Leserbriefe – Funke Nr. 243


Passiert etwas auf deiner Schule, deiner Uni, deinem Arbeitsplatz? Hast du einen Kommentar zu einem unserer Artikel? Dann schick uns einen Leserbrief an post@derfunke.at!
Als ich dieses Semester mein Informatik-Bachelorstudium begann, hatte ich nicht erwartet, dort auf viel politisches Interesse zu stoßen. Daher sah ich es als meine erste Aufgabe an, offen als Kommunist aufzutreten und als Mitglied der RKP-Studierenden jede Gelegenheit zu nutzen, die sich mir bot, um dieses Studium zu politisieren! Ich musste nicht lange suchen: In einer meiner ersten Vorlesungen erwähnte ein Professor den Krieg gegen den Iran, und später in einer anderen Vorlesung ging es um ICE! Zunächst war ich mir nicht sicher, wie ich als Kommunist wahrgenommen werden würde, da die Uni Wien für ihre harte Unterdrückung politischer Freiheiten bekannt ist.
Der Professor nahm jedoch unseren Flyer gegen Imperialismus und kaufte nach einer ausführlichen Diskussion über unsere Positionen und unser Programm beim nächsten Mal eine Zeitung für 10 €! Es gab noch einen weiteren Studenten, der länger blieb und an den Diskussionen teilnahm und sich nach dem Besuch einer Ortsgruppe entschied, beizutreten. Unsere Ideen sind richtig, und es ist wichtig, dass wir uns nicht scheuen, sie zur Sprache zu bringen, insbesondere da wir uns an den Universitäten etablieren wollen! Mitstudierende für die RKP zu gewinnen und die Sympathie des Universitätspersonals ist das, was in einer Massenbewegung den Unterschied ausmachen könnte – also vorwärts, Genossen, und lasst uns unsere Universitäten rot färben!
Al aus Wien
Ich arbeite in einem Betrieb, der Arbeitsschutzbedarf vertreibt. Ein zynischer Widerspruch, wenn man sich die Realität an meinem Arbeitsplatz ansieht. Wir sind zusätzlich auch noch ein Textilveredler und nutzen DTF-Druck (Direct-to-Film). Normalerweise ist das ein automatisierter Prozess, bei dem eine Maschine eine Folie bedruckt und mit Kleber-Granulat beschichtet.
Doch mein Arbeitgeber hat sich ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen: Er verwendet Folien, die viel zu breit für den Drucker sind, da dadurch größere Prints auf den Textilien möglich sind. Die Folge dieses „Hacks“: Die Automatik des Druckers streikt. Um nicht in einen größeren Drucker investieren zu müssen, muss ich das chemische Kleber-Pulver händisch aufschütteln. Der Staub wirbelt dabei massiv auf und landet direkt auf meiner Haut. Dass man mit diesem Zeug extrem vorsichtig umgehen muss, wurde mir erst klar, als ich Ausschlag bekam – eine Sicherheitsunterweisung gab es nicht. Arbeitsschutz verkaufen wir halt nur nach außen, intern sparen wir ihn uns.
Am Ende ist es eine einfache Rechnung: Der Chef spart sich teurere Maschinen und Sicherheitsmaßnahmen, indem er uns Arbeiterinnen als Rädchen im Getriebe benutzt, um die technischen Unzulänglichkeiten zu überbrücken. Während also der Umsatz steigt, zahlen wir den Preis mit unserer Gesundheit.
Mein Ausschlag ist kein Versehen, sondern die logische Folge eines Geschäftsmodells, in dem technologische Mängel und das Profitmotiv durch körperlichen Verschleiß ausgeglichen werden.
Mecki aus Graz
Meine Frau ist aktives Mitglied bei der RKP und ich würde mich als nahes Umfeld bezeichnen. Ich arbeite in einem größeren Unternehmen als Metallbearbeiter im Bereich Stahlbau und es kommt regelmäßig vor, dass sich meine Kollegen über die aktuellen Geschehnisse auf der Welt auslassen. Die Inflation ist immer präsenter und frustriert. Vor wenigen Wochen wurde über die steigenden Preise gejammert, und ich warf ein, dass, solange wir Arbeiter nichts tun, sich nichts ändern wird. Meine Aussage wurde belächelt, denn: „Was sollen wir da schon tun?“ Ich begann, von den Demonstrationen in Italien zu erzählen. Ein weiterer Kollege stimmte mit ein und rechnete vor, wie viel Geld den Unternehmen minütlich durch die Finger rinnt, wenn alles stillsteht, und dass der Druck, den wir als Arbeiter dadurch erreichen, einiges für uns ändern kann.
