um möglichst breite Schichten der Jugend zur Teilnahme zu ermutigen und das Risiko von Polizeiangriffen zu verringern.
Es muss betont werden, dass die meisten dieser Initiativen von den führenden jungen Genossen selbst ausgingen. Die Aufmerksamkeit der erfahreneren Marxisten war überwiegend anderswo gebunden: auf die Gewerkschaftswahlen und die baskischen Regionalwahlen, die zur selben Zeit stattfanden und eine Reihe schwieriger und komplizierter taktischer Probleme aufwarfen. Der Großteil der Arbeit zur Organisierung des Streiks blieb daher in den Händen der Jugendlichen, die sich – das muss gesagt werden – vorbildlich verhielten.
Die Reaktionen der Jugend in Madrid zeigte, dass große Möglichkeiten bestanden. So wurde Druck auf die Provinzen ausgeübt, nachzuziehen.
Die Reaktion der Genossen in den Provinzen war unterschiedlich. Manche Gebiete wie Katalonien (Barcelona, Tarragona) reagierten gut, und auch im Süden wurde die Arbeit geleistet (Sevilla, Cádiz, Málaga). Andere Gebiete blieben jedoch zurück. Manche behaupteten, unter den Jugendlichen gebe es keine Stimmung für einen Streik. Das Baskenland, das im Vorjahr mit Schülerstreiks von Tausenden in Álava und Navarra auf Aufruf der Schülergewerkschaft noch vorangegangen war, war mit den Regionalwahlen beschäftigt. Erst in letzter Minute erging der Streikaufruf in Álava, einem starken Stützpunkt der Marxistischen Strömung.
In Madrid wurden die Bemühungen, an der Universität Unterstützung zu gewinnen, unterdessen durch die giftige Skepsis und die offene Sabotage der PCE und der linken Kleingruppen behindert. Zum Teil war ihre Haltung von ihrer Feindschaft gegenüber der Marxistischen Strömung bestimmt, zum Teil aber auch das Ergebnis ihres völligen Mangels an Perspektiven und ihres blinden Empirismus. Sie glaubten, es werde nichts passieren. „Da ist keine Stimmung.“ „Der Zeitpunkt ist nicht der richtige.“ In der Stunde der Wahrheit wurden sie allesamt auf dem falschen Fuß erwischt.
Die Genossen waren zuversichtlich, dass es am 4. Dezember eine gute Beteiligung geben würde. Sie hofften, dass einige Zehntausend zur Demonstration in Madrid kommen würden. Doch die enorme Beteiligung, die mit Sicherheit über 100.000 lag, verschlug ihnen völlig den Atem.
Es war beeindruckend, wie eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Marxisten eine solche Menschenmasse bewältigte, die die Organisatoren zeitweise zu überwältigen drohte.
Die Zahl der Ordner war der Lage völlig unangemessen. Zudem waren sie praktisch unbewaffnet. Doch ohne die kleine Gruppe von Genossen wäre es zu einer Katastrophe gekommen. Banden von Neonazi-Jugendlichen tauchten auf, um die Demonstration mit Messern, Knüppeln und Fahrradketten anzugreifen. Als die Demonstranten die tatenlos zusehende Polizei darauf hinwiesen, dass junge Mädchen zu Boden geprügelt wurden, lautete die Antwort: „Das ist euer Problem.“ Doch als die Jugendlichen sich wehrten und die Faschisten vertrieben, gingen die Polizisten sofort mit Schlagstöcken dazwischen – und zwar nicht gegen die Faschisten, sondern gegen die Schüler. Das war eine entscheidende Lehre für die Jugend über das Wesen des Faschismus und des bürgerlichen Staates. Für diese Lehre war ein Preis zu zahlen: Einige Demonstranten landeten im Krankenhaus. Ohne das aktive Eingreifen der Ordner wäre es weit schlimmer gekommen.
In Barcelona, wo sich die Demonstration gerade sammelte und bereits 8.000 Menschen anwesend waren, griff die Polizei ohne Vorwarnung brutal an, verletzte etliche Schüler und nahm sechs Personen fest.
Aus ganz Spanien trafen Nachrichten über die gewaltige Resonanz auf den Streik ein. Die hier wiedergegebenen Zahlen sind vorläufig und konservativ geschätzt. Die wenigen Mittel der Schülergewerkschaft erlaubten es nicht, selbst dort alle Informationen zu erfassen, wo sie die Schüler zum Streik aufgerufen hatte. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Wirkung des Streikaufrufs weit über diese Gebiete hinausreichte: Städte und Dörfer traten in den Streik, in denen die Schülergewerkschaft überhaupt nicht vertreten war. In vielen Fällen waren ganze Städte auf den Beinen, allein aufgrund von Briefen oder Telefonanrufen an die Schulen. Diese Zahlen müssen also verdoppelt oder verdreifacht werden, um ein zutreffendes Bild von den Teilnehmerzahlen zu geben.
Im Zentrum von Barcelona traten mindestens 20.000 in den Streik (21 Schulen bestätigt), 15.000 beteiligten sich an der Demonstration. Auch in den Industriestädten und -dörfern des „roten Gürtels“ rund um Barcelona, etwa Hospitalet oder Bajo Llobregat, gab es eine große Resonanz.
In Saragossa lag die Beteiligung bei 100 %: 29 Schulen im Ausstand, 50.000 Streikende und eine Demonstration mit 15.000 Teilnehmern. Relativ gesehen war dies das wichtigste Ergebnis überhaupt. Die Arbeiterkommissionen erklärten sofort ihre Unterstützung. Die Universität, die zunächst nicht teilnehmen wollte, wurde durch Streikposten rasch lahmgelegt. Die Bewegung erfasste sämtliche umliegenden Dörfer. Drei oder vier Elternvereinigungen sprachen ihre Unterstützung aus. Eine Delegation von 25 entlassenen Arbeitern des Unternehmens TUZSA kam zur Demonstration. Als diese zu den Anwesenden sprechen wollten, wurden sie von der Polizei angegriffen, aber von den Demonstranten vor der Festnahme bewahrt.
Um vier Uhr nachmittags fand ein von der Schülergewerkschaft einberufenes Treffen von 60 Delegierten aus allen bestreikten Schulen und Hochschulen statt. Die Vertreter der Schülergewerkschaft verlasen eine Erklärung, die einstimmig angenommen wurde. Die Rekrutierung neuer Mitglieder für die Schülergewerkschaft begann nun mit vollem Ernst.
In Sevilla traten mindestens elf Schulen mit 15.000 Schülern in den Streik. 2.000 beteiligten sich an der Demonstration. Der Schwerpunkt lag jedoch in den umliegenden Dörfern, über die am nächsten Tag wenig Informationen vorlagen, wo die Beteiligung aber fast sicher bei 100 % lag. In Málaga streikten 10 Schulen mit 15.000 Schülern, 5.000 kamen zur Demonstration.
Im rückständigen Galicien, im Nordwestzipfel Spaniens, lag die Beteiligung in Ferrol bei 100 %. Das war einer der ganz wenigen Orte, an denen die Streikleitung nicht in den Händen der Schülergewerkschaft lag (die aber beteiligt war), sondern bei einem zuvor gebildeten Koordinierungskomitee. Sieben Schulen mit 12.000 Schülern streikten, 3.000 kamen zur Demonstration.
In Vigo traten neun Schulen mit 10.000 Schülern in den Streik. Hier war die Lage jedoch dadurch kompliziert, dass ein Teil der Schüler der Schülergewerkschaft misstraute und sich weigerte, eine gemeinsame Demonstration abzuhalten. So fanden zwei Demonstrationen mit 1.000 beziehungsweise 500 Teilnehmern statt. Diese Differenzen wurden später problemlos ausgeräumt.
Im Baskenland wurde der Streikaufruf aus den bereits genannten Gründen behindert. In Álava erging der Aufruf sehr kurzfristig. Dennoch folgte ihm die Mehrheit in Vitoria (4.000), und es kam zu einer Versammlung von 500 Schülern, vor denen örtliche Führer der Schülergewerkschaft sprachen.
Die unglaublichste Situation ergab sich in Navarra, wo die Marxisten, die die Schülergewerkschaft ursprünglich mit aufgebaut und ein Jahr zuvor große Streiks angeführt hatten, die Stimmung an den Schulen falsch einschätzten. Fairerweise muss man sagen, dass hier die nationale Frage als enorm komplizierender Faktor hinzukam. Die Jugendorganisation von Herri Batasuna [die radikale baskisch-nationalistische Partei, Anm.] – Jarrai – hatte die Jugendlichen in typisch ultralinker, abenteuerlicher Manier mit einem Generalstreikaufruf nach dem anderen ermüdet. Die Genossen befürchteten, ein weiterer Streik werde keine Resonanz finden, und beschränkten sich daher auf eine öffentliche Erklärung, in der sie den landesweiten Streik unterstützten und sich mit seinen Zielen solidarisierten, aber vorschlugen, erst zu einem späteren Zeitpunkt zu Aktionen aufzurufen. Dennoch war der Streik am folgenden Tag in Navarra zu 100 % stabil. Dank der ausgezeichneten Arbeit, die die Genossen in den zwölf Monaten zuvor geleistet hatten, mussten sie für ihren Fehler glücklicherweise keinen hohen Preis zahlen. Obwohl die Schülergewerkschaft in Navarra formal nicht zum Streik aufgerufen hatte, identifizierten sich die Schüler an jeder Schule mit ihr und verteidigten öffentlich ihre Forderungen. Mehr als alles andere zeigte die Lage in Navarra zweierlei: (a) dass unter der Masse der Schüler eine Kampfstimmung herrschte, und (b) dass die Schülergewerkschaft bereits eine enorme Autorität aufgebaut hatte.
Die Bewegung wirkte unmittelbar. In Madrid hatte die Polizei die Demonstration genehmigt, allerdings nur bis zur Plaza de España und nicht bis zum Bildungsministerium, wie von den Organisatoren ursprünglich beantragt. Angesichts einer kämpferischen Demonstration von 100.000 Jugendlichen entschied die Polizei jedoch, dass Vorsicht angebracht sei, und ließ den Zug bis vor die Tore des Ministeriums ziehen, wo die Verhandlungskommission (oder ein Teil von ihr) zur Überraschung aller zur Erörterung der Beschwerden der Schüler eingelassen wurde.
In einer solchen Lage wäre es ein offenkundiger Fehler gewesen, Verhandlungen abzulehnen. Es war klar, dass die Bewegung das Ministerium und die Regierung völlig aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Die Stimmung bei den Behörden grenzte nach allem, was man hörte, an Panik. Man muss bedenken, dass die Bewegung inzwischen auch in Frankreich ausgebrochen war. Die Straßen von Paris waren Schauplatz gewaltiger Demonstrationen und gewaltsamer Zusammenstöße. Das beflügelte offensichtlich die Vorstellungskraft sowohl der Regierung als auch der Schüler in Spanien. Wir wissen aus guter Quelle, dass in den höheren Rängen in Madrid Gerüchte über die Möglichkeit eines neuen 1968 in Spanien kursierten – also über das Zusammentreffen der Schüler- und Studentenunruhen mit einer gewaltigen Explosion der Arbeiterklasse.
Es gehört zu jenen Ironien, an denen die Geschichte so reich ist, dass Maravall, der Bildungsminister, als Student selbst an den Pariser Demonstrationen von 1968 teilgenommen hatte!
Das war kein Gerede und kein Wunschdenken. Eine solche Möglichkeit war – und ist – in der Lage angelegt, auch wenn es nicht zwangsläufig aus der gegenwärtigen Situation heraus dazu kommen wird.
Wie stark die Unzufriedenheit in der spanischen Arbeiterklasse gärte, lässt sich an den Ergebnissen der jüngsten Gewerkschaftswahlen ablesen: Nach spanischem Recht müssen die Betriebsräte alle vier Jahre neu gewählt werden. Die sozialistische (regierungsnahe) UGT erlitt in den strategisch entscheidenden Großbetrieben (Telefongesellschaft, Eisenbahn usw.) eine Reihe vernichtender Niederlagen. Natürlich ist die Führung der „Kommunistischen“ Arbeiterkommissionen (CCOO) genauso reformistisch wie die der UGT. Doch dieses Votum wurde in der internationalen Presse zu Recht als Warnsignal an die Regierung González verstanden, dass die Geduld der Arbeiter zu Ende ging.
Es steht außer Zweifel, dass diese Niederlage eine Krise in der UGT ausgelöst hat. Nicolás Redondo, der UGT-Generalsekretär, hielt eine Rede – von der spanischen Presse festgehalten –, in der er erklärte, die französische Regierung sei durch die Mobilisierungen der Studierenden zum Rückzug gezwungen worden, und das müsse die spanische Arbeiterbewegung ernsthaft zur Kenntnis nehmen. Er warnte die Regierung außerdem, die Arbeiter hätten bereits genug Opfer gebracht und seien nicht länger bereit, für die Krise des Kapitalismus den Prügelknaben zu spielen.
Diese Dinge für sich genommen verdeutlichen die explosiven Widersprüche, die in der spanischen Gesellschaft heranreifen. Was fehlt, ist allein ein Katalysator. Und die Marxisten begriffen, dass theoretisch nicht ausgeschlossen war, dass sogar eine Bewegung der Schüler und Studenten als ein solcher Katalysator wirken könnte.
Die Explosionen des 4. Dezember überraschten alle – von der Bourgeoisie und der Regierung über die Presse und die Führungen von PSOE und KP bis hinunter zur unbedeutendsten Sekte. Nur die Marxistische Strömung hatte den Prozess im Voraus verstanden und war deshalb in der Lage, bei der Vorbereitung und Anleitung der Bewegung eine führende Rolle zu spielen.
Hier haben wir eine anschauliche Bestätigung von Trotzkis Definition der Theorie als „Überlegenheit der Voraussicht über das Erstaunen“. Jede andere Strömung, von links bis rechts, stand mit offenem Mund da. Die Verblüffung war so groß, dass sie lange brauchten, um zu reagieren.
Die spanischen Marxisten hingegen waren nur von den Ausmaßen der Bewegung überrascht, die die optimistischsten Prognosen weit übertrafen. Dennoch konnten sie schnell reagieren und den anfänglichen Erfolg festigen.
Die Frage der Losungen gewann nun brennende Bedeutung. Eine marxistische Strömung, die diesen Namen verdient, muss neben einem festen Griff auf die theoretischen Grundlagen auch über genügend Flexibilität verfügen, um auf dem Feld der Taktik jederzeit erfolgreich manövrieren zu können.
Ursprünglich hatte die Taktik darin bestanden, mit dem Aufruf zu einem 24-stündigen Generalstreik an den Schulen am 4. Dezember das Terrain zu sondieren und dann, angesichts der nahen Weihnachtsferien, weitere Aktionen für Januar vorzubereiten.
Doch der Klassenkampf lässt sich nicht auf Bestellung produzieren und auch nicht zwingen, einer vorgegebenen Abfolge zu folgen wie ein Orchester dem Taktstock des Dirigenten. Er besteht aus lebendigen Kräften, die ihre eigene Gesetzmäßigkeit und Dynamik entwickeln.
Der enorme Erfolg des Streiks zwang die Führung, ihre Losungen zu überdenken. Die Stimmung und der Druck von unten waren so stark, dass es offenkundig nicht infrage kam, weitere Aktionen auf Januar zu verschieben. Die einzige Frage lautete: Was war der nächste Schritt?
Für Freitag, den 5. Dezember, hatte die Schülergewerkschaft zu Vollversammlungen aufgerufen, um die Ergebnisse der Aktion zu bilanzieren. Zudem zeigten die Vorgespräche mit dem Ministerium, dass dieses bereits Zugeständnisse machte (Rücknahme des Erlasses, Beibehaltung der Septemberprüfungen usw.), wenn auch nicht in den zentralen Fragen der Zulassung der abgewiesenen Schüler und zusätzlicher Mittel für die Bildung.
Die Führung hatte richtig entschieden, die Verhandlungen mit dem Ministerium fortzusetzen und weitere Zugeständnisse anzustreben, auch wenn man das Gefühl hatte, dass die grundlegenden Forderungen nicht erfüllt würden. Es schien besser, das Verhandlungspotenzial auszuschöpfen – vor allem, um zu zeigen, dass es der Schülergewerkschaft ernst war und dass sie „gesprächsbereit“ war, und um dem Ministerium und der Regierung die Verantwortung für ein Scheitern der Verhandlungen und die anschließende Wiederaufnahme der „Feindseligkeiten“ zuzuschieben.
Sie waren sich jedoch auch der Gefahr dieser Taktik bewusst. Erstens würde das Ministerium offensichtlich auf Verzögerung setzen und die Gespräche bis in die Ferienzeit hinziehen. Es würde die Zeit nutzen, um eine Kampagne schmutziger Tricks gegen die Schülergewerkschaft vorzubereiten und dabei vermutlich einige Zugeständnisse machen. Am gravierendsten aber: Wie würden die Jugendlichen die Verhandlungen deuten? Die Schülergewerkschaft durfte nicht als Bremse der Aktion erscheinen. Es wäre verheerend gewesen, von der radikalisierten Jugend als bloße „Schwätzer“ oder als übertrieben um juristische Feinheiten besorgt wahrgenommen zu werden.
Tatsächlich kehrten am Freitag die meisten Schulen auf Anraten der Schülergewerkschaft in den Unterricht zurück, während andere Gebiete gerade erst in den Streik traten. In Barcelona lag ein Sonderfall vor. Wegen der Polizeibrutalität und der Festnahme von sechs Schülern rief die Schülergewerkschaft in Barcelona zur Fortsetzung des Streiks auf. Diesem Aufruf folgte die große Mehrheit. Die nationale Führung warnte, sie werde ab dem folgenden Dienstag zum unbefristeten Streik aufrufen, falls nicht alle sechs freigelassen würden. Die verhafteten Genossen kamen daraufhin rasch frei.
An dieser Stelle ist ein komplizierender Umstand zu erläutern. Auf den Streik folgte ein Wochenende mit einem dreitägigen landesweiten Feiertagsblock, der auch den Montag umfasste. Der Unterricht sollte erst am Dienstag wieder beginnen. Deshalb bezog sich das Ultimatum der Schülergewerkschaft auf diesen Tag.
Neben Barcelona ergriffen viele Gebiete – besonders abgelegene Dörfer, die sich am Streik nur deshalb nicht beteiligt hatten, weil der Aufruf sie nicht erreicht hatte – von sich aus die Initiative. So war es zum Beispiel im Industrievorort Leganés, einer Arbeiterstadt mit 160.000 Einwohnern am Rande Madrids, und ebenso in Guadalajara. Die Schüler dachten sich: „Warum sollen ausgerechnet wir außen vor bleiben?“ In jedem einzelnen Fall riefen die betreffenden Jugendlichen jedoch bei der Schülergewerkschaft an, erklärten, warum sie streikten, und baten um Rat.
Insgesamt genoss die Schülergewerkschaft enorme Autorität bei breiten Schichten der Jugend, die ihre Rolle als Organisatorin und Führerin des Kampfes anerkannten.
Es besteht allerdings ein großer Unterschied zwischen dieser Generation und den jungen Menschen, die im Untergrund und während der revolutionären Erschütterungen von 1975–77 gegen das Franco-Regime gekämpft haben. Jene Generation wuchs unter der Diktatur auf, war stark politisiert, hegte aber große Illusionen in die Aussicht auf eine bürgerliche Demokratie und erwartete die Führung von den Spitzen der Sozialistischen und vor allem der „Kommunistischen“ Partei. Fast diese gesamte Generation, besonders unter den Studierenden, ist in der letzten Periode verloren gegangen. Da ihr die nötige marxistische Schulung und Perspektive fehlte, wurde sie demoralisiert und desillusioniert – angewidert vom schamlosen Verrat der reformistischen und stalinistischen Führer von PSOE und PCE.
Die neue Generation, die nun zum ersten Mal in den Kampf tritt, besteht aus frischen Schichten ohne politische Erfahrung und mit weit weniger Illusionen in die alten Führungen. Ganz im Gegenteil: Als Ergebnis der bitteren Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit herrscht eine tiefe und nicht gänzlich ungesunde Skepsis gegenüber allen politischen Parteien, Programmen und „Führern“.
Diese Eigenschaften eröffnen einer revolutionären Strömung enorme Möglichkeiten und schaffen zugleich gewisse Schwierigkeiten. Das Entscheidende ist die Frische der neuen Schichten, frei von stalinistischen und reformistischen Vorurteilen und offen für die revolutionärsten Ideen. Zu berücksichtigen sind allerdings auch das Misstrauen gegenüber „Organisation“ und die Furcht vor bürokratischer Manipulation, verbunden mit einem ausgeprägten Hang zu extremer „Demokratitis“, der eine solche Bewegung unvermeidlich kennzeichnet. Eine marxistische Führung, die in diesen Fragen nicht genügend Fingerspitzengefühl hätte, würde sich sehr schnell das Genick brechen.
Die Führung der Schülergewerkschaft bewies ein instinktives Gespür für diese Elemente in der Haltung, die sie gegenüber den vereinzelten spontanen Streiks am 5. Dezember und danach einnahm. Schulen, die ohne Aufruf in den Streik getreten waren, wurde Folgendes geraten: „Die Schülergewerkschaft hat für heute nicht zum Streik aufgerufen. Unsere Position lautet: Vollversammlungen an den Schulen, um die Lage zu diskutieren. Wenn die Schüler an eurer Schule jedoch in einer demokratischen Vollversammlung für Streik gestimmt haben, dann zieht das durch – die Schülergewerkschaft steht hinter euch.“
Diese Antwort passte sehr gut zur Stimmung und zu den Vorstellungen der Mehrheit der Schüler zu jener Zeit.
Der Gedanke einer Schülergewerkschaft hatte bei einer breiten Schicht von Schülern einen Nerv getroffen. Unmittelbar nach dem 4. Dezember war das eine Telefon der Schülergewerkschaft dauerhaft blockiert – überwiegend durch Anrufe von Schülern, die um Rat und Informationen baten, aber auch von Eltern und Lehrern, die alle ihre Unterstützung bekundeten, fragten, wie sie helfen könnten, Geld anboten und so weiter. Die Schülergewerkschaft wurde auch von den Medien belagert, deren Rolle weiter unten behandelt wird.
Die Genossen leisteten trotz geringer Mittel großartige Arbeit. Ständig bis zum Äußersten beansprucht, bildeten sie kleine fliegende Streikposten aus zwei oder drei Leuten, um die Schulen zu besuchen – beginnend mit jenen, die streikten, und jenen, die um einen Vertreter der Schülergewerkschaft gebeten hatten. In Leganés, das am Freitag streikte, improvisierten die Schüler eine Demonstration von 1.000 Menschen vor dem Rathaus. Sie wussten allerdings nicht recht, was sie tun sollten, bis zwei Genossen auftauchten und zu ihnen sprachen – unter begeistertem Applaus. Diese stabile von der Arbeiterklasse geprägte Region erwies sich, zusammen mit der Mehrheit der Städte des „roten Gürtels“ am Rande Madrids, als absolutes Rückgrat der Schülergewerkschaft. In der Innenstadt Madrids dagegen, mit ihrer gemischteren Bevölkerung und dem kleinbürgerlichen Einschlag an den Schulen, stießen die Genossen auf gemischtere Reaktionen – wenn auch stets mit einer klaren Mehrheit für Aktionen.
Nachdem die Initiative errungen war, musste sie um jeden Preis gehalten werden. Die Genossen hatten den Vorteil des Überraschungsmoments. Das Tempo der Bewegung brachte alle anderen Gruppen aus dem Gleichgewicht. Das verschaffte einen gewissen zeitlichen Spielraum, um sich zu organisieren.
Die personellen und materiellen Mittel waren jedoch kläglich unzureichend, um eine Bewegung dieser Größe zu bewältigen. Schon eine oder zwei zusätzliche Telefonleitungen wären ein enormer Vorteil gewesen. So aber war es praktisch unmöglich, durchzukommen.
Aus Sicherheitsgründen, die hier weit dringlicher sind als in jedem anderen europäischen Land (weil es sehr aktive und aggressive faschistische Gruppen gibt), war es nicht ratsam, die Adresse der Zentrale der Schülergewerkschaft öffentlich zu machen – einer kleinen Wohnung, die zu allem Überfluss in einem Viertel mit beträchtlicher faschistischer Präsenz lag.
Von Anfang an erhielten Aktivisten der Schülergewerkschaft Drohungen von Faschisten. Diese sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Vor einigen Jahren wurde eine führende Schülerin, ein junges Mädchen, in Madrid von Faschisten entführt und ermordet. Die Sicherheitsfrage gewann daher zentrale Bedeutung. Dass ein öffentlich zugängliches Büro unmöglich war, stellte allerdings ein ernstes Handicap dar, das später nur teilweise dadurch gemildert wurde, dass UGT und CCOO Räume zur Verfügung stellten.
Als unmittelbare Reaktion auf die Ereignisse tagte die Führung der Marxistischen Strömung am Wochenende des 6. und 7. Dezember praktisch permanent, zusammen mit den führenden jugendlichen Genossen in der Schülergewerkschaft.
Dass die Zeit von Samstag bis Montag ein Feiertagsblock war, hatte seine negative Seite: eine vorübergehende Unterbrechung der Bewegung und eine Atempause für den Gegner. Im Wesentlichen aber war es ein Geschenk des Himmels für die Marxisten, denn es verschaffte ihnen kostbare Zeit, um ihre Kräfte auf nationaler Ebene zu mobilisieren und die richtige Strategie und Taktik auszuarbeiten.
Es war nicht ganz klar, welche Stimmung herrschen würde, wenn der Unterricht am folgenden Dienstag wieder begann. Man hielt es jedoch für am wahrscheinlichsten, dass die Bewegung mit neuer Kraft weitergehen würde. Die Taktik der Verhandlungskommission wurde ausführlich erörtert. Es war klar, dass das Ministerium versuchen würde, auf Zeit zu spielen und die Verhandlungen hinzuziehen, in der Hoffnung, die Weihnachtsferien würden der Bewegung den Boden entziehen.
Es galt, einen festen Kurs zu steuern, der die Gefahren ultralinken Abenteurertums vermied, ohne auch nur den geringsten Anflug von Unentschlossenheit oder mangelndem Kampfeswillen erkennen zu lassen.
Die ernsteste Gefahr bestand darin, dass die kämpferischsten Teile der Jugend die Haltung der Schülergewerkschaft als Opportunismus deuten könnten. Es bestand das Risiko, dass die Bewegung einfach in einer Reihe spontaner Streiks und Demonstrationen ausbrechen und zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Angriffen der faschistischen Gruppen führen würde, bei denen die Schüler – ohne die nötige Führung, Organisation und Verteidigung – zusammengeschlagen worden wären.
Angesichts des Fehlens einer ernsthaften nationalen Organisation wäre es abstrakt betrachtet am besten gewesen, für Januar zu einem weiteren Generalstreik im gesamten Bildungswesen aufzurufen. Eine solche Position wäre jedoch hoffnungslos an der tatsächlichen Stimmung der Jugend vorbeigegangen. Dieser Gedanke, der bis zum 5. Dezember die Position der Schülergewerkschaft gewesen war, hatte sich binnen 24 Stunden erledigt.
Bei jeder Form von Massenaktivität kommt es vor allem darauf an, dass die zentralen Losungen klar und absolut eindeutig sind, damit über die wirklichen Ziele und Absichten der Führung keine Verwirrung entstehen kann.
Es wurde daher beschlossen, so schnell wie möglich einen weiteren 24-stündigen Generalstreik mit Demonstrationen in ganz Spanien anzustreben. Der frühestmögliche Termin für eine legale Demonstration war der 17. Dezember. Die Genossen beschlossen also, es mit diesem Datum zu versuchen. Auch diese Entscheidung barg Risiken. Würden die Genossen in den Provinzen die Genehmigung rechtzeitig erhalten? (Es war inzwischen Sonntagnachmittag.) Und, wichtiger noch: Würde die Jugend einen weiteren eintägigen Streik mit Demonstration für ausreichend halten? Liefen wir der Bewegung nicht hinterher?
Der Gedanke, einen unbefristeten Streik bis Weihnachten auszurufen, wurde erwogen. Die Stimmung an den Schulen war elektrisch. Es bestand die Möglichkeit, dass die Schulen selbst dann spontan in den Streik treten würden, wenn die Schülergewerkschaft nicht zum unbefristeten Streik aufrief.
Nach sorgfältiger Abwägung wurde dieser Gedanke jedoch verworfen. Das Hauptproblem war, dass die Schülergewerkschaft selbst keine Zeit gehabt hatte, sich zu organisieren. Ein unbefristeter Streik wäre unvermeidlich auf lokaler Ebene auf die Straße übergeschwappt. Die Faschisten hätten sich die schwächsten Gebiete ausgesucht und zugeschlagen. Sämtliche Demonstrationen wären illegal gewesen, und die Polizei hätte entsprechend eingegriffen. Es hätte viele Verletzte, Festnahmen und sogar die Möglichkeit von Todesopfern gegeben. Die Bewegung hätte Gebiet für Gebiet zerschlagen werden können.
Die Losung „Alle raus am 17.“ bedeutete nicht bloß eine Wiederholung des vorangegangenen Aktionstages. So erfolgreich dieser war – er war nicht allumfassend. Wichtige Gebiete wie das Baskenland (außer Álava), Valencia und Asturien hatten sich nicht beteiligt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, etwa Sevilla aus gewissen Gründen, waren die Studenten auf Distanz geblieben. Ziel war daher, eine hundertprozentige Beteiligung und die Stilllegung des gesamten Bildungssystems einschließlich der Universitäten zu erreichen.
Tatsächlich waren bereits weitere Schichten in den Kampf hineingezogen worden. Die Abendschüler, ein der Arbeiterklasse sehr nahestehender Teil, traten in der Nacht des 4. Dezember aus Solidarität in den Streik. Sogar die Erwachsenenklasse des Keramikinstituts in Madrid (ein sehr rückständiger Bereich) begann eine Besetzung zur Unterstützung ihrer eigenen Forderungen.
