Die von der Offensive gegen Rechts Steiermark organisierte Demonstration gegen die rechtsextreme Bewegung Pegida war ein voller Erfolg. Über 1500 AntifaschistInnen bewiesen den rund 100 RassistInnen, dass Graz bunt und nicht braun ist. Aus dieser Situation der Schwäche heraus gingen Nazis im Umfeld der Demonstration auf AntifaschistInnen los. Es gab mindestens zwei Verletzte, darunter einen Unterstützer des Funke. Die steirische antifaschistische Bewegung muss diese Gewalt als Ansporn nehmen, die Offensive gegen Rechts auszuweiten und dem Rassismus den Nährboden zu entziehen. Eine Bilanz des Funke Graz.

 

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Die Demonstration startete symbolträchtig am Griesplatz, dem Herzstück eines migrantisch geprägten Bezirks, wo sich die ersten GegendemonstrantInnen bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Demonstration einfanden. Nach einer Rede der Funke-Unterstützerin Natalie für die OGR Steiermark sowie einer Rede von Metin, einem Vertreter der Kurdischen Gemeinde Graz, setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Eisernes Tor unter „Alerta Alerta Antifascista“ und „Graz – Pegida – Einmal und nie wieder!“-Rufen fort.

Um den internationalistischen Charakter der Demonstration zu unterstreichen, führte die Kurdische Gemeinde die Demonstration an. Tags zuvor hatte der Funke-Unterstützer Patrick beim kurdischen Newroz-Fest vor über 1000 Gästen die Gelegenheit, die Demonstration in einer Rede zu bewerben. In dieser wies er auf die Gefahr hin, die Pegida aufgrund des Gewaltpotenzials der Rechtsextremen darstellt. Immer wieder war es im Umfeld der Demonstrationen zu Gewalt gegen Linke und MigrantInnen gekommen, zuletzt bei den Pegida-Demonstrationen in Wien und Linz. Leider sollte sich diese Warnung wenig später bewahrheiten.

Nach der Abschlusskundgebung am Eisernen Tor zog die Demonstration in zwei Teilen zu Blockadepunkten in der Sporgasse und vor dem Grazer Dom, wo die AntifaschistInnen Position bezogen und mit einem Trillerpfeifenkonzert, Parolen und lauter Musik versuchten, die RassistInnen zu übertonen. Der kleine Haufen Rechter, der sich am Freiheitsplatz versammelte, „spazierte“ in den nächsten Stunden, beschützt durch Absperrungen der Polizei, fortwährend um einen Häuserblock herum im Kreis. In seiner Rede verglich Michael Stürzenberger, Pegidas Hauptredner, den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ und bezeichnete ihn als „das gefährlichste Buch der Welt“. In einem Video der Kleinen Zeitung konnten während der Rede Hitlergrüße aufgezeichnet werden.

Vor, während und nach der Pegida-Demonstration machten Rechtsextreme die Straßen unsicher, versuchten AntifaschistInnen einzuschüchtern und griffen mindestens in einem Fall AntifaschistInnen tätlich an. Unter den mindestens zwei Verletzten befindet sich auch ein Funke-Unterstützer. Bei der Polizei wurde daraufhin Anzeige erstattet. Es ist klar, dass die Neonazis auf solche Methoden zurückgreifen müssen, weil sie nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung hinter sich wissen können. Unter dem Druck der Verhältnisse bleibt von der „gewaltfreien“ Fassade Pegidas nur wenig übrig. Um Pegida auf der Straße zu brechen, werden vielleicht weitere Demonstrationen stattfinden müssen. Dabei wird es wichtig sein, sich nicht einschüchtern zu lassen und Durchhaltevermögen zu beweisen. Doch die Aktion auf der Straße kann den Kampf gegen die Ursachen des Rassismus nicht ersetzen. Solange das kapitalistische System besteht, wird es immer wieder neue Krisen produzieren, die das System selbst in Gefahr bringen. Um in solchen Situationen die marginalisierten Bevölkerungsschichten gegeneinander aufhetzen zu können, hat die herrschende Klasse ein starkes Interesse daran, uns entlang von Religionen, Herkunft oder vermeintlichen Rassen zu spalten. Die bürgerliche Presse, allen voran die Kronen Zeitung, die Pegida als „Bürgerbewegung“(sic!) verharmlost, treibt diese Spaltung aktiv voran. Für die meisten bürgerlichen JournalistInnen gibt es kein größeres Greuel als Unterdrückte aller Hautfarben und Religionen die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen. Kein Wunder, dass alle Reden, die diesen Umstand hervorhoben, konsequent totgeschwiegen wurden.

Um den Rassismus zu besiegen, müssen wir daher auch gegen den Kapitalismus kämpfen. Dieser Kampf bildet ein einziges untrennbares Ganzes, da der Kapitalismus den Rassismus braucht, um uns zu spalten und wir diese Spaltung überwinden müssen um den Kapitalismus überwinden zu können. Für dieses Ideen steht der Funke in seiner Zeitung, auf der Straße und innerhalb der Offensive gegen Rechts Steiermark.

Die aktuelle Ausgabe des Funke, die auch einen Bericht über die Antifa-Demos im Jänner und Februar enthält, wurde auf der Demonstration begeistert aufgenommen, was sich in über 60 verkauften Zeitungen widerspiegelte. Das ist zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass wir bereits im Vorfeld der Demonstration eine führende Rolle in der Mobilisierung gegen Pegida einnehmen konnten. In einer Fotoaktion wurden ungefähr 50 Bilder mit Botschaften gegen Pegida gesammelt, die zusammen über 25.000 mal angeklickt wurden (Stand: 30.03.2015). Weiters verteilten wir viele hundert Flugblätter auf dem Uni-Gelände, vor Schulen und am kurdischen Newroz-Fest. Wir werden auch nach dem 29.3. aktiv daran arbeiten, ArbeiterInnen, Arbeitslose, SchülerInnen, StudentInnen, PensionistInnen, MigrantInnen und Geflüchtete für die gemeinsame Sache zu vereinen. Pegida und die FPÖ werden uns mit ihrer Hetze den dazu nötigen Ansporn liefern.

Wenn auch du im Kampf gegen Kapitalismus und Faschismus aktiv werden willst, dann melde dich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!!


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