Uns erreichte folgender Leserbrief über die Zustände in einem Fartendienst-Unternehmen für Menschen mit Behinderung.

 

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Nach ein paar Monaten als geringfügiger Beifahrer bei einem Fahrtendienst für Kinder und Menschen mit Behinderung habe ich gekündigt. Im Dienstvertrag steht etwas von Erste Hilfe leisten, auf der Firmenhomepage steht etwas von bestens ausgebildetem Personal, aber außer einer Minieinschulung gab es in dem Unternehmen nichts, das die im Dienstvertrag stehende Anforderung an das Personal, oder die Selbstbeschreibung auf der Homepage aus meiner Sicht rechtfertigen würde. Auf eine Nachfrage, ob noch Schulungen erfolgen werden, kam bis heute keine Antwort, ebenso wie auf einige andere E-Mails bzgl. Arbeitsabläufen und anderen Unklarheiten. Die FahrerInnen sind schon im Normalbetrieb Stress ausgesetzt, werden durch den Zeitdruck indirekt dazu ermuntert, während dem Fahren dienstliche Telefonate zu führen (BeifahrerInnen haben keine Firmenhandys und auch keine Namens- und Telefonlisten der KundInnen), und müssen für die Parkkosten von Firmenfahrzeugen selbst aufkommen.

In der Firma herrscht wegen dieser Bedingungen ohnehin ein ständiges Kommen und Gehen von Werktätigen. Zahlreiche FahrerInnen haben gekündigt, oder sich krankschreiben lassen, weil sie allesamt bei der Kurzarbeit betrogen werden. 90% Kurzarbeit sind für die FahrerInnen de facto 110% Vollzeitarbeit bei schlechterer Bezahlung. Wie der Funke zu meiner Freude bereits angemerkt hat (siehe „Money for Nothing" Funke Nr. 189), stoßen sich durch derlei Praktiken zahlreiche Firmen gesund, denn die (den MitarbeiterInnen teilweise aufgenötigte) „Kurzarbeit" wird bekanntlich vom AMS finanziert. Somit sparen sich die Unternehmen einen Großteil ihrer Ausgaben. Wenn die dann auch noch Umsatzersatz bekommen und ihren Betrieb dennoch weiterführen, bleibt den EigentümerInnen der Unternehmen viel Geld in den eigenen Taschen.

Bei dem Fahrtendienst fahren insgesamt weniger KundInnen wegen der Pandemie, aber die Anzahl der transportierten Personen pro Wagen sind großteils unverändert. KundInnen, die wegen ihrer Behinderung keinen MNS (Mund-Nasen-Schutz) tragen können, werden in genauso vollen Fahrzeugen transportiert, wie vor der Pandemie, zusammen mit ungetesteten und ständig wechselnden FahrerInnen, BeifahrerInnen und KundInnen, die zu unterschiedlichen Instituten gebracht werden. Es gilt zwar Maskenpflicht in allen Fahrzeugen, aber in manchen gibt es wegen der normalen Auslastung (tlw. Vollbesetzung aller Plätze) keinen Mindestabstand zwischen den InsassInnen. Auf der Homepage der WKO kann man nachlesen, dass für solche Fahrtendienste andere Coronaregeln gelten, als für andere Unternehmen.

Ob das Coronavirus das auch weiß?

All das und andere Kleinigkeiten waren für mich keine Kündigungsgründe. Finanziell war ich von keinen Schmälerungen betroffen, von den Arbeitszeiten war alles konform mit dem Dienstvertrag und, dass man in gewissen Berufen einem höheren Risiko ausgesetzt ist, nehme ich in Kauf. Geringfügige werden nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern gekündigt, oder behalten. Die Dienstverträge erlauben eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit bei unveränderten Löhnen.

Gereicht hat es mir aber, als sich etwas anderes zugetragen hat:

EinE Kunde/Kundin, der/die keinen MNS tragen kann, hustet während der Fahrt mehrfach und niest auch ein paarmal. Zuerst sage ich beim Ankunftsort dem Institut Bescheid und frage, ob die dort Schnelltests durchführen. Antwort: Nein. Ich solle mich aber an die Erziehungsberechtigten des/der Kunden/Kundin wenden. Das tat ich nicht. Ich wandte mich via Telefon an die Firma und sagte, dass ich mir wünschen würde, dass für hustende KundInnen zukünftig ein negativer Coronatest vorgelegt werden müsse, oder man die Fahrt verweigern solle, da dies sonst allgemeingefährdendes Verhalten wäre (Entstehung neuer Infektionsketten) und, dass ich mich an die AK wenden werde, falls nichts in der Richtung geschehen sollte. Während diesem Telefonat wurden keine weiteren Informationen mehr ausgetauscht.

Vom nächsten Arbeitstag an wurde ich einfach auf andere Touren geschickt und bin mit meinem/meiner StammfahrerIn seitdem nie wieder gefahren. Ich rief meineN StammfahrerIn an, und habe gefragt, ob der/die hustende Kunde/Kundin ohne MNS nach wie vor transportiert wird. Antwort: Ja. Also alles unverändert. Eine Woche nach dem Telefonat mit der Firma habe ich noch immer keine Rückmeldung bzgl. meines Anliegens erhalten. Eine Korrespondenz mit der AK wurde von meiner Seite bereits aufgenommen. Die Bearbeitung meiner langen und ausführlichen Anfrage ist noch ausständig. Aus Sorge um meine Sicherheit habe ich gekündigt.

(Funke Nr. 190/20.1.2021)


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