Klimakrise und Datencenter: Profit oder Zukunft?


Es geht nicht mehr nur darum, den Klimawandel zu verhindern, sondern seine Folgen zu bewältigen. Doch nicht mal dazu ist der Kapitalismus in der Lage. Das neue Datencenter in Kronsdorf, Oberösterreich, ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass die Profitwirtschaft die Hauptbedrohung für das Fortbestehen der Menschheit ist. Von Valentin Starlinger
Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Gegenüber der vorindustriellen Zeit schon um 2,5 °C, fast doppelt so stark wie die 1,4°C im globalen Durchschnitt. Die Folgen sind längst Alltag: Dürren, Wasserknappheit, überhitzte Wohnungen, Ernteausfälle und Überschwemmungen. Was notwendig wäre, ist bekannt: Dämmung, Beschattung, effiziente Kühlung, großflächige Entsiegelung und Renaturierung. Nichts davon ist Zukunftstechnologie, aber es wird trotzdem nicht im notwendigen Umfang gemacht. Denn im Kapitalismus entscheidet nicht der gesellschaftliche Bedarf, sondern die erwartete Rendite.
Stattdessen wird etwa in Kronstorf bei Linz von Google ein neues Datencenter gebaut. Im Endausbau soll es mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte in Oberösterreich zusammen und täglich bis zu 5,8 Millionen Liter Grundwasser zur Kühlung verwenden.
Dieser Wasserverbrauch, der die Enns weiter erwärmt, wäre gar nicht nötig. Aber ein geschlossener Kühlkreislauf ist teurer und wird deshalb nicht gemacht.
Da es keine Umweltverträglichkeitsprüfung gab, wissen wir nicht, welche Auswirkungen der Bau und Betrieb haben werden, aber die Folgen spürt die Bevölkerung, nicht die Aktionäre, die sich die Profite einstreichen. Man kann nur kontrollieren, was man auch besitzt. Und Österreichs Grund, Banken und Konzerne gehören nicht uns allen, sondern einer kleinen Elite, die damit ihre Profite maximiert.
In Kronstorf und in den Dutzenden anderen Orten, wo aktuell Rechenzentren geplant werden, regt sich bereits Widerstand. Wir unterstützen das und fordern: Alle Verträge und Gutachten müssen offengelegt und alle Großprojekte gestoppt werden, bis geklärt ist, ob sie umweltverträglich sind. Anrainer und Beschäftigte müssen die Auflagen selbst prüfen können, durch Kontrollorgane, die den Namen verdienen.
Darüber hinaus braucht es Investitionen in hitzefeste Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Wohnungen statt in Aufrüstung.
Netze, Kraftwerke und die großen Energieverbraucher müssen entschädigungslos enteignet und unter die Kontrolle der Beschäftigten gestellt werden. So kann sichergestellt werden, dass der Energieverbrauch zum Nutzen der Allgemeinheit ist.
Künstliche Intelligenz darf nicht für Krieg, Überwachung und Arbeitsintensivierung genutzt werden, sondern um unser Leben zu verbessern und die Arbeitszeit zu reduzieren. Dafür müssen wir die Tech-Bros enteignen.
Nur eine demokratisch kontrollierte Planwirtschaft wird es uns ermöglichen, unsere Ressourcen so einzusetzen, dass die Klimakrise überlebbar wird.
(Funke Nr. 246/03.09.2026)