Nein zu Wiederkehrs Lehrplanverdummung – qualitative Bildung für alle!


Die große Schulreform von Bildungsminister Wiederkehr hat begonnen. Den Anfang machen die Gymnasien, deren Lehrplan mit dem Schuljahr 2027/28 „entrümpelt“ wird. Von Lukas Frank
Konkret: Latein wird in der Oberstufe von 12 auf 8 Gesamtwochenstunden gekürzt, um Platz für die Fächer „Demokratie und Medienkunde“ sowie „Informatik und KI“ zu machen. An Schulen mit weniger Latein werden lebende Fremdsprachen Federn lassen müssen. Noch nicht fix ist Wiederkehrs Unterstufenfach Naturwissenschaft, das Chemie, Biologie und Physik zusammenmatscht.
Unterstützung bekommt er von den Neos und der Industriellenvereinigung. Protest gibt es von der zurückgetretenen Latein-Lehrplankommission, von Lehrergewerkschaftern und Teilen der ÖVP, genauso wie von der Kultur- und Wissenschaftselite. Diese hält in einem offenen Brief fest, dass „die humanistische Bildung, die den Blick über Jahrtausende der Geistesgeschichte ermöglicht“ damit „einen unverzichtbaren Beitrag zur Heranbildung mündiger, selbst denkender Staatsbürger:innen“ leistet.
Es ist vollkommen korrekt, dass Wiederkehrs Politik auf eine Verdummung des öffentlichen Gymnasialunterrichts hinausläuft. Dieser Trend hat aber schon lange vor ihm begonnen. Die berüchtigte Zentralmatura ersetzte beispielsweise die Literaturkunde im Deutschunterricht durch das Auswendiglernen formaler Textsorten.
Das ist nicht primär eine Folge von Einsparungen. De facto sind Klassengrößen, Anzahl der Lehrer sowie die Finanzierung pro Schüler seit Jahrzehnten konstant. Schleichende Kürzungen wurden durch das Auspressen des Lehrpersonals und die Entprofessionalisierung des Berufes kompensiert. Treiber der Verdummung sind die Bürgerlichen, die verstanden haben, dass das Gymnasium von einer Bildungseinrichtung der Elite zu einer Bildungseinrichtung der Massen geworden ist. So ist seit 1950 der Anteil jener, die eine weiterführende Schule besuchen, von 15 % auf 50 % aller Schüler gestiegen, bei AHSen von 5 % auf 20 %.
Bildung für die Massen läuft im Kapitalismus immer darauf hinaus, Arbeiterkinder für den Arbeitsmarkt herzurichten bzw. für ein Massenstudium fit zu machen. Ein Mindestmaß an Lesen, Rechnen und Schreiben genügt. Es soll abgestumpft, mundtot und gehorsam gemacht werden. Oder in den Worten Wiederkehrs: „Unsere Demokratie ist unter Druck durch Propaganda, und wir brauchen kritische, mündige Jugendliche.“
Literatur, Philosophie, Geschichte und Kunst sind hingegen mächtige politische Waffen, die nur den Herrschenden vorbehalten sein sollen – daher der Trend zu Privatschulen und Elitegymnasien.
Kommunisten sagen: Den Kindern aller Schichten muss der Zugang zu Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technik ermöglicht werden. Schulen brauchen viel mehr Ressourcen, um das real leisten zu können. Für eine vollfinanzierte öffentliche Gesamtschule, die jedes Kind zu einem denkenden und handelnden Menschen erzieht.
(Funke Nr. 242/24.03.2026)