Trotz steigender Inflation und hohen Produktivitätszuwächsen macht die Gewerkschaft keine Anzeichen für eine heiße Lohnrunde. So ist zu befürchten, dass wir auch im kommenden Jahr wieder real weniger im Börserl haben.

 

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Die Reallöhne sind seit 2008 durchgehend und in jeder Sparte rückläufig. Die Inflation hat die an sich schon schwachen KV-Erhöhungen der letzten Jahre schlicht aufgefressen. Die Inflationsrate betrug im Juni im Jahresabstand 3,5% und liegt damit im europäischen Spitzenfeld. Doch die alltäglichen Ausgaben einer durchschnittlichen Familie sind noch stärker vom Preisanstieg betroffen. Die Arbeitkammer hat erhoben, was man bei jedem Einkauf selbst erlebt: „Im März kostete der Einkaufskorb mit preiswertesten Produkten noch durchschnittlich 47,76 Euro, im Juni 51,69 Euro – das ist um 8,2 Prozent mehr in nur drei Monaten.“

Davon wollen die Unternehmer nichts wissen. Sie gehen von einer Jahresinflation von „unter drei Prozent“ aus. Sie verweisen darauf, dass in Deutschland das Wirtschaftswachstum stagniert und mahnen daher zur Vorsicht. Hinteregger, der Verhandlungsführer der Metallarbeitgeber, plädiert daher für eine Abgeltung seiner Inflationsberechnung und Einmalzahlungen je nach Betriebserfolg. Diese Aussagen deuten darauf hin, dass die Unternehmer mit einem Ergebnis zwischen 3 und 3,5% Lohnerhöhung rechnen.

Während ÖGB-Präsident Foglar den sommerlichen Schlagabtausch im Vorfeld der Verhandlungen als „übliche Vormusik“ abtat und sich nur entlocken lässt, dass er sich einen „Abschluss über der Inflationsrate“ und „eine gute Lohnrunde“ erwarte, sind die Verhandlungsspitzen der Fachgewerkschaften etwas näher an der Realität. Wimmer, Katzian und Proyer fordern „ordentliche“ Erhöhungen und lassen durchblicken, dass sie sich an der „Benya-Formel“ (Lohnerhöhung = Inflation plus die Hälfte des Produktivitätsgewinnes) orientieren.

Die Produktivität in der Metallindustrie hat sich noch rasanter entwickelt. Die Statistik Austria berechnet, dass sich der Produktivitätszuwachs der Metall- und Metallverarbeitenden Industrie im Vergleichszeitraum Jänner bis Mai von 2010 auf 2011 um 11,3 Prozentpunkte erhöht hat. Das heißt, MetallarbeiterInnen produzieren heute durchschnittlich in der gleichen Zeit 11,3 Prozent mehr Rohstahl, Eisenbahnschienen, Motoren, Kessel etc. als noch vor einem Jahr. Nach Anton Benya stehe davon die Hälfte den Beschäftigten zu – mehr nicht, weil wir ja sonst die Kuh schlachten würden, die wir melken wollen. Nach Anton Benya sollten die Metallerlöhne heuer also um mehr als 8% steigen.

Eine derartige Lohnsteigerung wäre für die Unternehmen mehr als finanzierbar. 2009 zogen sie aus ihren Betrieben 2,2 Mrd. Euro an Gewinnen, nur ein Viertel dieser Summe wurde reinvestiert. Lohnzurückhaltung bedeutet höhere Profite, die auf den Spekulationsmärkten angelegt werden. So sehr die Unternehmer auch jammern, die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Eine solche Erhöhung wäre den UnternehmerInnen nur abzuringen, wenn die Gewerkschaft auf Kampfmaßnahmen setzen würde. Doch danach sieht es nicht aus. Letztes Jahr um diese Zeit wurden bereits interne Streikseminare abgehalten, Mobilisierungspläne gewälzt. Heuer setzt die Gewerkschaft wieder auf die sozialpartnerschaftliche Logik.

Die Zurückhaltung bei Lohnforderungen gehört zum Selbstverständnis der Gewerkschaft. Die Benya-Formel ist in Zeiten von Krise und Hyperausbeutung der Arbeitenden ein Relikt wie eine Traditionsfahne, die jede lebendige Bedeutung verloren hat, und im Rahmen der Sozialpartnerschaft nicht mehr durchzusetzen.

Dazu kommt noch, dass die Gewerkschaft heftige Strukturprobleme hat. Die betrieblichen Öffnungsklauseln im KV der letzten Jahre bevorzugen Großbetriebe und ihre Betriebskaiser. 16 von 100 Mitgliedern des großen Verhandlungsteams werden allein von der VOEST gestellt. Der VOEST-Betriebsrat tut sich nicht schwer, für seine Belegschaft auf betrieblicher Ebene Extra-Zuckerln auszuverhandeln. Einerseits wegen seiner Stärke, andererseits weil die Sonderzahlungen in Form von Aktien in die MitarbeiterInnenvorsorge fließen und damit den Aktienkurs des Unternehmens stützen. In den hunderten Klein- und Mittelbetrieben tun sich die Betriebsräte aber immer schwerer. Sie sind auf gewerkschaftliche Solidarität angewiesen, eine Solidarität, die immer schwächer wird. Dies unterminiert auch die Kampfkraft der Belegschaften dieser Betriebe. Bereits in der letztjährigen Lohnrunde wurde deutlich, dass in der einst stolzen Gewerkschaftshochburg Metallindustrie die Regimenter bröckeln. Nur in etwa der Hälfte der Betriebe wurden die geplanten Stehungen durchgeführt. Wichtiger Faktor dabei ist die Leiharbeit, die die Belegschaften spaltet.

Es ist höchst an der Zeit, dass sich jene KollegInnen, die die Notwendigkeit einer kämpferischen Gewerkschaftsbewegung sehen, zusammenschließen und für einen Bruch mit der Sozialpartnerschaftslogik kämpfen.

Unser Korrespondent aus der Metallindustrie


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