Ganz im Zeichen der Arabischen Revolution stand das diesjährige internationale Seminar der Sozialistischen Jugend Vorarlberg. Ein Bericht von Kurt Bührle.

 

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Gemeinsam mit verschiedenen Schweizer JUSO-Gruppen (Winterthur, Basel, Aargau, Zürich, Thurgau) veranstaltete die Sozialistische Jugend Vorarlberg am 29./30. Jänner ihr 3. Marx-Seminar. Insgesamt 100 TeilnehmerInnen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich durften wir im Jugendgästehaus in Bregenz begrüßen. Bereits bei der Eröffnung am Samstag Morgen um 10:00 waren 70 GenossInnen im Großen Saal des Jugendgästehauses versammelt.

Kurt Bührle, Sekretär der SJV, und Benni Brunner, Vorsitzender der SJV, hielten in ihren Begrüßungsworten fest, dass dieses Seminar der Startschuss für die Zusammenarbeit der MarxistInnen über die Grenzen hinweg sein müsse, dass zwar in den Ländern rund um den Bodensee die politische Lage nicht nach Revolution oder Klassenkampf aussehe, unsere Augen in diesen Tagen aber auf die arabische Welt gerichtet sein müssen. Dort herrschen Diktatoren seit Jahrzehnten mit eiserner Faust, niemandem wäre noch vor einem halben Jahr in den Sinn gekommen, dass diese in einem beispiellosen revolutionären Sturm untergehen werden.
Dies sei auch für uns eine Warnung, wir dürfen uns von der oberflächlichen Ruhe in unseren Ländern nicht täuschen lassen und müssen die Ideen des Marxismus in der Arbeiterklasse verankern.

Ebenfalls Grußworte entrichtete der Landesvorsitzende der SPÖ Vorarlberg, Michael Ritsch, der sichtlich erfreut war, dass in diesem schwierigen Umfeld des konservativen Bodenseeraums so viele GenossInnen auf einer Veranstaltung der Sozialistischen Jugend sind.

Nach der Bekanntgabe der technischen Details begaben sich die TeilnehmerInnen nun zu den ersten 4 der insgesamt 15 Workshops. Diese waren von hitzigen Diskussionen genauso geprägt wie von wichtigen Lehren für unsere alltägliche politische Arbeit.

Am Abend näherte sich das Seminar dann schon seinem ersten Höhepunkt. Um 19:00 versammelten sich die inzwischen 90 TeilnehmerInnen vor der Jugendherberge, bewaffnet mit Dutzenden roten Fahnen und einem Transparent: „Hoch lebe die arabische Revolution“. So startete die internationale Demonstration in Solidarität mit der arabischen Revolution durch Bregenz.

Unter revolutionären Sprechchören schritten wir langsam von der Bahnhofsgegend in das Vorkloster, das Bregenzer Arbeiterviertel. Bereits zu Anfang, wir kamen gerade bei einer Moschee vorbei, wurden wir mit Klatschen und Jubel empfangen. Dieses Bild zog sich bis zum Ziel der Demonstration, dem Saal des ÖGB. Einige Jugendliche schlossen sich uns von der Straße weg an, schwenkten die roten Fahnen der SJ und stimmten mit uns „Hoch die internationale Solidarität“ an!

Hier wurde klar, dass die Bewegung in der arabischen Welt eine Wirkung bis in die Arbeiterklasse Europas hat.
Bei der anschließenden Kundgebung betonten die Redner ebenfalls, dass es von enormer Bedeutung sei die Kunde der Revolution zu verbreiten, ihre Bedeutung für die Arbeiterklasse der Welt darzulegen und die entsprechenden Lehren zu ziehen. Gleichzeitig müssten aber auch wir unseren Beitrag leisten, dass die Revolution nicht bei „demokratischen“ Etappen halt mache. Was die Bevölkerung, die Jugend, die Arbeiterklasse in Tunesien, Ägypten usw. braucht ist eine sozialistische Perspektive. Deshalb sei es nötig auch die Arbeit der MarxistInnen rund um Marxy.com zu unterstützen. Unter großem Beifall wurde zur direkten Solidarität mit der arabischen Revolution aufgerufen. Wir entschieden uns die Einnahmen aus der anschließenden Party eben diesem Zweck zu widmen.

