…wird ein Feuer entfachen!

Der Wiener Wahlkampf ist voll im Gange. Wir interviewten Christoph Peschek, SPÖ-Jugendkandidat und Gewerkschafter.

Funke: Kannst du dich kurz vorstellen?

Christoph: Hallo, ich bin Christoph Peschek, bin 26 Jahre alt und arbeite seit August 2001 bei der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) in der Funktion des Wiener Jugendsekretärs. Meine politische Laufbahn hat im Bereich der SchülerInnenvertretung begonnen, ich selbst war Klassensprecher und Schulsprecher, bin über diesen Weg in die aks gekommen und dort auch politisiert worden. Ich habe dabei für mich erkannt, dass ich es extrem spannend finde, nicht nur Probleme zu erkennen sondern auch nach Lösungen zu suchen, Dinge weiterzuentwickeln und ein System zu verändern. Der nächste Schritt war, dass ich von der Gewerkschaft gefragt wurde, ob ich mitarbeiten will. Führe nun diese Tätigkeit mit viel Herz und Leidenschaft seit einiger Zeit aus und bin nun seit 2007 FSG-Jugendvorsitzender und somit für alle Gewerkschaften mit zuständig und versuche für Lehrlinge und junge ArbeitnehmerInnen, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie Aufstiegsmöglichkeiten, Hoffnungen und Perspektiven haben.

Funke: Wie reagierst du auf die Kritik, dass du dich nie am „realen“ Arbeitsmarkt behaupten musstest?

Christoph: Manche Personen kennen vielleicht einen Betrieb, wo sie gelernt haben und weiter beschäftigt worden sind, ich hingegen kenne über 100 Betriebe, bin seit 9 Jahren fast täglich in den Berufsschulen und meine daher, die Vielfalt der Arbeitswelt recht gut zu kennen. Habe in vielen Bereichen Ausbildungspläne selbst mitverhandelt und überzeuge mich auch vor Ort von der Qualität der einzelnen Betriebe. Ich kann mit der Kritik leben, meine aber, dass die Realität eine andere ist und ich habe durch meine Arbeit und Engagement bewiesen, dass ich kein „Günstling“ bin, sondern ehrlich bemüht bin, den Jugendlichen und Lehrlingen zu helfen.

Funke: Du bist für den Jugendwahlkampf der SPÖ zuständig. Was sind da die Eckpunkte, was sind deine zentralen Forderungen?

Christoph: Der Wahlkampf wird im Wesentlichen zwei Schwerpunkte haben. Das eine ist zu erklären bzw. zu vermitteln, was erreicht wurde, denn im Gegensatz zu anderen, deren Politik ausschließlich aus Hetze und Hass besteht, ist mein Anliegen Jugendlichen zu helfen und deren Probleme zu lösen. Daher ist ein hervorragender Schritt die Ausbildungsgarantie, die es 4500 Jugendlichen in Wien ermöglicht, eine Lehre zu machen, wichtig war auch die Anhebung der Lehrlingsentschädigung für die KollegInnen in den Maßnahmen, wir haben es geschafft die Berufsmatura kostenlos umzusetzen und ich glaube auch, es ist eine tolle Sache, dass wir den Kultur- und Sportverein an den Wiener Berufsschulen haben, der meines Wissens ziemlich einzigartig ist und dessen sozialpädagogisches Personal direkt vor Ort für die Probleme und Anliegen der Lehrlinge zuständig sind und hilft. Auch die neue Wohnungsvergabe für Jugendliche und Lehrlinge ist ein Meilenstein. Wir haben schon einige Erfolge verbuchen können, aber klar ist, dass es auch für die Zukunft entsprechende Programme braucht. Daher sind meine konkreten Anliegen erstens, dass man die Betriebe nicht aus der Verantwortung nimmt. Wir brauchen gut ausgebildete Lehrlinge, daher sollen Betriebe, die nicht ausbilden strafen zahlen, damit Betriebe, die ausbilden, entsprechend unterstützt werden und auch Arbeitsmarktmaßnahmen finanziert werden. Ich möchte auch dass Lehrlinge 50 € mehr im Monat verdienen, 1500 € mindestens vom Praxistest bekommen und die Probezeit gehört wieder auf ein Monat verkürzt, die Behaltefrist auf 6 Monate verlängert und die Lehrlingsstelle muss dringend raus aus der Wirtschaftskammer und in eine eigene unabhängige Stelle umgewandelt werden, damit auch wirklich objektiv untersucht wird, ob die Qualität der Ausbildung in den Betrieben in Ordnung ist. Denn schließlich geht es um Ausbildung und nicht Ausbeutung.

Funke: Es ist sicher nicht nur einfach als SP-Kandidat für Jugendliche verantwortlich zu sein. Wie siehst du dieses Spannungsfeld? Warum sagst du, trotzdem SPÖ wählen?