Der wesentliche Kern der Taktik war: (a) die Initiative zu behalten, indem ein klares Ziel gesetzt wurde, das den Kampf einte und vorantrieb, und (b) das Niveau zu heben, indem die Bewegung ausgeweitet und die Forderungen schrittweise erweitert und politischer gefasst wurden – im Einklang mit den konkreten Erfahrungen der kämpfenden Jugend.
Was den zweiten Aspekt betrifft, so wurden einige neue Forderungen in das ursprüngliche Programm aufgenommen, das in seiner erweiterten Form nun die offizielle Plattform des Verhandlungskomitees der Schülergewerkschaft wurde.
Auf der Demonstration am 4. Dezember in Madrid erhielten die Schüler eine wichtige Lektion über das Wesen des Staates – nicht aus Lenins Staat und Revolution, sondern durch die Schlagstöcke der Polizei und die Messer und Knüppel der faschistischen Banden, die als deren Hilfstruppen auftraten.
Um Druck auf die „sozialistische“ Stadtverwaltung in Madrid auszuüben, forderte die Schülergewerkschaft den Rücktritt der Zivilgouverneurin[2]. Ebenso in Barcelona. Diese Forderung erwies sich zumindest in Madrid als wirksam, wo sich die Haltung der Zivilgouverneurin (ein PSOE-Mitglied) zwischen der ersten und der zweiten Demonstration bemerkenswert wandelte: Bei der zweiten bemühte sie sich betont um Zusammenarbeit und ging so weit, die Schülergewerkschaft öffentlich von jeder Verantwortung für die Unruhen freizusprechen, die Provokateure im Anschluss an die Demonstration verursacht hatten. Angesichts dessen, dass die Schülergewerkschaft der Strafverfolgung ausgesetzt war, war das äußerst nützlich. Diese Damen und Herren sind immer ganz besonders empfindlich, wenn ihre Karriere und ihr Einkommen auf dem Spiel stehen!
Was die Faschisten betrifft, so lieferten ihre brutalen Überfälle auf die Schüler in Madrid der Schülergewerkschaft sämtliche Munition, die sie brauchte, um das Wesen dieser Schakale bloßzustellen und die Forderung nach ihrem Ausschluss aus den Schulen zu erheben.
Merkwürdigerweise stieß das bei Teilen der Schülerschaft auf Widerspruch und eine gewisse Verwirrung. Für diese Generation, die keine eigene Erfahrung mit der Franco-Diktatur hat und die Sphäre der Politik mit einer gewissen Naivität und mit verwirrten Vorstellungen betreten hat, ist „Faschismus“ bloß eine politische Strömung unter anderen, die man gut oder schlecht finden kann, die aber zu tolerieren sei. Das Treiben bestimmter faschistischer Organisationen (darunter die Falange-Jugend!), die versuchten, die Schülerbewegung auszunutzen, um die PSOE-Regierung anzugreifen, Streiks anzuheizen, die Polizei anzugreifen und sogar demagogisch einige Losungen der Marxisten nachzuplappern, trug zusätzlich zur Verwirrung bei.
Doch die kaltblütigen Angriffe der Nazi-Schläger wurden zum Kristallisationspunkt für die Forderung nach dem Ausschluss der Faschisten – eine Forderung, die offensichtlich nicht vom Staat umgesetzt werden kann, sondern nur von unten durch eine Bewegung der Schüler selbst, gestützt auf die Arbeiterorganisationen. Ihre Aufnahme in die Verhandlungsplattform diente vor allem propagandistischen Zwecken. Eine amüsante Randnotiz: Als dieser Punkt in den Verhandlungen zur Sprache kam, bemerkte der Vertreter des Ministeriums, er persönlich habe zwar Sympathie für die Forderung, aber „das ist eure Sache“.
Die Schülergewerkschaft beabsichtigte, eine systematische antifaschistische Kampagne an den Schulen durchzuführen. Diese musste jedoch hinter der Organisierung des Streiks zurückstehen. Immerhin sollte nun an jeder Schule ein vierköpfiges Komitee eingerichtet werden, das neben einem Schriftführer, einem Kassier und einem Pressebeauftragten auch eine für Sicherheit zuständige Person umfasste. Wie wichtig das war, zeigte sich am 17. Dezember in vollem Umfang.
Die Stimmung an den Schulen nach dem 4. Dezember zeigte sich bei einem Delegiertentreffen, das die Schülergewerkschaft am Samstag, dem 6., in Madrid einberief. Als die Frage der Verhandlungen erläutert wurde, wurden Stimmen laut, die das Verhandlungskomitee warnten, sich nicht hinters Licht führen zu lassen: „Glaubt nicht, was die sagen. Unsere Forderungen kriegen wir nur, wenn wir kämpfen.“ Jemand schlug vor, über die Weihnachtsferien alle Schulen zu besetzen. Und als die Rolle der Faschisten zur Sprache kam, schlug ein Delegierter vor, Sondertrupps zu bilden, die losziehen und Nazis umbringen sollten!
Eines war absolut klar: Nie wieder sollten unbewaffnete und ungeschützte Jugendliche auf die Straße geschickt werden, um sich den Messern und Knüppeln faschistischer Schläger zu stellen.
Die weiteren zentralen Forderungen, die in die Plattform aufgenommen wurden, betrafen den Erhalt und Ausbau sämtlicher Abendschulkurse. Es war wichtig, die Interessen eines sehr stark von Arbeiterkindern geprägten Teils der Schülerschaft zu vertreten. Hinzu kam das „Recht jedes Schülers, in den zweisprachigen Gemeinschaften in seiner oder ihrer eigenen Sprache zu lernen, sowie das Recht, in jeder der beiden Sprachen zu lernen“. Damit sollten die Bestrebungen der Jugend der unterdrückten Nationalitäten aufgegriffen werden; das war wichtig, um die Bewegung in Katalonien, Galicien, Valencia und vor allem im Baskenland zu festigen, wo sich die nationale Frage als enorm komplizierender Faktor erwies.
Von Anfang an genoss die Bewegung an den Schulen erhebliche Unterstützung in breiten Teilen der Arbeiterschaft, angefangen bei den Eltern und Lehrern. Die Schülergewerkschaft erkannte, dass es wichtig ist, die Bewegung mit den Arbeiterorganisationen zu verbinden und ebenso mit den Eltern- und Lehrervereinigungen, von denen mehrere Unterstützung und sogar Geld zusagten.
Es wurde ein Flugblatt produziert, das um Solidarität aus der Arbeiterbewegung bat und dafür gedacht war, in jeden Betrieb, jeden Betriebsrat und jede Gewerkschaftssektion getragen zu werden. Für Spenden wurde ein eigenes Konto eingerichtet, und es wurden Sammlungen organisiert.
Eine der wichtigsten Waffen in der Hand der Schülergewerkschaft war der Zugang zum Apparat der Marxistischen Strömung – der einzigen Strömung der spanischen Linken, die über eine eigene Druckerei verfügt.
Der enorme persönliche Einsatz der Genossen in der Druckerei, die die ganze Nacht durcharbeiteten, um die überaus hochwertige Propaganda, die Flugblätter und Plakate für den 17., die Mitgliedsausweise der Schülergewerkschaft und sogar einen eigenen Aufkleber herzustellen, ermöglichte es der Schülergewerkschaft, rasch eine Flut von Material auszugeben, das schnell seinen Weg in die Schulen fand.
Innerhalb weniger Tage konnte die Schülergewerkschaft mit begrenzten Mitteln weit mehr und weit besseres Material produzieren als eine um ein Vielfaches größere Organisation – und ließ all ihre Gegner nach Luft schnappen.
Seit dem 4. Dezember stellten die bürgerlichen Zeitungen in Spanien immer dieselbe Frage: „Wer steckt hinter alldem?“
Eine Zeitung kannte die Antwort nur zu gut: El País. Die selbsternannte „liberale“ und „unabhängige“ Tageszeitung ist inzwischen zum wichtigsten Sprachrohr der spanischen Bourgeoisie geworden. Sie unterhält wenig überraschend ausgezeichnete Verbindungen zu den rechten Führern der PSOE. Sie ist daher äußerst gut über die Aktivitäten der Marxistischen Strömung informiert, deren öffentliches Organ die vierzehntäglich erscheinende Nuevo Claridad ist und deren Anhänger vor einigen Jahren mehrheitlich aus der PSOE ausgeschlossen wurden.
El País hat sich immer außerordentliche Mühe gegeben, sämtliche Informationen über die Auffassungen und Aktivitäten der Marxistischen Strömung zu verbergen und zu unterdrücken – nicht nur in Spanien, sondern auch über deren Genossen in Großbritannien. Wie ist es zum Beispiel möglich, dass eine angeblich „liberale“ Zeitung mit eigenem Korrespondenten in London Artikel über die britische Labour Party veröffentlicht, ohne die Marxistische Strömung („Militant“) auch nur ein einziges Mal zu erwähnen? Ein schwieriges Kunststück – aber für El País scheint nichts unmöglich zu sein.
Dieses bürgerliche Schmierblatt spielte gegenüber der Schülergewerkschaft die übelste Rolle. Von Anfang an war seine Haltung offen feindselig. Keine Mühe wurde gescheut, um die Rolle der Schülergewerkschaft herunterzuspielen: Zunächst hieß es, die Sache sei rein „spontan“; später wurde behauptet, sie werde von ominösen „autonomen Koordinierungskomitees“ organisiert, von denen noch nie jemand gehört hatte. Als das Blatt schließlich nicht umhinkam, die Schülergewerkschaft zu erwähnen, behauptete es, sie werde von der lambertistischen Sekte geführt – in vollem Wissen darum, dass diese Kräfte die Schülergewerkschaft heftig bekämpften, und mit dem Ziel, sie mit dem Ruch des Sektierertums zu behaften. Die Gegendarstellungen der Schülergewerkschaft druckte das Blatt nicht ab – nicht einmal als Leserbrief!
Wohlwollende Journalisten (von denen es inzwischen einige gibt) haben der Schülergewerkschaft deutlich gemacht, dass der Presse die genaue Beschaffenheit der Bewegung und ihrer Führung bekannt war. Dennoch stellte sich El País – in linken und fortschrittlichen Kreisen weit verbreitet – hartnäckig dumm. Das war offenkundig kein Zufall, sondern entspricht einer bewussten Verschwörung, in der El País im Auftrag und im Zusammenspiel mit dem Ministerium und der Regierung handelte, um den Einfluss der Schülergewerkschaft und der in ihr dominierenden Marxistischen Strömung zu untergraben.
Ironischerweise haben die rechten und konservativen Zeitungen weit sachlicher berichtet. Da sie offensichtlich von nicht allzu vielen Schülern und Arbeitern gelesen werden, die man hätte beeinflussen können, galt das nicht als gefährlich. Die zunächst beste Berichterstattung bot die konservativ-katholische Tageszeitung Ya, die die Aktivitäten der Schülergewerkschaft im Großen und Ganzen zutreffend darstellte. Das reichte allerdings bei Weitem nicht aus, um den von El País angerichteten Schaden wiedergutzumachen.
Allerdings findet El País seine Leserschaft vor allem unter Studierenden und Angehörigen akademischer Berufe (sowie unter fortgeschrittenen Arbeitern und Gewerkschaftsaktivisten). Seine unmittelbare Wirkung auf die Schüler war weit geringer.
Um das Blatt zu wenden und den Krieg an der Propagandafront zu gewinnen, improvisierte die Schülergewerkschaft in aller Eile eine kleine Presseabteilung, die trotz der chaotischen Bedingungen, unter denen sie arbeitete, eine wichtige Rolle spielte: Sie gab täglich Presseaussendungen heraus und berief fast ebenso häufig Pressekonferenzen ein. Dadurch fand ein großer Teil des Materials doch den Weg in die Presse. Regionalzeitungen und Radiosender wurden gut genutzt. Ein paar Mal erreichten die Genossen auch gute Fernsehberichterstattung. Schließlich gab es, besonders nach dem 17. Dezember, auch in den überregionalen Tageszeitungen breite Berichterstattung, sogar in El País.
Unmittelbar nach Wiederbeginn des Unterrichts am Dienstag, dem 9. Dezember, begannen Vertreter der Schülergewerkschaft, das Ministerium zum sofortigen Beginn von Verhandlungen zu drängen. Wie vorhergesehen versuchte das Ministerium hinzuhalten und stimmte erst für Donnerstag einem Gespräch zu. Die Taktik des Verhandlungskomitees bestand darin, die Dinge so schnell wie möglich zur Entscheidung zu treiben und, falls die Hauptforderungen nicht akzeptiert würden, die Verhandlungen zu verlassen und zu neuen Aktionen aufzurufen.
Die Schülergewerkschaft hatte für Freitag zu Vollversammlungen an allen Schulen aufgerufen, um das Angebot des Ministeriums zu prüfen und über das weitere Vorgehen abzustimmen. Allen war bewusst, dass die Schülergewerkschaft für den 17. einen landesweiten Streik vorbereitete.
Die einzige verbleibende Sorge war, dass die Schülergewerkschaft durch die Annahme des Gesprächsangebots für Donnerstag als Mitspielerin der Hinhaltetaktik des Ministeriums erscheinen könnte. Umso notwendiger war es, den Gedanken des Streiks am 17. Dezember immer wieder einzuhämmern und den Blick der Schüler darauf gerichtet zu halten.
Tatsächlich bekräftigte das Ministerium seine Bereitschaft zu Zugeständnissen – aber nicht in den zentralen Fragen. Die Verhandlungen endeten am Donnerstag spät in der Nacht.
Bis Freitagmorgen hatten bereits viele Schulen in Madrid spontan für einen unbefristeten Streik gestimmt. Die genauen Zahlen waren nicht völlig klar, aber die allgemeine Tendenz war unverkennbar. Geriet die Schülergewerkschaft aus dem Takt mit der Bewegung? Darüber wurden Zweifel geäußert, und mehr als ein Genosse vertrat die Auffassung, man solle sich zumindest in Madrid für einen unbefristeten Streik ab Montag aussprechen.
Sehr kurzfristig war für Samstagabend eine Vollversammlung der Schülergewerkschaft in Madrid einberufen worden. Das würde ein guter Moment sein, um die Stimmung der Jugend zu testen.
Leider musste vor dem Zusammentreten der Versammlung noch eine weitere Hürde genommen werden.
Die ultralinken Sekten, die vor zehn Jahren Zehntausende Mitglieder für sich reklamierten – mit einer starken Basis unter den Studierenden –, sind in Spanien auf eine jämmerliche Handvoll zusammengeschrumpft, zerrüttet durch ihren völligen Mangel an Perspektiven, ihre abenteuerliche Politik und ihr organisatorisches Gangstertum. Diese Gestalten sahen mit offenem Mund zu, wie die Bewegung, deren Existenz sie nachdrücklich bestritten hatten, an ihnen vorbeifegte.
Nachdem sie bis zum 6. Dezember überhaupt keine Rolle in der Bewegung gespielt hatten (sie hatten sie sogar bekämpft), versuchten sie nun, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Zu diesem Zweck klammerten sie sich, da ihnen eine Basis unter den Schülern fehlte, zynisch an das Koordinierungskomitee, das formal einer der Organisatoren des Streiks gewesen war, obwohl in der Praxis die gesamte Arbeit von der Schülergewerkschaft geleistet worden war.
Das Koordinierungskomitee hatte formal das Verhandlungskomitee gewählt. Zu jenem Zeitpunkt bestand kein Zweifel daran, dass die Schülergewerkschaft die Mehrheit hatte. Man hatte jedoch vereinbart, das Koordinierungskomitee am Morgen des Samstags, dem 13., erneut einzuberufen, um den Bericht des Verhandlungskomitees entgegenzunehmen.
Diese Sitzung wurde von den Sekten gefüllt, die mit der alleinigen Absicht kamen, sie zu sprengen, die Schülergewerkschaft anzugreifen und vor allem das Verhandlungskomitee abzuberufen. Da dies absehbar war, sprach sich ein Teil der Genossen dafür aus, die Sitzung abzusagen. Tatsächlich hatte der Gang der Ereignisse das Koordinierungskomitee überflüssig gemacht. Die Schülergewerkschaft bestimmte inzwischen das gesamte Geschehen. Das Problem bestand allerdings darin, dass die neuen Schichten der Jugend die Rolle der Sekten nicht verstanden, weil sie keine Erfahrung mit ihnen hatten. Selbst Mitglieder des Verhandlungskomitees hätten eine Absage dieser Sitzung zu diesem Zeitpunkt nicht nachvollziehen können.
Die erfahreneren Marxisten waren zunächst für eine Absage, ließen sich aber davon überzeugen, dass man diese Erfahrung wahrscheinlich durchlaufen musste, um die unerfahreneren Jugendlichen von der tatsächlichen Sachlage zu überzeugen.
Am Ende gewannen die Schülergewerkschaft und die Marxisten sämtliche Argumente. Das beeindruckte die Sekten jedoch nicht, die von der „Euro“-KP bis aufs Äußerste gedeckt wurden und ohnehin auf eine Spaltung aus waren. Das hysterische Auftreten dieses kleinbürgerlichen Gesindels stieß alle guten Elemente vor den Kopf, deren Unterstützung für die Schülergewerkschaft dadurch wuchs. Der eine Sektierer im Verhandlungskomitee trat zurück. Anschließend jagten sie eine verlogene Presseerklärung heraus, in der behauptet wurde, „das alte Verhandlungskomitee ist zurückgetreten“. Die Bedeutung dieses zynischen Manövers wurde später nur allzu deutlich.
Die Versammlung am Abend war demgegenüber ein großer Erfolg. Man wandte sich an die UGT, die der Schülergewerkschaft half, einen großen Saal zu buchen. Trotz scheußlichen Wetters, an einem Samstagabend und an einem schwer zu findenden Ort kamen über 800 Schüler. An einem Werktag wären es um ein Vielfaches mehr gewesen.
Es war eine lebhafte Versammlung. Der Hauptsprecher der Schülergewerkschaft erläuterte unsere Ideen. Dann erhob sich Redner um Redner, um kurz aus den Provinzen zu berichten. Die wenigen anwesenden Sektierer versuchten, Verwirrung zu stiften und die Schülergewerkschaft und die Marxistische Strömung anzugreifen, stießen damit aber auf taube Ohren. Die Jugendlichen wollten über den Kampf diskutieren!
Ein Teil der Anwesenden, deren Schulen bereits streikten, forderte das Recht, einen Antrag auf einen unbefristeten Streik einzubringen. Das wurde akzeptiert. Nach einer kurzen und durchaus angespannten Debatte stimmten jedoch zwei Drittel gegen einen unbefristeten Streik und dafür, die Kräfte auf den 17. zu konzentrieren. Nach der Abstimmung stellte das Präsidium unmissverständlich klar, dass jede streikende Schule bei dieser Haltung dennoch auf die volle Unterstützung der Schülergewerkschaft zählen könne. Diese Debatte offenbarte mehr als alles andere, welchen Reifegrad diese jungen Menschen erreicht hatten.
Durch ihre Aktivitäten entlarvten sich die Sektierer und ihre „Kommunistischen“ Verbündeten als bewusste oder unbewusste Handlanger der Regierung. Völlig uninteressiert am Erfolg oder Misserfolg des Streiks, waren sie ausschließlich von dem Wunsch getrieben, die Bewegung zu kontrollieren, sowie von einem blinden Hass auf diejenigen, die ihnen im Weg standen – die Schülergewerkschaft und die Marxistische Strömung. Wie immer lautete ihre Kampfparole: „Herrschaft oder Untergang!“
Bei dieser schmutzigen Arbeit wurden sie tatkräftig von El País unterstützt, das in seiner vielgelesenen Sonntagsausgabe auf der Titelseite ein großes Bild der Demonstration vom 4. Dezember abdruckte, aber mit großen Schlagzeilen die „Nachricht“ brachte, dass das Madrider Koordinierungskomitee in der Nacht zum Dienstag, dem 16. Dezember, eine wichtige Sitzung an der Universität abhalten würde. Ziel dieser Sitzung war es, eine „repräsentative“ Führung der Schülerbewegung zu wählen. Kein Wort über die Versammlung der Schülergewerkschaft am Samstag oder darüber, dass diese bereits ein Komitee aus 50 Delegierten gewählt hatte, die die Mehrheit der Schulen in Madrid vertraten! Später stellte sich heraus (dank eines befreundeten Fernsehjournalisten), dass Presse und Fernsehen angewiesen worden waren, sich von der Versammlung fernzuhalten.
Als die Führung der Schülergewerkschaft erkannte, was sich anbahnte, brachte sie rasch ein Flugblatt heraus, in dem sie den Betrug dieser Versammlung aufdeckte und alle Studierenden dazu aufrief, demokratische Wahlen in den einzelnen Fakultäten abzuhalten, um ein echtes Komitee zu bilden, das die Aktionen am 17. Dezember mit den Schulen koordinieren sollte.
Trotz der massiven kostenlosen Werbung in El País erschienen letztendlich nur 300 Menschen zu dieser Versammlung. Davon waren mindestens 100 gutgläubige junge Leute, die durch die Werbung hingeleitet worden waren und größtenteils dachten, die Versammlung sei von der Schülergewerkschaft einberufen worden! Lässt man eine gewisse Anzahl verwirrter und schwankender Teile sowie die moskautreuen KP-Anhänger außer Acht, die später eine 180-Grad-Wende vollzogen und von der Ablehnung der Schülergewerkschaft zu ihrer Unterstützung (zumindest verbal) übergingen, bleiben etwa 100 bis 150 übrig. Und das ist alles, was die Sekten und die KP in einer Stadt mit 4 Millionen Einwohnern auf die Beine stellen konnten, nachdem sie den Boden durchkämmt und unter jedem Stein geschaut hatten!
Es versteht sich von selbst, dass keiner dieser Damen und Herren gewählt worden war. Sie vertraten nur sich selbst. Doch was ihnen an Unterstützern fehlte, machten sie durch Hysterie und plumpes Rowdytum wett. Sie versuchten, die Vertreter der Schülergewerkschaft am Reden zu hindern, und unterbrachen sie dann mit Buhs und Zwischenrufen. Doch wieder einmal trieb ihre Taktik die vernünftigen Kräfte in die Arme der Schülergewerkschaft. Das Flugblatt der Schülergewerkschaft schlug mit seinem kompromisslosen Ton ein wie eine Bombe. Doch es gelang ihnen, ihre schändliche Farce zu Ende zu führen: Sie wählten einen Ausschuss – und das war der entscheidende Punkt –, verabschiedeten einen Beschluss, wonach sie am nächsten Tag an der Spitze der Demonstration stehen würden, und dass ein „paralleler Ordnerdienst“ organisiert werden sollte.
Auch in einigen anderen Gegenden tauchten plötzlich „Koordinierungskomitees“ auf. In Getafe, einem Industrievorort von Madrid, tauchte Material mit dem Logo der Schülergewerkschaft auf, gefälscht von der Moreno-Sekte, die versuchte, aus der Schülergewerkschaft Kapital zu schlagen, indem sie zynischerweise deren Namen missbrauchte. Als eine Genossin der Schülergewerkschaft zu ihrer Versammlung erschien, versuchten sie, sie fernzuhalten, bis die Jugend verlangte, dass sie hereingelassen wird. Als die Wahrheit ans Licht kam, waren die meisten empört und beschlossen, der echten Schülergewerkschaft beizutreten.
Es besteht kein Zweifel daran, dass diejenigen, die sich dieser Spaltungstaktiken bedient haben, die Drecksarbeit der Regierung verrichteten – indem sie die Bewegung buchstäblich am Vorabend des Kampfes spalteten und desorientierten. Das Verhalten von El País, jenem bewusstesten Sprachrohr des spanischen Großkapitals, zeigte, worum es wirklich ging. Nachdem die Zeitung am Sonntag die Schülerbewegung prominent in den Vordergrund gestellt hatte, um für das Treffen der Sekten und der KP zu werben, schwieg El País am Morgen des 17. Dezembers, als alle anderen Zeitungen über den Streik berichteten. Für die Aktivitäten der Saboteure werben? Nur zu! Die Sache des Streiks fördern? Gott bewahre!
Auch die nationale Frage trug dazu bei, die Lage zu verkomplizieren. In Valencia und Katalonien versuchten die kleinbürgerlichen Nationalisten, den Streik zu sabotieren, wurden jedoch wirksam abgewehrt. Im Baskenland stießen der Streik und die Schülergewerkschaft vom ersten Moment an auf heftigen Widerstand seitens der Anhänger des radikalen baskischen Nationalismus, vertreten durch Herri Batasuna (HB) und deren Jugendorganisation Jarrai.
Zum ersten Mal seit zehn Jahren sah Herri Batasuna ihren Einfluss unter der baskischen Jugend durch eine internationalistische Marxistische Strömung ernsthaft in Frage gestellt. Sie reagierte mit einem hysterischen Ausbruch, der selbst für HB-Verhältnisse überraschend brutal war.
In einem verzweifelten Versuch, die Bewegung zu entschärfen, rief Jarrai für Freitag, den 14. Dezember, einen Generalstreik an den Schulen aus – aus Anlass der Auslieferung von ETA-Mitgliedern aus Frankreich. Zu Jarrais Enttäuschung war der Streikaufruf ein Reinfall.
Ihre anschließende Hysterie lässt sich durch eine einzige Sache erklären: Angst. Sie hatten genau auf jenem Gebiet eine Niederlage erlitten, auf dem sie stets uneingeschränkt geherrscht hatten! Sie schlugen wild in alle Richtungen um sich. Auf den Seiten ihrer Tageszeitung Egin startete Herri Batasuna eine Kampagne voller gehässiger Beschimpfungen und Lügen gegen die Schülergewerkschaft. Der Streik vom 4. Dezember sei (laut einer Bildunterschrift auf Baskisch) von „Kommunisten und Faschisten“ organisiert worden. Die Schülergewerkschaft wurde als „Polizeigewerkschaft“ beschrieben, die im Einvernehmen mit dem Zivilgouverneur gegründet worden sei (diese Wortwahl reicht im Baskenland schon aus, um Menschen erschießen zu lassen) und so weiter und so fort.
Nach dem Scheitern des Abenteuers vom 14. Dezember sah sich Jarrai widerwillig gezwungen, für den 17. Dezember zum Streik aufzurufen. Zweifellos muss es interne Widersprüche und Druck in den eigenen Reihen und unter den Sympathisanten gegeben haben. Doch der Aufruf zum Streik bedeutete keineswegs eine Abschwächung ihrer Verleumdungskampagne gegen die Schülergewerkschaft. Sie beharrten darauf, dass „ihr“ Streik eine rein baskische Angelegenheit sei und nichts mit dem Rest Spaniens zu tun habe! Doch trotz all ihrer Drohungen und ihres Getöses hatten Herri Batasuna und Jarrai in Wirklichkeit eine demütigende Niederlage auf ihrem Heimatboden erlitten – und das wussten sie auch!
Der Streik am 17. Dezember war ein voller Erfolg. In der überwiegenden Mehrheit der staatlichen Schulen war die Streikfront geschlossen – alle beteiligten sich ohne Ausnahme. So war es mit Sicherheit in Madrid. Auch in Barcelona streikten sämtliche Schüler und Schülerinnen – und das bedeutet 260.000 Menschen allein in dieser einen Stadt. Der rote Gürtel um Barcelona (und Madrid) war lückenlos: volle Beteiligung in Sabadell, Girona, Lleida, Tarragona, Reus und vielen Dörfern in ganz Katalonien. In Tarragona streikte sogar die Arbeiteruniversität. Die Schülergewerkschaft wuchs rasant an. In Tarragona bildeten sich in allen Schulen Gruppen. Zehn Tage zuvor gab es noch keine einzige.
50.000 demonstrierten auf den Straßen von Barcelona; 4.500 demonstrierten in Tarragona – die größte Demonstration, die die Stadt je gesehen hatte. Infolge dieser Bewegung erklärte sich die Generalitat (das katalanische Regionalparlament) bereit, Verhandlungen mit den Schülervertretern aufzunehmen.
In Valencia stand die gesamte Provinz geschlossen hinter der Bewegung. 50.000 demonstrierten. In Alicante lag die Beteiligung bei 100 %, ebenso wie in Murcia; nicht nur in Cartagena, sondern auch in zahlreichen Dörfern: Mula, Fuente Álamo, Caravaca usw.
Ganz Andalusien war auf den Beinen. Selbst das staatliche Fernsehen räumte eine Beteiligung von „80–85 %“ ein. In Málaga versuchte man, den Streik zu verhindern, indem kurzfristig Prüfungen in den Schulen angesetzt wurden. Vergeblich. Unmittelbar nach den Prüfungen traten die Schüler für den Rest des Tages in den Streik.
Streiks und Demonstrationen in Granada und Motril. Volle Beteiligung in Sevilla, wobei auch ein Teil der Universität streikte. 15.000 Teilnehmer an der Demonstration, angeführt vom Banner der Schülergewerkschaft. Ebenfalls volle Beteiligung in allen umliegenden Dörfern: Morón, Carmona, Alcalá usw. Die Arbeiterkommissionen und der Lehrerverband der UGT bekundeten ihre Unterstützung.
Ganz Galicien legte die Arbeit nieder: Ferrol, Vigo, Coruña. In Vigo kamen Jugendliche aus den Dörfern, um an einer Demonstration mit 1.500 Leuten teilzunehmen. Schüler in Ferrol gingen zu den Werften, um um Unterstützung zu bitten, und erhielten Spenden. Unterstützung kam von den Arbeiterkommissionen und zwei nationalistischen Gewerkschaften (INTG und CXTG) sowie vom Mieterverein von Ferrol.
Die Regionen, die sich am 4. Dezember noch nicht beteiligt hatten, schlossen sich nun mit voller Kraft dem Kampf an: Asturien beteiligte sich geschlossen, mit einem Streik und einer Demonstration in Gijón (organisiert von einem Koordinierungskomitee, in dem die Sekten einen gewissen Einfluss hatten) und in Avilés, wo die Schülergewerkschaft 10.000 Menschen in den Streik zog und eine Demonstration mit 4.000 Teilnehmern organisierte – ein Rekord für diese bedeutende Stahlstadt. In den Bergbaugebieten, in den Schulen des Nalon-Kohlefeldes, stand alles still. In Santander war der Streik vollumfänglich.
