US-Pipelines und soziale Zuspitzung in Kroatien


„Die Förderung von Stabilität und die Voranbringung der wirtschaftlichen Interessen der USA auf dem Westbalkan machen die Vereinigten Staaten sicherer, stärker und wohlhabender.“ So beginnt die neue US-Erklärung zum Balkan. Eine neue Gaspipeline zwischen Kroatien und Bosnien soll dabei der Haupthebel für die Offensive der US-Imperialisten in der historisch zerrissenen Region sein. Von Juraj Smojver
Kroatien soll als eine der vielen „Pipelines“ dazu dienen, die politisch schwankenden Länder der Region stärker in die US-Einflusssphäre zu bekommen. Die bisherige Übermacht russischer Energie soll verringert und der von China gewonnene Einfluss eingeschränkt werden. Dabei sind die USA gleichgültig gegenüber den europäischen Herrschenden, die seit dem Ukrainekrieg selbst mehr und mehr abhängig von US-amerikanischer Energie gemacht werden.
Eine gemeinsame Bevölkerung von 20 Millionen Menschen, wichtige Verkehrskorridore, natürliche Ressourcen, ein wachsender Technologiesektor und qualifizierte Arbeitskräfte: Die Trump-Regierung will die wirtschaftlichen Möglichkeiten der ex-jugoslawischen Länder für sich sichern.
Der Beitrag Kroatiens zur regionalen Energiesicherheit sei Marco Rubios Aussage nach von entscheidender Bedeutung für die transatlantischen Beziehungen. Die erwähnte 236 Kilometer lange Gaspipeline soll vom US-Unternehmen „AAFS Infrastructure and Energy“ finanziert, gebaut und betrieben werden. Davon sind 170 Kilometer im Süden von Bosnien-Herzegowina, welche künftig an das LNG-Terminal der Insel Krk in Kroatien angeschlossen werden sollen, wo die USA heute bereits mehr als zwei Drittel des Flüssiggases anliefern. Auf dem Februar-Gas-Gipfel in Washington unterschrieben Kroatien und Bosnien die dafür notwendigen Gaslieferverträge.
Auch der neu unterzeichnete US-kroatische Doppelbesteuerungsvertrag wird primär der Akkumulation und Verbreitung von transatlantischem Kapital innerhalb Kroatiens dienen. Das Ganze ist nur eine weitere Art, mehr Extraprofite aus dem Land zu ziehen. Kleine Teile dieser Profite erhalten lokale Kapitalisten und ihre politischen Vertreter.
Die kroatische Bourgeoisie steckt in derselben Krise wie ihre bisherigen europäischen Manager und muss mittels verschärfter nationalistischer – antiserbischer und antijugoslawischer – Spaltung und Kriegstreiberei den Abbau öffentlicher Dienstleistungen, steigende Inflation und Lohnraub verschleiern. Die Rechnung sollen die Arbeiterklasse und Jugend bezahlen. Kroatische Militärausgaben sollen von 2 % des BIP auf 5 % bis 2035 erhöht werden, während gleichzeitig nur 5 % des BIP für das Bildungssystem und etwa 7–8 % für das Gesundheitswesen ausgegeben werden. Der Mangel an medizinischem und pädagogischem Personal sowie der Modernisierungsbedarf der Infrastruktur sind für die Regierung keine Priorität. Auch die Wehrpflicht ist nach 17 Jahren wieder eingeführt worden.
Die Arbeiterklasse wird sich aber keineswegs ohne Kampf zertrampeln lassen. Das kann man nicht nur in der revolutionären Bewegung in Serbien oder den Protesten in Bosnien beobachten, sondern ebenso anhand der Zuspitzung des Klassenkampfs in Kroatien. Am 30. November 2025 fand eine Protestveranstaltung „Vereint gegen den Faschismus“ in Zagreb statt. Allein in der Hauptstadt nahmen 10.000 – 20.000 Menschen teil. Am selben Tag wurden in Split, Rijeka, Pula und Osijek Demonstrationszüge organisiert. Transparente mit der Aufschrift „Balkanischföderation ohne Staaten und Nationen“ sowie der traditionelle Gruß der Partisanen „Tod dem Faschismus, Freiheit dem Volk!“ zeugten von einem politischen Erwachen der Massen in Kroatien.
Eine ähnliche Radikalisierung konnte bei den Demonstrationen vom 8. März 2026 beobachtet werden, auf denen offen über die Arbeiterklasse, die Notwendigkeit einer Revolution und Einheit gesprochen wurde, sowie eine historische Protestveranstaltung, bei der sich alle drei Gewerkschaftsdachverbände in Kroatien für eine Erhöhung des Durchschnittslohns auf 2.200 Euro eingesetzt haben. Zu guter Letzt konnte durch zwei Streiks in der Supermarktkette Plodine, bei denen migrantische Arbeiter eine Schlüsselrolle spielten, mehr Lohn erkämpft werden.
Die Auswirkungen der neuen Balkan-Strategie der USA werden alle Gegensätze des kapitalistischen Systems verschärfen und ein Echo dieser und kommender Klassenkämpfe nach Österreich (und darüber hinaus) tragen. So werden alle Imperialisten für die Ausblutung der Balkanhalbinsel zahlen. Jedoch nur, wenn wir schon heute hierzulande und international eine revolutionäre Arbeiterpartei aufbauen, um die kommenden Kämpfe der Arbeiterklasse zu Ende zu führen und eine sozialistische Föderation aller Länder des Balkans, Europas und der Welt zu realisieren.
(Funke Nr. 245/08.07.2026)