Christoph: Mein Zugang zur Sozialdemoaktie ist folgender. Historisch betrachtet ist aus der ArbeiterInnenbewegung die Sozialdemokratie und die Gewerkschaft entstanden. Mir ist durchaus klar, dass es in der Vergangenheit Phasen gegeben hat, wo auch ich mir eine andere Richtung, Politik gewünscht hätte, aber aus meiner Sicht ist die Sozialdemokratie die einzige glaubwürdige Partei, die die Interessen der ArbeitnehmerInnen vertritt. Meine Aufgabe sehe ich dafür zu kämpfen, dass die Interessen der Jugendlichen und Lehrlinge innerhalb der Sozialdemokratie so stark vertreten wird, dass unsere Anliegen auch in der konkreten Politik umgesetzt werden. Ich weiß auch, dass es Geschichten gegeben hat, die nicht ganz so großartig gewesen sind – Stichwort Partei und Gewerkschaft – und ich halte es für den richtigen Ansatz innerhalb der Partei für Positionen und Mehrheiten zu kämpfen und sie somit umzusetzen. Und konkret bei den Jugendlichen, vorwiegend bei den Lehrlingen, lautet die Auseinandersetzung „rot versus blau“, und auch da sehe ich eine tolle Entwicklung. Wir hatten bei den Arbeiterkammerwahlen bei den Lehrlingen der Wiener Gemeindebediensteten einen Stimmenanteil der Freiheitlichen von 42%, aber bei den Personalvertretungswahlen vor ein paar Tagen sind sie auf 14% zusammengebrochen, während gleichzeitig die FSG von 46% auf fast 70% zugelegt hat. Die Jugendlichen merken sehr wohl, dass wir uns um sie bemühen, dass wir sie unterstützen wollen und durchaus kämpferisch in der Sache sind, wenn es notwendig ist.

Funke: Wie ist dein Verhältnis zur SPÖ-Linke?

Christoph: Ich finde es sehr in Ordnung und legitim, dass sich GenossInnen und KollegInnen mit ähnlichen Werten und Weltanschauungen koordinieren und gemeinsam überlegen, wohin sich die SPÖ entwickeln soll und wie es auch gelingt, diese Werte und Forderungen umsetzen. Also insofern denke ich mir, je mehr BündnispartnerInnen wir für eine progressive Politik haben umso besser ist es. Ich glaube nur, dass es besser ist, innerhalb der Sozialdemokratie dafür zu kämpfen. Ich halte nichts von Abspaltungen oder eigenen Parteien wie in Deutschland mit SPD und Linke, sondern gemeinsam unsere Anliegen wahrzunehmen und gleichzeitig den wahren Gegner nicht aus der Verantwortung zu nehmen, das sind die Reaktionären und Konservativen und da gilt es einfach gemeinsam zu kämpfen.

Funke: Beim Thema Griechenland ist ja nicht ganz klar wer der Gegner ist, v.a. wenn die Rassismuskeule medial geschürt wird.

Christoph: Eines muss festgehalten werden, dass die Grenzen nicht zwischen den Ländern sondern zwischen arm und reich verlaufen, und da muss man die Wurzel des Übels beim Namen nennen, und das ist der Kapitalismus. Im Übrigen war es eine konservative Regierung, die Griechenland in diese Schuldenfalle geführt hat. Insofern halte ich nichts von diesen rassistischen Bildern, die absolut verwerflich sind, sondern die Frage ist, wie kann man jetzt und unmittelbar helfen und Solidarität üben und gleichzeitig die Lehren daraus zu ziehen. Die Lehre ist: Die Systemfrage zu stellen! Man soll die ganze Krise im Finanz- und Wirtschaftssystem zum Anlass nehmen um für eine radikal andere Politik zu kämpfen. Daher geht es um Demokratisierung der Betriebe und der Wirtschaft, es geht um Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, es geht um die Frage der Verteilungsgerechtigkeit und letztlich auch um horrende ManagerInnengehälter und nicht darum irgendwelche haarsträubenden Bilder von „den GriechInnen“ in den Medien zu entwerfen.

Funke: Wie stehst du zu den angekündigten Sparpaketen und Sozialabbau?

Christoph: Meine Wahrnehmung ist, dass zumindest die Gewerkschaftsbewegung und die Sozialdemokratie sehr deutlich gemacht haben, dass die ArbeitnehmerInnen kein zweites Mal für die Krise zahlen dürfen. Schließlich zahlen ohnehin nicht wenige bereits einen erheblichen Teil aufgrund von Lohnkürzungen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Daher ist erstens die Systemfrage zu stellen, das heißt ein radikaler Wechsel in der Politik und im Wirtschaftssystem und zweitens auch von den Vermögenden und den ProfiteurInnen des Kapitalismus ihren Beitrag zu verlangen. Ich bin für eine Vermögenssteuer, Bankenabgabe, Finanztransaktionssteuer, eine Begrenzung von ManagerInnengehälter und eine Demokratisierung der Betriebe. Also insofern wird der Kampf um Gerechtigkeit vor allem im Herbst ein sehr intensiver werden, damit eben nicht die ArbeitnehmerInnen, die Jugendlichen und die Pensionierten die Zeche dafür zahlen, dass ein System zusammengebrochen ist und ein paar wenige versuchen ein „hiniges“ System am Leben zu erhalten.

