…wird ein Feuer entfachen!

Für eine aktive Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen der Lenzing AG!

Der Vorstand der Lenzing AG droht mit der Entlassung von 700 Kolleginnen und Kollegen. Hunderte Familien fürchten nun um ihre Existenz, obwohl riesige Profite erwirtschaftet werden. Wenn Wirtschaft so funktioniert, dann kann etwas nicht stimmen. Daniela Holzinger, SPÖ-Nationalratsabgeordnete für den Bezirk Vöcklabruck, bringt es auf den Punkt. „Das Jahr 2011 brachte für die Lenzing AG ein Rekordergebnis. Als Reaktion darauf stiegen die Jahresgagen der Vorstände um CEO Peter Untersperger von 990.000 auf durchschnittlich 2,17 Mio. Euro pro Kopf und auch die Dividende wurde stark erhöht. Etwa ein Viertel des Nettogewinns schüttete man an die Aktionäre aus, anstatt beispielsweise umfassend in Rücklagen zu investieren.“ Daniela Holzinger fordert daher eine „umfassende Aufklärung über die Hintergründe der geplanten Maßnahmen und ebenfalls eine Erklärung dafür, warum die Konzernführung die Kommunikation mit den Mitarbeitern einstellt, hinter ihrem Rücken aber Kündigungspläne mit externen Beratern erarbeitet?“. Dieser Forderung schließen wir uns uneingeschränkt an.

Wir sollten nun gemeinsam überlegen, wie wir die Lenzinger Belegschaft und ihren Betriebsrat darin unterstützen können, den Jobabbau zu verhindern. Die Frage der drohenden Entlassungen muss zu einer öffentlichen Angelegenheit werden. Wir müssen Druck aufbauen, der den Vorstand zwingt, öffentlich zu argumentieren, warum die Entlassungen angeblich eine wirtschaftliche Notwendigkeit sind. Her mit den Geschäftsbüchern, her mit dem Bericht der Boston-Consulting! Im Lichte der Öffentlichkeit wird sich rasch herausstellen, dass die sogenannte „wirtschaftliche Notwendigkeit“ einzig und allein den schamlosen Renditeerwartungen der Aktionäre geschuldet ist und den Standort an sich gefährdet.

Der Vorstand jedoch versucht den ganzen Konflikt aus der öffentlichen Debatte zu halten. Allerdings ist der Druck der Öffentlichkeit in solchen Auseinandersetzungen eine wichtige Waffe und stärkt dem Betriebsrat den Rücken. Um einem derartigen Angriff, verbunden mit höchst komplexen Fragestellungen, standhalten zu können, braucht es die Anstrengungen der Gewerkschaft als Ganzes und eine breite Solidaritätsbewegung. Der ÖGB Oberösterreich sollte unter Einbeziehung der Gemeinde Lenzing, der Bürgermeister der gesamten Region, der Betriebsseelsorge, der SPÖ, der Sozialistischen Jugend und aller interessierten Menschen als nächsten Schritt eine Großdemonstration für den Erhalt aller Arbeitsplätze in Lenzing organisieren. Dabei sollte im Sinne des Rufes nach Aufklärung und Transparenz die Forderung nach einer kompletten Offenlegung der Geschäftsbücher erhoben werden. Im Anschluss an die Großdemonstration könnte eine Betriebsräte-Konferenz stehen, auf der alle schon jetzt bekannten Informationen über die Lenzing AG diskutiert und erste Alternativvorschläge zum Geschäftsplan des Vorstands erarbeitet werden. Wir müssen das menschenverachtende Geflecht der Kapitalinteressen bei der Lenzing AG entwirren. Den Einwand des Geschäftsgeheimnisses weisen wir kategorisch von uns. Wenn bei eklatant steigenden Vorstandsgagen und hohen Gewinnausschüttungen Arbeitsplätze vernichtet werden, hat das Argument des Geschäftsgeheimnisses nur den Zweck, die Belegschaft und die Bevölkerung ruhig zu halten. Jeder Cent des Gewinns bzw. Profits eines Unternehmens wird schließlich von der Belegschaft selbst erwirtschaftet. Doch die Verfügungsgewalt über das Unternehmen haben die Hauptaktionäre. Das sind bei der Lenzing AG die B&C Privatstiftung (Unicredit-Bank Austria), die 67,6% und die Oberbank AG, die 5% der Aktien hält (Lenzing AG – Factsheet). Die Bank Austria allein erwirtschaftete im Jahr 2013 in den Monaten Jänner bis September ein Konzernergebnis nach Steuern von 1,086 Milliarden Euro. (Quelle: Bank Austria) So ergibt sich für die Banken eine komfortable Situation: satte Gewinne auf der einen Seite und im Fall des Falles einen großzügigen Staat auf der anderen Seite, der mit finanzieller Hilfe (mehr als 5 Milliarden in den Jahren 2009-2012) einspringt. (Quelle: Standard)

Es ist nicht einzusehen, dass nur die Aktionäre die Verfügungsgewalt über den von uns produzierten Reichtum haben und die Existenzen von hunderten Kolleginnen und Kollegen nicht zählen. Diesen Zustand gilt es als Gewerkschaftsbewegung in Theorie und Praxis direkt in Frage zu stellen. Fangen wir damit bei Lenzing an!

* Für eine Großdemonstration für den Erhalt der Arbeitsplätze!
* Wir wollen Aufklärung! Für die Offenlegung der Geschäftsbücher!
* Für eine öffentliche Diskussion des Geschäftsplans des Vorstands!
* Für eine umfassende Streikplanung und Streikvorbereitung, um im Falle einer Uneinsichtigkeit des Vorstands gerüstet zu sein!




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