…wird ein Feuer entfachen!

Vorarlberg ist ein Zentrum der österreichischen Industrie. Im Bundesland leben 4% der österreichischen Bevölkerung, es werden aber z.B. 11% der Metallerzeugnisse produziert. Der wichtigste Betrieb in der Vorarlberger Metallbranche ist der Beschlägehersteller Blum, bei dem allein in Vorarlberg über 5000 Menschen beschäftigt sind. Im Oktober fanden Betriebsratswahlen statt. Ein Interview mit dem Arbeiterbetriebsratsmitglied Andy Spechtenhauser.

F: Die Bedingungen in der Vorarlberger Metallindustrie werden immer härter, Schichtarbeit und Wochenendarbeit sind die Norm. Blum wird oft als besserer Arbeitgeber gepriesen. Stimmt das so?


A: In vielen Teilbereichen trifft das zu. Es gibt keinen Börsengang, was wichtig ist. Es ist aber nicht so, dass die Arbeitsweld beim Blum eine Insel der Seligen ist. Der Leistungsdruck steigt, vor allem auch deswegen, weil die Konkurrenz um gut bezahlte Arbeitsplätze enorm ist: Die Leute setzen sich selber unter Druck und geben das Letzte. Nach 10-20 Jahren hat das gesundheitlich oft seine Folgen. An Arbeitsmodellen gibt es alles. Ich komme aus der Schichtarbeit und mache 3er Schicht, es gibt aber auch Bereiche, wo in Gleitzeit gearbeitet wird, aber auch Bereiche wo Viererschicht gemacht wird [vier Schichten, die insgesamt durchgehend 24 Stunden, 7 Tage die Woche arbeiten, Anm.], was insbesondere für ArbeitnehmerInnen mit Familie sehr problematisch ist.

F: Du hast dich entschlossen, eine Alternativliste zur bisherigen Einheitsliste aufzustellen. Wie bist du dazu gekommen, wer war und ist dabei und was hattet ihr für Erfahrungen?

A: Wir sind mit 8 Kandidaten als Liste GLB [Gewerkschaftlicher Linksblock, Anm.] angetreten, hauptsächlich Mitarbeiter aus meinem Umfeld, und alle aus der selben Abteilung. Es war vielleicht ein bisschen naiv zu glauben, dass es ganz normales demokratisches Verständnis ist, uns mit eigener Liste einzubringen. Es ist ein wahnsinniges Tohuwabohu entstanden. Es war fast so, als ob ich dem Betrieb eine Spritze geben wollte (lacht). Es gab Diffamierungen, man hat in den Moscheen erzählt, der GLB ist Schwesterorganisation der KPÖ, und die KPÖ unterstützt die PKK. Es hat massive Einflussnahme gegeben von Seiten mancher Führungskräfte. Meine Kugelschreiber wurden eingesammelt und mit betriebseigenen ersetzt, mein Anhang ist vom schwarzen Brett verschwunden. Aber im Endeffekt hat das glaub ich sogar genutzt, nicht geschadet; viele haben sich gefragt ob man ihnen jetzt schon sagen will was sie zu wählen hätten. Letztendlich haben wir 154 Stimmen und damit komfortabel ein Mandat von 18 im Arbeiterbetriebsrat bekommen.

F: Die Betriebsratswahlen haben zeitnah zu den Verhandlungen des Metaller-Kollektivvertrags (KV) stattgefunden. Wie hast du das als neues Betriebsratsmitglied wahrgenommen?

A: Für uns ist die Frage der Mitarbeiterinformation zentral. Man kann dem Betriebsrat nicht vorwerfen, zu wenig die Interessen der ArbeitnehmerInnen zu vertreten, was er macht ist gut, aber ich habe mir gedacht, dass noch mehr getan werden sollte. Ich bin z.B. der Auffassung, es wäre dringend notwendig vor jeder KV-Verhandlung Betriebsversammlungen abzuhalten, um die Belegschaft zu informieren, um was es überhaupt geht. Sie leidet eindeutig unter Informationsmangel, der Betriebsrat könnte hier sehr viel aktiver sein. Sonst sind die KV-Verhandlungen oft am Betrieb vorbeigegangen, aber dieses Mal war in meinem Umfeld wirklich starkes Interesse da, viele haben nachgefragt: Was heißt jetzt das, was könnte jenes bedeuten? Es hat Gerüchte gegeben, dass das 13. und 14. Gehalt wegfallen könnte, die wahrscheinlich aus den Diskussionen über die Kammerpflichtmitgliedschaft entstanden sind. Es war allein schon dadurch sehr viel Interesse da, dass es eine Wahl gab. Sonst war immer eine Liste da, wo man halt ja sagen konnte.

F: Würdest du auch anderen empfehlen, im Betrieb aktiv zu werden?

A: Würde ich, aber man darf sich nicht einbilden, dass das ungefährlich ist. Viele aus meinem Bekanntenkreis in anderen Betrieben, die etwa versucht haben einen Betriebsrat neu zu gründen, haben deswegen ihren Arbeitsplatz verloren.




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