Saragossa hat sich erneut selbst übertroffen, mit einem Generalstreik und einer von der Schülergewerkschaft angeführten Demonstration mit 20.000 Teilnehmern. Noch bedeutender war jedoch die auch von der bürgerlichen Presse eingeräumte Tatsache, dass der Streik in ganz Aragonien durchgehend stabil war (laut Fernsehberichten war in der gesamten Provinz nur eine einzige Schule in Betrieb). Huesca, Teruel, Andorra und viele andere Ortschaften schlossen sich an.
Im Baskenland war der Streik trotz der Sabotage durch Herri Batasuna und Jarrai in der Anfangsphase vollumfänglich. In Vitoria (Álava) demonstrierten 3.000 Menschen unter dem Banner der Schülergewerkschaft – ein Schlag gegen Jarrai. In Navarra konnte nicht nur in Pamplona, sondern auch in allen anderen Städten eine volle Beteiligung erreicht werden: Tudela, Estella, Tafalla, mit einer Demonstration von 5.000 Menschen in Pamplona und einer weiteren von 1.000 in Tudela – ein weiterer Rekord für diese kleine Stadt. Die Genossen aus Álava riefen die Schulen in Guipúzcoa mit kaum mehr als einem Telefonanruf zum Streik auf. Das Industriedorf Deva beteiligte sich ebenfalls geschlossen.
Herri Batasuna und Jarrai setzten jedoch ihre Verleumdungskampagne gegen die Schülergewerkschaft sogar während des Streiks selbst fort. Die Anhänger der Schülergewerkschaft in Vizcaya (Hauptstadt: Bilbao) beriefen eine Versammlung in Baracaldo ein. Es besteht kein Zweifel, dass diese massiv besucht worden wäre. Daher berief Jarrai zur gleichen Zeit eine Demonstration in Bilbao ein. So erschienen nur 50 Personen zur Versammlung der Schülergewerkschaft. Daher beschlossen die Genossen richtigerweise, an der Demonstration in Bilbao teilzunehmen.
Einmal mehr zeigten die radikalen nationalistischen Kleinbürger und Sektierer, dass sie nicht im Geringsten daran interessiert waren, den Kampf voranzutreiben, sondern nur daran, die Kontrolle über die Bewegung an sich zu reißen und jegliche Opposition mit allen Mitteln auszuschalten. Angesichts der rüpelhaften und provokativen Haltung dieser Leute gehörte viel Mut dazu, dass die rund 50 Mitglieder der Schülergewerkschaft überhaupt zur Demonstration erschienen.
Tatsächlich wurden sie einer Flut von Beschimpfungen ausgesetzt. Die Anhänger von Jarrai und ihre lambertistischen Kumpanen nutzten das Megafon, um hooliganmäßige Verleumdungen und Lügen über die sogenannte „pro-spanische Schülergewerkschaft“ zu verbreiten, die angeblich „von der Polizei bezahlt“ sei und so weiter. Die Lambertisten zerrissen das Transparent der Schülergewerkschaft und versuchten, diejenigen anzugreifen, die es trugen. Als schließlich der Sprecher der Schülergewerkschaft versuchte, das Wort zu ergreifen, schlugen sie ihn zusammen. Die Genossen ließen sich jedoch nicht einschüchtern, begaben sich ans andere Ende des Demonstrationszuges, schafften es, die Menge anzusprechen, und erhielten eine positive Rückmeldung von der Jugend.
In Madrid hielten die Organisatoren der Demonstration am Vorabend eine Sitzung ab, um die Ordner einzuteilen. 200 Jugendliche erschienen zur Einweisung. Es wurden Taktiken ausgearbeitet, und die Ordner erhielten eine Armschleife der Schülergewerkschaft sowie einen massiven Holzstock, an dessen Ende ein Plakat befestigt war, das hauptsächlich dekorativen Zwecken diente. Jeder Ordner wurde gebeten, eine Gruppe aus seiner Schule mitzubringen, um eine starke Verteidigungstruppe zu bilden.
Zudem wurde beschlossen, Nicolás Redondo und Marcelino Camacho – die Generalsekretäre der UGT bzw. der CCOO – einzuladen, an der Spitze der Demonstration mitzulaufen. Dies hatte drei Ziele: Erstens sollte damit die Kampagne der Schülergewerkschaft vorangetrieben werden, die Schüler mit den Arbeiterorganisationen zu vernetzen und dabei zur Einheit an der Spitze wie an der Basis aufzurufen. Zweitens diente dies als zusätzliche Absicherung gegen polizeiliche Übergriffe. Und letztlich bestand so die Möglichkeit, zusätzliche, erfahrene Ordner von einer oder beiden Gewerkschaften zu gewinnen.
Es wurden Anstrengungen unternommen, Arbeiter aus mindestens einer streikenden Fabrik als Ordner zu gewinnen. Doch aufgrund der knappen Zeit und der hohen Arbeitslast blieb dieser Versuch erfolglos. Die UGT bot an, Ordner zur Verfügung zu stellen. Letztendlich trafen diese jedoch zu spät ein, um noch von praktischem Nutzen zu sein. So lag die gesamte Ordnungsverantwortung in den Händen von 14- bis 18-jährigen Jugendlichen, die von der Marxistischen Strömung organisiert worden waren.
Diese jungen Ordner haben sich vorbildlich verhalten. Sie kamen schon früh zu Hunderten und besetzten die strategischen Punkte rund um den Platz, an dem die Demonstration beginnen sollte. Die Schülergewerkschaft stellte einige Autos mit leistungsstarken Megafonen zur Verfügung und hatte Walkie-Talkies ausgeliehen, mit denen die Ordner am Rand der Demonstration patrouillierten und bei Bedarf Alarm schlugen. Die Ordner reichten sich dann die Hände und bildeten einen „eisernen Ring“, der den gesamten vorderen Teil der Demonstration umschloss, mit der Anweisung, niemanden hinein- oder hinauszulassen. Ein paar Reporter begingen den Fehler, dies auf die Probe zu stellen, und gingen mit geprellten Rippen davon.
Als der Startzeitpunkt der Demo näher rückte und bereits Zehntausende mit Transparenten vieler Schulen anwesend waren, kam es plötzlich zu einer Art Menschenlawine – eine riesige Zahl von Jugendlichen tauchte wie aus dem Nichts auf. Es ist unmöglich zu beziffern, wie viele anwesend waren, aber die Zahl lag zwischen 100.000 und 150.000. Die Schülergewerkschaft gab schließlich 120.000 an, was wahrscheinlich eine Untertreibung ist.
Die vorherige Demonstration war von Faschisten angegriffen worden. Doch es hätte schon einen mutigen Faschisten gebraucht, um diesmal anzugreifen. Die Gesamtzahl der Ordner belief sich auf bis zu 1.000. Sobald an irgendeiner Stelle der Demonstration Alarm geschlagen wurde, ertönte eine Flut von Pfiffen, und 200 Jugendliche, die Stöcke (ohne jegliche Verzierung) in die Luft reckten, stürmten wie Windhunde an die entsprechende Stelle. Viele der Schüler waren mit ihren eigenen, improvisierten Mitteln zur Selbstverteidigung gekommen, die ein ziemlich furchteinflößendes Arsenal ergaben. Einige Faschisten wagten sich zu nahe heran und wurden, um es mit Trotzkis berühmten Worten zu sagen, „mit dem Bürgersteig bekannt gemacht“. Bei einem wurde eine selbstgebaute Nagelbombe in der Hand entdeckt. Er wurde gefasst, fast zu Tode geprügelt und verbrachte den Rest des Tages im Krankenhaus. Im Gegensatz dazu wurde kein einziger Demonstrant verletzt. Die Polizei hielt einen diskreten Abstand.
Das Hauptproblem ging nicht von den Faschisten aus, sondern von dem sektiererischen Pöbel des Koordinierungskomitees. Fünf Minuten vor dem geplanten Aufbruch der Demonstration gelang es etwa hundert dieser Damen und Herren, sich vor die erste Verteidigungslinie zu stellen, die der Demonstration vorausging.
Dieses zynische Manöver brachte die Organisatoren in ein ernstes Dilemma. Zweifellos verfügte die Schülergewerkschaft über genügend Kräfte, um sie aus dem Weg zu räumen. Allerdings wäre dies kein einfacher Einsatz gewesen. Sie waren nicht allein gekommen, sondern hatten offensichtlich eine ganze Gruppe von Lumpen rekrutiert, die wahrscheinlich aus den am stärksten benachteiligten Gegenden herangekarrt worden waren – mit dem Versprechen einer ordentlichen „Schlägerei“. Diese Leute hatten ihre Taschen voll mit Eisenstangen, starken Stahlschleudern und ähnlichem Gerät. Die Sektierer waren aufgeheizt und suchten offensichtlich den Konflikt.
Diese Leute zu entfernen hätte zweifellos gleich zu Beginn der Demonstration eine heftige Straßenschlacht bedeutet, mit Verletzten auf beiden Seiten. Das größte Problem war jedoch die Anwesenheit von 150.000 Jugendlichen, die dicht gedrängt nebeneinanderstanden. Eine blutige Auseinandersetzung hätte Panik und Chaos auslösen können. Dies wäre sicherlich der Vorwand für ein Eingreifen der Polizei gewesen, die eingeschritten wäre, um die „Ordnung“ wiederherzustellen. Die Demonstration wäre aufgelöst worden, bevor sie überhaupt begonnen hätte. Mit anderen Worten: Die Sekten verhielten sich wie typische Provokateure der Polizei. Tatsächlich ist es höchst wahrscheinlich, dass sie von Faschisten oder der Polizei – oder von beiden – unterwandert worden waren, um Chaos zu stiften.
Unter diesen Umständen beschlossen die Organisatoren, keine Konfrontation zu riskieren, sondern das provokative Verhalten des „Koordinierungskomitees“ nach der Demonstration anzuprangern.
Trotz einer gewissen Verwirrung, die diese Leute stifteten, war die Demonstration ein riesiger Erfolg. Das gesamte Stadtzentrum von Madrid in der Nähe des Bildungsministeriums wurde durch die überwältigende Menge an Demonstranten vollständig lahmgelegt.
Das Koordinierungskomitee versuchte, die Schülergewerkschaft auszumanövrieren, indem es eine angebliche „Verhandlungskommission“ zum Ministerium entsandte. Dies gab dem Ministerium lediglich einen Vorwand, um zu behaupten, es gebe ein „Vertretungsproblem“, und dass es daher keine Verhandlungen mehr geben würde, sondern nur noch „Sondierungsgespräche“. In der Praxis wurden die anschließenden Verhandlungen jedoch von der Verhandlungskommission der Schülergewerkschaft geführt. Erneut verließ die Verhandlungskommission das Ministerium, und die Schülergewerkschaft erklärte die Demonstration für beendet.
Die große Mehrheit der Schüler und Schülerinnen zerstreute sich. Die um das Koordinierungskomitee versammelte Gruppe blieb jedoch zurück, um ihre Provokationen fortzusetzen: Sie errichteten Barrikaden und bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen. Auch hier ist es so gut wie sicher, dass tatsächliche Faschisten beteiligt waren. Die Polizei griff daraufhin an und verletzte mehrere Personen; eine von ihnen fiel ins Koma. Am nächsten Tag veröffentlichten alle Zeitungen – mit Ausnahme von Ya, das auf der Titelseite ausführlich über die Demonstration berichtete und die Schlagzeile „Zwei Millionen Schüler gegen Maravall“ (den Bildungsminister) trug – ausschließlich Fotos von den Zusammenstößen mit der Polizei, die nach dem Ende der Demonstration stattfanden.
Trotz der unvermeidlichen Gegenkräfte und erschwerenden Umstände war der Generalstreik ein historischer Erfolg. Die oben genannten Zahlen vermitteln nur einen sehr unvollständigen Eindruck vom Ausmaß der Bewegung. Ya berichtete, dass zwei Millionen Menschen gestreikt hätten. Die tatsächliche Zahl lag wahrscheinlich sogar noch höher, wenn man bedenkt, dass sich in einigen Gebieten auch andere Gruppen, wie beispielsweise die Universitäten, dem Streik angeschlossen hatten.
Noch bedeutender als die großen Demonstrationen in Madrid, Barcelona, Saragossa usw. war die Tatsache, dass diese Bewegungen sogar die kleinsten Dörfer in den rückständigsten Provinzen erfassten: Zamora, Ávila, Cuenca, Toledo, Soria und Algeciras wurden alle in den Kampf hineingezogen. Ausnahmslos alle diese neuen Gebiete blickten auf die Schülergewerkschaft, um von ihr Führung und Orientierung zu erhalten. Sie werden ein enormes Reservoir an neuen Schichten von Jugendlichen bilden, die noch nicht vom Zynismus der Reformisten, Stalinisten und Sektierer verdorben sind.
Allgemeiner betrachtet hat die Bewegung bereits dazu geführt, dass die Regierung zu Zugeständnissen gezwungen wurde. Der Minister trat am Tag nach dem Streik im Fernsehen auf und versprach eine Reihe von Verbesserungen, darunter eine Erhöhung aller Studienbeihilfen um 25 %.
Dies hatte Auswirkungen auf das politische Leben des Landes. Die Opposition forderte eine Parlamentsdebatte und das Erscheinen der zuständigen Minister.
Sie hatte alle politischen Organisationen erschüttert und wirkte sich auch auf die Gewerkschaften aus. Es war kein Zufall, dass der Bundesvorstand der UGT nach einer vierstündigen Diskussion schließlich beschloss, eine Unterstützungsbotschaft zu senden und zwei seiner Mitglieder zur Demonstration zu schicken (Nicolas Redondo hatte zuvor noch eine „andere Verpflichtung“), während Camacho erschien, um die CCOO zu vertreten.
Das Manöver des Koordinierungskomitees stellte Camacho vor ein Problem: Er marschierte zunächst mit ihnen, überlegte es sich dann aber anders und schloss sich dem Banner der Schülergewerkschaft an. Die Vertreter der UGT blieben bei der Schülergewerkschaft. Gerardo Iglesias hingegen, Generalsekretär der „Euro“-KP, blieb beim Koordinierungskomitee – ebenso wie Javier de Paz, der Generalsekretär der JJ.SS (Junge Sozialisten!). Auf die Frage, warum er mit dem Koordinierungskomitee, das sich aus Stalinisten und Ultralinken zusammensetzte, statt mit der Schülergewerkschaft marschierte, antwortete er: „Weil hinter der Schülergewerkschaft eine Gruppe steht, die wir unter keinen Umständen unterstützen können.“
Das war die tiefsitzende Angst all dieser Menschen: Die „Gruppe hinter der Schülergewerkschaft“ – die Marxistische Strömung, vertreten durch Nuevo Claridad und ihre Jugendgruppe JPS (Jugend für den Sozialismus).
Der Bewegung gelang es, die JJ.SS zu spalten, oder besser gesagt, den winzigen Rest, der nach den Massenausschlüssen Mitte und Ende der 1970er übrig geblieben war. Schon vor dem 4. Dezember verschickte die JJ.SS-Bürokratie ein Rundschreiben an alle Mitglieder, in dem sie ihnen untersagte, die Schülergewerkschaft oder den Streik zu unterstützen. Dies hatte genau den gegenteiligen Effekt. In Saragossa führte der Versuch der JJ.SS-Bürokraten, ihren Mitgliedern die Unterstützung des Streiks zu verbieten, dazu, dass die besten Kräfte sich hinter die Schülergewerkschaft und die Marxistische Strömung stellten. Das Gleiche geschah im Baskenland. In Álava wurden Mitglieder der JJ.SS wegen ihrer Unterstützung des Streiks ausgeschlossen! In Valladolid hat der Generalsekretär der JJ.SS Kontakt zur Schülergewerkschaft aufgenommen, zusammen mit einer Gruppe, die zuvor aufgrund der Haltung der JJ.SS zur NATO aus der Organisation ausgetreten war.
Die Auswirkungen des Streiks hatten auch im stalinistischen Lager große Folgen. Die Jugendorganisation der kleinen „offiziellen“ eurokommunistischen Partei entschied sich entgegen dem Rat der Arbeiterkommissionen und zumindest einiger der intelligenteren Parteiführer für die „Koordinierungskomitees“ und führte genau wie die Sekten eine bösartige und hetzerische Kampagne gegen die Schülergewerkschaft.
Damit haben sie in den Schulen praktisch politischen Selbstmord begangen. Früher wären die Stalinisten zweifellos sofort in die Schülergewerkschaft eingetreten, um sie zu übernehmen. Doch jahrzehntelange reformistische Degeneration hatte dazu geführt, dass die heutige UJCE (Jungkommunisten), die in ihrer Zusammensetzung überwiegend kleinbürgerlich war und das Einmaleins des Marxismus überhaupt nicht kannte, völlig unfähig war, die Erfahrung der 1930er Jahre zu verarbeiten, als es den Stalinisten gelang, die Jungsozialisten zu kapern – mit tragischen Folgen für das Schicksal der spanischen Revolution.
Diese ignoranten Kleinbürger hatten vor allem keinerlei Verständnis für die sich entfaltenden gesellschaftlichen Prozesse. Sie lehnten vor dem 4. Dezember jede Möglichkeit einer Massenbewegung der Jugend entschieden ab und wurden daher von den Ereignissen völlig überrascht. Ihre gesamte Denkweise, die praktisch identisch mit jener der sektiererischen Universitätscliquen ist, führte dazu, dass sie die Bedeutung der Schülergewerkschaft nicht verstanden, die aufgrund ihrer Rolle im Kampf allgemein als die „offizielle“ Organisation angesehen wurde, und sie blieben daher außerhalb ihrer Reihen.
Es ist jedoch zweifelhaft, ob sie es weit gebracht hätten, selbst wenn sie beigetreten wären. Angesichts der Macht der Ideen der Marxistischen Strömung, die in der Führung der Schülergewerkschaft vertreten war, und des miserablen politischen Niveaus des durchschnittlichen UJCE-Mitglieds hätten sie am Ende Mitglieder verloren, anstatt neue zu gewinnen. Somit steckte doch eine gewisse Logik hinter ihrem sektiererischen Wahnsinn.
Dies zeigte sich an den Erfahrungen der moskautreuen stalinistischen Jugendorganisation, die zunächst eine zweideutige, schwankende Haltung gegenüber der Schülergewerkschaft einnahm. Zunächst waren diese Kräfte gegen die Schülergewerkschaft, änderten jedoch ihre Haltung, als sie sahen, dass die SE Unterstützung erhielt. Nach dem 17. Dezember wandten sie sich an die SE-Führung, um Gespräche zu führen. Welche Haltung sollte die Schülergewerkschaft ihnen gegenüber einnehmen?
Die Marxisten nahmen von Anfang an eine sehr vorsichtige Haltung gegenüber den verschiedenen Komponenten des „Koordinierungskomitees“ ein. Es war von Anfang an keineswegs klar, wie das Kräfteverhältnis aussehen würde. Das musste im Laufe des Kampfes selbst ermittelt werden.
Die Marxisten waren in der Führung der Schülergewerkschaft „isoliert“. Alle anderen politischen Strömungen, von den Faschisten bis zu den Ultralinken, hatten sich nach dem 4. Dezember und noch stärker nach dem 17. Dezember zu einem einheitlichen, feindseligen Block gegen die Schülergewerkschaft zusammengeschlossen.
Es stimmte zwar, dass es der Schülergewerkschaft gelungen war, die überwiegende Mehrheit der Schüler im Kampf unter ihrem Banner zu vereinen. Dennoch waren ihre Strukturen noch schwach, da sich die Organisation selbst noch im Aufbau befand. In vielen Provinzen existierte sie gar nicht. Die Universitäten stellten eine besondere Schwachstelle dar.
Auf den ersten Blick verfügten die anderen Gruppen zusammen über mehr Stärke als die Marxisten. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass sie, hätten sie auch nur die geringste Ahnung gehabt, wie man arbeitet, ein ernstzunehmendes Hindernis hätten sein können.
Die Frage, wie man diesen Gruppen begegnen sollte, nahm daher einen zentralen Platz in den taktischen Diskussionen ein, die nach dem 17. Dezember stattfanden. Die rüpelhafte Spaltungstaktik des Madrider Koordinierungskomitees schloss die Möglichkeit einer offenen und ehrlichen Zusammenarbeit aus. Die Sekten spielten eine besonders bösartige Rolle; ihre einzige alles beherrschende Obsession war eine hysterische Opposition gegen die Marxisten und die Schülergewerkschaft.
Die „offizielle“ UJCE und die JJ.SS schlossen sich blind dem sektiererischen Wahnsinn an. Wie bereits angedeutet, versuchte jedoch die moskautreue Jugendorganisation – wahrscheinlich auf Drängen der erwachsenen Parteiführer, die ein besseres „Gespür“ für die Bewegung hatten –, sich von den anderen zu distanzieren und eine Zwischenposition einzunehmen.
Die Politik der Marxisten zielte darauf ab, das gegnerische Lager zu spalten, indem sie ständig versuchten, die Stalinisten und, wenn möglich, die JJ.SS. vom Rest abzutrennen, um die Sektierer, die niemanden repräsentierten, zu isolieren. Im Einklang mit dieser Taktik nahmen die Führer der Schülergewerkschaft sofort das Angebot der moskautreuen stalinistischen Jugend an und nahmen Gespräche auf. Dies war alles andere als ein machiavellistisches Manöver seitens der Marxisten. Wären die anderen Gruppen bereit gewesen, eine ehrliche Zusammenarbeit einzugehen und sich darauf zu einigen, ihre Kräfte für konkrete Aktionen und für den Aufbau der Schülergewerkschaft (zum Beispiel an der Universität und in Katalonien) zu bündeln, wäre dies ein großer Vorteil für die Einheit der Bewegung gewesen, die ein entscheidender Faktor war. Die politischen Differenzen hätten im Rahmen einer konstruktiven internen Debatte geklärt werden können, von der die gesamte Mitgliedschaft profitiert hätte. Die Marxisten waren sogar bereit, die Möglichkeit bestimmter Zugeständnisse auf organisatorischer Ebene zu erörtern, um die Beteiligung dieser Genossen an der Schülergewerkschaft zu erleichtern. All diese Pläne scheiterten jedoch an den zynischen Manövern der „harten“ Stalinisten, die sich in der Praxis als kaum besser erwiesen als ihre eurokommunistischen Gegenstücke.
Die Regierung hoffte offensichtlich, dass die Bewegung im Dezember lediglich ein Strohfeuer sein würde. Die Weihnachtsferien würden eine demobilisierende Wirkung haben, und das Ende der Jugendbewegung in Frankreich würde auch das Interesse der spanischen Schülerbewegung an Streiks und Demonstrationen mindern.
Die Analyse der Marxistischen Strömung stand dieser Sichtweise diametral entgegen. Entgegen der in der Presse häufig wiedergegebenen Meinung des Ministeriums, wonach die spanische Schülerbewegung lediglich eine „Nachahmung“ der Ereignisse in Frankreich sei, sahen die Marxisten von Nuevo Claridad darin den Ausdruck einer tiefsitzenden Unzufriedenheit unter der spanischen Jugend.
Diese Jugend war durch die ersten Streiks im Dezember für das politische Leben sensibilisiert worden. Die Weihnachtsferien würden daher lediglich eine Waffenruhe darstellen, nach der die Auseinandersetzungen schnell wieder aufflammen würden.
Es war jedoch klar, dass die neue Phase des Kampfes weitaus komplizierter sein würde als bisher. Die Regierung würde Zeit haben, eine Gegenstrategie auszuarbeiten. Die Strukturen der Schülergewerkschaft befanden sich noch in einem sehr frühen Stadium und verfügten nur über sehr begrenzte personelle und materielle Ressourcen. Andererseits würden nun alle politischen Gegner der Schülergewerkschaft, sowohl auf der „Linken“ als auch auf der Rechten, aktiv werden, was die Spaltungen vertiefen und Verwirrung unter der Jugend stiften würde – mit potenziell verheerenden Folgen.
Die Spaltungspolitik der Stalinisten und Sektierer, unterstützt und begünstigt durch die Jugendorganisation der PSOE, hatte bereits am 17. Dezember einigen Schaden angerichtet. Es galt, eine Strategie auszuarbeiten, um dieses Problem im Januar zu lösen.
Generell gibt es keinen Grund, warum die Existenz von Koordinierungskomitees im Widerspruch zu den Aktivitäten einer Schülergewerkschaft im Kampf stehen sollte. Insbesondere dort, wo die Organisation der Schülergewerkschaft noch schwach war und nicht die Mehrheit der Schüler umfasste, könnte es sinnvoll sein, Koordinierungskomitees aus demokratisch in den Schulen gewählten Vertretern einzurichten, um den Kampf zu organisieren. Solche „Basisgremien“ wären keine Alternative zur ständigen Struktur der Schülergewerkschaft, könnten aber im Verlauf des Kampfes eine nützliche Rolle spielen und sich nach dessen Ende wieder auflösen. Etwas Ähnliches schien in Frankreich geschehen zu sein.
Tatsächlich entstanden in vielen Regionen Spaniens Koordinierungskomitees, die tatsächlich echte Vertretungsorgane der Schüler darstellten, insbesondere in jenen Regionen, in denen die Schülergewerkschaft noch nicht existierte. In mehreren Regionen existierten die Schülergewerkschaft und das „Koordinierungskomitee“ nebeneinander und arbeiteten ohne Probleme zusammen. Insbesondere in vielen ländlichen Gebieten nahmen die lokalen Koordinierungskomitees – die im Laufe der Aktion gegründet worden waren, obwohl es anfangs kein einziges Mitglied der Schülergewerkschaft gab – dennoch sofort Kontakt zur Schülergewerkschaft in Madrid auf und befolgten deren Anweisungen und Ratschläge von Anfang bis Ende.
Das Problem ergab sich weniger aus der Existenz der Koordinierungskomitees als vielmehr aus dem politischen Bankrott der Sekten, die wie immer versuchten, die Koordinierungskomitees der „offiziellen“ Schülergewerkschaft entgegenzusetzen, um mit allen Mitteln die Kontrolle über die Komitees zu erlangen und sie nicht zur Förderung des Kampfes, sondern zur Führung eines regelrechten Krieges gegen die Schülergewerkschaft zu nutzen, indem sie die Bewegung spalteten, sabotierten und boykottierten, wo immer es ihnen gelang, Fuß zu fassen.
In jedem einzelnen Fall wurde deutlich, dass das, was diesen Damen und Herren am wenigsten am Herzen lag, die Interessen der Schüler waren. Zwei Überlegungen standen für sie stets im Vordergrund: wie sie ihre eigene kleine Gruppe in Führungspositionen manövrieren konnten und wie sie die Schülergewerkschaft zerstören konnten. Ihre Rolle während des gesamten Konflikts bestand, unabhängig von ihren subjektiven Absichten, darin, als Streikbrecher und Handlanger der Regierung zu agieren.
Nach dem 17. Dezember beriet die Führung der Marxistischen Strömung darüber, welche Haltung sie gegenüber dem Madrider „Koordinierungskomitee“ einnehmen sollte, das bei der Demonstration am 17. Dezember eine so schmähliche Rolle gespielt hatte.
Diese Gruppe, die vollständig von studentischen Sekten der Universität manipuliert wurde und nur eine minimale Basis an den Schulen und Fachschulen hatte, hatte bereits eine „Konferenz“ für den 10. Januar angekündigt, gefolgt von einer „Nationalen Konferenz der Koordinierungskomitees“ eine Woche später. Da der Unterricht am 8. Januar wieder begann, war klar, dass diese Kräfte, die im Dezember mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden waren, von nur einem Gedanken besessen waren: so früh wie möglich im Januar zu Aktionen aufzurufen, um der Schülergewerkschaft „zuvorzukommen“. Das war in mehr als einer Hinsicht eine schlechte Nachricht. Es lag nicht im besten Interesse der Bewegung, praktisch schon am ersten Schultag sofort in Aktion zu treten. Die Schülergewerkschaft hätte eine gewisse Verzögerung vorgezogen, um Zeit für Versammlungen zu gewinnen, in denen die anstehenden Themen frei diskutiert und über das weitere Vorgehen entschieden werden konnten, und auch, damit sich die Schülergewerkschaft selbst organisieren und auf wirksame Aktionen vorbereiten konnte.
Das gleiche Argument galt für die Abhaltung einer Konferenz, sei es in Madrid oder auf nationaler Ebene. Es konnte keine Rede davon sein, eine demokratische Konferenz nur zwei Tage nach Schulbeginn abzuhalten. Dies würde keine Zeit für ordentliche Versammlungen, Diskussionen oder die Wahl von Delegierten lassen.
Es wurde die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass die Schülergewerkschaft Vertreter zur Sitzung des „Koordinierungskomitees“ entsenden könnte, um dort um eine Mehrheit zu kämpfen. Doch schnell wurde klar, dass es sich hierbei nicht um eine demokratische Versammlung gewählter Delegierter handeln würde, sondern lediglich um eine manipulierte Versammlung der Sekten. Es war ausgeschlossen, dass diese randalierenden Kräfte die Schülergewerkschaft überhaupt zu Wort kommen lassen würden, geschweige denn, dass sie dort eine Mehrheit hätte gewinnen können. Daher wurde beschlossen, der Versammlung fernzubleiben, diese Manöver jedoch mit einem Flugblatt anzuprangern und zu einem späteren Zeitpunkt eine wirklich repräsentative Versammlung der Schülergewerkschaft anzustreben.