Entsprechend festlich wurde die Party dann auch. Nicht nur, dass weiter diskutiert und sich ausgetauscht wurde, ganze 300 € für die arabischsprachige Homepage der Internationalen Marxistischen Tendenz (IMT) konnten eingenommen werden.

Sonntags wurde klar, dass wir insgesamt mehr als 100 TeilnehmerInnen auf dem Seminar hatten (wenn auch nicht alle das gesamte Seminar über teilnehmen konnten). Nach 2 Jahren, in denen wir zuerst 20, dann 40 (bereits mit Schweizer Beteiligung) TeilnehmerInnen begrüßen durften, gehört das Marx-Seminar nun bereits zu den größten Seminaren der Sozialistischen Jugend.


Nach der ersten Workshop-Einheit fand dann ein Plenum in Solidarität mit der Arabischen Revolution statt. Manuel Reichetseder von der SJ9 in Wien referierte über die neuesten Entwicklungen in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern. Anschließend wurde eine Resolution unter dem Titel „Solidarität mit den HimmelsstürmerInnen in der arabischen Welt!“ einstimmig verabschiedet. (siehe unten) und zum Spenden für Marxy.com aufgerufen. Ganze 500€ an Spenden konnten im Laufe des Seminars gesammelt werden!

Nach den letzten Workshops, viele TeilnehmerInnen mussten aufgrund der langen Wegstrecken leider schon heimfahren, fand dann die Verabschiedung inklusive Arbeiterliedersingen statt.
Dort waren sich alle einig: Das Seminar war ein voller Erfolg - das nächste wird noch besser werden!


Solidaritätsresolution:
Solidarität mit den HimmelsstürmerInnen in der arabischen Welt!


Die Nachrichten über die Revolutionen in Tunesien und Ägypten sind eine Inspiration für alle Menschen, die einen Ausweg aus Ausbeutung, Armut und Unterdrückung suchen. Kein noch so starker Polizei- und Repressionsapparat kann die Massen stoppen sobald sie einmal die Bühne der Geschichte betreten haben. Diktaturen wie jene von Ben Ali in Tunesien, die über 23 Jahre mit eiserner Faust und den Mitteln der Korruption geherrscht haben, können dieser revolutionären Welle nicht standhalten. Die Bilder von flüchtenden oder sich gar solidarisierenden Soldaten und Polizisten in Sidi Bouzid oder Alexandria sind der beste Beweis für die Stärke dieser revolutionären Bewegungen, die die ganze arabische Welt erschüttern werden.

In Tunesien brachte der Aufstand einen ersten sichtbaren Erfolg mit dem Sturz des Diktators Ben Ali. Doch noch besteht die Gefahr, dass die Revolution von oben gestohlen wird. Umso wichtiger ist es, dass die Selbstverteidigungskomitees, welche in vielen Städten und Dörfern für die öffentliche Sicherheit und die Wiederaufnahme des wirtschaftlichen und sozialen Lebens sorgen, gestärkt werden, sich auf das ganze Land ausbreiten, vernetzen und ein wirklich demokratisches Tunesien schaffen, das aus der ökonomischen und politischen Umklammerung durch den Imperialismus ausbrechen kann. Ein wichtiger Schritt dazu liegt in der Verstaatlichung der Schlüsselbereiche der Wirtschaft unter der Kontrolle der Beschäftigten.

Indem die Arbeiterinnen und Arbeiter, Arbeitslosen und die Jugend die proimperialistischen Diktaturen in ihren Ländern herausfordern, beginnen sie den Himmel zu stürmen. Dies ist umso bedeutsamer, als im Westen das Bild gezeichnet wird, dass in dieser Region die Bevölkerung allesamt islamische Fundamentalisten wären. Das ist der Weg um auch in Tunesien, Ägypten und bald der gesamten arabischen Welt das Paradies auf Erden zu erobern!
Wir werden uns in unseren Ländern mit diesen Bewegungen solidarisieren und mit aller Macht dafür kämpfen, dass der Imperialismus seine Finger vom arabischen Raum lässt und die tunesische und hoffentlich auch bald die ägyptische Bevölkerung selbständig über ihr Schicksal entscheiden können.

Nieder mit der staatlichen Repression!
Hoch die internationale Solidarität!
Lang lebe die Revolution in der arabischen Welt!

Bilder von der Demo:
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