Tram-Unglück erweckt radikalisierte Jugend in Bosnien


Am 12.02. entgleiste eine Straßenbahn in Sarajevo und riss einen jungen Studenten in den Tod, 4 weitere Menschen wurden verletzt, darunter eine 17-jährige Schülerin, der das Bein amputiert werden musste. Die kantonale Regierung in Sarajevo hat nach „Untersuchungen“ sofort den Fahrer beschuldigt, aber die Jugend kauft diese Geschichte nicht ab. Warum? Von Emil Pranjko
Das öffentliche Verkehrswesen Bosniens ist, genau wie der Rest des öffentlichen Lebens, chronisch unterfinanziert. Die besagte Straßenbahn wurde allein im letzten Jahr 50 Mal stillgelegt und in der gleichen Woche im Februar war sie drei Tage lang wegen Reparaturen außer Betrieb. Ein ebenfalls wichtiger Faktor, der in den Köpfen der Massen verankert ist, ist die Korruption, die im Staat und der Wirtschaft tiefe Wurzeln schlägt.
Noch am gleichen Tag versammelten sich tausende Bewohner Sarajevos zu einem Protest, der den Verkehr größtenteils lahmlegte. Angeführt wurde dieser von Schülern und Studenten, einige Straßen wurden mit Müllcontainern blockiert und auf den Schildern und Transparenten waren Sprüche zu lesen wie: “Wenn ihr uns alle umbringt, wen wollt ihr dann noch ausrauben!?” „Nächster Halt: Tod!“ “Die Jugend, die vom System umgebracht wurde”.
Die Jugend ist bereits so weit radikalisiert, dass sie das Problem nicht in der einen oder anderen Person, sondern als ein systemisches Problem sieht. Die Version der Regierung war nicht haltbar und der kantonale Premier musste bereits zurücktreten, was schon einen Teilsieg der Protestbewegung bedeutet. Aber der Rücktritt hat die Bewegung nicht zurückgedrängt, es fanden noch mehr Proteste statt – 11 in 30 Tagen, der größte davon hat ca. 10.000 Menschen auf die Straße gebracht, Bosniaken, Serben und Kroaten.
Der offizielle Slogan der Proteste ist: „Eure Hände sind blutig!“ – der gleiche Slogan der revolutionären Bewegung in Serbien. Wir sehen, wie die Jugend hier sofort die radikalen Verbindungen herstellt und die nationale Spaltung überwindet, aber es fehlen auch einige Schlussfolgerungen. Die Proteste müssen über Sarajevo hinaus verbreitet werden. Darüber hinaus müssen sich die Menschen neben der Aktivität auf der Straße, in Nachbarschaftskomitees treffen und politische Perspektiven diskutieren, Delegierte wählen und in allen Schulen, Unis und Betrieben für die Mobilisierung der Arbeiterklasse aufrufen – also für einen politischen Streik. Dieser hätte die Macht, den Kapitalismus zu stürzen und den Imperialismus zu verjagen. Das kann aber nur mit einer revolutionären Partei gelingen, die den Marxismus, also das notwendige Rüstzeug, studiert und anwendet, um die Arbeiterklasse zur siegreichen Revolution zu führen. Unsere Genossen des Revolucionarni Kommunistički Savez haben sich genau dieser Aufgabe gewidmet!
(Funke Nr. 242/24.03.2026)