Da die Verhandlungen mit dem Ministerium inzwischen zu keinem konkreten Ergebnis geführt hatten, beschloss die Führung der Schülergewerkschaft, Notfallpläne für weitere Maßnahmen in der zweiten Januarhälfte auszuarbeiten. Man war der Ansicht, dass die Maßnahmen dieses Mal intensiviert werden müssten und nicht nur eine Wiederholung der beiden vorangegangenen Aktionen sein dürften. Diesmal war eine Aktionswoche geplant, mit Versammlungen am Montag, dem 19. Januar, und einem viertägigen Generalstreik an den Schulen vom 20. bis 23. Januar, der am Freitag, dem 23. Januar, in Massendemonstrationen in ganz Spanien gipfeln sollte. Der Termin für eine nationale Versammlung der Schülergewerkschaft wurde auf Sonntag, den 18. Januar, festgelegt. Dieser Zeitplan würde ausreichend Zeit für die notwendigen Diskussionen, Debatten und Abstimmungen an den Schulen lassen und so einen weiteren soliden Streik gewährleisten.
Hier gab es jedoch ein Problem. Niemand konnte sagen, wie genau die Lage an den Schulen nach dem 8. Januar aussehen würde. Es war nicht gänzlich ausgeschlossen, dass sich die Einschätzung der Regierung als richtig erweisen könnte. Die Notwendigkeit, in jeder Phase erst einmal „das Terrain auszutesten“, bevor man die Parole zum Handeln ausrief, war ein weiterer gewichtiger Grund dafür, den Kampf zu verzögern und Zeit für Diskussionen und Debatten innerhalb der Bewegung zu lassen. Was aber, wenn das Gegenteil der Fall wäre? Was, wenn die Bewegung sofort explodieren würde? Dies schien der Führung ein weitaus wahrscheinlicheres Szenario zu sein. Und aus dieser Sicht bestünde die Gefahr, dass die Schülergewerkschaft als zögerlich wahrgenommen würde. Die Splittergruppen rund um das „Koordinierungskomitee“ könnten dann in der Lage sein, die Schülergewerkschaft zu überflügeln. Trotz aller Zweifel entschied die Führung der Schülergewerkschaft, dass es am besten sei, sich nicht in Panik versetzen zu lassen, sondern wie geplant vorzugehen. Diese Taktik erwies sich in der Praxis als richtig.
Die Befürchtungen der Schülergewerkschaft hinsichtlich der Aktivitäten des „Koordinierungskomiteees“ erwiesen sich als begründet. Die „Konferenz“ am 10. war völlig unrepräsentativ, unorganisiert, chaotisch und undemokratisch. Es fand keine Abstimmung statt, doch am Ende brüllte der Vorsitzende über den allgemeinen Tumult hinweg und verkündete zur allgemeinen Verwunderung, dass die Versammlung „beschlossen“ habe, einen unbefristeten Generalstreik auszurufen.
Diese unverantwortliche Taktik, die von der Schülergewerkschaft von Anfang an abgelehnt wurde, erwies sich in der Praxis als völliger Fehlschlag. Die Schulen, die diesem Rat fehlgeleitet folgten, leerten sich rasch. Die große Mehrheit der Schüler ging einfach nach Hause und schaute für den Rest der Auseinandersetzung Fernsehen. Im Gegensatz dazu versuchte die Schülergewerkschaft, die Jugendlichen auch während des Streiks in den Schulen zu halten, um sie in permanenten Versammlungen zu bündeln, in denen Taktik und Strategie diskutiert und Aktionen geplant wurden. Es war der Unterschied zwischen einem passiven Streik, bei dem die Mehrheit als bloße Zuschauer fungierte, die vom Rand aus beobachteten, wie eine Minderheit von „Aktivisten“ – reichlich durchsetzt mit Hooligans und Provokateuren – sich mit der Polizei einen Kampf lieferte, und einer organisierten, disziplinierten und bewussten Massenbewegung, die in der Praxis zeigte, wie man es mit der herrschenden Klasse und dem Staat aufnimmt und sie besiegt.
Durch sein Vorgehen offenbarte das Madrider „Koordinierungskomitee“ jedoch schnell seine Schwäche. In einem schlecht getarnten (und kurzsichtigen) Versuch, Stärke zu demonstrieren, riefen sie für Samstag, den 17. Januar, zu einer Demonstration auf, zu der sich lediglich 5.000 Schüler einfanden. Dieser schwache Versuch wies alle Merkmale der nachfolgenden Demonstrationen dieser Leute auf: völliger Mangel an Organisation, Fehlen von Ordnern und Verteidigungsposten, geringe Teilnehmerzahl und starke Unterwanderung durch Provokateure, deren Aktivitäten schließlich dazu führten, dass die Demonstration von der Polizei aufgelöst wurde – etwas, das der Polizei bei keiner der von der Schülergewerkschaft organisierten Demonstrationen gelungen war, und das nicht, weil sie es nicht versucht hätte!
Ähnliche Taktiken waren auch in anderen Teilen Spaniens zu beobachten. In Katalonien gelang es der pro-sowjetischen KP, das „Koordinierungskomitee“ zu übernehmen, mit dem Ziel, ein „eigenes“ nationales Gremium zu schaffen, unabhängig von der Bande in Madrid. In Valencia wurde das „Koordinierungskomitee“ von den „Euros“ in einer unheiligen Allianz mit Bürokraten der Sozialistischen Jugend, rechten Katholiken und sogar einigen Mitgliedern der Ultrarechten geleitet. Diese jungen „Kommunisten“ weigerten sich, einem Vertreter der Schülergewerkschaft aus Madrid auch nur zu gestatten, vor dem Komitee das Wort zu ergreifen! So versteht die KP eine „Einheitsfront“: ein Gremium, das alle umfasst – außer die Marxisten!
Am schwerwiegendsten war jedoch, dass im Baskenland Herri Batasuna und ihre Jugendorganisation Jarrai, die noch immer unter der demütigenden Niederlage litten, die ihnen im Dezember zugefügt worden war, nun ihre randalierenden Angriffe auf die Schülergewerkschaft und die Marxistische Strömung verstärkten. Alle Versuche der Schülergewerkschaft im Baskenland, eine einheitliche Vorgehensweise mit dem sogenannten „Koordinierungskomitee von Euskadi“ – in Wirklichkeit eine Tarnorganisation von HB und Jarrai – zu erreichen, wurden rundweg abgelehnt. Die Tageszeitung Egin und die Zeitschrift Punto y Hora verstärkten ihre Lügen und Verleumdungen gegen die Schülergewerkschaft. Wie zu erwarten war, entstand in den Schulen eine Atmosphäre der Verwirrung und Orientierungslosigkeit. Viele junge Menschen hatten Angst, der Schülergewerkschaft beizutreten, aus Furcht, von Jarrai-Anhängern angegriffen zu werden. Jeder, der im Verdacht stand, mit der Schülergewerkschaft zu sympathisieren, wurde auf der Straße verfolgt, öffentlich beleidigt, seine Eltern wurden aufgesucht und verwarnt und so weiter.
Diese Taktiken bereiteten der Schülergewerkschaft im Baskenland zweifellos ernsthafte Schwierigkeiten. Doch statt Stärke zu demonstrieren, zeigten sie genau das Gegenteil – Schwäche und Angst. Seit mehr als zehn Jahren haben die „abertzale“ (radikalen nationalistischen) Gruppen praktisch ein Monopol auf die Unterstützung der baskischen Jugend. Der extreme Opportunismus der Führer der offiziellen Arbeiterparteien führte zu einem drastischen Rückgang ihrer Unterstützung, selbst in den Kreisen der Arbeiterklasse, vor allem aber unter der Jugend. Die PCE hörte auf zu existieren, als sich die Mehrheit mit einer nationalistischen Gruppe (Euskadiko Ezkerra) zusammenschloss. Die Sekten nahmen eine unterwürfige Haltung gegenüber der ETA und Herri Batasuna ein, was nur dazu führte, dass die Unterstützung, die sie in der Vergangenheit gehabt hatten, zusammenschrumpfte. Die einzige echte Alternative auf der Linken wurde von der Marxistischen Strömung vertreten, die im Baskenland als „Koordinierungskomitee der Linken Sozialisten“ und „Ezkerra Marxista“ bekannt ist. Der Einfluss dieser Gruppen beschränkte sich jedoch auf zwei Provinzen, Álava und Navarra, während sie in Vizcaya (Hauptstadt Bilbao) und Guipúzcoa (Hauptstadt San Sebastián) kaum Unterstützung fanden.
In gewisser Weise wurde die Schülergewerkschaft im Baskenland gegründet, wo sie im Winter 1985/86 eine Reihe von Streiks an den Schulen in Álava und Navarra anführte, an denen Tausende teilnahmen. Doch ihr rascher Aufstieg zu einer ernstzunehmenden Kraft nach den Streiks vom 4. und 17. Dezember löste in den kleinbürgerlichen, radikal-nationalistischen Kreisen eine Panikwelle aus.
Zum ersten Mal fühlte sich die Führung der HB und ihres Jugendflügels Jarrai ernsthaft bedroht. Mit dem Widerstand von rechts – den bürgerlichen Nationalisten, Reformisten und „Euros“ – konnten sie problemlos fertig werden. Doch eine ernstzunehmende revolutionäre marxistische Strömung, die sich für eine internationalistische und klassenorientierte Politik einsetzte, stellte eine existenzielle Bedrohung für ihre Vorherrschaft unter der baskischen Jugend dar.
Hinter dem Bluff und dem Getöse ihrer hysterischen Angriffe auf die Schülergewerkschaft verbarg sich eine tiefsitzende Angst vor der Verbreitung echter marxistischer Ideen unter ihren traditionellen Anhängern. Der anfängliche Erfolg der Schülergewerkschaft löste eine Panikreaktion aus. Doch dahinter steckten eindeutig tiefere Gründe. Auf den Seiten von Egin erschienen zunehmend Artikel, die in besorgtem Ton das Aufkommen „gefährlicher pro-spanischer Tendenzen unter der baskischen Jugend“ beklagten. „Ein Teil der Jugend“, hieß es dort, „zeige keinen gebührenden Respekt mehr vor den Symbolen der [baskischen] Nation“ und bezeichnete die baskische Flagge (Ikurriña) sogar als „diesen Fetzen“.
Wie wir gesehen haben, steht die neue Generation der Jugendlichen der Politik im Allgemeinen weitaus kritischer und skeptischer gegenüber als noch vor zehn Jahren. Dies gilt für das Baskenland ebenso wie für den Rest Spaniens. Die Generation, die in den letzten Jahren der Franco-Diktatur ins politische Leben eintrat, hatte eine andere Sichtweise. Damals schien alles viel einfacher zu sein. Man musste lediglich Franco stürzen, und schon würde sich alles durch die zauberhafte Wirkung der „Demokratie“ von selbst lösen. Trotz des enormen revolutionären Potenzials der Arbeiterklasse, das sich immer wieder in Generalstreiks, Demonstrationen und Zusammenstößen mit der Polizei zeigte, herrschten tiefe Illusionen in die bürgerliche Demokratie, die von den reformistischen und stalinistischen Führern der PSOE und der PCE sorgfältig genährt wurden. Diese Parteien und ihre Gewerkschaften hatten einen erdrückenden Einfluss auf die Arbeiterklasse und die Jugend. Gleichzeitig gab es recht große Splittergruppen in allen Farben des Regenbogens: Maoisten, Anarchisten und die üblichen 57 Varianten des „Trotzkismus“.
Mit Hilfe der Führung der PSOE und – vor allem in der ersten Phase – der KP gelang es der spanischen Kapitalistenklasse, sich entgegen aller Widrigkeiten an der Macht zu halten.
Infolge dieses Verrats brachen die Mitgliederzahlen der Arbeiterparteien völlig zusammen. Selbst die Gewerkschaften, die in den ersten Jahren der „Transición“ rasch gewachsen waren, schrumpften auf eine lächerliche Größe. Vermutlich sind heute nur noch etwa 10 % der spanischen Arbeiterklasse gewerkschaftlich organisiert. Bei den Jugendorganisationen ist die Lage noch schlimmer. Vor zehn Jahren waren die Jungsozialisten (JJ.SS) und die Jungkommunisten (UJC) Massenorganisationen. Nun, durch Ausschlüsse dezimiert, sind sie auf so gut wie nichts geschrumpft. Auch die Sekten sind praktisch ausgelöscht worden. Von den drei maoistischen Organisationen, die einst Zehntausende von Mitgliedern hatten, ist nur noch eine (ehemals maoistische) Sekte übriggeblieben, die „Kommunistische Bewegung“ (M.C.), mit einer äußerst fragilen Basis, hauptsächlich unter Studenten. Die sogenannten „trotzkistischen“ Sekten existieren nur noch dem Namen nach, während sich die Anarchisten, wie Trotzki es vor dem Krieg vorausgesagt hatte, als unfähig erwiesen haben, ihre frühere Stärke wiederzuerlangen, und nur noch eine weitere Sekte unter vielen sind – und nicht einmal die größte.
Der einzige Bereich, in dem die Jugend in der zweiten Hälfte der 1970er eine scheinbar „linke“ Alternative hatte, war das Baskenland. Man sollte nicht vergessen, dass die PSOE bei den ersten Parlamentswahlen nach Francos Tod zum ersten Mal in der Geschichte im Baskenland die Mehrheit errang. Dies zeigte, dass die baskischen Arbeiter, die im Kampf gegen Franco eine herausragende Rolle gespielt hatten, nach einer klassenbasierten Lösung für ihre Probleme suchten. Der Rechtsruck der PSOE-Führung führte jedoch schnell zu einem Einbruch der Stimmen für die Sozialisten, von dem Herri Batasuna profitierte. Der Linksradikalismus ist, wie Lenin erklärte, der Preis, den die Bewegung für den Opportunismus zahlt. Die baskische Jugend schloss sich in Scharen Herri Batasuna an.
Nach zehn Jahren „bewaffneten Kampfes“ (d. h. individueller Terrorismus) sowie abenteuerlicher Streiks und Demonstrationen stehen die baskische Arbeiterklasse und Jugend jedoch mit leeren Händen da. Das Scheitern der terroristischen Taktik der ETA hat eine Krise in den Reihen der Abertzales ausgelöst. Der kaltblütige Mord an „Yoyes“, einer jungen Frau, die sich entschlossen hatte, die ETA zu verlassen und eine „Begnadigung“ anzunehmen – offenbar mit Zustimmung des kürzlich verstorbenen Anführers der ETA(m) „Txomin“ –, löste in der baskischen Gesellschaft eine Welle der Abscheu aus. Zum ersten Mal wurden HB-Anhänger auf der Straße schikaniert und beleidigt. Dies geschah nur wenige Monate vor der Protestwelle an den Schulen.
Die neue Generation ist nicht bereit, aus blindem Gehorsam irgendeiner politischen Linie zu folgen. Nach Jahren des Verrats herrscht eine starke Skepsis gegenüber allen politischen Parteien. Dennoch ist die Jugend nicht „unpolitisch“, wie die Bewegung gezeigt hat. Sie fordert Erklärungen und Argumente. Unter den Jugendlichen herrscht eine weitaus ernstere und nachdenklichere Stimmung als noch vor zehn Jahren.
Das ist kein Zufall. Es spiegelt tiefgreifende Veränderungen wider, die sich innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft vollziehen und mit der Wirtschaftskrise zusammenhängen, die die Gesellschaft insgesamt auf allen Ebenen in eine Sackgasse führt. Die Stimmungen der Unzufriedenheit, Frustration und Wut, die sich in den Massen aufstauen, finden ihren ersten, noch unklaren Ausdruck in der Schülerbewegung.
Vor zehn Jahren hatte die Wirtschaftskrise gerade erst begonnen. Inzwischen hat sie erschreckende Ausmaße angenommen: Allein in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern gibt es 30 Millionen Arbeitslose. Für die Jugend gibt es keinen Ausweg. Die einfachen Parolen der Vergangenheit, als alles noch so unkompliziert war, sind wie Wasser auf einem heißen Herd verpufft. Heute sind die Dinge keineswegs einfach, sondern äußerst komplex. Die alten Führer, Parteien und Programme, die alten oberflächlichen Parolen von „Demokratie“, „Fortschritt“ und ja, auch „Nationalismus“, wurden auf den Prüfstand gestellt und für unzureichend befunden. Eine neue Generation von Jugendlichen, die keine Zukunft hat, will klare Ideen, Erklärungen und Perspektiven. Doch nur eine marxistische Strömung kann diese liefern.
Die Anhänger von Herri Batasuna und Jarrai sind in dieser Hinsicht am schwächsten. Die Erfahrung hat gezeigt: Wo immer eine Versammlung stattfindet und die baskische Jugend die klaren revolutionären Ideen des Marxismus der verstaubten Demagogie und dem nationalistischen Geschwätz von HB gegenüberstellen kann, nehmen sie die Ideen des Marxismus an. Diese Erkenntnis ist den Führern von HB nicht entgangen. Es ist keineswegs ein Zufall, dass sich Jarrai auf ihrem jüngsten Kongress erstmals offiziell zum „Marxismus“ und zum „proletarischen Internationalismus“ bekannt hat. Dass ihr „Internationalismus“ in der Praxis an den Ufern des Ebro ein jähes Ende findet, ist nur ein Detail am Rande! Entscheidend ist, dass sie sich dem Druck der Marxistischen Strömung ausgesetzt sehen. Ihre rein verbalen Zugeständnisse an den Marxismus und den proletarischen Internationalismus werden sich zweifellos zu einem späteren Zeitpunkt auf sie zurückschlagen. Die Geschichte des baskischen Nationalismus und insbesondere der ETA ist von Spaltungen entlang von Klassenlinien gekennzeichnet. In den nächsten Jahren wird sich ein Weg eröffnen, der die Marxistische Strömung direkt zu den kämpferischsten und aufopferungsvollsten Schichten der baskischen Jugend führen wird.
Es ist eine Tatsache, dass der Aufstieg und Niedergang der kleinbürgerlichen radikal-nationalistischen Gruppen umgekehrt proportional zum Aufstieg und Niedergang des Klassenkampfes verläuft. Auf dem Höhepunkt des Klassenkampfes in ganz Spanien konnten die kleinbürgerlichen Nationalisten in der Arbeiterklasse kaum Fuß fassen. Erst mit dem Zusammenbruch der Arbeiterbewegung in den dunklen Jahren von 1978 bis 1981 gelang es den „Abertzales“, einen Teil der radikalisierten Arbeiterklasse und Jugend für sich zu gewinnen.
Nun hat die Krise des spanischen Kapitalismus begonnen, verheerende Auswirkungen auf die baskische Wirtschaft zu haben. Auf dem Höhepunkt der Schülerbewegung kündigte ein Regierungssprecher den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie an und nannte dabei ausdrücklich „Altos Hornos de Vizcaya“, das Herz der baskischen Stahlindustrie in Bilbao, als ersten Standort, der vom Abbau betroffen sein wird.
Einige Jahre lang genossen die baskischen Arbeiter einen der höchsten Lebensstandards in Spanien. Arbeitslosigkeit war so gut wie unbekannt. Nun hat sich all das geändert. Der Beitritt zur EWG birgt die Gefahr von Massenentlassungen und Werksschließungen im Baskenland. Es könnte leicht zu einer neuen Streikwelle kommen, bei der Fabrikbesetzungen an der Tagesordnung stehen. [Dies wurde vor den großen Streiks geschrieben, die das Baskenland sowie den Rest Spaniens unmittelbar nach der Schülerbewegung erschütterten.] Die baskische Arbeiterklasse wird zunächst nach klassenbasierten Lösungen für ihre Probleme suchen. Auch dies wird die Krise im Lager des Nationalismus weiter verschärfen. Erst auf der Grundlage einer Reihe von Niederlagen wären die radikalen Nationalisten in der Lage, wieder Unterstützung in der Arbeiterklasse zu gewinnen. Die Idee der „Unabhängigkeit“, die unter den Arbeitern nie große Unterstützung gefunden hat, könnte dann an Boden gewinnen, verbunden mit einer Zunahme terroristischer Aktivitäten und der Gefahr, dass sich eine Situation wie in Nordirland entwickelt.
Der subjektive Faktor spielt hier eine entscheidende Rolle. Die Zukunft des Baskenlandes wird davon abhängen, wie schnell es der Marxistischen Strömung gelingt, die entscheidenden Schichten der baskischen Arbeiterklasse und Jugend für sich zu gewinnen und dem gefährlichen Einfluss des Nationalismus den Weg zu versperren.
Im Dezember fügte die Marxistische Strömung der HB eine Niederlage zu. Im Januar schlug diese zurück. Unter Rückgriff auf die übliche Taktik der „Koordinierungskomitees“ riefen die Nationalisten in der ersten Schulwoche zu einer Demonstration auf. Sie hatten jedoch Pech, denn heftige Schneestürme und entsetzliche Wetterbedingungen führten dazu, dass nur eine Handvoll Schüler erschien.
Die Taktik der baskischen Marxisten wurde durch ihre relative Schwäche bestimmt. Während sie in Madrid das „Koordinierungskomitee“ direkt herausfordern konnten, waren sie im Baskenland gezwungen, die Einheitsfronttaktik anzuwenden und die Schülerschaft aufzufordern, ihre Demonstrationen und Streiks zu unterstützen. Wie zu erwarten war, lehnte die HB-Anhängerschaft alle Angebote für gemeinsame Aktionen ab und verschärfte ihre Hetzkampagne.
Dieses Verhalten der „Abertzales“ trug nicht dazu bei, ihre Unterstützung zu stärken. Ganz im Gegenteil. Die Abscheu, die viele baskische Schüler gegenüber diesen Hooligan-Taktiken empfanden, zeigte sich bei einem Vorfall in San Sebastián, einer der Hochburgen des radikalen Nationalismus. Unter dem Einfluss der Schülergewerkschaft fand eine Demonstration von etwa 1.200 Schülern statt. Etwa 50 HB-Anhänger tauchten mit dem Transparent des „Koordinierungskomitees“ auf und stellten sich an die Spitze des Demozugs. Die Schüler, die keine Mitglieder der Schülergewerkschaft waren, hatten nichts dagegen. Doch als die „Anführer“ begannen, Parolen gegen die Schülergewerkschaft zu skandieren, wie etwa: „Sindicato, policía – la misma porquería“ („Schülergewerkschaft, Polizei – derselbe Mist“), übertönte der Rest der Demonstration sie mit dem Ruf: „Die Kinder der Arbeiter an die Universität.“ Bei der Ankunft vor der lokalen Dienststelle des Bildungsministeriums begann die HB-Gruppe wie üblich, Ziegelsteine und Flaschen auf das Gebäude zu werfen. Als ihnen klar wurde, dass dies eine schnelle und gewaltsame Vergeltungsmaßnahme der Polizei provozieren würde, zogen sich 1.150 Demonstranten sofort zurück, um auf dem zentralen Boulevard einen Sitzstreik zu veranstalten. Als den „Anführern“ schließlich dämmerte, dass ihnen die Demonstration entglitten war, schnappten sie sich ihr Transparent und huschten ihren „Anhängern“ hinterher. Diese waren jedoch nicht in der Stimmung für Spiel und Spaß und machten ihnen klar, dass sie, sollten sie keinen angemessenen Abstand einhalten, von einigen der kräftigeren Demonstrationsteilnehmern eine schmerzhafte Lektion in Sachen Manieren erhalten würden. Daraufhin waren die „Anführer“ gezwungen, sich auf die gegenüberliegende Straßenseite zu setzen und die Demonstration mit Beleidigungen wie „Verräter“, „Spanier“ und „Gewerkschaftsanhänger“ zu beschimpfen!
Dieser Vorfall war von großer Bedeutung und im Baskenland völlig beispiellos. Er zeigt, wie sehr die Unterstützung für die radikalen Nationalisten bereits ins Wanken geraten ist, selbst unter der Jugend. Dies wird den baskischen Marxisten auf Dauer ernsthafte Möglichkeiten eröffnen. Vorerst stellten die Aktivitäten dieser Kräfte, die nach wie vor stark vertreten sind, jedoch einen ernsthaften erschwerenden Faktor dar, wie die weitere Entwicklung der Bewegung im Baskenland zeigte.
Die ersten Januarwochen standen ganz im Zeichen der Vorbereitung einer groß angelegten, einwöchigen Aktion vom 19. bis zum 23. Januar. Das Telefon in der Zentrale der Schülergewerkschaft hatte seit Wochen ununterbrochen geklingelt. Unter den Anrufern waren viele aus den Provinzen. Diese wurden nun nach Madrid einberufen, um am Sonntag, dem 18. Januar, an der ersten nationalen Versammlung der SE teilzunehmen. Vertreter aus 38 Provinzen berichteten über die Lage in ihren Gebieten und verabschiedeten schließlich den von der Führung der Schülergewerkschaft vorgelegten Aktionsplan. Dieser sah Folgendes vor: (1) Versammlungen in den Schulen am Montag, dem 19. Januar, um den Aktionsplan zu diskutieren und darüber abzustimmen, (2) einen viertägigen Generalstreik in ganz Spanien, der am Dienstag, dem 20. Januar, beginnen und (3) am Freitag, dem 23. Januar, mit landesweiten Massendemonstrationen um die Mittagszeit seinen Höhepunkt erreichen sollte.
Die nationale Versammlung verlief reibungslos, und die Vertreter kehrten voller Begeisterung in ihre Provinzen zurück, um die Versammlungen am nächsten Tag zu organisieren. Das Gleiche lässt sich nicht von der „Nationalen Versammlung“ des „Koordinierungskomitees“ sagen, die in Handgreiflichkeiten zwischen den Teilnehmern endete. Dies sorgte für Belustigung bei der Schülergewerkschaft, doch gab es einen Aspekt, der alles andere als amüsant war. Nachdem es ihnen nicht gelungen war, mehr als 5.000 Teilnehmer für ihre Demonstration am Freitag, dem 16., zu mobilisieren, verkündeten diese Leute nun lautstark, dass auch sie am Freitag, dem 23., eine Demonstration „einberufen“ würden!
Die Möglichkeit einer Wiederholung der Ereignisse vom 17. Dezember war für die Genossen nicht hinnehmbar. Doch wenn man diese sektiererischen Gangster daran hindern wollte, die Führung der Demonstration an sich zu reißen, könnte dies zu einer blutigen Auseinandersetzung mit verheerenden Folgen führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie am 23. eine eigene Demo organisieren würden, war gering. Es handelte sich eindeutig um ein zynisches Manöver, um die Demonstration der Schülergewerkschaft zu übernehmen. Dies bestätigte sich, als sie mit aller Dreistigkeit darum baten, ein Treffen anzuberaumen, bei dem über die „Führung der Demonstration“ verhandelt werden sollte. Wie sollte man reagieren? War es zulässig, Zugeständnisse zu machen, um Ärger zu vermeiden? Die schlimmste Variante wäre ein gewaltsamer Zusammenstoß. Das musste um jeden Preis vermieden werden. Zudem war der Wille zur Einheit unter den Jugendlichen sehr stark. Aber man durfte nicht zulassen, dass sie die Demonstrationen ungestraft an sich rissen. Es wurde beschlossen, ihnen ein vernünftiges Angebot zu unterbreiten. Natürlich könnten sie an der Demonstration teilnehmen, die allen außer den Faschisten offenstand. Wir würden sogar einigen von ihnen erlauben, ganz vorne mitzulaufen. Aber es müsse unter den Fahnen der Schülergewerkschaft geschehen, da die Schülergewerkschaft – und nicht sie – die Organisatoren waren.
Wir vermuteten, dass sie das Angebot möglicherweise annehmen könnten, was eine Menge Ärger ersparen würde. Sollten sie ablehnen, gab es eine weitere Möglichkeit – nämlich eine Spaltung zwischen den äußerst sektiererischen Kräften und jenen, die zumindest gewisse Verbindungen zu den Massenorganisationen hatten – d. h. den JJ.SS, den „Euros“ und den „pro-sowjetischen“ UJCs. Es lag im Interesse der Schülergewerkschaft, diese Gruppe abzuspalten. Dies würde die Verhandlungen insbesondere mit den Arbeiterkommissionen erleichtern. Letztere bestanden stets auf „Einheit“ zwischen der SE und den „Koordinierungskomitees“ und machten dies oft zur Bedingung für gemeinsames Handeln.
Dahinter steckte offensichtlich die Hand der PCE. Ihre Jugend saß im „Koordinierungskomitee“. Wie hätte man sie da außen vorlassen können? Die Marxisten achteten daher, wie wir gesehen haben, sehr darauf, zwischen den Sekten (MCE, Mandelisten und Lambertisten) und diesen anderen Jugendorganisationen zu unterscheiden, an die wiederholt herangetreten wurde. Hätten die Führungen dieser Gruppen auch nur die geringste Ahnung von Taktik gehabt, hätten wir es schaffen können, sie herauszulösen. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass die kleinbürgerliche Degeneration dieser Organisationen so weit fortgeschritten ist, dass sie alles vergessen haben, was sie in der Vergangenheit vielleicht einmal verstanden hatten. In Wirklichkeit denken und handeln sie nicht anders als die Sekten. Bei den Sekten fühlen sie sich viel wohler als bei echten Marxisten. Daher reagierten sie nicht auf die Angebote und überließen es bis zuletzt den sektiererischen Wahnsinnigen, das Sagen zu haben. Letztere lehnten unser Angebot natürlich rundweg ab. Einer der Mandelisten spottete, wenn wir ihren Ansprüchen nicht zustimmen würden, „sollten wir uns besser in Acht nehmen“. Die Gefahr ernsthafter Unruhen zeichnete sich nun deutlich ab, und die Demo war nur noch ein paar Tage entfernt.
