Kapitalisten sind Blutsauger


Sigi Wolf, der nach der Übernahme des MAN-Werks in Steyr (OÖ) mehrmals hunderte Stellen gestrichen hat, ließ sich allein im Geschäftsjahr 2022 selbst 107 Mio. auszahlen – genug, um allen Beschäftigten einen Jahreslohn auszuzahlen. Wolf gibt ein Paradebeispiel für den parasitären Kapitalismus ab. Von Martin Halder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Werk zur staatlichen Steyr-Daimler-Puch AG, die damals 17.000 Beschäftigte zählte, bis sie 1987 in verschiedene Sparten aufgespalten und an private Investoren verscherbelt wurde.
Die VW-Tochter MAN übernahm 1990 das Werk in Steyr und zwang der Belegschaft mehrfach Sparpakete auf, zuletzt 2019. Keine zwei Jahre später verkaufte MAN das Werk an den berüchtigten „Sanierer“ Wolf. Funke-Leser wissen es, die Gewerkschaft verzichtete damals auf entschlossene Kampfmaßnahmen, obwohl 64% der MAN-Arbeiter gegen die Übernahme stimmten. Wolf setzte einen Lohnverzicht von 15% und die Kündigung von 500 Arbeitern durch.
Seitdem wurden immer wieder Stellen gestrichen. Von den einst 2.500 Beschäftigten sind heute nicht einmal mehr 1.000 im Steyr-Werk übrig. Egal ob Wolf, der millionenfach verdiente, oder der MAN-Konzern, der im Jahr vor der Übernahme 633 Mio. an die Aktionäre ausschüttete: Die Kapitalisten haben die Arbeiter bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt.
Eine andere Steyr-Abspaltung sorgte kürzlich ebenso für Schlagzeilen: Steyr Motors, das Zulieferteile für Navy-Boote und Triebwerke für Panzer (wie etwa den Leopard 2) fertigt, ging Ende Oktober mit 73 Mio. an die Börse.
Das Geschäft mit dem Tod boomt, nachdem der Münchner Investor Mutares das Unternehmen 2022 vorgeblich für einen symbolischen Betrag von 1 Euro kaufte. Laut „Presse“ verfolgt Mutares das Ziel, „die Firmen möglichst schnell zu restrukturieren und anschließend mit kräftigem Aufschlag wieder zu veräußern.“
Im Fall Steyr Motors bedeutet dies die Kündigung von 50 der 130 Arbeiter und die „Fokussierung“ des Geschäfts auf die „Kernkompetenz“ – Krieg. Das ist kein Einzelfall. Allein in diesem Jahr kaufte Mutares 13 Unternehmen auf, zuletzt die deutsche Voestalpine-Tochter Buderus, bei welcher der – wohl auch symbolische – Einkaufspreis ebenfalls unter Verschluss gehalten wird.
Die Liste dieser „unternehmerischen Leistungen“ könnte man endlos fortführen. Es ist immer das Gleiche: Ein Investor kauft sich billig ein und sichert sich zu Lasten der Arbeitsplätze, Löhne und Sozialleistungen üppige Profite. Das einzige Mittel gegen diese Blutsauger ist die Verstaatlichung der Konzerne unter der Kontrolle der Arbeiterklasse.
(Funke Nr. 228/09.11.2024)