SWÖ-Abschluss: Lehrreiche Nachdebatte in der Steiermark


Betriebsräte im steirischen Sozialbereich trafen sich am Tag nach der letzten KV-Runde in der Gewerkschaft – eigentlich zur Koordinierung weiterer Kampfmaßnahmen –, doch der Abschluss wurde bereits über Nacht fixiert. Wir nutzten die Zeit für eine ehrliche Manöverkritik. Trotz großer Kampfbereitschaft kam ein schlechter Abschluss zustande. Warum? Und was folgt daraus? Von Martin Fritzenwanker-Barmüller, Betriebsrat im Sozialbereich
Allen war klar: Die Angriffe auf unseren Lebensstandard und unsere Arbeitsbedingungen werden weitergehen. Wir beschlossen daher, uns schon jetzt auf kommende Kämpfe vorzubereiten.
Vier Wochen später trafen wir uns erneut. Diesmal deutlich mehr als üblich. Ziel war ein Austausch über „Werkzeuge“ für eine bessere Mobilisierung und Vernetzung untereinander für künftige Streiks. Denn Niederlagen können überwunden werden, wenn wir daraus lernen und uns organisieren.
Als wir konkrete betriebsübergreifende Vernetzungsschritte beschließen wollten, kam der Einwand eines GPA-Funktionärs: Obwohl deutlich mehr als üblich, seien trotzdem viele Betriebsräte nicht da, daher könne man nichts entscheiden. Womit ein solches Argument gedeckt ist, blieb unklar. Schließlich sind wir alles erwachsene Menschen. Die Antwort der Kolleginnen lautete jedenfalls: „Dann machen wir eben eine bereichsweite Streikschulung, die durch Bildungsfreistellung breitere Teilnahme ermöglicht.“ Diese ist in Vorbereitung.
Für mich zeigt das: Es gibt eine kritische Masse an Betriebsrätinnen in unserem Bereich, die die Gewerkschaft zum Kampfinstrument umfunktionieren wollen. Dafür braucht es freie Debatte und bindende Abstimmungen statt Bürokratie, Vernetzung und Mobilisierung statt Stellvertreterpolitik.
Ich bin Kommunist und mir ist klar: Auch erfolgreiche Kämpfe um Arbeitslohn und -bedingungen bleiben notwendigerweise begrenzt, solange wir nur Wirkungen statt Ursachen bekämpfen, solange man nur „Palliativmittel anwendet, die das Übel nicht kurieren“ (Marx 1865 in Lohn, Preis, Profit‘). Kurz: Solange unsere Arbeit dem Profitsystem untergeordnet ist.
Aber ungeachtet der Begrenztheit von gewerkschaftlicher Interessensvertretung unter Profitbedingungen: Wir Beschäftigten müssen solidarische Beziehungen untereinander anstreben, uns austauschen und uns gegenseitig stärken. Wir müssen streikfähig sein, um nicht alles akzeptieren zu müssen.
(Funke Nr. 242/24.03.2026)