Letztendlich gelang es den Marxisten, die Sektierer vollständig auszumanövrieren und eine Konfrontation zu vermeiden, während sie gleichzeitig die tatsächliche Kontrolle über die Demonstration behielten. Die Schülergewerkschaft berief eine gemeinsame Sitzung ein, an der die CCOO, die UGT, Elternverbände und das „Koordinierungskomitee“ teilnahmen. Letztere entpuppten sich als sektiererische Gangster. Einer der anwesenden CCOO-Funktionäre flüsterte einem der Genossen der Schülergewerkschaft zu, nachdem er sich eine hysterische Rede einer dieser Leute angehört hatte: „Wie kann jemand, der so jung ist, so ein Mistkerl sein?“
Schließlich einigte man sich auf einen „Kompromiss“, wonach der Demonstration ein „einheitliches Transparent“ vorangehen sollte, das von keiner Organisation unterzeichnet war, die gemeinsam vereinbarte Parole „Nieder mit der Bildungspolitik der Regierung“ trug und von Vertretern der Schülergewerkschaft, des „Koordinierungskomitee“, der CCOO, der UGT und der Elternverbände getragen wurde. Unmittelbar dahinter sollte das Transparent der SE folgen. Da das „gemeinsame Transparent“ von Hand getragen wurde, würde es fast niemand sehen, während das Transparent der Schülergewerkschaft, das an Stangen gehisst war, von allen gesehen werden würde. In der Praxis bestand also kein Zweifel daran, wer die Demonstration anführte. Alle waren zufrieden, außer den Sektierern, deren Enttäuschung riesengroß war, als ihnen klar wurde, was geschehen war!
Die Mobilisierungen dieser Woche waren die bislang größten. Bereits am Montag hatten viele Schulen „vorgegriffen“ und den Streik begonnen. Zur Mitte der Woche musste das Ministerium einräumen, dass es sich um einen Generalstreik handelte, an dem zweieinhalb Millionen Menschen teilnahmen.
Die Führung der Schülergewerkschaft wandte sich erneut an die beiden größten Gewerkschaften – CCOO und UGT –, um gemeinsame Aktionen zu vereinbaren. Doch wieder einmal zögerten die Gewerkschaftsführer. Zwar unterstützten sie die Schülergewerkschaft verbal und leisteten auch nützliche praktische Hilfe, sowohl in Form von Geld als auch von Räumlichkeiten, doch vermieden sie sorgfältig jegliche Verpflichtung zu konkreten Aktionen.
Man muss sagen, dass ein viertägiger Streik gewisse Gefahren barg. Insbesondere bestand stets die Gefahr unkoordinierter Straßenaktionen und Zusammenstöße mit den Faschisten und der Polizei. Die Taktik der Schülergewerkschaft bestand darin, die Schüler auf die Fabriken und die Arbeiterbewegung zu orientieren.
Die Schlüsselrolle spielten die Streikkomitees. In jeder Schule drängte die Schülergewerkschaft auf die Bildung solcher Komitees, um der Bewegung einen organisierten Ausdruck zu verleihen. Den Kern des Streikkomitees bildete das „Viererkomitee“ der Schülergewerkschaft – ein Sekretär, ein Kassier, ein Verantwortlicher für Propaganda und einer für Sicherheit. Zu diesem Kern kam je ein gewählter Vertreter pro Klasse hinzu. Jeder konnte gewählt werden, ob Mitglied der Schülergewerkschaft oder nicht, vorausgesetzt, er erklärte sich bereit, die Forderungen der Schülergewerkschaft zu verteidigen und sich an deren Disziplin zu halten. Jedes Streikkomitee entsandte einen Delegierten in das Zentrale Streikkomitee, das Gremium, das den Kampf tatsächlich organisierte und koordinierte.
Die Parolen der Schülergewerkschaft, ihr Aktionsplan, ihre Taktik und Strategie wurden den Schulen über diese Delegiertenversammlung vermittelt, die je nach den Erfordernissen des Augenblicks ein- bis zweimal pro Woche tagte. Das Streikkomitee in den Schulen traf sich jeden Morgen, um einen Aktionsplan auszuarbeiten. Es gab eine allgemeine Tendenz, auf die Straße zu gehen und Verkehrsknotenpunkte zu blockieren. Diese Taktik, die gelegentlich zu Konflikten zwischen Demonstranten und normalen Arbeitern führte, wurde von der Schülergewerkschaft nicht befürwortet; stattdessen plädierte sie dafür, dass Gruppen von Schülern in die lokalen Fabriken gingen, um die Situation zu erklären und um Unterstützung sowie Geld zu bitten.
Wo immer dies geschah, waren die Ergebnisse äußerst ermutigend. In Saragossa gewährten die örtlichen Busfahrer der TUZCA den Schülern während des Streiks kostenlose Fahrten. Die Hafenarbeiter, die in einen eigenen Konflikt verwickelt waren, riefen am 23. Januar zum Streik auf und beschlossen, auf Anfrage Massenversammlungen einzuberufen, um den Schülern das Wort zu erteilen und Spenden zu sammeln. Wann immer die Jugendlichen mit Spendendosen vor Fabriken oder auf Marktplätzen erschienen, floss das Geld nur so herein, was das Potenzial der Unterstützung deutlich machte. In Tarragona entwickelten die Genossen eine neuartige Variante der typischen „Straßensperren“-Taktik, die sich als recht gewinnbringend erwies. Sie gingen einfach mit einer Spendendose die Warteschlange der Autos entlang und sammelten große Geldsummen.
Der Streik war erfolgreich. Die Unterstützung durch die Öffentlichkeit war deutlich zu spüren. Laut einer nach der Aktionswoche durchgeführten Meinungsumfrage unterstützten 67 % die Schüler und Schülerinnen, während nur 13 % auf der Seite der Regierung standen. Und dennoch widersetzten sich die Führungsspitzen der großen Gewerkschaften dem Aufruf zu Solidaritätsaktionen und einem 24-stündigen Generalstreik.
Mit jeder von der Schülergewerkschaft einberufenen Demonstration wuchsen die Erfahrung und die Fähigkeiten der Genossinnen und Genossen. Die Organisation des „servicio de orden“ (Verteidigungsposten) lief nun wie am Schnürchen. Wie schon am 17. Dezember beriet eine Delegiertenversammlung der für die Sicherheit zuständigen Mitglieder über die zu wählende Taktik. Schwere Zusammenstöße mit den Faschisten waren nicht auszuschließen. Diese hatten eine Gegendemonstration angekündigt, die von einem anderen Ort aus starten und genau zur gleichen Zeit wie die Demonstration der Schülergewerkschaft vor dem Ministerium enden sollte. Trotz der offensichtlichen Provokation erteilte der „sozialistische“ Zivilgouverneur den Faschisten die gesetzliche Genehmigung, ihren Marsch durchzuführen.
Am Morgen des 23. Januar bildeten nicht weniger als 2.000 Verteidigungsposten einen eisernen Ring um die Spitze der Demonstration, an der etwa 200.000 Menschen teilnahmen. Die Demonstration verlief in vollkommener Ordnung.
Die Faschisten hatten nun ihre Taktik komplett geändert. Es wurde kein Versuch unternommen, die Demonstranten direkt anzugreifen. Die beeindruckend disziplinierten Verteidigungsketten schreckten jeden potenziellen Angreifer ab. Doch eine halbe Stunde vor der erwarteten Ankunft der Demonstration waren die faschistischen Banden bereits am Werk und griffen die Polizei vor dem Ministerium mit Ziegelsteinen, Stahlschleudern und Molotowcocktails an. Autos wurden umgeworfen und in Brand gesetzt, die Fenster von Banken und Büros eingeschlagen. Dennoch sah die Polizei tatenlos zu.
Es besteht kein Zweifel daran, dass die Polizei in mehr als ausreichender Stärke im Einsatz war, um die faschistischen Provokateure zu zerstreuen. Zu ihrem Arsenal gehörten Gewehre, Pistolen, Schrotflinten, Gummigeschosse, Tränengas, Rauchbomben, gepanzerte Busse, Motorräder, Wasserwerfer und berittene Polizei. Doch es wurde kein Befehl erteilt, die Faschisten und Provokateure anzugreifen, die ungestraft wüten durften.
Kurz bevor die Demonstration den Wendepunkt am Plaza de Cibeles erreichte, nur unweit vom Ministerium entfernt, riefen die Ordner, die über die Situation informiert worden waren, zum Halt auf. Eine Gruppe von etwa 1.000 mit Knüppeln bewaffneten „fliegenden Streikposten“ wurde nach vorne geschickt, um die Provokateure aus dem Weg zu räumen und der Demonstration den Durchgang zu ermöglichen. Doch sobald die Streikposten auftauchten, erhielt die Polizei den Befehl zum Eingreifen.
In dem darauffolgenden Durcheinander fuhren gepanzerte Busse mit Blaulicht und Hupen auf Hochtouren direkt vor die Demonstration. Verängstigte Jugendliche zerstreuten sich in alle Richtungen, verfolgt von der Bereitschaftspolizei, die jeden niederschlug, der ihnen im Weg stand. Doch obwohl sie von Wasserwerfern beschossen wurden, hielten die Streikposten mit vorbildlichem Mut und Disziplin ihre Stellung. Die Linie wurde gehalten. Die Demonstration war gerettet. Eine Gruppe von Polizisten auf Motorrädern beging den Fehler, direkt in die Menge zu fahren. Da es ihnen nicht gelang, die Demonstration aufzubrechen, wurden sie zu Boden geworfen, mit Tritten und Schlägen bearbeitet und gezwungen, um ihr Leben zu rennen, wobei sie ihre teuren Motorräder auf dem Boden zurückließen, wo sie von den wütenden Jugendlichen rasch zu Schrott verarbeitet wurden.
Irgendwann zu diesem Zeitpunkt wurde ein 14-jähriges Mädchen von einer Polizeikugel ins Becken getroffen. Die Polizei behauptete später, sie sei von einer wütenden Menschenmenge umzingelt gewesen und habe sich durch „Schüsse in die Luft“ geschützt. Doch von der Presse veröffentlichte Fotos widerlegten diese Aussagen.
Die Nachricht von dem Schuss löste eine Schockwelle der Empörung aus. Marcelino Camacho vertraute den Führern der Schülergewerkschaft später an, dass die CCOO einen Generalstreik ausgerufen hätten, wäre das Mädchen gestorben. Die Wahrheit ist: Wäre sie gestorben, hätte es eine spontane Bewegung der Arbeiter gegeben, mit oder ohne Aufruf der Gewerkschaftsführer.
Die Ereignisse des 23. lösten in Regierungskreisen eine Panikwelle aus. Als sie die gefährliche Lage erkannten, vollzogen die Massenmedien, angefangen bei El País, eine Kehrtwende um 180 Grad und begannen, Druck auf die Regierung auszuüben. Der angesehene Chefredakteur von El País, Juan Luis Cebrian, schrieb einen Leitartikel auf der Titelseite, in dem er Felipe González vor den Folgen warnte, den Kontakt zu den Arbeitern und der Jugend zu verlieren. In einem beispiellosen Schritt widmete El País eine halbe Seite seiner Sonntagsausgabe, die von Millionen von Menschen gelesen wird, einem offenen Brief an den Bildungsminister, unterzeichnet von Juan Ignacio Ramos, ohne ein Wort daran zu ändern (siehe Anhang).
Ebenso beispiellos war es, dass vier an der Schießerei beteiligte Polizisten sofort ohne Bezahlung vom Dienst suspendiert wurden und dass der reaktionäre Innenminister José Barrionuevo versuchte, sich vom Verhalten der Polizei bei dieser Demonstration zu distanzieren.
Als die Schülergewerkschaft von der Schießerei erfuhr, rief sie sofort zu einem weiteren eintägigen Proteststreik am Montag auf. Interessant ist, dass sich viele Polizisten selbst bei ihrer Gewerkschaft über die am 23. angewandten Taktiken und die Anweisungen ihrer Vorgesetzten beschwerten. Zu keinem Zeitpunkt wurde den Organisatoren der Demonstration die Schuld gegeben. Am Montag enthüllte El País sogar, dass die Zivilgouverneurin Ana Tutor vom spanischen Äquivalent der „Special Branch“ (britische Geheimpolizei) gewarnt worden war, dass „rechtsextreme Gruppen“ planten, die Demonstration zu sabotieren, doch es wurden keine Maßnahmen ergriffen.
Ein roter Faden, der sich durch den Konflikt zog, waren die Aktivitäten „unkontrollierter Kräfte“, die am Rande der Demonstrationen gewalttätig agierten.
Die reaktionäre Rolle dieser Gruppen war offensichtlich. Ihre destabilisierenden und provokativen Aktionen spielten der Polizei, der Presse und der Regierung in die Hände. Doch wer waren sie? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort.
Es liegt auf der Hand, dass in jeder Phase dieser Aktivitäten organisierte faschistische Gruppen beteiligt waren. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass Polizeispitzel involviert waren. Sicherlich sah das Verhalten der Polizei gegenüber diesen Provokateuren von Anfang bis Ende sehr nach einer koordinierten Aktion aus, um die Demonstration zu stören und so viel Chaos und Tumult wie möglich zu verursachen. Interessanterweise sind viele dieser Elemente, wie auch in Großbritannien, um Fußballvereine herum organisiert – in diesem Fall die Anhänger von Real Madrid („Ultra-Sur“) und Atlético – eine Mischung aus Lumpen und faschistischen oder quasi-faschistischen Personen. Diese Personen sind der Polizei bestens bekannt. Die Presse berichtete von einem Fall eines bekannten Rowdys namens „El Cojo“ („Der Krüppel“), der vor Millionen von Fernsehzuschauern zu sehen war, wie er mit einer Krücke ruhig eine U-Bahn-Station verwüstete, während er auf der anderen unsicher balancierte. Dieser Mann (der kaum zu übersehen war) wurde festgenommen, wieder freigelassen, tauchte erneut in Sevilla auf, wurde erneut festgenommen und wieder freigelassen – vermutlich, um seine Karriere als Tourist und Telefonzellenzerstörer fortzusetzen, ungestört von der Polizei oder Fernsehteams!
Allerdings spielten noch andere Faktoren eine Rolle. Es steht außer Frage, dass die Anführer des „Koordinierungskomitees“ Schlägertrupps mitbrachten, die vermutlich aus den am stärksten von Armut betroffenen Vierteln rekrutiert worden waren, und zwar mit dem Versprechen, bei der Demonstration am 17. Dezember „auf die Pauke zu hauen“. Doch diese Leute erwiesen sich als unkontrollierbar und schlossen sich fortan jeder Demonstration an, einzig und allein mit dem Ziel, Zerstörungen anzurichten und mit der Polizei zu kämpfen. Bei einer Demonstration in Barcelona verwüsteten sie ein McDonald’s-Restaurant und machten sich mit der Kasse aus dem Staub!
Solche Vorfälle wurden natürlich von der Presse aufgegriffen, die über die Massendemonstrationen mit 100.000 bis 200.000 Teilnehmern kaum berichtete, stattdessen aber immer wieder die Aspekte von Vandalismus und Ausschreitungen hervorhob.
Es stimmt zwar, dass sich unter diesen faschistischen und lumpenhaften Provokateuren auch einige aufrichtige Jugendliche befanden, die bereit waren, sich um jeden Preis sich in den „Kampf zu schmeißen“. Wie ein Genosse es ausdrückte: „Es gibt einige Jugendliche, die sich sogar für einen Bombenangriff melden würden!“ Doch diese bildeten eine kleine Minderheit. Die große Mehrheit der Schüler lehnte diese Taktik ab und brachte ihre Haltung mit dem Slogan zum Ausdruck: „Somos estudiantes, no maleantes!“ („Wir sind Schüler, keine Rowdys!“). Bei den letzten beiden Demonstrationen stellten sich die Schüler oft unbewaffnet zwischen die Polizei und ihre Angreifer, um den Steinwurf zu stoppen – ein anschaulicher Ausdruck dafür, dass sie den Charakter der Provokation verstanden hatten.
Presseberichten zufolge sollen sich gegen Ende der Auseinandersetzungen bestimmte ultralinke Sekten unter die Provokateure gemischt haben. Da diese Berichte von den Geheimdiensten („Special Branch“ usw.) stammten, sind sie mit Vorsicht zu genießen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der radikale Flügel des „Koordinierungskomitees“ in gewissem Maße daran beteiligt war. Sicherlich war die wahnwitzige Taktik, nicht genehmigte Demonstrationen vor dem Parlament und dem Moncloa-Palast einzuberufen, darauf ausgerichtet, gewalttätige Zusammenstöße zu provozieren. Es bestand der starke Verdacht, dass beabsichtigt war, den Tod eines unglücklichen Schülers herbeizuführen, um so gewissermaßen eine Wiederholung der französischen Ereignisse (am Rande von Studentenproteste in Paris 1986 wurde ein 22-jähriger Student brutal von der Polizei ermordet, worauf landesweite Massenproteste folgten) auszulösen. Natürlich würde das Opfer nicht zu den Sektenanhängern gehören, die ausnahmslos als Erste die Flucht ergriffen, sobald sie auch nur den Ausschnitt eines Polizeihelmes erblickten.
Diesen (unbestätigten) Presseberichten zufolge soll die Hauptgruppe hinter dem Madrider „Koordinierungskomitee“, die sogenannte „Kommunistische Bewegung“ (MCE), Gelder aus Libyen erhalten haben und nun darüber diskutieren, zum „bewaffneten Kampf“, d. h. zum individuellen Terrorismus, überzugehen. Es lässt sich nicht feststellen, ob dies zutrifft, doch angesichts ihrer bisherigen Vorgehensweise kann dies nicht ausgeschlossen werden. Was die anderen genannten Gruppen betrifft – die LCR (Mandelisten) und die POSI (Lambertisten) –, so sind diese lediglich von geringer Bedeutung. Dennoch ist die Tatsache, dass die Lambertisten in Bilbao einen Genossen tätlich angegriffen haben, ein Hinweis darauf, zu welchen Untaten diese Leute fähig sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch sie solche „revolutionären“ Taktiken wie das Zerschlagen von Fenstern, das Anzünden von Autos und Angriffe auf die Polizei unterstützen würden – natürlich aus sicherer Entfernung!
Abgesehen von den schmutzigen Provokationsspielchen der Faschisten und den ultralinken Eskapaden der Sekten sind auch die gewalttätigen Ausbrüche eines Teils der spanischen Jugend Teil eines internationalen Phänomens. Sie ähnelt in gewisser Weise der Mentalität der am stärksten entrechteten Schichten der Jugend in Großbritannien, die sich an den britischen Unruhen beteiligen. Sie ist Ausdruck der ausweglosen Lage der Jugend im Kapitalismus, des Gefühls von Wut, Frustration und Verzweiflung, das sich immer weiter ausbreitet und das sich angesichts der mangelnden Autorität der reformistischen Führung der traditionellen Arbeiterorganisationen in Ausbrüchen blinder Gewalt äußert. Der Hass auf die Polizei ist ein weiterer wichtiger Faktor bei diesen Ausbrüchen. Mit einer marxistischen Führung könnte ein großer Teil dieser Schicht für eine echte revolutionäre Perspektive gewonnen werden. Doch die Aktivitäten der ultralinken Fanatiker dienen nur dazu, die Jugend falsch zu „erziehen“.
Rückblickend war die Woche vom 19. bis zum 23. Januar, und insbesondere die Massendemonstrationen am Freitag, dem 23., ein entscheidender Wendepunkt. Die Regierung und die herrschende Klasse gerieten zweifellos in Panik. Am Tag nach der Demonstration glich das Zentrum von Madrid einem Schlachtfeld. Die Bilder in den Zeitungen wirkten wie eine Szene aus einem Bürgerkrieg. Der Schuss auf das 14-jährige Mädchen schockierte die Öffentlichkeit. Erschwerend kam hinzu, dass sie aus einer ganz normalen Arbeiterfamilie stammte (ihr Vater ist Maler), die vom Giftöl-Skandal von 1981 betroffen war. Sowohl ihr Vater als auch ihre Schwester waren schwer erkrankt. Der Vater verteidigte zwar nachdrücklich die Entscheidung seiner Tochter, an der Demonstration teilzunehmen, bemerkte jedoch bitter: „Sie haben eine meiner Töchter vergiftet, und jetzt haben sie die andere beinahe umgebracht.“ Die Aussage dieses einfachen Arbeiters, der sich weigerte, dem Minister die Hand zu geben, als er seine Tochter im Krankenhaus besuchte, muss bei Millionen Menschen Anklang gefunden haben: „Ich bin Arbeiter“, erklärte er, „und als solcher bin ich links …“ Der Vater sagte, dass er selbst Analphabet sei, und fügte hinzu: „Als ich im schulpflichtigen Alter war, musste ich arbeiten, um zu essen; deshalb wollte ich, dass meine Kinder studieren – nicht, um Machtpositionen zu erlangen, sondern um ihretwillen, als Menschen.“
Der Druck auf die Regierung wurde nun untragbar. Am folgenden Montag bot Bildungsminister José María Maravall erstmals an, persönlich mit den Schülern zu verhandeln. Dies war das erste deutliche Anzeichen dafür, dass die Regierung ins Wanken geriet.
Doch der Kampf war noch lange nicht vorbei. Die Regierung, die von zwei Seiten unter Druck stand, war offensichtlich gespalten. Der Druck von den Straßen und aus den Fabriken bedeutete eine ernste, angespannte Lage. Doch der Druck der Banker, der sich durch den rechten Wirtschaftsminister Solchaga widerspiegelte, zielte darauf ab, sich allen Versuchen zu widersetzen, finanzielle Zugeständnisse zu machen und von der Sparpolitik der Regierung abzuweichen. Wenn sie den Schülern erlauben würden, eine Bresche in den Damm zu schlagen, würden die Arbeiter als nächstes nachströmen und ihre Lohnforderungen geltend machen.
Das ursprüngliche Angebot, das in einer großzügig anmutenden Formulierung verfasst war, blieb weit hinter den Forderungen der Schülergewerkschaft zurück. Dennoch sorgten die enorme öffentliche Aufmerksamkeit, die dem Angebot zuteilwurde, und die Tatsache, dass solche Zugeständnisse völlig beispiellos waren, in Kreisen der Arbeiterklasse für weit verbreitete Überraschung. Die meisten Menschen hatten nie erwartet, dass die Regierung überhaupt etwas anbieten würde. Hätte die Schülergewerkschaft dem ersten Angebot zugestimmt, wäre dies zweifellos von der großen Mehrheit der Arbeiter als Sieg gewertet worden. Tatsächlich begannen die UGT-Führer nun, Druck auf die SE auszuüben, dieses „vernünftige“ Angebot anzunehmen.
Es war nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Schülergewerkschaft zustimmen könnte. Die Regierung lehnte zwar die Abschaffung der Auswahlverfahren ausdrücklich ab, bot jedoch Folgendes an: (1) eine Erhöhung der Zahl der Schulplätze für 1987/88, (2) eine Aufstockung der Zuschüsse für denselben Zeitraum, (3) eine Anhebung der Immatrikulationsgebühren an den Universitäten entsprechend der offiziellen Inflationsrate von 5 %, (4) eine Änderung der Hochschulzugangsvoraussetzungen und (5) eine stärkere Einbeziehung der Schüler und Studierenden in die Bildungspolitik.
Dieses Angebot abzulehnen, war eine risikoreiche Strategie. Der Kampf dauerte nun schon fast zwei Monate an. Die spaltenden Aktivitäten der Sekten und der Kommunistischen Partei wurden zu einem zunehmend erschwerenden Faktor. Die Regierung machte sich diese Tatsache bewusst zunutze. In Valencia, wo die UJC und JJ.SS die faktische Kontrolle über das „Koordinierungskomitee“ hatten, wurde ein separates Abkommen unterzeichnet. Eine unnachgiebige Haltung hätte zudem das Risiko, die Unterstützung der Mehrheit der Arbeiter und Eltern zu verlieren, die nun zunehmend nicht nur über fehlende Unterrichtsstunden ihrer Kinder besorgt waren, sondern auch über die von der Presse hervorgehobene Gewalt.
Das Ministerium verfolgte nun eine neue Taktik, die darauf abzielte, die Schülergewerkschaft zu schwächen und die Spaltungen voranzutreiben. Seit Dezember waren die Mitglieder des Verhandlungskomitees der Schülergewerkschaft die einzigen, die systematisch an den Verhandlungen mit dem Ministerium teilnahmen. Nun machte das Ministerium deutlich, dass „alle Kräfte der Schülerbewegung“ zu den Verhandlungen eingeladen würden. Man war sich vollkommen bewusst, dass die SE die einzige repräsentative Kraft der Schülerbewegung auf nationaler Ebene war. Die „Koordinierungskomitees“ verfügten über keine landesweite Struktur, und wann immer sie versuchten, eine solche zu bilden, zerfielen sie in Streitigkeiten. Um dies zu umgehen, wurde mit einem Taschenspielertrick das Madrider „Koordinierungskomitees“ eingeladen. Gleichzeitig lud das Ministerium die CEAE (Staatlicher Verband der Schülervereinigungen) ein, bei der es sich um Mitglieder der Jungsozialisten handelte, die niemanden außer sich selbst vertraten, aber den Vorzug hatten, vollkommen auf einer Linie mit dem Ministerium zu sein!
Die Taktik der Regierung war ganz klar: die Verhandlungen zu nutzen, um die Kritik an ihrer „Unvernunft“ zu beschwichtigen, die Schüler durch das Hinauszögern der Gespräche zu demobilisieren und die Spaltungen unter den Schülern aufzuzeigen. Am Ende, nachdem sie die Bewegung geschwächt hatten, konnten sie die Verhandlungen dann beenden und, falls nötig, ein Abkommen mit „ihren Leuten“ in der CEAE unterzeichnen.
Die Schülergewerkschaft ging mit der festen Entschlossenheit in die Verhandlungen, der Regierung weitere Zugeständnisse abzuringen. Gleichzeitig war allen klar, dass der Druck der Bankiers über den rechten Flügel der PSOE dies praktisch unmöglich machen würde, dass die einzige Garantie für den Erfolg der Druck einer Massenbewegung von Arbeitern und Schülern war und dass eine Verlängerung der Verhandlungen aus Sicht der Moral der Schüler gefährlich sein könnte. Trotzdem war es absolut notwendig, an den Verhandlungen teilzunehmen und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit voll auszunutzen, um die Position der Schülergewerkschaft darzulegen. Dies zu verweigern, insbesondere jetzt, da der Minister zugestimmt hatte, persönlich teilzunehmen, wäre ultralinker Wahnsinn gewesen. Selbst das „Koordinierungskomitee“ schlich sich, nachdem es einige „revolutionäre“ Töne angeschlagen hatte, schließlich durch die Tür des Ministeriums und saß mürrisch in der Ecke.
Nachdem sie bewiesen hatten, dass sie kämpfen konnten, zeigten die Marxisten nun, dass sie auch verhandeln konnten. Während die CEAE nichts zu sagen hatte (wie es bei Marionetten in jedem Land üblich ist) und sich das „Koordinierungskomitee“ darauf beschränkte, Parolen und Allgemeinplätze zu wiederholen, hatten die Verhandlungsführer der Schülergewerkschaft ihre Hausaufgaben gemacht und den Gegner mit einer Flut von Fakten, Zahlen und Argumenten bombardiert. Das brachte unsere Gegenspieler aus der Fassung. Mehr als einmal waren sie nicht in der Lage, auf die Argumente der Schülergewerkschaft zu antworten. Von Anfang bis Ende war es ein Zweikampf zwischen dem Ministerium und der SE. Eine amüsante Nebenhandlung war die missliche Lage von José María Maravall. Dieser „linke“ Minister hatte in seiner Jugend an den Studentendemonstrationen in Frankreich im Mai 1968 teilgenommen – ein heikler Punkt –, woran ihn die Presse ständig erinnerte. In einer der Hunderten von Karikaturen, die erschienen, war eine zu sehen, auf der Maravall zu Felipe González sagte: „Aber haben wir nicht auch demonstriert, als wir Schüler waren?“ Worauf González antwortete: „Ja, aber damals waren wir nicht in der Regierung!“ Maravall spielte in diesen Diskussionen keine eigenständige Rolle. Er saß die ganze Zeit da, flankiert von den beiden „Hardlinern“ Rubalcaba und Barroso. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hatte Juan Ignacio Ramos im Namen der Schülergewerkschaft ein konkretes Angebot gemacht, und Maravall brachte den Mut auf, zu sagen, dass er dies für akzeptabel halte. Daraufhin wurde er jedoch umgehend von Rubalcaba unterbrochen, der ein schroffes „Nein“ von sich gab. Und damit war die Sache entschieden. Dieser Vorfall verdeutlichte anschaulich sowohl die Spaltungen innerhalb der Regierung als auch, wer das Sagen hatte.
Wie bereits im Dezember war klar, dass die Teilnahme an den Verhandlungen ein Risiko barg: Sollte kein ernsthaftes Angebot unterbreitet werden, könnte die Bewegung explodieren und die Schülergewerkschaft von der Jugend abgehängt werden. Das „Koordinierungskomitee“ rief am Dienstag, einen Tag vor dem geplanten Verhandlungsbeginn, zu einer Demonstration auf, angeblich um gegen die Polizeigewalt vom 23. zu protestieren. Es hatte zudem gedroht, die Verhandlungen zu boykottieren (obwohl es am lautesten gefordert hatte, direkt mit dem Minister zu verhandeln!). Nur 4.000 Menschen erschienen, und wie zu erwarten war, vergaßen sie ihren „Boykott“ der Verhandlungen bald wieder.
Dennoch galt es zu verhindern, dass man den Kontakt zur Basis verlor und in die Falle des „parlamentarischen Kretinismus“ geriet. Die Schülergewerkschaft kam zu dem Schluss, dass die beste Verteidigung darin bestand, die Basis umfassend über den Stand der Verhandlungen auf dem Laufenden zu halten. Die Presse hatte das Angebot des Ministeriums ausführlich veröffentlicht. Dem musste durch eine detaillierte Aufschlüsselung der Forderungen der Schülergewerkschaft entgegengewirkt werden, was durch die Verteilung eines vollständig ausgearbeiteten Programms geschah. Die alten allgemeinen Parolen reichten nun nicht mehr aus. Sie waren zwar als Schlachtrufe nützlich, um die Masse der Jugend zu mobilisieren, doch nach zwei Monaten des Kampfes war es notwendig, eine Perspektive für den Abschluss des Kampfes zu entwickeln. Es war von entscheidender Bedeutung, der „Stimmung“ einen konkreten Inhalt zu geben, die Bestrebungen der Bewegung in einer Forderungsliste zu konkretisieren und zu entscheiden, welche dieser Forderungen für eine Einigung grundlegend waren – das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen – und, falls nötig, eine Ausweichposition für den Fall vorzubereiten, dass die Bewegung an Schwung verlieren sollte.
