Italien. Mangels Unterstützung der Gewerkschaftsspitzen nehmen Betriebsräte aus dem Transport- und Logistiksektor den Kampf um einen besseren Kollektivvertrag selber in die Hand. Von Gernot Trausmuth.

 

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Die Vorweihnachtszeit bedeutet in der Paketzustellbranche vollen Stress. Zu keiner anderen Jahreszeit werden so viele Pakete transportiert und zugestellt. Aus den KollegInnen wird dann das Letzte herausgeholt, was sie an Energie haben. Umgekehrt ist genau das der Zeitpunkt, wo die Belegschaften den Unternehmern ökonomisch wirklich weh tun können.
Mit diesem Bewusstsein sind die Betriebsräte von UPS Italien in die Vorbereitungen für die heurige Kollektivvertragsauseinandersetzung gegangen. In diesem Betrieb haben die GenossInnen der IMT seit Jahren eine führende Stellung im Betriebsrat inne. Ihre kämpferische Betriebsarbeit wird auch in vielen anderen Betrieben der Branche als beispielgebend gesehen.
Ausgehend vom Kampf gegen Verschlechterungen bei der eigenen Betriebsvereinbarung und gegen die Spaltung der UPS-Belegschaft in Stammbelegschaft und Kollegen, die als Scheinselbständige arbeiten, ging der Betriebsrat an die Ausarbeitung eines Forderungskatalogs für die KV-Runde. In einem ersten Schritt wurde die Gewerkschaftsführung kontaktiert, damit sie den Kampf bei UPS unterstützt und auf andere Betriebe, wo aufgrund von Auslagerungsstrategien die gleichen Probleme herrschen, ausweitet. Die Antwort war jedoch gleich null. An diesem Punkt haben die GenossInnen entschieden das Ding selbst in die Hand zu nehmen.
Viele Diskussionen mit KollegInnen aus anderen Betrieben folgten. Erfahrungen wurden ausgetauscht, es wurde über konkrete Probleme und Ängste diskutiert, und so wurde Schritt für Schritt ein gemeinsames Programm ausgearbeitet. Höhepunkt dieses Prozesses war ein sehr erfolgreiches, selbstorganisiertes Vernetzungstreffen mit KollegInnen aus diversen Transport- und Logistikbetrieben, das Ende November in Bologna stattfand.
Die zentralen Forderungen der Basisinitiative lauten:

Gleichstellung von Stammbelegschaften und den KollegInnen, die als Scheinselbständige arbeiten müssen.

Für das Recht auf bezahlten Urlaub und Krankenstand.

Schluss mit Strafzahlungen auf dem Rücken der KollegInnen.

Für bessere Sicherheits- und Gesundheitsvorkehrungen für alle KollegInnen von der Call Center-Angestellten über die LagerarbeiterInnen bis zu den Fahrern.

Die KollegInnen haben auch schon erste Kampfmaßnahmen gesetzt. Bei UPS in Mailand gab es eine einstündige Blockade der Werkszufahrt. Bei SDA Latina haben die Fahrer gegen die enorme Arbeitsbelastung gestreikt.
Das wichtigste ist aber, dass die Basis für eine Einheitsfront aller Beschäftigten in dem Sektor, unabhängig von der konkreten Form ihres Beschäftigungsverhältnisses und unabhängig von ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit, im Kampf für höhere Löhne und gleiche Rechte für alle KollegInnen gelegt wurde.


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