Funke: Was sagst du den enttäuschten NichtwählerInnen bzw. denjenigen, die der Partei den Rücken gekehrt haben? Was kannst du ihnen anbieten?

Christoph: Die Sozialdemokratie ist eine vielfältige Partei mit verschiedenen Zugängen. All jene, die eine kantige, klare Politik im Sinne der Lohnabhängigen und Jugendlichen sind, sind herzlich eingeladen mit mir dafür zu kämpfen. Ich würde mich auch um eine Unterstützung bei den Wiener Wahlen freuen. In der SPÖ ist Platz für meine Positionen, und es würde mich freuen, wenn sie durch die Wahlen gestärkt werden. Eine Stimme für mich, ist eine Stimme für die Linke

Funke: Wie können diese Forderungen erreicht werden?

Christoph: Wir brauchen eine Analyse der Situation und müssen dann konkrete Schlüsse ziehen. Und bei aller Kritik an der Sozialdemokratie muss schon festgehalten werden, dass die SPÖ in ihrer Tradition, in ihrem Selbstverständnis nicht die Partei der Vermögenden, der Unternehmen, des Kapitalismus war und ist, sondern immer die Stimme der Lohnabhängigen vertreten hat und den Kampf für soziale Gerechtigkeit geführt hat. Insofern geht es gerade bei der Landtagswahl um die Errungenschaften des „Roten Wien“, und die konkrete Politik die dahinter steht. Ich lade alle ein, die die eine oder andere Kritik an der SPÖ haben, mitzuwirken und mitzugestalten, weil die SPÖ eine demokratische Partei ist, wo jedEr die Möglichkeit hat sich einzubringen und den wahren Gegner, das ist die Reaktion und die Konservativen und die Faschisten, zu bekämpfen. Und insofern ist die Wiener Wahl – pathetisch ausgedrückt- eine Wahl zwischen Gut und Böse. Werden die Superreichen oder die ArbeitnehmerInnen gestärkt. Geht es um Hetze oder konkrete Lösungen. Auch Strache ist ein Lehrlingsverräter - hingegen ich der Lehrlingsvertreter bin - er steht für die Superreichen und Firmenbosse. Das was er mit seiner Hetze macht, ist eine Spaltung der ArbeiterInnenbewegung und das nutzt nur den Firmenbossen. Das zu durchschauen und zu vermitteln, wird unsere gemeinsame Aufgabe sein.

Funke: Dein persönlicher Aufruf? Dein Statement?

Christoph: Yes, we can! Das Zitat von Josef Dallinger: “Nur wer den Mut hat zu träumen, hat auch die Kraft zu kämpfen“, ist wohl in der gegenwärtigen Situation der beste Spruch, den ich kenne. Haben wir den Mut von einer besseren Welt zu träumen und nehmen wir auch daher die Kraft dafür zu kämpfen. Von „nix kommt nix“. Wir müssen für unsere Ziele und Visionen kämpfen. Dazu braucht es eine starke ArbeiterInnenbewegung, dazu braucht es eine starke Sozialdemokratie, damit Wien nicht den Hetzern, den Hasspredigern, den Rechten überlassen wird.

In Anbetracht der Krise sehe ich allgemein eine Gefahr von rechts und die Wiederbelebung des Komapatienten „Neoliberalismus“, und deshalb wünsche ich mir eine starke, internationale ArbeiterInnenbewegung mit klaren Positionen, die ihren Kampf dagegen führt. Dazu gibt es keine Alternative. Wir müssen die Stimme der Lohnabhängigen sein, für Verteilungsgerechtigkeit, für Arbeitszeitverkürzung, für Demokratisierung kämpfen. Wer, wenn nicht wir? Wenn wir diese Auseinandersetzung scheuen und uns als Linke und proletarische Bewegung auseinander dividieren lassen, werden die Rechten die Nutznießer sein. Daher mein Aufruf: besinnen wir uns auf unsere Wurzeln zurück: auf den internationalen Kampf unserer Bewegung für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie!

Anmerkung der Redaktion:
Wir teilen nicht alle Analysen von Genossen Peschek, halten es jedoch für wichtig, in unseren Medien auch andere linken Stimmen in der ArbeiterInnenbewegung zu Wort kommen zu lassen, damit die Diskussion über die Perspektiven unserer Bewegung geführt werden kann.




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