Das war alles andere als einfach. Die Positionen der Schülergewerkschaft und des Ministeriums lagen sehr weit auseinander. Die Forderungen nach der Abschaffung der Auswahlverfahren und der Immatrikulationsgebühren waren aufgegriffen worden und fanden bei den Demonstrationen breite Unterstützung. Dennoch war schwer vorstellbar, wie die erste Forderung innerhalb der Grenzen des kapitalistischen Systems in der Praxis erfüllt werden könnte. Die Vorstellung, dass jeder, ohne Ausnahme, Zugang zu einer Hochschulausbildung erhalten sollte, war verlockend. Doch die praktische Umsetzung war eine ganz andere Frage. Spanische Universitäten sind bereits erschreckend überfüllt, mit Vorlesungen von über 100 Teilnehmern oder solche, die mit „nur Stehplätzen“ auskommen müssen. Entweder müsste eine ganze Reihe neuer Universitäten gebaut werden, oder die Forderung, Auswahlverfahren abzuschaffen, würde praktisch bedeuten, dass die Studierenden dicht gedrängt aufeinander stehen mussten! Die Regierung zögerte nicht lange, diesen offensichtlichen Schwachpunkt in der Argumentation der Schülerbewegung aufzugreifen, um die gesamte Idee lächerlich zu machen.
Als Antwort forderte die Schülergewerkschaft den Bau neuer Universitäten, eine im Süden von Madrid und eine in Navarra. Es war jedoch offensichtlich notwendig, die Position in Bezug auf diese und andere Forderungen zu überdenken.
Es wäre äußerst naiv anzunehmen, dass die Masse der Schüler aus der Arbeiterklasse gegen die „Selektion“ kämpfte, wo doch die große Mehrheit von ihnen gar nicht daran dachte, jemals an die Universität zu gehen. Tatsächlich beschwerten sich einige der Jugendlichen bereits im Dezember über den übermäßig universitätsorientierten Charakter der Bewegung. In Spanien gibt es immer noch nicht genügend Schulplätze an Grundschulen. Viele Schulgebäude befinden sich in einem erschreckend baufälligen Zustand. Im Verlauf des Konflikts selbst traten viele Schüler in den Streik, weil es im Januar bei Minustemperaturen keine Heizung in den Klassenzimmern gab. Die Schülergewerkschaft legte Wert darauf, eine ganze Reihe von Forderungen einzubeziehen, die sich auf Berufsschüler, Abendschüler und Auszubildende bezogen, um die Basis der Bewegung zu verbreitern und ihr einen klaren Klassencharakter zu verleihen.
Das Ministerium argumentierte demagogisch, die Forderung nach der Abschaffung der Immatrikulationsgebühren sei „reaktionär“, da sie gleichermaßen für Kinder aus reichen und armen Familien gelten würde. Andererseits sei man bereit, Kindern aus der Arbeiterklasse durch eine Erhöhung der Stipendien den Zugang zur Universität zu erleichtern.
Tatsächlich könnte der zentrale Slogan der Bewegung – „Arbeiterkinder an die Universität“ – konkret mit Leben erfüllt werden, indem unnötige Hindernisse für den Hochschulzugang beseitigt, die Immatrikulationsgebühren für Kinder aus Arbeiter- und unteren Mittelschichtfamilien abgeschafft und ein angemessenes Stipendienniveau erreicht würde, das zumindest die Kosten für Bücher und Fahrten abdeckt sowie einen Zuschuss zur Deckung der Grundausgaben beinhaltet. Die Verhandlungsführer der Schülergewerkschaft erarbeiteten daher eine Liste von Forderungen, mit denen all dies effektiv umgesetzt werden könnte.
Das Problem bestand darin, dass das Ministerium unter dem Druck des rechten Flügels der Regierung nicht bereit war, die zusätzlichen Mittel aufzubringen, die zur Deckung dieser und aller anderen von der Schülergewerkschaft vorgebrachten Forderungen erforderlich waren. Dieser Punkt wurde von den Marxisten in ihrer Propaganda geschickt ausgenutzt, indem sie erklärten, dass das Geld durchaus vorhanden sei – in den Händen der Bankiers und Kapitalisten sowie in Form der ungeheuren Last der Rüstungsausgaben. Insbesondere dieser letzte Punkt regte die Vorstellungskraft der Jugend an und spielte bei allen künftigen Demonstrationen eine wichtige Rolle – ein weiterer Beweis für den zunehmend politisierten Charakter der Bewegung.
Das grundlegende Problem bestand darin, dass die Durchsetzung der Kernziele der Bewegung nichts Geringeres bedeutete als ein Frontalangriff auf die gesamte Wirtschaftspolitik der Regierung. Bislang war es keiner anderen Gruppe gelungen, die Regierung von ihrem Kurs abzubringen. Würden die Schüler es schaffen?
In der Hitze des Kampfes, als Millionen junger Menschen sich der Kraft einer organisierten Massenbewegung bewusst wurden, ließen sich Aktivisten an den Schulen leicht davon mitreißen und hatten eine übertriebene Vorstellung davon, was die Bewegung aus eigener Kraft erreichen könnte. Für die sektiererischen Schwachköpfe, denen jegliches Verständnis sowie jeglicher Sinn für Taktik und Strategie fehlte, war das Problem ganz einfach. Doch ein General, dessen Verständnis von Kriegsführung sich auf einen einzigen Befehl beschränkt: „Vorwärts!“, kann sehr schnell ohne Armee dastehen. Die spanischen Marxisten verstanden die Notwendigkeit, den Schülern in jeder Phase der Bewegung die Wahrheit zu sagen – um es mit Trotzkis Worten zu sagen: keine Angst davor zu haben, „zu sagen, was ist“.
Ohne die aktive Unterstützung der Arbeiterklasse konnte die Schülerschaft nicht darauf hoffen, die Regierung zu besiegen, hinter der die Macht der herrschenden Klasse stand. Schöne Worte und Resolutionen reichten nicht aus; was es brauchte, war ein klares Beispiel für die gemeinsame Aktionseinheit von Schülern und Arbeitern.
Nun, nach zwei Monaten erbitterten Kampfes, machten sich die Auswirkungen der Bewegung allmählich bemerkbar. Die Lehrkräfte begannen, von ihren Schülern zu lernen! Ein landesweiter Lehrerstreik drohte sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bildungswesen.
Unterdessen kam es im Süden nach Jahren schwelender Unzufriedenheit zu einer sozialen Explosion. In der ersten Februarwoche kam es zu einem Generalstreik der Landarbeiter in Andalusien und Extremadura. Dieser am stärksten unterdrückte und ausgebeutete Teil der Arbeiterklasse, der fast ausnahmslos die Sozialisten gewählt hatte, war seit langem an den Albtraum von Arbeitslosigkeit und Hungerlöhnen gewöhnt. Doch als die sozialistische Regierung, in die sie ihr Vertrauen gesetzt hatten, beschloss, die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter, die Anspruch auf Arbeitslosengeld hatten, um etwa 100.000 zu kürzen, kochte ihre Wut über. In Anlehnung an die Taktik der Schülerbewegung organisierten sie Straßenblockaden in Andalusien und vor allem in der Extremadura. Die Unruhen griffen auf jedes Dorf über und zwangen die Gewerkschaftsführer, die Führung zu übernehmen. Aus Angst machte die Regierung hastig einen Rückzieher und versicherte, dass nur eine „geringfügige“ Änderung geplant sei. Das reichte aus, um die Führung der UGT zufriedenzustellen. Nicht jedoch die CCOO, die zu einem „Marsch auf Madrid“ aufriefen.
Auf parlamentarischer Ebene forderte die Opposition, dass sowohl Maravall als auch Barrionuevo (der Innenminister) persönlich erscheinen sollten, um sich für ihr Handeln zu verantworten.
Unterdessen bahnten sich an einer anderen Front Unruhen an. Die schwelende Unzufriedenheit der unterdrückten arabischen Minderheit in Melilla, der spanischen Enklave an der nordafrikanischen Küste, entlud sich in gewalttätigen Ausschreitungen. Unmittelbarer Auslöser waren die Ausweisung des nationalistischen Führers Mohamed Dudu nach Marokko sowie Polizeigewalt. In der Nacht vom Samstag, dem 31. Januar, drang die spanische Polizei in das arabische Viertel ein, brach in Häuser ein und verprügelte Männer, Frauen und Kinder. Die darauffolgenden Unruhen endeten mit vier Arabern, die Schussverletzungen erlitten hatten – einer von ihnen, ein Arbeiter, starb später –, sowie mit der Festnahme von 32 Führern der arabischen Gemeinschaft.
Um das Feuer noch weiter anzufachen, kündigte der rechte Minister Solchaga öffentlich einen „erheblichen Beschäftigungsrückgang“ in der Industrie an, wobei er insbesondere den Schiffbau, die Stahlindustrie, die chemische Industrie, den Werkzeugmaschinenbau nannte – und versprach im gleichen Atemzug, die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung im Laufe des Jahres 1987 um 1 % zu senken, was durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer finanziert werden sollte!
Zu allem Überfluss war etwa drei Monate nach den Wahlen zum autonomen baskischen Parlament der x-te Versuch, eine Koalitionsregierung zu bilden, gescheitert. Falls noch Zweifel bestanden hatten, dass die Regierung ein vernünftiges Angebot unterbreiten könnte, machte Solchagas provokative Rede die Lage bald klar. Die Illusionen waren beseitigt. Die Rechte hatte auf ganzer Linie gesiegt. Es blieb nichts anderes übrig, als sich erneut auf den Kampf vorzubereiten.
Für die Führer des „Koordinierungskommitee“ gab es diese taktischen Probleme nicht. Ihre Anwesenheit am Verhandlungstisch war reine Formsache, da sie eigentlich nichts zu sagen hatten. Trotzki definierte einmal einen Ultralinken als einen Opportunisten, der Angst vor seinem eigenen Opportunismus hat. Deshalb kann der wahnsinnigste Ultralinke ohne mit der Wimper zu zucken zum feigsten Opportunismus übergehen. Der „Beitrag“ dieser Kräfte zu den Verhandlungen bestand darin, ihren „unbefristeten Generalstreik“ in Madrid zwei Tage vor dem Treffen mit dem Minister abzublasen! Aus logischer Sicht ergab dies durchaus Sinn, da sich nur eine Handvoll Schulen dieser völlig falschen und schädlichen Taktik angeschlossen hatten. Die Marxisten hatten sich von Anfang an gegen diese Idee ausgesprochen. Doch in der Politik ist das „richtige Timing entscheidend“. Es war falsch, überhaupt einen „unbefristeten Generalstreik“ auszurufen, aber es war doppelt falsch, ihn genau in dem Moment abzubrechen, als die Verhandlungen beginnen sollten. Dies trug zweifellos dazu bei, das Ministerium davon zu überzeugen, dass die Bewegung im Niedergang begriffen war, und veranlasste es, seine Position noch weiter zu verschärfen. Übrigens war die ursprüngliche „Entscheidung“, den Streik auszurufen, undemokratisch getroffen worden, ohne Abstimmung. Doch die Entscheidung, ihn abzubrechen, wurde ohne auch nur eine Sitzung getroffen! Ein einziger Satz, den die führende Persönlichkeit der MCE-Sekte bei einer Pressekonferenz beiläufig von sich gab, reichte aus. Und diese Damen und Herren haben die Unverschämtheit, sich im Gegensatz zur SE als „Demokraten“ auszugeben!
Vom Linksradikalismus zum Opportunismus und wieder zurück! Noch während die Verhandlungen andauerten, kündigte das „Koordinierungskomitee“ neue „Mobilisierungen“ an. Diese ganze Episode hat die wahren Motive dieser Leute wirklich offenbart. Sie hatten keinerlei Interesse an der Sache der Schüler; ihre einzige beständige Obsession war, wie sie der Schülergewerkschaft „einen Schritt voraus“ sein könnten.
Das „Koordinierungskomitee“ rief für Dienstag, den 3. Februar, zu einer Demonstration vor den Cortes (dem Parlament) und für Freitag, den 6. Februar, zu einer weiteren Demonstration auf, die großspurig als „Marsch auf den Moncloa-Palast“ (die Residenz von Felipe González) bezeichnet wurde. Trotz wiederholter Warnungen, dass Demonstrationen an keinem dieser Orte erlaubt seien, unternahmen die Organisatoren nicht einmal den Versuch, sich an die Behörden zu wenden, um eine Genehmigung zu beantragen. Im Gegenteil, sie machten in Erklärungen gegenüber der Presse unmissverständlich klar, dass es ihnen gleichgültig sei, ob die Demonstrationen legal seien oder nicht. Angesichts der Tatsache, dass ein 14-jähriges Mädchen angeschossen und schwer verletzt worden war, ist es gerechtfertigt, die Motive jener zu hinterfragen, die bereit sind, die Jugend unter solchen Umständen auf die Straße zu rufen. Könnte es sein, dass jemand darauf hoffte, dass ein Demonstrant getötet würde, in der Hoffnung, dies würde irgendwie zu einer Explosion à la Frankreich führen? Vielleicht entspricht eine solche Theorie nicht den Tatsachen. Vielleicht steckte dahinter weniger eine bewusste Strategie als vielmehr bloßer abenteuerlicher Wahnsinn. So oder so hätten diese durch und durch unverantwortlichen Handlungen zu einer absoluten Katastrophe führen können – wenn die Schüler ihnen gefolgt wären. Glücklicherweise war das nicht der Fall.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die SE eine flexible Taktik gegenüber den von den „Koordinierungskomitees“ aufgerufenen Aktionen verfolgt. Im Allgemeinen rief die Schülergewerkschaft zwar nicht zur Unterstützung auf, sprach sich aber auch nicht offen dagegen aus, sondern beschränkte sich darauf, ihre Alternative positiv darzulegen, und fügte dann hinzu: „Wenn eure Hochschule jedoch demokratisch dafür gestimmt hat, diese Aktion zu unterstützen, dann macht es so.“ Diesmal war es jedoch anders. Der provokative Charakter dieser Aktionen war allzu offensichtlich. Die Gefahr einer blutigen Katastrophe war in der Situation implizit enthalten. Zum ersten Mal machte die Schülergewerkschaft unmissverständlich klar, dass sie gegen die Demonstrationen war, und forderte die Schülerschaft nachdrücklich auf, fernzubleiben. Letztendlich „kreißte der Berg – und gebar eine Maus“. Nur etwa 400 Personen erschienen vor dem Parlament, hauptsächlich Lumpen, die die Polizei stundenlang mit Flaschen, Steinen, Molotowcocktails, Schrauben und Muttern bewarfen. Selbstverständlich widmete die Presse diesen aussichtslosen Auseinandersetzungen Titelseitenberichte. Am folgenden Tag drang eine Gruppe von 500 Schülern in die Börse von Barcelona ein, und es kam zu Sitzstreiks und anderen Zwischenfällen in Sabadell, Cornellà, Gàva, Cerdanyola und Terrassa in Katalonien.
Die Schülergewerkschaft wollte weder die Verantwortung für den Abbruch der Verhandlungen übernehmen noch beschuldigt werden, „nicht ernsthaft zu verhandeln“. Doch nach vielen Stunden der Gespräche war allen klar, dass eine Einigung nicht in Sicht war. Um es mit den Worten eines amerikanischen Präsidenten zu sagen: Die von der Schülergewerkschaft verfolgte Strategie lautete: „Sprich freundlich und trage einen großen Stock.“ Indem die SE unter den Augen der Öffentlichkeit den Verhandlungsweg bis zum Äußersten ausschöpfte, machte sie deutlich, dass die Verantwortung für die Wiederaufnahme der Auseinandersetzungen beim Ministerium lag.
Die Führung der SE zog nun eine sorgfältige Bilanz der Lage. Die Perspektive, die sich ihnen nun bot, war keineswegs einfach. Es gab Berichte über eine gewisse Ermüdung unter den Jugendlichen nach einem so langen Kampf. Natürlich war diese Stimmung widersprüchlich, da gleichzeitig neue Schichten in den Kampf eintraten, während andere auf der Strecke blieben. Doch das Gesamtbild war, offen gesagt, nicht ermutigend. Es war klar, dass die Bewegung die Regierung kaum von ihrer Position abbringen konnte, wenn sie nicht durch die Arbeiter verstärkt würde.
Es gab lange und teilweise hitzige Diskussionen darüber, wie am besten vorzugehen sei. Sollten wir zu einem sofortigen Generalstreik der Schülerinnen und Schüler aufrufen? Oder unsere Kräfte auf eine neue Großoffensive konzentrieren? Man entschied sich für Letzteres, in dem vollen Bewusstsein, dass dies höchstwahrscheinlich das letzte Mal sein würde, dass sie dies durchziehen könnten. Angesichts der Tatsache, dass für die folgende Woche ein dreitägiger landesweiter Lehrerstreik ausgerufen worden war, kam man überein, dass ein einwöchiger Streik kein Risiko darstellte. Allerdings wurde die Notwendigkeit einer anderen Taktik erkannt, etwas Neues und Eindrucksvolles, das die Vorstellungskraft der Jugend im ganzen Land beflügeln würde. Die Idee eines „Marsches auf Madrid“ war bereits zuvor vorsichtig ins Spiel gebracht worden. Diese wurde nun als Höhepunkt der Woche beschlossen. Es gab Zweifel. Ein solches Unterfangen glich einem Sprung ins Ungewisse. Spanien ist ein großes Land, und um eine große Zahl von Jugendlichen Hunderte von Kilometern zu transportieren, waren Mittel erforderlich, über die die Schülergewerkschaft nicht verfügte. Dennoch hatte die Idee die Vorstellungskraft der Genossen in den Provinzen gepackt. Bald wurden Sammelaktionen in Fabriken, Gewerkschaftsverbänden und lokalen Gemeinderäten organisiert; sogar einzelne Bürgermeister spendeten Geld.
Erneut nahm die SE Kontakt zu den Gewerkschaften auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die UGT jedoch bereits zurückgezogen. Sie zeigte sich „enttäuscht“, dass die SE ein so „vernünftiges“ Angebot nicht angenommen hatte, und so weiter und so fort. Sie wollte die Beziehungen zwar nicht abbrechen, war aber auch nicht bereit, auch nur einen Finger zu rühren, um die neue Reihe von Aktionen zu unterstützen.
Die Reaktion der CCOO fiel ganz anders aus. Sie hatten sich deutlich von ihrer ursprünglichen Position entfernt, offensichtlich unter dem Druck ihrer Basis. Einer der Führer der Madrider CCOO sagte: „Wir erkennen jetzt, dass die Arbeiter in dieser Frage sehr sensibel reagieren. Das ist verständlich, denn fast jeder hat einen Sohn oder eine Tochter, die zur Schule geht.“ Auf die Frage nach gemeinsamen Aktionen hin legten die CCOO-Führer nach langwierigen Diskussionen schließlich einen konkreten Aktionsvorschlag vor, der zwar weit hinter den Forderungen der Schülergewerkschaft zurückblieb, aber dennoch im Wesentlichen einen Durchbruch darstellte. Dieser sah vor allem zwei Dinge vor: ein gemeinsames Vorgehen von Schülern, Lehrern und Landarbeitern (mit der Begründung, dass Letztere bereits an den Aktionen beteiligt waren) sowie gemeinsame Demonstrationen von Arbeitern und Schülern, zu denen die SE und die CCOO in ganz Spanien gemeinsam aufrufen sollten.
Selbstverständlich musste dieses Angebot mit beiden Händen ergriffen werden. Doch gab es eine Reihe von Faktoren, die die Sache erheblich erschwerten. Erstens schienen die vorgeschlagenen gemeinsamen Demonstrationen der bereits von der SE ins Leben gerufenen Idee eines „Marsches auf Madrid“ zu widersprechen. Die Zurückhaltung der CCOO-Führung, zu Streikmaßnahmen aufzurufen, bedeutete, dass die gemeinsamen Demonstrationen am Abend stattfinden müssten. Würden die Schüler um sieben Uhr abends zu einer Demonstration kommen? Es wurden Zweifel an den organisatorischen Fähigkeiten der CCOO-Führung und ihrer Fähigkeit, eine große Zahl von Arbeitern zu mobilisieren, geäußert. Diese Zweifel erwiesen sich später als begründet. Schließlich gab es ein Fragezeichen hinsichtlich der Motive einiger führender Vertreter der CCOO. Die Aufrichtigkeit von Camachos Unterstützung für ein kämpferisches Bündnis mit der SE stand außer Frage. Aber andere Vertreter der CCOO-Führung, insbesondere jene, die mit der eurokommunistischen PCE von Gerardo Iglesias verbunden waren, hatten die ganze Zeit über ein doppeltes Spiel gespielt und zwischen der SE und dem Madrider „Koordinierungskomitee“ hin- und hermanövriert, wobei sie eine klare Neigung zu Letzterem zeigten. Dies hing nicht zuletzt damit zusammen, dass die UJC, eine hoffnungslose Bande kleinbürgerlicher Spaßvögel, stark im „Koordinierungskomitee“ vertreten war. Auch Iglesias und die PCE-Führer wollten unbedingt „mitmischen“. Würden diese Kräfte nicht versuchen, „ihre Leute“ auf Kosten der SE ins Rampenlicht zu manövrieren?
Trotz ernsthafter Bedenken einiger Genossen wurde beschlossen, das Angebot der CCOO anzunehmen, aber den „Marsch auf Madrid“ am Freitag beizubehalten. Zwei Demonstrationen in Madrid innerhalb von weniger als 48 Stunden abzuhalten, würde eine sehr harte Bewährungsprobe werden. Aber zumindest verschaffte dies der SE einen Rückzugsort für den Fall, dass sich die Demonstration am Mittwoch aus welchen Gründen auch immer als Fehlschlag erweisen sollte. Allen war klar, dass diese Woche die letzte und entscheidende Runde im Kampf sein würde, und die Genossen waren entschlossen, „mit einem Paukenschlag und nicht mit einem Wimmern“ abzutreten.
Der Aktionsplan der Schülergewerkschaft für die kommende Woche sah wie folgt aus: (1) ein einwöchiger Generalstreik, um das gesamte Bildungssystem lahmzulegen, (2) gemeinsame Demonstrationen von Schülern und Arbeitern, zu denen die CCOO und die SE am Mittwoch, dem 11. Februar, um 19 Uhr in ganz Spanien aufgerufen hatten, (3) ein „Marsch auf Madrid“, bei dem Tausende von Schülern aus den Provinzen in einer massiven Machtdemonstration vor dem Ministerium zusammenkommen würden.
Nach dem kläglichen Scheitern der Demonstration vor den Cortes ging man davon aus, dass das „Koordinierungskomitee“ von der wahnwitzigen Idee eines nicht genehmigten Marsches zur „Moncloa“ Abstand nehmen würde. Doch dem Wahnsinn der Sekten schienen keine Grenzen gesetzt zu sein: Sie veröffentlichten Presseerklärungen, in denen sie die Schüler aufforderten, am Freitagmorgen zu erscheinen – unabhängig davon, ob eine Genehmigung erteilt worden war oder nicht. Die Presse kam dieser Aufforderung nach und veröffentlichte unverhohlen detaillierte Karten der geplanten Route der illegalen Demonstration! Jemand war offensichtlich daran interessiert, eine gewalttätige Konfrontation zu provozieren.
Die Folgen waren vorhersehbar. Der Sammelpunkt wurde von einem massiven Polizeiaufgebot besetzt. Die Polizei brodelte vor Wut darüber, „zum Vergnügen einiger Leute zur Zielscheibe gemacht worden zu sein“, und dürstete nach Rache. Letztendlich erschienen nicht mehr als tausend Menschen und wurden sofort von der Polizei auseinandergetrieben, die jeden jungen Menschen, den sie erwischte, gnadenlos zusammenschlug. Die gewalttätigen Bilder wurden von den Medien in einer offensichtlich inszenierten Kampagne hochgespielt, um die Schüler zu diffamieren und die öffentliche Unterstützung zu untergraben.
So unglaublich es auch scheinen mag: Die sektiererischen Holzköpfe waren von ihren Taten begeistert. Offensichtlich wird der Erfolg einer Demonstration daran gemessen, wie viele Menschen dabei Kopfverletzungen davontragen! An diesem Punkt bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen der SE. Erneut griff das „Koordinierungskomitee“ auf das Manöver zurück, eine Demonstration für den 11. einzuberufen. Und die CCOO bestand auf dem „einheitlichen“ Charakter der Demonstration, argumentierte, dass das „Koordinierungskomitee“ zur Vorbereitungssitzung eingeladen werden sollte, und deutete nachdrücklich an, dass „politische Persönlichkeiten“ an der Spitze der Demonstration präsent sein sollten.
Die Einflussnahme der KP war nur allzu deutlich zu erkennen! Empört über diese Manöver hinter den Kulissen machten die Führer der Schülergewerkschaft den CCOO klar, dass es keine gute Idee wäre, wenn diese „politischen Persönlichkeiten“ (d. h. Gerardo Iglesias) an der Spitze der Demonstration aufträten, da dies von der Mehrheit der Jugendlichen weder verstanden noch akzeptiert würde. Das war die Wahrheit. Das Misstrauen gegenüber politischen Parteien, die versuchten, die Bewegung zu manipulieren, saß sehr tief, sodass viele Schüler sich sogar fragten, warum Marcelino Camacho ihre Demonstration anführen dürfe. Als man ihnen die Rolle der Gewerkschaften und die Notwendigkeit der Verbindung zur Arbeiterklasse erklärte, akzeptierten sie dies bereitwillig. Doch das Eingreifen von parlamentarischen Prominenten in letzter Minute, die im Kampf keine Rolle gespielt hatten und offensichtlich nur ihre eigenen Ziele verfolgten, hätte einen Sturm der Empörung ausgelöst. Da Vorsicht besser ist als Nachsicht, zogen sich die CCOO-Führer sofort zurück.
In der Frage des „Koordinierungskomitees“ zeigten sie sich jedoch hartnäckiger. Bei der gemeinsamen Sitzung, an der Vertreter der SE, der CCOO, der Elternvereinigungen und des „Koordinierungskomitees“ teilnahmen (die UGT hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgezogen), stellten die Sektierer, aufgeblasen von ihrer selbst eingebildeten Bedeutung, unerträgliche Forderungen und bestanden faktisch darauf, dass sie – und nicht die Schülergewerkschaft – an der Spitze der Demonstration marschieren sollten. Der anwesende CCOO-Vertreter nahm in dieser Frage eine zweideutige Haltung ein. Als dies den führenden Genossen berichtet wurde, war die Empörung so groß, dass ernsthaft erwogen wurde, die Verhandlungen mit der CCOO abzubrechen. Im Interesse der Aufrechterhaltung einer gemeinsamen Aktion – so begrenzt sie auch sein mochte – mit den Arbeiterorganisationen wurde jedoch vereinbart, Druck auf die CCOO-Führung und die Elternvereinigungen auszuüben, damit sie ihre Position in dieser Frage klarstellen. Es folgte ein verbales Tauziehen, das zeitweise so aussah, als würde es zu einer offenen Spaltung führen. Doch letztendlich setzte die SE ihren Standpunkt durch. In letzter Minute sprachen sich sowohl die CCOO als auch die Elternvereinigungen eindeutig für die Vorgehensweise der Schülergewerkschaft aus, die mit der bei der vorherigen Demonstration am 23. Januar identisch war: ein „einheitliches Transparent“ mit einem vereinbarten Slogan, unmittelbar gefolgt vom hochgehaltenen Transparent der SE. Und um dies unmissverständlich klarzustellen, wurden die Sektierer sowohl von der CCOO als auch von den Elternverbänden gewarnt, dass sie besser keine Tricks versuchen sollten, um die Entscheidung der Mehrheit zu übergehen.
Bis zum allerletzten Moment blieb die Verlässlichkeit der Verbündeten der Schülergewerkschaft fraglich. Nur wenige Tage vor dem geplanten Aktionstag unterzeichnete die CCOO-Sektion, die die Lehrkräfte im staatlichen Bildungswesen vertritt, unerwartet eine Vereinbarung mit dem Bildungsministerium, die – obwohl sie von der CCOO-Führung als „historischer“ Sieg bezeichnet wurde – in Wirklichkeit einen Rückzieher bedeutete, noch bevor der Kampf überhaupt begonnen hatte. Unglaublicherweise erklärte der Vertreter der Lehrer gegenüber der Presse: „Das Bildungsministerium befindet sich in einer sehr heiklen Situation, und es ist nicht die Absicht der Gewerkschaften, ‚Öl ins Feuer zu gießen‘ und die Konfliktlage zu verschärfen.“ (El País, 5. Februar 1987)
Das war ein schwerer Schlag. Der Aufruf der Schülergewerkschaft zu einem einwöchigen Streik beruhte zum Teil auf der Einschätzung, dass der Schulbetrieb ohnehin drei Tage lang durch den Lehrerstreik lahmgelegt sein würde. Nun mussten die Anstrengungen verdoppelt werden, um eine solide Beteiligung sicherzustellen. Doch die Rückmeldungen aus den Provinzen waren alles andere als ermutigend. Es herrschte eine allgemeine Stimmung der Erschöpfung. Viele Genossen waren pessimistisch, was die Aussichten auf einen weiteren Streik betraf, insbesondere auf einen einwöchigen. Die Sabotagetaktiken von Herri Batasuna im Baskenland hatten zu einer sehr schlechten Stimmung unter den Jugendlichen geführt. Aus anderen Provinzen gab es alarmierende Nachrichten über lokale Vereinbarungen, die im Sinne des ursprünglichen Angebots des Ministeriums unterzeichnet wurden. Das Ministerium stand in ständigem Kontakt mit den regionalen und lokalen Bildungsbehörden und organisierte offensichtlich eine Kampagne zur Förderung lokaler Vereinbarungen, um die Bewegung zu spalten. Unterdessen vollzog die Presse, von der Regierung angestachelt, eine völlige Kehrtwende. Ihre Berichterstattung über die Schülerbewegung kam praktisch zum Erliegen, mit einer Ausnahme. Der Aufruf der Schülergewerkschaft zum Aktionstag wurde von Presse und Fernsehen effektiv zum Schweigen gebracht. Dagegen wurden alle gewalttätigen Aktionen der Randalierer, Lumpen und Provokateure ständig hochgespielt. Die wahnwitzigen Aktivitäten des „Koordinierungskomitees“ wurden von den Mediengeiern voll ausgenutzt.
