Die Stimme von Hind Rajab – Zeugen des Völkermords


„Es geht ein Gespenst um in den Kinos – das Gespenst von Hind Rajab“ – so kommentiert die Presse eine „Pro-Palästina-Filmwelle“. Die Herrschenden haben den Genozid an den Palästinensern über zwei Jahre ignoriert. Da nun Filme darüber ins Kino kommen, tun sie so, als wäre das ein Trend. Von Toni Knežević
Eine Familie flüchtet mit dem Auto aus Gaza-Stadt und wird von der israelischen Armee (IDF) erschossen. Die einzige Überlebende ist ein fünfjähriges Mädchen, Hind Rajab, die mit dem Notruf telefoniert, während die IDF die Umgebung verwüsten. Vor dem Hintergrund der echten Stimme des Mädchens führt der Film Die Stimme von Hind Rajab dem Zuseher die Realität der Verbrechen der IDF greifbar vor Augen. Im Konflikt mit den Mühlen der Bürokratie versuchen Freiwillige, eine Rettung zu organisieren. Ihr Gefühl von Ohnmacht und Wut springt direkt auf den Zuseher über. Nach drei Stunden Verhandlung gestatten die IDF dem Roten Halbmond, einen Krankenwagen zu schicken, der bei seiner Ankunft jedoch von einem Panzer vernichtet wird. Das zeigt, dass Verhandeln mit den IDF dem Gespräch zwischen Nacken und Schwert gleicht. Erst zwölf Tage nach dem Anruf erfahren wir vom Mord an Hind und den zwei Sanitätern.
Das ist kein Film, den man sich gemütlich im Kino anschaut. Die Stimme eines ängstlichen fünfjährigen Mädchens, das sich neben den Leichen seiner Familie versteckt, macht uns zu Zeugen des Genozids in Gaza, der barbarischen Wirklichkeit des israelischen Imperialismus.
Der Film hätte am 6. Jänner bei einer Soli-Veranstaltung an der Birzeit-Universität im Westjordanland gezeigt werden sollen. Die IDF beschoss die Versammlung – etwa ein Dutzend Personen wurden verwundet. Die Rechtfertigung? Man habe Informationen zu einer pro-terroristischen Versammlung erhalten. Hinter dieser zynischen Fassade steckt die Fratze systematischer Unterdrückung. Das Ziel? Die Palästinenser demoralisieren und organisierten Widerstand im Keim ersticken.
Der Geist Hind Rajabs Stimme schaffte es auch nach Wien, wo das Filmcasino die Österreichpremiere zeigte, die mit einer Podiumsdiskussion schloss. Mit dabei war ein Professor der Al-Azhar-Uni in Gaza und eine Ärztin ohne Grenzen.
Die Stimmung war zunächst gedrückt durch den Schock des Films, doch die Empörung des Publikums fand in der Diskussion Ausdruck im Willen zur Tat: „Was können wir tun?“, „Wie können wir helfen?“ – doch für viele sind die Antworten „Erhebt eure Stimme“ und „Boykott“ ungenügend. Das spiegelt eine suchende Stimmung der jetzigen Palästina-Bewegung wider.
Um Durchblick zu erlangen, braucht es eine klare Perspektive. Als RKP-Genossen brachten wir unsere Ideen zusammen mit der Funke-Zeitung und der Broschüre „Israel, Palästina: Ein revolutionärer Weg nach vorn“ ein. Im Austausch fanden wir einigen Anklang für unsere revolutionäre Lösung.
Trotz des Waffenstillstands geht die Unterdrückung weiter. Nur die Arbeiterklasse kann sie beenden, indem sie mit einer Planwirtschaft die materielle Grundlage der Befreiung aller Völker des Nahen Ostens schafft. Die bürgerlichen Kommentatoren der Presse kamen der Lösung unfreiwillig nahe, als sie das Kommunistische Manifest paraphrasierten: Nur das Gespenst des Kommunismus kann die Barbarei und die Zensur gegen die Unterdrückten aus der Welt fegen!
(Funke Nr. 241/19.02.2026)