…wird ein Feuer entfachen!


Der Sommer brachte Österreich eine noch nie gesehene Hitzewelle. Bei Temperaturen um die 35 Grad den ganzen Tag am Feld oder im Glashaus arbeiten zu müssen, ist der reinste Wahnsinn. Schon jetzt ist die Ausbeutung von ErntearbeiterInnen hierzulande - vorwiegend migrantische, saisonale Arbeitskräfte - himmelschreiend. Von Gernot Trausmuth und Sónia Melo

Die Arbeitszeiten betragen nicht selten 13 Stunden am Tag bei einer Sieben-Tage-Woche. Zu hohe, nicht kollektivvertragskonforme Abzüge für Kost und Logis sind an der Tagesordnung. In vielen Betrieben werden die ArbeiterInnen um das 13. und 14. Gehalt geprellt. Nicht selten werden Zuschläge als Prämien ausbezahlt.

Mit einer neuen Novelle zum Landarbeitergesetz will die Landwirtschaftskammer (LK) diese illegalen Praktiken offensichtlich legalisieren. Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Beschäftigten in der Landwirtschaft (ErntehelferInnen, aber z.B. auch die ArbeiterInnen in den Lagerhäusern) durch eine Ermächtigung im Kollektivvertrag die Sonderzahlungen (13./14. Monatsgehalt) gestrichen werden können. Als Ersatz würden sie eine Prämie bekommen, die die Betriebe willkürlich festsetzen könnten. Der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche wären dann in der Landwirtschaft Normalzustand. Eine Möglichkeit, Überstunden abzulehnen, gibt es dann nicht mehr. Die von der Bundesregierung durchgepeitschten Verschlechterungen bei der Arbeitszeit würden in der Landwirtschaft also auf die Spitze getrieben.

Auch das Zustandekommen dieses Gesetzesvorschlags spricht Bände über die Geisteshaltung der LK-Spitze. Seit mehr als einem Jahr wird intensiv an dieser Novelle verhandelt. Von Anfang haben die Bauernvertreter versucht, Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge zu beseitigen. Außerdem wollten sie eine Ausnahme von der Sozialversicherung für alle kurzfristig beschäftigten ArbeiterInnen. Diese Verhandlungen scheiterten jedoch letztlich. Als Schwarz-Blau den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche ankündigte, fühlten sich die Bauernvertreter ihrer Sache aber sicher. An Verhandlungen mit der Gewerkschaft zur LAG-Novelle war die LK nun nicht mehr interessiert und präsentierte gemeinsam mit der Landarbeiterkammer den neuen Gesetzesvorschlag mit den genannten Verschlechterungen. Die zuständige Fachgewerkschaft PRO-GE wurde gar nicht mehr eingeladen und vor vollendete Tatsachen gestellt. In dieser Branche ist somit der letzte Anschein von Sozialpartnerschaft beseitigt.

Der einzige Weg liegt im Aufbau einer starken, kämpferischen Gewerkschaftsorganisation der ErntearbeiterInnen. Genau das ist das Ziel der Sezonieri-Kampagne, die regelmäßig ErntearbeiterInnen informiert und unterstützt. Die Verhinderung der drohenden LAG-Novelle durch Protestaktionen wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Es braucht dafür eine Solidarität über die Branche hinaus. Daran führt kein Weg vorbei.

(Funke Nr. 166/August 2018)




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