Frauenstreik: Picknick oder Klassenkampf?


Am 9. März finden in fünf österreichischen Städten Aktionen der Initiative „stillgelegt“ als Teil eines „globalen Frauenstreiks“ statt. Aufschwung oder Krise der Frauenbewegung? Von Tamara Belyus und Martin Halder.
Seit 2016 gibt es weltweit kämpferische Massenbewegungen unter dem Slogan des Frauenstreiks. In Spanien etwa entbrannte 2018 eine inspirierende und kämpferische Bewegung. Es beteiligten sich insgesamt 6 Mio. Frauen und Männer an der Bewegung zum 8. März – entgegen dem Willen einiger Organisatorinnen, Männer von Demo- und Streikteilnahme auszuschließen. Es dominierten soziale Forderungen und antikapitalistische Slogans. Obwohl Gewerkschaftsbürokratie und feministische Organisatorinnen versuchten, die Streiks durch symbolische Aktionen wie etwa die Verlängerung der Mittagspause zu entschärfen, riefen die großen Gewerkschaften unter dem Druck der Massen zumindest zu einem 2-stündigen Streik auf. Daraufhin mussten sich die Männer und Frauen der Regierung und der Unternehmensverbände offen gegen die Bewegung und gegen Verbesserungen bei Löhnen, Pensionen und Sozialsystem stellen. Das macht überdeutlich: Der Kampf gegen Unterdrückung und Entrechtung der Frau ist ein Kampf der gesamten Arbeiterklasse gegen die herrschende Klasse.
Die österreichische Initiative zum Frauenstreik 2026 setzt allerdings nicht an den Stärken dieser Frauenstreikbewegung an. Er wird von einem großen Zusammenschluss von dutzenden NGOs bis hin zu Vorfeldorganisationen von den Grünen, der SPÖ- sowie den KPÖ-Frauen getragen. Die Forderungen sind utopisch-abstrakt („fürsorgende Wirtschaft“, „geschlechtergerechtes Wirtschaftssystem“) und geradeheraus falsch, so wird das Verhältnis von Mann und Frau als „Pseudo-Machtverhältnis“ beschrieben – Femizide beweisen das Gegenteil. Die vorgeschlagenen Aktionsformen (Picknicken, Schreien etc.) sind so handzahm, dass sie keinem Kapitalisten Angst machen. Entsprechenderweise fungiert als Sprecherin des „Streikkomitees“ eine Unternehmerin, die feministisches Engagement mit kommerziellem Interesse verknüpft.
Statt an den Stärken der internationalen Bewegung (Massenmobilisierungen, Druck auf die Gewerkschaft, Antikapitalismus) anzuknüpfen, stützen sie sich ausschließlich auf die Schwächen: Symbol- statt Klassenpolitik. Frauen sollen als individuelle Frauen angesprochen werden und nicht als Arbeiterinnen. Der Streik, die kollektive Niederlegung der Lohnarbeit, um den Profit der Kapitalisten zu bedrohen, wird hier zu einem leeren Slogan: Die Verweigerung der unbezahlten Haus- und Care-Arbeit, sich einen Tag frei zu nehmen, Picknicken und in der Hängematte liegen gelten alle gleichermaßen als Mittel des Frauenstreiks.
Der Streik verkommt so zu einem symbolischen Akt. So soll das „System“ u. a. dadurch „stillgelegt“ werden, dass wir uns fünf Minuten vor dem Parlament auf den Boden legen. Auf der internationalen Website (enoughgenug.org) behaupten die Initiatorinnen sogar, dass alles ein Streik sein kann und wir durch „einen Tag nichts tun und entspannen den CO2-Fußabdruck um 10% reduzieren können“. So soll eine „Welt von entspannteren Menschen“ nicht nur das Klima retten, sondern auch für „weniger destruktive Impulse, weniger Konflikte und geringere Kosten für Sicherheitskräfte und Militär“ sorgen.
Frauenrechte und die Arbeitsbedingungen in klassischen Frauenbranchen stehen weltweit unter Druck der Herrschenden. Wir können hier nicht spielen, sondern müssen klare Ideen haben, um uns hart dagegen zu wehren. Die Idee, ein Streik soll ein persönlicher Zufluchtsort sein, verniedlicht den Frauenkampf zur PR-Performance.
Arbeiterinnen und Mädchen müssen an der revolutionären Tradition des 8. März anknüpfen!
(Funke Nr. 241/19.02.2026)