In dem kleinen Büro der Schülergewerkschaft in Madrid klingelten die Telefone ununterbrochen, während die Provinzen über den Aktionsplan informiert wurden. Um die Pläne weiter zu konkretisieren, wurde für Sonntag, den 8. Februar, eine nationale Versammlung der Schülergewerkschaft in Madrid einberufen. Vertreter kamen sogar aus Ceuta und Melilla, den beiden spanischen Enklaven in Nordafrika, die eigens zu diesem Zweck nach Madrid geflogen waren. Die Stimmung auf der Versammlung war feierlich und ernst. Mehrere Regionen wiesen auf die Schwierigkeiten hin, mit denen sie konfrontiert waren. Doch die Vorschläge der Schülergewerkschaft wurden einstimmig angenommen. Ein ermutigender Aspekt der Versammlung war die erstmalige Anwesenheit von Delegierten aus Valencia. Auf Betreiben eines von der UJC und den Jungen Sozialisten dominierten „Koordinierungskomitees“ war eine lokale Vereinbarung unterzeichnet worden, die nichts anderes als ein Ausverkauf an die Regierung war. Als die Schüler begriffen, was geschehen war, brach die Hölle los, und es kam zu einer Flut von „inoffiziellen“ Streiks. Das „Koordinierungskomitee“ wurde vollständig diskreditiert, die besten Schüler suchten die Schülergewerkschaft auf und fanden sie.
Die gleiche Entwicklung vollzog sich nun in vielen Regionen. Ehemalige Anhänger der Koordinierungskomitees, ganze Schulen und – immer häufiger – ganze Koordinierungskomitees in Regionen wie Granada, wo sich die Jugend anfangs sowohl von der SE als auch von den Sektierern ferngehalten hatte, stellten sich nun hinter die Schülergewerkschaft. Das war kein Zufall. Im Laufe von zwei Monaten des Kampfes hatte die Schülergewerkschaft die Überlegenheit ihrer Perspektiven, ihres Programms, ihrer Strategie und ihrer Taktik unter Beweis gestellt. Sie hatte sich damit in den Augen der Jugend, und insbesondere ihrer aktivsten Schicht, eine enorme Autorität erworben. „Das sind die einzigen ernstzunehmenden Leute. An diese muss man sich wenden, wenn man Rat braucht. Die anderen sind Zeitverschwendung.“
Dieses harte, aber wahrheitsgetreue Urteil wurde zu dieser Zeit von jungen Menschen aus ganz Spanien häufig geäußert. Die abenteuerliche Taktik, die in der Woche zuvor verfolgt worden war, fügte den Sektierern enormen Schaden zu. Leider schadete sie auch der Bewegung als Ganzes. Viele Eltern, die dem Konflikt zunächst wohlwollend gegenüberstanden, begannen nun, sich zurückzuziehen. Dies war besonders schädlich für den „Marsch auf Madrid“, da der Druck der Eltern in den Provinzen, die Schüler daran zu hinderten, nach Madrid zu fahren, besonders groß war.
Positiv zu vermerken war, dass die CCOO offenbar konkrete Schritte unternahmen, um den Kampf zu organisieren: Sie druckten ein Plakat und beriefen eine Pressekonferenz ein, an der Camacho selbst sowie Juan Ignacio Ramos und die Vertreter der anderen beteiligten Gruppen teilnahmen. Bei dieser Pressekonferenz drängten die Journalisten Camacho zu einer Stellungnahme, ob die CCOO in der folgenden Woche einen Generalstreik ausrufen würden oder nicht. Der Generalsekretär der CCOO gab eine vorsichtige, unverbindliche Antwort. Der Vertreter der SE entgegnete sofort, dass nach Ansicht der Schülergewerkschaft die Voraussetzungen für einen 24-stündigen Generalstreik gegeben seien und dass die Führungsspitzen der CCOO und der UGT einen solchen ausrufen sollten. Nach Ende der Pressekonferenz teilte Camacho Juan Ignacio unter vier Augen mit, dass die Arbeiterkommissionen nun beschlossen hätten, „im Frühjahr“ einen Generalstreik auszurufen, und fragte, ob sie auf die Unterstützung der SE zählen könnten. Juan Ignacio antwortete, dass die Schülergewerkschaft einen solchen Aufruf natürlich unterstützen würde, wies jedoch darauf hin, dass die Schüler seit über zwei Monaten im Kampf stünden und praktisch erschöpft seien. Sollte das Ministerium ein akzeptables Angebot unterbreiten, wären sie verpflichtet, es anzunehmen. Diese Haltung erschien den führenden Vertretern der CCOO einleuchtend, die zu Recht entgegneten, dass ein Sieg der Schüler die Arbeiter ermutigen würde, auf ihre Forderungen zu drängen.
Schon die Art und Weise, wie die Frage gestellt wurde, zeigte die Grenzen selbst der besten dieser Gewerkschaftsführer auf. Die Arbeiterklasse und die Jugend sind kein Wasserhahn, den man nach Belieben auf- und zudrehen kann. Die Klasse hat ihre eigene Logik. Die Vorstellung, die Jugend könne ihren Kampf auf unbestimmte Zeit fortsetzen, bis sich die Gewerkschaftsführer endlich zum Handeln entschließen, war ein sicheres Rezept für eine Niederlage. Das Zögern und Schwanken der Gewerkschaftsführer zeugte von ihrem völligen Mangel an Vertrauen in die Arbeiterklasse. Die Ereignisse der folgenden sieben Tage und danach bewiesen, dass die sogenannten realistischen Gewerkschaftsführer Unrecht hatten und die Marxisten mit ihrer Einschätzung der Lage hundertmal Recht hatten.
Das grundlegende Problem aller Gewerkschaftsführer, selbst der besten unter ihnen, besteht darin, dass sie glauben, ihre Ziele auf der Grundlage des kapitalistischen Systems erreichen zu können. Diese falsche Perspektive hindert sie daran, das revolutionäre Potenzial und die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu erkennen. Sie verstehen nicht, dass echte Reformen, soweit sie überhaupt noch möglich sind, ein Nebenprodukt des revolutionären Kampfes für die Umgestaltung der Gesellschaft sind. Aus einer falschen Perspektive und Politik ergeben sich eine falsche Strategie und Taktik. Daraus wiederum resultieren letztendlich organisatorische Schwäche und Unfähigkeit.
Die Unfähigkeit der CCOO-Führung, trotz all ihrer Ressourcen ernsthafte Aktionen der Arbeiterklasse zu organisieren, war für die Genossen eine schockierende Erkenntnis. Dies zeigte sich bereits am Mittwoch, dem 4. Februar, als eine große Zahl von Landarbeitern, die nach Madrid gekommen waren, in der Hauptstadt eine Demonstration veranstaltete, die eigentlich von den CCOO organisiert werden sollte. Die SE wurde gebeten, diese zu unterstützen, was sie auch tat, war jedoch an der Vorbereitung nicht beteiligt. Das Ergebnis war äußerst dürftig: Es nahmen nur wenige Tausend Menschen teil.
Das Fehlen einer ernsthaften Führung von oben wurde jedoch durch die großartige Bewegung der Arbeiter von unten reichlich ausgeglichen. In der besten Tradition der spanischen Arbeiterklasse mobilisierten sich die Arbeiter in der Woche vom 9. bis 13. Februar spontan in ganz Spanien. Endlich hatten die Schüler durch ihr Beispiel den Stillstand durchbrochen. Das Ergebnis war eine Bewegung von einem Ausmaß, wie es in Spanien seit zehn Jahren nicht mehr gesehen worden war.
Am Montag und Dienstag traten die asturischen Bergleute in einen 48-stündigen Streik gegen den „Umstrukturierungsplan“ der Regierung, der Tausende von Entlassungen vorsah. Am anderen Ende Spaniens, ganz im Süden, traten die Kupferbergleute des riesigen Rio-Tinto-Komplexes in Huelva aus ähnlichen Gründen in einen viertägigen Streik und schickten 15 Busse, um vor dem andalusischen Regionalparlament in Sevilla zu demonstrieren. Die Bergleute in Teruel, im Osten Spaniens, streikten gegen die Einführung einer dritten Schicht und repressive Maßnahmen der Betriebsleitung. Wie die Schüler errichteten sie Straßensperren, um den Verkehr von Kohle-Lkw zu stoppen. Der Konflikt der Landarbeiter schwelte weiter an. Die Hafenarbeiter streikten 24 Stunden lang. Es gab Streiks in den Renault-Werken sowie in den riesigen Seat-Werken in Pamplona und Barcelona, wo die Automobilarbeiter eine gemeinsame Demonstration mit den von der SE angeführten Schülern veranstalteten.
Erst jetzt machten die CCOO-Führer ihren Aufruf zu einer „Verschärfung“ der Arbeitskonflikte im März öffentlich und begannen, von einer „Mobilisierung allgemeinen Charakters“ zu sprechen. Gleichzeitig eskalierten die seit langem bestehenden Spannungen zwischen Nicolás Redondo, dem Generalsekretär der sozialistischen UGT, und dem rechten Industrieminister Carlos Solchaga zu einer heftigen Auseinandersetzung in der Presse und sogar im Fernsehen. Die kämpferische Rhetorik der CCOO-Führer und die Weigerung der UGT, die von der Regierung festgelegte Lohnobergrenze von 5 % zu akzeptieren, waren deutliche Anzeichen für den unerträglichen Druck, der sich von unten aufbaute. Im Mittelpunkt standen jedoch nach wie vor eindeutig die Schüler, die all der aufgestauten Wut, Bitterkeit und Frustration Ausdruck verliehen, die Millionen von Arbeitern empfanden.
Dennoch begann die Bewegung nach so langer Zeit an den Rändern zu bröckeln. Auf nationaler Ebene hatte der Schulstreik einen etwas uneinheitlichen Start. In Madrid war der Streik bald solide, doch die Mehrheiten in vielen Versammlungen waren klein. In vielen Gegenden lief es anfangs schwer, doch allmählich setzte der bereits bei früheren Gelegenheiten beobachtete „Schneeball-Effekt“ ein. Neue Schichten wurden in den Kampf hineingezogen, insbesondere die Privatschulen, die ebenfalls vom Streik der Lehrkräfte im privaten Sektor betroffen waren. In einigen Regionen schlossen sich auch die Studierenden an. Regionen wie Guadalajara, in denen es bisher keine Tradition radikaler Kämpfe gab, brachen mit einer Wucht auf die Bühne, die die enormen Energiereserven der Jugend verdeutlichte. Bis Mitte der Woche erreichte die Beteiligung der Schüler den Höchststand von drei Millionen.
Unter der Leitung der Schülergewerkschaft wurden die Schüler erneut in Gruppen in die Fabriken, auf die Märkte und in die Arbeiterviertel geschickt, um um Geld und Unterstützung zu bitten. Dies geschah systematischer als bei früheren Gelegenheiten. Überall stießen die Jugendlichen auf ein wohlwollendes Echo seitens der Arbeiter.
Die Zeit war reif, die beiden Flügel der Bewegung in einer gemeinsamen Aktion zusammenzuführen. Die für den Abend des Mittwochs, den 11. Februar, angekündigten gemeinsamen Demonstrationen von Arbeitern und Schülern waren innerhalb weniger Tage organisiert worden. Zu allem Übel war das Wetter entsetzlich, sogar in Madrid regnete es in Strömen. Je näher der Entscheidungsmoment rückte, desto größer wurde die Unsicherheit. Würde dies der erste Misserfolg der Schülergewerkschaft werden? Alle Augen waren auf Madrid gerichtet, das eigentliche Zentrum der Bewegung. Mehr als ein Genosse machte sich an diesem Abend mit dem Gefühl einer drohenden Katastrophe auf den Weg.
Doch wieder einmal wurden die Zweifler Lügen gestraft. Zuerst standen kleine Gruppen von Schülern und Arbeitern an den Straßenecken, dann kam plötzlich die übliche „Menschenlawine“ aus Jugendlichen, die Transparente trugen, riefen und Sprechchöre anstimmten. Innerhalb weniger Minuten waren die Straßen bis zum Bersten gefüllt – mit bis zu 150.000 Menschen, hauptsächlich Schülern, aber auch mit einer beträchtlichen Anzahl von Arbeitern aller Altersgruppen.
Selbst zu diesem späten Zeitpunkt mussten die Sekten noch einen negativen Akzent setzen und versuchten durch ein Manöver, die Demo in zwei Teile zu spalten. Vergeblich. Die überwältigende Stimmung war geprägt von Euphorie und Kampfgeist. Ältere Menschen wurden wie verjüngt, vergaßen ihr Alter und ließen sich von dem überschwänglichen Optimismus und dem revolutionären Elan der Jugend, die sie umgab, mitreißen.
Die Verteidigungsposten, mittlerweile Veteranen des Kampfes, funktionierten wie ein Uhrwerk unter der Disziplin ihrer bewährten marxistischen Führung. Es herrschte durchweg perfekte Ordnung. Es wurde kein Versuch unternommen, die Demonstration anzugreifen. Doch wieder einmal trieben die Provokateure ihr schmutziges Spiel, und wieder einmal duldete die Polizei stillschweigend, dass sie ausreichend Handlungsspielraum erhielten.
Die Organisatoren der Demonstration hatten die Behörden gebeten, die Polizei fernzuhalten, da bereits ihre bloße Anwesenheit eine Provokation darstellte. Die Verteidigungsposten würden ausreichen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Und genau so war es auch.
Das Ziel der Organisatoren war es jedoch, eine friedliche Demonstration zu gewährleisten, und nicht, die Rolle der Polizei beim Schutz des gesamten Stadtzentrums von Madrid zu übernehmen. Zynischerweise reagierte die Polizei darauf mit einem vollständigen Rückzug aus dem Stadtzentrum. Als dann etwa 300 Provokateure vor dem Ministeriumsgebäude auftauchten, noch bevor die Demonstration dort eintraf, hatten sie das Feld für sich allein. Als die Demonstration eintraf, konfrontierten die Verteidigungsposten die Handvoll Hooligans und hatten sie bald unter Kontrolle. Doch sobald die Organisatoren die Demonstration für beendet erklärten, hatten die Randalierer freies Spiel, zerschlugen Fenster und Telefonzellen und warfen Autos um. Dennoch erschien die Polizei erst 35 Minuten nach Beginn der Ausschreitungen am Ort des Geschehens. Es war völlig klar, dass dies, wie schon all die anderen Male, eine inszenierte Aktion war. Am nächsten Tag berichtete die gesamte Presse ausführlich über die Taten einer winzigen Handvoll Hooligans und veröffentlichte kein einziges Foto von der größten Arbeiter- und Jugenddemonstration seit Jahren.
Nachdem am Mittwochabend ein spektakulärer Erfolg gelungen war, blieben nur noch 24 Stunden, um etwas weitaus Schwierigeres zu organisieren – den „Marsch auf Madrid“. Es schien eine unmögliche Aufgabe zu sein. Die Nachrichten aus den Provinzen waren nicht besonders ermutigend. Die Gewaltszenen in Madrid führten dazu, dass der Druck der Eltern auf ihre Kinder nun enorm war. Es war nur sehr wenig Zeit geblieben, um Busse und Züge zu organisieren und das nötige Geld aufzutreiben. Außerdem war die Frage, ob die Schüler in Madrid bereit waren, innerhalb von weniger als 48 Stunden zweimal in großer Zahl zusammenzukommen. Die folgenden 24 Stunden waren für die Führung der Schülergewerkschaft eine nervenaufreibende Erfahrung.
Es gab jedoch einen Lichtblick. Endlich hatten die prinzipienlosen Strategen des „Koordinierungskomitees“ offenbar beschlossen, nicht die Demonstration eines anderen zu „organisieren“! „Lieber allein als in schlechter Gesellschaft“, wie ein spanisches Sprichwort sagt. Zumindest dieses Mal konnte es absolut keinen Zweifel daran geben, wer die Bewegung organisiert und angeführt hatte. Bei all den Gelegenheiten, bei denen die Sekten im Namen des „Koordinierungskomitees“ mobilisiert hatten, gelang es ihnen nie, mehr als 45.000 Menschen zu versammeln. Jedes Mal, wenn die SE zu einer Demonstration aufrief, waren es nie weniger als 100.000 gewesen. Der „Marsch auf Madrid“ lag vollständig in der Verantwortung der SE. Aber würde er auch tatsächlich stattfinden? Einige Genossen waren besorgt, was diese Frage anging.
Freitag, der 13. Februar, brach ein strahlender und sonniger Tag an. Er sollte sich auch als historischer Tag in der Geschichte der spanischen Schülerbewegung erweisen. Die Bewohner Madrids schalteten gleich morgens ihre Radios ein und hörten etwas, das wie ein Fußballkommentar klang. Die beliebtesten Radiosender berichteten von der Ankunft zahlreicher Reisebusse aus ganz Spanien. Zwischen Rockmusik-Einlagen lieferten sie eine detaillierte Schilderung der Demonstration vom ersten bis zum letzten Moment.
Diesmal gingen die Organisatoren kein Risiko ein. Die Gewerkschaften SE und CCOO hatten den Zivilgouverneur von Madrid bereits öffentlich für die Ereignisse am Mittwochabend angeprangert. Es wurde unmissverständlich klargestellt, dass die Schülergewerkschaft zwar die volle Verantwortung für den Schutz der Demonstration und die Wahrung ihres friedlichen Charakters übernahm, jedoch keinerlei Verantwortung für Handlungen übernehmen könne, die außerhalb ihrer Reihen stattfinden. Es war eine Rekordzahl an Verteidigungsposten organisiert worden – bis zu 3.000 Jugendliche. Das Maß an Disziplin und Organisation hatte ein fast militärisches Niveau erreicht. Diese jungen Männer und Frauen, die bereits vier Großdemonstrationen hinter sich hatten, fühlten sich nun wie Veteranen. Ihre schnell erworbenen Fähigkeiten in der Kunst des Straßenkampfs sollten sich in den folgenden Ereignissen erneut zeigen.
Die Demonstration erwies sich als herausragender Erfolg – als krönender Abschluss des gesamten Konflikts. Die Schüler und Schülerinnen Madrids erschienen in großer Zahl, zum zweiten Mal in weniger als 48 Stunden. Doch alle spürten, dass sich die Situation qualitativ verändert hatte. Zum ersten Mal marschierten Schüler aus ganz Spanien gemeinsam unter denselben Transparenten und Slogans. Die Haupttransparente stammten von der Schülergewerkschaft, doch auch die Transparente der Marxistischen Strömung, der „Jugend für den Sozialismus“ und von Nuevo Claridad waren deutlich zu sehen. Was die sektiererischen und stalinistischen Spalter betraf, so waren sie nirgends zu sehen; sie hatten allen einen Gefallen getan, indem sie der Demonstration ferngeblieben waren.
Die 200.000 Jugendlichen, die die Straßen Madrids bis zum Bersten füllten, boten ein beeindruckendes und farbenfrohes Bild. Die rot-gold gestreiften katalanischen Flaggen wehten neben den rot-weiß-grünen Flaggen der Extremadura, dem weiß-blauen Banner Galiciens, der rot-weiß-grünen Ikurriña des Baskenlandes und sogar der violetten Flagge Kastiliens. Und überall waren das rote Banner der Arbeiterklasse und das Emblem der Schülergewerkschaft zu sehen. Die Parolen wurden auf Galicisch, Katalanisch und in anderen Sprachen skandiert. Doch alle drückten dasselbe aus und forderten mit einer gemeinsamen Stimme eine Zukunft für die Jugend.
Ein unerwartetes Ereignis zu Beginn der Demonstration zeigte, wie tiefgreifend diese Bewegung das Bewusstsein der Massen geprägt hatte. Ein „Geschwader“ von etwa 300 Jugendlichen auf Motorrädern tauchte plötzlich auf und reihte sich an die Spitze der Demonstration ein. Es handelte sich um die Kurierjungen, Jugendliche aus der Arbeiterklasse, die für einen Hungerlohn unter gefährlichen Bedingungen für Firmen arbeiten, ohne Rechte und ohne Versicherung. Sie waren aus eigener Initiative erschienen, um ihre Solidarität zu bekunden. Sie führten etwa die Hälfte des Demonstrationszuges an und skandierten: „Auch die Kurierjungen sind Arbeiter!“ Zum ersten Mal in ihrem Leben spürte dieser am stärksten unterdrückte und ausgebeutete Teil der Arbeiterklasse die Kraft der Organisation und der Einheit im Kampf.
Die Demonstration setzte ihren Weg fort, skandierte Parolen und verlief äußerst geordnet, bis sie vor dem Gebäude der Arbeiterkommissionen in der Nähe der Cibeles im Stadtzentrum zum Stillstand kam. Dort fand gerade eine 3.000 Teilnehmer zählende Delegiertenkonferenz der Betriebsräte statt. Die Organisatoren der Demonstration hatten diese zur Teilnahme eingeladen, und zu diesem Zweck wurde Juan Ignacio Ramos entsandt, um vor der Konferenz zu sprechen.
Die moskautreue stalinistische Fraktion bestand darauf, dass zunächst ein Vertreter des „Koordinierungskomitees“ das Wort erhalten sollte, was dieser unter verhaltenem Beifall auch tat. Als Juan Ignacio jedoch vom Vorsitzenden angekündigt wurde, erhob sich die gesamte Konferenz, um ihm stehende Ovationen zu entbieten. Seine Rede wurde fünfmal von Applaus unterbrochen, und als er am Ende die Delegierten aufforderte, sich der Demonstration anzuschließen, erhob sich die Versammlung fast ausnahmslos und strömte auf die Straße, wo sie mit begeistertem Applaus und Sprechchören wie „Arbeiter und Schüler, vereinigt euch und vorwärts!“ empfangen wurde.
Die Demonstration näherte sich nun dem traditionellen Dreh- und Angelpunkt, der Kreuzung von Cibeles und Alcalá, wo sie nach links abbiegen musste, um zum Bildungsministerium zu gelangen. Diesmal war die Polizei in großer Zahl im Einsatz, theoretisch, um Provokateure zu vertreiben und das Recht auf friedliche Demonstration zu „gewährleisten“. Doch die Organisatoren hatten keinerlei Vertrauen in deren Fähigkeit oder Bereitschaft, dies zu tun.
Niemand wusste, was zu erwarten war. Der Spitze des Demonstrationszuges gingen nicht weniger als fünf Reihen von Verteidigungsposten voraus, sodass man, falls eine Reihe durchbrochen wurde, auf die zweite zurückweichen konnte. Der „eiserne Ring“, der den größten Teil der Demonstration umgab, hatte den strikten Befehl, um jeden Preis zusammenzuhalten und niemanden hinein- oder hinauszulassen. Dennoch war die angespannte Atmosphäre spürbar, als sich die Demonstration dieser gefährlichen Kreuzung näherte.
Plötzlich stürmte eine große Gruppe bewaffneter Provokateure aus einer Seitenstraße hervor und rannte auf die Polizeiketten zu, warf Ziegelsteine und Flaschen und rannte dann auf die Demonstration zu, um die Verteidigungslinien zu durchbrechen. Diese hielten stand. Doch nun begann die Polizei vorzustoßen. Die Gefahr einer blutigen Straßenschlacht war nur allzu offensichtlich.
Die Situation wurde durch die Geistesgegenwart und den erstaunlichen Mut einer Gruppe von Streikposten gerettet, die nach vorne stürmten, um sich mit ihren Körpern zwischen die Polizei und die Provokateure zu stellen. Es erforderte viel Mut, sich in einer Reihe zwischen die beiden Gruppen zu stellen, während von vorne eine Flut von Ziegelsteinen herabprasselte und hinter ihnen bewaffnete Bereitschaftspolizisten standen.
Mit großer Entschlossenheit traten die Organisatoren auf die Polizei zu und befahlen ihr, sich zurückzuziehen, was diese auch tat. Die Streikposten gingen daraufhin hart gegen die Provokateure vor, entwaffneten einige, „überredeten“ andere und trieben den Rest in dieselbe Seitenstraße zurück, aus der sie gekommen waren, die sie anschließend absperrten, sodass die Demonstration ihren Weg fortsetzen konnte. Wäre da nicht der Mut und das schnelle Handeln dieser jungen Streikposten gewesen, hätte das Ganze tragisch enden können. Es besteht erneut kein Zweifel daran, dass die Polizei mit den Provokateuren unter einer Decke steckte, um die Demonstration aufzulösen. Ich hörte, wie ein CCOO-Delegierter mit grimmiger Miene bemerkte: „Was wir hier brauchen, sind ein paar Maschinengewehre.“ Er meinte das nicht scherzhaft. Übrigens wurden ein oder zwei der Provokateure dabei gesehen, wie sie Pistolen trugen. Dies deutet stark auf Polizeispitzel hin, ein Verdacht, den die Schülergewerkschaft von Anfang an hegte: Doch trotz all ihrer Bemühungen gelang es ihnen nicht, auch nur eine einzige der von der Schülergewerkschaft einberufenen Massendemonstrationen aufzulösen. Als anekdotische Randnotiz behauptete die Herri-Batasuna-Tageszeitung Egin: „Die Verteidigungsposten hinderten Tausende von Schülern [?], die ‚Polizei-Mörder‘ skandierten, daran, sich an den Auseinandersetzungen zu beteiligen. [?] Vor den Toren des Ministeriums gab es zusätzlich zu den Metallbarrieren eine doppelte Absperrung aus Mitgliedern der Verteidigungsposten, die das Gebäude schützten.“
Unsere nationalistischen Freunde begehen hier den kleinen Fehler, die Revolution mit der Konterrevolution zu verwechseln. Dennoch ist es richtig, dass die Verteidigungsposten mit vorbildlicher Disziplin mindestens eine Stunde lang ihre Stellung hielten, nachdem die Organisatoren die Demonstration zur Auflösung aufgefordert hatten. Ihr Ziel war es natürlich nicht, das Ministeriumsgebäude zu verteidigen, sondern die Demonstranten vor der Gefahr eines möglichen Angriffs in letzter Minute durch Faschisten oder die Polizei zu schützen – ein Phänomen, das in dieser Phase der Ereignisse nur allzu häufig vorkommt. Infolgedessen wurde kein einziger Demonstrant verletzt, obwohl die Provokateure, sobald sich die Absperrungen zurückgezogen hatten, an den Ort des Geschehens zurückkehrten und sich eine Weile damit vergnügten, die Innenstadt zu verwüsten – was der Presse die „Nachrichten“ lieferte, nach denen sie seit Beginn der Demonstration verzweifelt gesucht hatte. Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll mit Fotos von maskierten Jugendlichen, die Steine warfen, aber es gab kein einziges Bild von der größten Jugenddemonstration in der Geschichte Spaniens.
Die Aktionswoche war ein riesiger Erfolg. Die Beteiligung der Arbeiterklasse nahm nun richtig Fahrt auf. Der „Marsch auf Madrid“ hatte die Woche mit einem Paukenschlag beendet. Selbst wenn die Schülergewerkschaft keine weiteren Zugeständnisse erreichen sollte, hätte sich der Kampf dennoch gelohnt. Die Schülerschaft konnte mit hoch erhobenem Kopf wieder in den Unterricht zurückkehren.
Doch in den Augen der Führung bestand kein Zweifel daran, dass die letzten Munitionsvorräte nun aufgebraucht waren. Ein Aufruf zur Fortsetzung des Kampfes wäre nun mit einem sehr hohen Risiko verbunden gewesen. Die Anzeichen von Erschöpfung waren deutlich zu erkennen. Die Bewegung in den Provinzen schwächte sich ab. Dank der Sabotage durch Herri Batasuna waren die baskischen Schüler demoralisiert und zu weiteren Aktionen nicht mehr in der Lage. Zwar wurden neue Gebiete wie Guadalajara in der Nähe von Madrid in den Kampf hineingezogen. Dort hatten sie eine Kundgebung mit 2.000 Teilnehmern organisiert, die Juan Ignacio begeistert bejubelten, und einen Zug nach Madrid organisiert. Doch das war eher die Ausnahme. Selbst in Madrid zeigten sich erste Risse.
Das Ministerium nutzte die Spaltungen innerhalb der Schülerbewegung sowie die wachsende Besorgnis der Eltern aus. Die gekaufte Presse war nun voll von Panikmache über Gewalt, Vandalismus und Rowdytum, wobei alles andere völlig außer Acht gelassen wurde. Die Ausweitung des Konflikts auf den privaten Sektor, insbesondere auf die kirchlichen Schulen, bedeutete ein plötzliches Ende der relativ wohlwollenden Berichterstattung der katholischen Tageszeitung Ya, die sogar so weit ging, ihren Bildungskorrespondenten auszutauschen. Nachdem El País nach der vorangegangenen Demonstration (als Warnung an die Regierung) noch ein wenig über die Schülergewerkschaft berichtet hatte, kehrte die Zeitung nun zu ihrem üblichen Stil zurück. Der Zugriff der Schülergewerkschaft auf die Medien schrumpfte praktisch auf null.