Seitdem führe ich oft den Kapitalismus als Grundlage für diese und jene Probleme im Alltag ein. Einige wenige Mitarbeiter gebrauchen das Wort Kapitalismus langsam selbst im negativen Kontext. Bei Gelegenheit erwähne ich die RKP/RKI, verweise auf die Internetpräsenz oder Instagram. Ich habe 2 Zeitungen mit in die Firma gebracht, die auf Interesse gestoßen sind, und mittlerweile auch Flyer zum Thema Imperialismus ausgelegt. Vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass die Firma weitere „Standorte“ prüft. Das bringt neuen Unmut. Für mich ist klar, dass ich weiter versuchen werde, ein Bewusstsein für die aktuelle Situation zu schaffen, die Bedeutung für uns als Arbeiter und hoffentlich nicht müde werde, dieses System zu kritisieren.
R. aus Bregenz
Am Anfang des ersten Schuljahres hat die Tagessprecher-Wahl stattgefunden. Vom Aufbau her war es eine Art Popularitätstest. Keiner der Kandidaten hatte irgendeine Vorstellung, die Lehrlinge oder die Schule voranzutreiben. Wie erwartet bewegte sich nichts.
Gleichzeitig wurde oft diskutiert, unter welchen Verhältnissen sie arbeiten müssen. Ein Klassenkamerad muss zum Beispiel ihren Laptop mit in den Urlaub nehmen, damit sie dort weiter die Buchhaltung macht. Viele mussten Stunden nachholen, weil die Schulzeit nicht als Arbeitszeit anerkannt wird.
Im zweiten Schuljahr wollte dann keiner mehr Tagessprecher werden. Das liegt nicht daran, dass es keine politische Stimmung an der Schule gibt. Sowohl Schüler als auch Lehrer werden radikaler. In der Schule gab es z. B. einen Schaukasten zu Palästina. Sowohl im Deutschunterricht als auch in Politischer Bildung diskutierten wir aktuelle Themen wie USA, Israel, Venezuela, Iran und ICE. Das ist für mich der perfekte Hebel, um unsere Perspektive zu vermitteln. Inzwischen kommen meine Klassenkameraden zu mir, um Antworten auf ihre politischen Fragen zu bekommen.
Die Schule versucht mittlerweile, die politische Diskussion zu unterdrücken. In „Politischer Bildung“ sollen jetzt Referate zu belanglosen Themen wie „Gesundes Leben“, Drogen, Umwelt und Medien stattfinden. Trotzdem entwickelten sich weiterhin Diskussionen zum Thema USA und Palästina. Für die Schulleitung wird das keine einfache Arbeit sein wie zuvor. Denn die Jugendlichen bringen den Kapitalismus nur mit Krisen in Verbindung. Sie sind sich bewusst, dass sie für ihre Chefs billige Arbeitskräfte sind und entwickeln so langsam ein Klassenbewusstsein. Um die Worte einer Klassenkameradin wiederzugeben: „Würden wir Lehrlinge streiken, würden ganze Industrien in Vorarlberg in sich zusammenstürzen.“
Merve aus Vorarlberg
Im ganzen Land kommt man nicht an der Werbung der Wiener Städtischen vorbei, die unter dem Motto #frausorgtvor läuft, und für die prominente Frauen posieren, wie z.B. Ursula Strauss. Korrekterweise illustriert die Werbung, dass Frauen oft finanziell abhängig und nicht abgesichert sind. Jede 4. Frau, die alleine lebt oder Pension bezieht, ist von Armut gefährdet. Außerdem gibt es einen Pensions-Gap von 39,7% zwischen Mann und Frau.
Doch was ist die Lösung, die uns die Werbung präsentiert? Für unsere (finanzielle) Befreiung sollen wir eine Versicherung bei der Wr. Städtischen abschließen! Also monatlich Geld an ein Unternehmen zahlen, das von Unsicherheiten, den niedrigen Pensionen, dem Kaputtsparen des Gesundheitssystems und der Klimakatastrophe profitiert. Und das nicht schlecht: Die Vienna Insurance Group verzeichnete zuletzt Gewinne von 1,16 Mrd. €! Und jetzt wollen sie noch mehr von der Armutsgefährdung von Frauen profitieren – und uns das Ganze als emanzipatorischen Akt verkaufen. Aber: Wir haben in dem System keine Perspektive, keine Aussicht auf eine gemütliche Pension. Wir haben nur eine Vorsorge, in die es sich zu investieren lohnt. Unsere einzige Versicherung für eine gute Zukunft, für ein Ende der prekären Lage von Frauen, ist die Revolution.
Miriam aus Wien