Der Schülergewerkschaft wurde gedroht, dass sie entweder „ernsthaft“ verhandeln müsse oder „die [sozialistische] Partei alle ihre Kräfte gegen sie in Bewegung setzen würde“. Diese Drohung wurde nicht besonders ernst genommen, da alle „Kräfte“ der PSOE zu diesem Zeitpunkt, abgesehen von den Zehntausenden von Stadträten, Bürgermeistern, Beamten und dergleichen, nicht viel ausmachten. Doch der Einfluss der Regierung auf die Medien war eine ernstzunehmende Waffe. Es gab auch beunruhigende Nachrichten von Elternverbänden, in denen PSOE-Mitglieder eine Gegenreaktion vorbereiteten. Hätte der Streik noch eine oder zwei Wochen länger gedauert, hätte es eine organisierte „Zurück-in-die-Schule“-Bewegung gegeben, orchestriert von den Medien, mit der wachsenden Gefahr von Auseinandersetzungen zwischen Schülern und Eltern und katastrophalen Folgen.
Die Führung der Schülergewerkschaft hatte daher keine andere Wahl, als alle Schüler unverzüglich dazu aufzurufen, in den Unterricht zurückzukehren, die Kräfte neu zu bündeln und das Ergebnis weiterer Verhandlungen abzuwarten. Dieser Aufruf fand im ganzen Land nahezu einhellige Unterstützung. Einige kehrten mit Wehmut zurück, andere mit Erleichterung. Doch die Botschaft der Schülergewerkschaft war klar und kompromisslos. „Wir sind gemeinsam in den Streik getreten. Wir werden gemeinsam zurückkehren, und wenn nötig, werden wir gemeinsam erneut in den Streik treten. Aber um jeden Preis muss die im Kampf errungene Einheit bewahrt werden.“
Die Rückkehr an den Verhandlungstisch erfolgte mit Bedenken. Der rechte Flügel schien innerhalb der Regierung die Oberhand zu gewinnen. Es gab keine Anzeichen für nennenswerte neue Zugeständnisse. Dennoch war nun ein Ausweg aus der Sackgasse notwendig. Es war besser, einen Teilerfolg zu akzeptieren, als nach zweieinhalb Monaten mit leeren Händen zurückzukehren.
Unterdessen befand sich das „Koordinierungskomitee“ in einer absoluten Krise. Nach dessen abenteuerlichen Eskapaden eine Woche zuvor beschloss die Regierung, eine harte Linie zu fahren. Unter Ausnutzung der extremen Heterogenität dieser „Bewegung“ gelang es ihr, eine Spaltung herbeizuführen.
Die provokativen Aktionen der Sekten lieferten ihnen einen hervorragenden Vorwand. Das Ministerium kündigte an, dass es Verhandlungen mit jedem Mitglied des „Koordinierungskomitees“ verweigern werde, das sich weigere, der Gewalt abzuschwören. Zunächst empfanden die extremistischen Randgruppen, die das Madrider „Koordinierungskomitee“ kontrollierten, dies als großes Kompliment für ihre „r-r-revolutionären“ Taktiken. Sie versuchten sogar, Druck auf die Schülergewerkschaft auszuüben, damit diese sich weigerte, an Verhandlungen teilzunehmen, an denen sie nicht beteiligt waren. Die Antwort der Schülergewerkschaft verurteilte zwar die Polizeibrutalität und die Spaltungstaktik des Ministeriums, spielte den Ball jedoch entschieden zurück auf die andere Seite. Die Schülergewerkschaft hatte sich gegen die von den Sekten einberufenen abenteuerlichen Demonstrationen ausgesprochen und hatte nicht die Absicht, irgendeine Verantwortung dafür zu übernehmen.
Die Sekten befanden sich nun in einer ausweglosen Lage. Das erste „nationale Treffen“ dieser Gruppen endete, wie man sich erinnern wird, in einer Schlägerei. Das zweite Treffen war eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten … nun kamen auch Stühle zum Einsatz! Die Jungsozialisten hatten offensichtlich „einen Trick angewendet“, indem sie ihre Anhänger aus dem restlichen Spanien mit Bussen herbeischafften und ein neues „nationales“ Verhandlungskomitee wählten. Auch wenn ihre Methoden fragwürdig waren, hatten sie formal gesehen nicht ganz Unrecht. Mit welchem Recht sprach das Madrider „Koordinierungskomitee“ im Namen aller anderen derartigen Gremien im restlichen Spanien? Die Logik war einwandfrei, die Abstimmung eher unfair. Und die Tische und Stühle, die durch den Raum flogen, sorgten für einen wunderbaren „koordinierten“ Abschluss der Veranstaltung.
In der folgenden Woche gab es eine neue Besetzung am Verhandlungstisch. Nun waren drei Organisationen vertreten: die Schülergewerkschaft, deren Legitimität von niemandem mehr in Frage gestellt wurde; die Jungsozialisten unter dem Banner CEAE; und die Jungsozialisten unter dem Banner des sogenannten „Nationalen Koordinierungskomitees“, dessen Vertreter, David Balsa, von einer Gruppe kräftiger Männer zum Ministerium begleitet werden musste, die sich als Leibwächter der PSOE herausstellten! Keine schlechte Idee, da seine ehemaligen „Koordinations“-Genossen vor den Türen des Ministeriums eine Sitzblockade veranstalteten, die ihn mehrere Stunden lang physisch am Betreten des Gebäudes hinderte, bis er schließlich Zutritt erhielt – über den Hintereingang, während die Sektierer draußen in der Kälte stehen blieben.
All dies verhieß nichts Gutes für den Ausgang der Verhandlungen. Das Ministerium bestand darauf, alle „Vertreter“ der Schüler gemeinsam zu treffen, was bedeutete, dass die Schülergewerkschaft in der Minderheit sein würde, mit den Ja-Sagern des Ministeriums zu beiden Seiten.
Dennoch beschlossen die Vertreter der Schülergewerkschaft, in den Verhandlungen eine harte Position einzunehmen. Sie griffen einen wunden Punkt auf und warnten die Regierung: Entweder sie unterbreiten ein gutes Angebot, oder Felipe González, der in wenigen Tagen seine Rede zur „Lage der Nation“ halten sollte, würde die „interessanteste“ Ansprache seit vielen Jahren halten! Mit nervöser Stimme versicherte der Sprecher des Ministeriums der Schülergewerkschaft: „90 % eurer Forderungen werden erfüllt.“
Solche Zusicherungen wurden in den Führungsetagen der Schülergewerkschaft mit Skepsis betrachtet. Die Genossen waren jedoch bereit, sich zu behaupten und notfalls „kämpfend unterzugehen“. Zu diesem Zweck wurde die Forderungsliste um eine Reihe neuer Punkte ergänzt, die sich hauptsächlich auf die Lehrlingsausbildung, die Schuldemokratie und die Ausbildung an technischen Schulen bezogen.
Am Dienstag, dem 17. Februar, gingen die Einzelheiten der neuen Vorschläge des Ministeriums in der Zentrale der Schülergewerkschaft ein. Als der Inhalt bekannt wurde, mussten sich die Führer der Schülergewerkschaft ungläubig die Augen reiben. Das Ministerium schlug ein Maßnahmenpaket vor, das zusätzliche Ausgaben in Höhe von 40 Milliarden Peseten im Bildungshaushalt für das laufende Schuljahr vorsah. Zum ersten Mal in der spanischen Geschichte sollte die Sekundarschulbildung an allen staatlichen Schulen kostenlos sein. Darüber hinaus sollten Kinder aus Arbeiter- und unteren Mittelschichtfamilien erstmals eine kostenlose Hochschulbildung genießen. Es sollten 67.840 neue Schulplätze geschaffen werden, was Kosten in Höhe von 30 Milliarden Peseten verursachen würde. Die Stipendien sollten 1987 um 25 % und 1988 um 40 % erhöht werden. Die Mittel für die Betriebskosten der Schulen sollten um 30 % aufgestockt werden. Kurz gesagt: Die Regierung hatte eine komplette Kehrtwende vollzogen und bot nun erhebliche Zugeständnisse an. Die Schüler hatten gesiegt!
Als die Nachricht eintraf, herrschte Jubel im Hauptquartier der Schülergewerkschaft. Doch es galt noch eine Reihe von Hürden zu nehmen. Erstens war nichts entschieden, solange der Minister nicht seine Unterschrift unter das Dokument gesetzt hatte. Zweitens gab es für die Schülergewerkschaft eine Vorbedingung – nicht nur für die Unterzeichnung, sondern schon für den Beginn der Verhandlungen. Das war die Forderung, dass kein Schüler, der sich an der Bewegung beteiligt hatte, durch Ausschluss, Suspendierung oder Notenabzug benachteiligt werden dürfe. Alle ausgesetzten Prüfungen mussten nachgeholt werden. Diese Forderungen waren für die Schülergewerkschaft im Baskenland besonders wichtig, wo eine Reihe von Schülern von reaktionären Schulleitern bestraft oder mit Sanktionen bedroht worden war. Das Problem war schwierig, da die Regierung in Madrid rechtlich gesehen keine Kontrolle über das Bildungswesen im Baskenland hatte. Dieses lag in den Händen der baskischen Regionalregierung, die von der bürgerlich-nationalistischen Partei PNV kontrolliert wurde. Erschwerend kam hinzu, dass aufgrund der politischen Krise im Baskenland nach den Regionalwahlen keine Regierung gebildet worden war, sodass die gesamte Verwaltung praktisch lahmgelegt war.
Dennoch war es für die nationale Schülergewerkschaft unerlässlich, in dieser Frage Stellung zu beziehen. Die radikalen Nationalisten argumentierten von Anfang an, dass es sich um einen „spanischen Streik“ handele, der von einer „spanischen Schülergewerkschaft“ angeführt werde und nichts mit der baskischen Jugend zu tun habe. Die Schülergewerkschaft musste öffentlich ihre Solidarität mit den unterdrückten Nationalitäten bekunden. Es kam nicht in Frage, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die ihre baskischen und katalanischen Brüder und Schwestern im Stich lassen würde. Das Verhandlungsteam war daher entschlossen, in dieser Frage eine prinzipielle Haltung einzunehmen. Die Marxistische Strömung im Baskenland führte eine Gegenoffensive durch, um auf alle Lügen und Verleumdungen von Herri Batasuna zu reagieren. Es bedurfte einer öffentlichen Geste, um sie zu unterstützen.
Als die Verhandlungen am Mittwoch wieder aufgenommen wurden, kam Juan Ignacio dem Minister daher sofort zuvor, indem er das Thema „keine Sanktionen“ auf den Tisch brachte. Unter Außerachtlassung aller rechtlichen Feinheiten bestand die Schülergewerkschaft darauf, dass die Regierung in Madrid eingreifen müsse, um sicherzustellen, dass dieser Punkt von allen beteiligten Parteien eingehalten werde. Wenn das Ministerium, wie bereits geschehen, mit den autonomen Regierungen zusammenarbeiten konnte, um eine Strategie zur Bekämpfung des Streiks zu koordinieren, konnte es auch Druck auf die anderen ausüben, alle Sanktionen zurückzunehmen. Nach einer kurzen Diskussion wurde dieser Punkt akzeptiert. Das Ministerium erklärte sich bereit, ein Rundschreiben an alle Schulen zu versenden, in dem es ihnen riet, keine Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen, und die autonome Regierung davon zu überzeugen, dasselbe zu tun.
Doch dann kam die große Überraschung. Nachdem der Minister die Bedingungen seines „endgültigen Angebots“ bereits in der Presse veröffentlicht hatte, gab er nun eine Erklärung ab, wonach er nicht bereit sei, irgendetwas zu unterzeichnen!
Diese Bemerkung schlug ein wie eine Bombe. Damit hatte sicherlich niemand gerechnet! Warum um alles in der Welt sollte die Regierung sich weigern, ihre eigene Vereinbarung zu unterzeichnen? Der Minister hatte im Grunde genommen einen „Verhandlungsausschuss“ einberufen, um ein Ultimatum zu stellen: „Akzeptiert das, oder sonst!“ Diese Äußerungen lösten einen Aufruhr aus. Juan Ignacio schlug mit der Faust auf den Tisch, schrie, die Regierung habe sie an der Nase herumgeführt, und warf dem Minister vor, in böser Absicht zu handeln. Nach einem hitzigen Wortwechsel, während dessen die beiden „anderen Parteien“ wie verängstigte Kaninchen danebenstanden, verlangten die Vertreter der Schülergewerkschaft eine Unterbrechung und zerrten die beiden anderen Gruppen an den Ohren in einen Nebenraum, wo ihnen ordentlich die Leviten gelesen wurden. Das Manöver war offensichtlich: Es sollte um jeden Preis verhindern werden, dass die Schülergewerkschaft den Verdienst für den Abschluss der Vereinbarung einheimsen konnte. Dazu wurde eine Provokation inszeniert, die dazu führen würde, dass die Schülergewerkschaft die Verhandlungen abbrach, um anschließend ein Abkommen mit diesen beiden Marionettenorganisationen zu unterzeichnen. Letztere wurden unter starken Druck gesetzt; es kam nicht in Frage, ohne Unterzeichnung eines Abkommens zu gehen. Aus Angst, vor der Masse der Schüler bloßgestellt zu werden, fügten sich die beiden anderen Gruppen. Die Schüler kehrten mit einer nach außen hin geeinten Front in die Sitzung zurück. Geeint – zumindest bis zu einem gewissen Grad!
Wenn man heute auf die ganze Angelegenheit zurückblickt, war das Ganze eine Art „Komödie der Irrungen“. Aus den Erklärungen von Maravall am folgenden Tag ging ganz klar hervor, dass die Regierung davon überzeugt war, die Schülergewerkschaft würde die Unterzeichnung verweigern. So verrückt das für die andere Seite auch erscheinen mochte, hatte es doch seine eigene Logik. Jedes Mal, wenn sich die Schülergewerkschaft an den Verhandlungstisch gesetzt hatte und die Regierung ein Angebot unterbreitete, das ihr „vernünftig“ erschien, war das Ergebnis ein neuer Generalstreik und neue Demonstrationen. Warum sollte es dieses Mal anders sein? Mit anderen Worten: Die Regierung beging den fatalen Fehler, eine echte marxistisch-revolutionäre Führung mit hirnlosen Ultralinken zu verwechseln. Sie glaubte wirklich, dass die Schülergewerkschaft die Verhandlungen nur „zum Schein“ führte, um einen Vorwand für die Organisation von Generalstreiks zu haben. Doch in jeder Phase der Bewegung hatten sich die Marxisten in erster Linie darum bemüht, die Interessen der Schüler zu verteidigen.
Nun, da klar war, dass die Bewegung ihre Grenzen erreicht hatte und der Regierung nichts mehr abzuringen war, war niemand mehr an einer Einigung interessiert als die Schülergewerkschaft. Doch niemand war über diese Tatsache mehr erstaunt als das Ministerium! Das war natürlich kein Zufall. Verhandlungen sind sinnlos, wenn sie nicht durch die Androhung von Massenaktionen untermauert werden. Diese Drohung klang aus dem Munde der Verhandlungsführer der Schülergewerkschaft so überzeugend, dass sie die Regierung bis zum allerletzten Moment in Atem hielt. Zweieinhalb Monate lang bewies die Schülergewerkschaft immer wieder in der Praxis, dass ihre Drohungen keine leeren Worte waren. Sie erlangte ihre Autorität in den Augen aller Gesellschaftsschichten nicht durch große Reden, sondern durch Taten. Nun stieß die Bereitschaft der Schülergewerkschaft, eine Einigung zu erzielen, beim Minister auf Verwunderung, der mit den Worten zitiert wurde: „Was uns überrascht hat, war die Verhandlungsbereitschaft der Schülergewerkschaft. Sie schienen hocherfreut zu sein, eine Vereinbarung zu unterzeichnen.“ (Ya, 19. Februar 1987)
Aber wer wäre nicht „begeistert“, ein Abkommen zu unterzeichnen, das einen klaren und unmissverständlichen Sieg aller Schüler und Schülerinnen und einen historischen Fortschritt für die öffentliche Bildung in Spanien bedeutet?
Um die Umsetzung aller Klauseln sicherzustellen, wurden drei paritätisch besetzte Ausschüsse eingerichtet (auch dies war beispiellos): der erste und wichtigste zur Überwachung der Umsetzung des Abkommens, der zweite zur Ausarbeitung einer allgemeinen Reform des Selektionssystems und ein dritter zur Ausarbeitung einer Charta der Rechte der Schülerschaft – um die demokratischen Rechte und die Mitbestimmung der Schüler und Schülerinnen bei der Leitung ihrer Schulen und Hochschulen zu stärken. Bei der Unterzeichnung des Abkommens versuchte Maravall, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, und behauptete, es gebe „weder Sieger noch Besiegte“ und dies seien Punkte, die die Regierung ohnehin schon die ganze Zeit umsetzen wollte! Die Zyniker unter ihnen fragten sich: Warum hatte die Regierung dann zweieinhalb Monate gewartet, während die Hölle los war, bevor sie dies tat?
Wenn der Minister beabsichtigte, eine ähnlich diplomatische Reaktion seitens der Schülergewerkschaft hervorzurufen, musste er zwangsläufig enttäuscht werden. Von Journalisten auf den Stufen des Ministeriums umringt, rief Juan Ignacio Ramos aus: „Dies ist ein historischer Sieg und das Ergebnis eines langen und vorbildlichen Kampfes. Wir haben die meisten unserer Forderungen durchgesetzt, und jetzt ist es an der Zeit, unsere Errungenschaften zu festigen, zurückzukehren, uns zu organisieren und uns auf die nächste Runde vorzubereiten, in der wir auch den Rest durchsetzen werden. Der Kampf wird lang sein und weitergehen. Aber wir haben gezeigt, dass wir Schüler bewusste Menschen sind, die wissen, wie man einen Kampf organisiert führt. Wir haben das Ministerium in der ersten Runde durch K.O. besiegt. Von nun an wird in diesem Land nichts mehr so sein wie zuvor.“
Die anschließenden Ereignisse haben gezeigt, wie prophetisch diese Äußerungen sein sollten. Der Sieg der Schüler wirkte sich elektrisierend auf das Bewusstsein der Arbeiterklasse aus und öffnete die Schleusen für eine gewaltige Streikwelle.
Dennoch legte die Führung der Schülergewerkschaft großen Wert darauf zu betonen, dass die am 18. Februar unterzeichnete Vereinbarung lediglich einen vorläufigen Charakter hatte. Bis zum Schluss hielten sie sich gewissenhaft an die demokratischen Grundsätze der Bewegung. Was unterzeichnet worden war, musste in der folgenden Woche von der Basis auf allen Ebenen der Schülergewerkschaft und in den Versammlungen an den Schulen bestätigt werden.
Es wurde umgehend eine nationale Delegiertenversammlung der Schülergewerkschaft einberufen, die einstimmig für die Annahme stimmte. Und bei Massenversammlungen in den Schulen befürwortete eine überwältigende Mehrheit das Vorgehen der Verhandlungskommission.
Die „Koordinierungskomitees“ lösten sich rasch in einem Wirrwarr aus gegenseitigen Schuldzuweisungen und Klagen über „Verrat“ auf, die natürlich auf taube Ohren stießen. Diese bösartigen Kräfte, die von Anfang bis Ende eine verheerende Rolle gespielt hatten, verließen die Bühne nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Sie haben nichts gewonnen und jegliche Glaubwürdigkeit verloren, die sie einst unter der Schülerschaft möglicherweise hatten. Sowohl die Jungsozialisten als auch die Jungkommunisten gerieten in eine Krise – mit Spaltungen, Ausschlüssen und Rücktritten. Ein sozialistischer Stadtrat in León trat aus Protest gegen den Umgang der Regierung mit der Schülerbewegung zurück. Das war nur die Spitze des Eisbergs einer allgemeinen Krise, die alle Organisationen betraf – alle bis auf eine, nämlich die SE und die Marxistische Strömung, die als einzige mit Ansehen aus dem Konflikt hervorgingen.
Seit dem Ende des Konflikts hat sich die gesellschaftliche und politische Landschaft in Spanien grundlegend verändert. Jede Gruppe von Arbeitern versuchte, den Schülern nachzueifern – eine Tatsache, die sogar von der Regierung selbst kommentiert wurde.
Der Bergarbeiterstreik, die Ereignisse von Reinosa, der sich ausbreitende Aufruf zum Generalstreik und die wachsende Spaltung zwischen der Regierung und der UGT sind allesamt Anzeichen dafür, dass Spanien nun in eine neue und turbulente Phase eingetreten ist. Der Marxistischen Strömung Spaniens und der Schülergewerkschaft gebührt die Ehre, diese Periode eingeleitet zu haben, den Ton angegeben, die Traditionen begründet und die großen Fragen unserer Zeit aufgeworfen zu haben, die die Arbeiter, sobald sie mit dem Programm des authentischen Marxismus ausgestattet sind, zwangsläufig beantworten werden.
Von Juan Ignacio Ramos
Aus El País, 25. Januar 1987
Herr Minister,
Ich gehe davon aus, dass Ihnen inzwischen alle relevanten Informationen zu den Mobilisierungen der vergangenen Woche vorliegen. Ich sage „ich gehe davon aus“, weil ich noch keine Gelegenheit hatte, persönlich mit Ihnen zu sprechen, obwohl ich unmittelbar nach der Demonstration von 200.000 Menschen, die am vergangenen Freitag an den Fenstern Ihres Büros vorbeizog, erneut versucht habe, Verhandlungen mit dem Ministerium aufzunehmen, dessen Leiter Sie sind.
Ich wende mich über diese Zeitungsseiten an Sie, da Sie sich seit Beginn unserer Verhandlungen mit dem Ministerium vor anderthalb Monaten zu keinem Zeitpunkt sich dazu bereiterklärt haben, herunterzukommen und mit der Verhandlungskommission zu sprechen. Wahrscheinlich hatten Sie Wichtigeres zu tun, als sich mit den Forderungen von zweieinhalb Millionen Schüler und Schülerinnen zu befassen.
Ernste Lage
Aber wie Sie sehen, ist die Lage nun wirklich ernst geworden. Sie werden sich daran erinnern, dass in Frankreich erst ein Student sterben musste, bevor die Chirac-Regierung auf die Forderungen unserer französischen Genossen einging.
Nun ist die französische Regierung zwar eine rechte Regierung, aber Sie sind Sozialist und Mitglied einer Regierung, die mit den Stimmen von 10 Millionen Arbeitern und Jugendlichen gewählt wurde. Es erscheint daher nur vernünftig, dass wir von Ihnen etwas anderes erwarten.
Die Schülergewerkschaft, die die Demonstrationen und Proteste vom 4. und 17. Dezember letzten Jahres sowie vom 20. bis 23. Januar organisiert hat, hat keine Mühen gescheut, um Gewalt zu vermeiden und dem Kampf einen organisierten und disziplinierten Charakter zu verleihen. Wir haben die Verteidigungsposten von 2.000 jungen Menschen aufgestellt, die den friedlichen Charakter unserer Demonstration in Madrid gewährleistet haben. Dennoch wurde trotz all unserer Bemühungen ein 14-jähriges Mädchen durch Schüsse der Polizei schwer verletzt, während die Polizei sich aus höchst fragwürdigen Gründen weigerte, die faschistischen Provokateure zu vertreiben, und stattdessen brutal gegen die Demonstration vorging. Glücklicherweise scheint zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes das Leben unserer Genossin nicht in Gefahr zu sein.
Die Verantwortung für diese Tragödie muss jedoch einerseits Ihnen, Herr Maravall, zugeschrieben werden, denn Sie haben durch Ihre unnachgiebige Haltung den Konflikt bis zu diesem Extrem eskalieren lassen. Anderseits ist die repressive Politik der öffentlichen Ordnung verantwortlich, die Ihrem Kollegen José Barrionuevo anzulasten ist und zunehmend an die dunklen Zeiten der Franco-Diktatur erinnert. Hier geht es nicht um die Suspendierung von drei Polizisten, sondern um die allgemeinen Tendenzen einer Regierung, die jeglichen Kontakt zur Bevölkerung im Allgemeinen und zur Jugend im Besonderen verloren hat.
Man hat den Eindruck, dass diese Regierung von dem zwanghaften Bestreben getrieben ist, die Interessen einer winzigen privilegierten Minderheit, der sogenannten Machthaber, zu befriedigen, und sich nicht im Geringsten um die Meinungen der Mehrheit der Arbeiter und Jugendlichen schert.
Es ist eine skandalöse Tatsache, dass nach vier Jahren sozialistischer Regierung die Rüstungsausgaben immer noch höher sind als die Haushaltsmittel für Bildung und Kultur zusammen und dass sich die Gewinne der Banken von 102.500 Millionen Peseten im Jahr 1982 auf 203.328 Millionen Peseten im Jahr 1985 verdoppelt haben. Andererseits haben wir die beschämende Erklärung eines Vertreters einer sozialistischen Regierung, der öffentlich 30.000 Entlassungen bei Hunosa (staatlicher Kohlebergbau in Asturien) und bei Altos Hornos de Vizcaya (baskisches Stahlwerk) befürwortet.
Sie werden fragen, warum junge Menschen auf die Straße gegangen sind, aber man braucht kein Soziologiestudium, um die Antwort zu kennen. Die Sozialistische Partei hat uns die Schaffung von 800.000 Arbeitsplätzen versprochen. Doch mittlerweile hat die Arbeitslosenzahl die Drei-Millionen-Marke überschritten, und die Hälfte davon sind junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren.
Von der Demütigung eines Lebens in Zwangsarbeitslosigkeit bedroht, hat ein Teil der Jugend ernsthafte Anstrengungen unternommen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern, um bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben. Doch durch die Einschränkungen und Hindernisse, die denjenigen in den Weg gelegt werden, die an die Universität wollen, wurde das letzte Tor der Hoffnung zugeschlagen.
Jede Gesellschaft, die Millionen junger Menschen zu einem hoffnungslosen Leben verdammt, sitzt auf einem Pulverfass.
Die Unzufriedenheit der Jugend ist offensichtlich. Das Einzige, was die Schülergewerkschaft getan hat, ist, dieser Unzufriedenheit einen organisierten und bewussten Ausdruck zu verleihen. Ohne die Vereinigung hätte sich die Bewegung in einer Reihe lokaler Streiks aufgelöst, ohne Perspektiven und ohne Koordination, und wäre somit zum Scheitern verurteilt gewesen, wie es in der Vergangenheit immer der Fall war.
Dampf ist eine mächtige Kraft, aber er erfüllt nur dann einen nützlichen Zweck, wenn er mithilfe eines Kolbens gebündelt wird. Die Schülergewerkschaft hat es allen Schülern im ganzen Land ermöglicht, am selben Tag, zur selben Zeit und für dieselben Forderungen gemeinsam zu streiken.
Ich sage Ihnen all dies, Herr Maravall, für den Fall, dass Sie vielleicht glauben, durch Verzögerungstaktiken könnten sich die Dinge beruhigen und die jungen Menschen könnten des Kämpfens müde werden und wieder nach Hause gehen. Dies ist nicht derselbe alte spontane „Ausbruch“ der Jugendlichen, wie manche zu behaupten versuchen. Dies ist etwas Neues. Eine Bewegung, die von einer stabilen Organisation angeführt wird, mit klaren Vorstellungen, bereit, den Kampf bis zum bitteren Ende fortzusetzen, mit dem Ziel, unsere rechtmäßigen Forderungen durchzusetzen.
Herr Maravall, der derzeitige Regierungskurs kann nur in eine Katastrophe führen. Es ist noch Zeit, den Kurs zu ändern. Aber es ist notwendig, dass Sie und Ihre Genossen ein für alle Mal beginnen, auf die Stimme der Mehrheit zu hören. Muss wirklich erst ein unschuldiger junger Mensch sein Leben lassen, bevor Sie Ihre arrogante Haltung aufgeben und beginnen, die Interessen der Menschen zu verteidigen, die Sie gewählt haben?
Abertzales: Umgangssprachliche Bezeichnung für radikale baskische Nationalisten.
CCOO: ein Gewerkschaftsverband unter der Führung von Marcelino Camacho, der von verschiedenen Abspaltungen der Kommunistischen Partei dominiert wird.
CEAE: Staatlicher Verband der Schülervereinigungen, eine von den JJ.SS. geführte Schülerorganisation (zumindest auf dem Papier).
Cortes: Das spanische Parlament
Egin: Baskische Tageszeitung, die Herri Batasuna unterstützt.
ETA: Baskische nationalistische Terrororganisation.
Herri Batasuna: Radikale baskische nationalistische Partei.
Jarrai: Jugendflügel von Herri Batasuna.
JJ.SS: Junge Sozialisten, die offizielle Jugendorganisation der PSOE.
JPS: Jugend für den Sozialismus, eine Organisation, die von Anhängern von Nuevo Claridad gegründet wurde, die aus den JJ.SS ausgeschlossen worden waren. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die JJ.SS langfristig als sozialistische Massenjugendbewegung wiederaufzubauen.
MCE: Kommunistische Bewegung, eine ehemalige maoistische Sekte.
Nuevo Claridad: 1976 gegründete marxistische Zeitung, von deren Anhängern einige seitdem aus den JJ.SS, der PSOE und der UGT ausgeschlossen wurden.
PCE: Spanische Kommunistische Partei, „Eurokommunisten“ unter der Führung von Gerardo Iglesias, aus der sich andere stalinistische Gruppierungen abgespalten haben.
NNGG: Die Jugendgruppe der wichtigsten bürgerlichen Partei.
PSUC: Katalanische Kommunistische Partei.
PSOE: Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens, geführt von Felipe González und seit 1982 an der Regierung, im Juni 1986 wiedergewählt.
SE: Schülergewerkschaft, gegründet von Anhängern von Nuevo Claridad.
UGT: Allgemeine Arbeitergewerkschaft, ein Gewerkschaftsverband unter der Leitung von Nicolás Redondo, der der PSOE nahesteht.
UJC: Union der jungen Kommunisten, die Jugendorganisation der PCE.
[1] Unter „Sektierern“ bzw. politischen Sekten werden Gruppen und Persönlichkeiten verstanden, die ihre kleingeistigen organisatorischen Eigeninteressen über die Interessen der Gesamtbewegung stellen.
[2] Entspricht in etwa der Landeshauptfrau/Ministerpräsidentin einer Provinz, allerdings nicht gewählt, sondern von der Zentralregierung eingesetzt. Anm.