Revolutionäre Finanzen: Ted Grant und die WIL


Die Geschichte der Workers International League (WIL) beginnt Ende 1937. In ganz Europa war der Faschismus auf dem Vormarsch und im Kampf dagegen spielte die stalinistische Bürokratie eine verbrecherische Rolle. In Spanien etwa organisierte sie bewusst den Terror gegen die Revolution und ermöglichte so den Sieg Francos. In der Sowjetunion wurde in den Moskauer Prozessen die ganze alte Garde von Lenins Partei ermordet. Von Christian Gröchenig
Trotzki stellte sich die Aufgabe, den revolutionären Marxismus über diese düstere Zeit zu retten und die Revolutionäre, die weltweit auf einige Hundert geschrumpft waren, in der 4. Internationale zu organisieren. In London waren es neun junge Kommunisten. Sie gründeten die WIL und begannen bald, ihre Monatszeitschrift Workers International News herauszugeben. Sie verkauften die Zeitschrift jedes Wochenende in Parks und an belebten Plätzen, um so ihr Programm in die Bewegung zu tragen.
Die meisten von ihnen widmeten ihr gesamtes Leben dem Aufbau der Organisation und lebten von gerade einmal 15 Shillings (inflationsbereinigt heute ca. 50 €) pro Woche. Der professionelle Druck der Zeitschrift war unleistbar, weshalb sie sie anfangs auf einer selbst restaurierten kurbelbetriebenen Druckerpresse anfertigten – eine sehr anstrengende Arbeit.
Aber schon nach einigen Monaten hatten sie durch die Beiträge der Mitglieder, den Verkauf der Zeitschrift und das Sammeln von Spenden das Geld für eine gebrauchte pedalbetriebene Druckerpresse zusammen. Die Kosten dafür beliefen sich damals auf 20 Pfund (heute ca. 1.350 €), ein kleines Vermögen. Doch für ihre Arbeit bedeutete diese Investition einen qualitativen Sprung.
Im Juli 1938 konnten sie so als eine ihrer ersten Broschüren den Text Spanische Lehren – eine letzte Warnung von Trotzki drucken. Ted Grant und Ralph Lee verfassten dafür ein eigenes Vorwort. Sie schickten ein Exemplar an Trotzki, der sich mit einem Brief bedankte:
„Ich habe eure Ausgabe meiner Spanien-Broschüre mit eurer exzellenten Einleitung erhalten. Es war wirklich eine gute revolutionäre Idee, eine eigene Druckerei zu etablieren.“
Im Gegensatz dazu hielt Trotzki gegenüber der amerikanischen Socialist Workers Party (der mit über 1.500 Mitgliedern wichtigsten Sektion der 4. Internationale), die die Veröffentlichung ihrer Jugendzeitung Challenge immer wieder verschob, fest:
„Wir brauchen Druckereien, wenn wir sonst nichts haben. Die britischen Genossen, zum Beispiel, haben eine eigene Druckerei. Wenn wir eine solche Druckerei mit zwei oder drei engagierten Genossen hätten, könnten wir nicht nur den Socialist Appeal mindestens zwei Mal pro Woche publizieren, sondern auch noch weitere Broschüren, Flugblätter etc. [..] Für die „Challenge“ zum Beispiel werden 300 $ benötigt. Wenn das Geld fehlt, na gut, dann warten sie eben. Das ist nicht der revolutionäre Weg. Es ist eine sehr opportunistische Politik.“
Die Lehre daraus ist klar: Eine revolutionäre Partei beginnt mit dem richtigen Programm. Auf dieser Basis überwinden Revolutionäre jedes Hindernis und machen sie zu einer materiellen Kraft.
Binnen sechs Monaten wuchs die WIL so von neun auf 30 Mitglieder. Während des Zweiten Weltkriegs vertrat sie konsequent die von Trotzki entwickelte proletarische Militärpolitik und entwickelte ebenfalls im Gegensatz zur SWP höchst erfolgreich politische Arbeit im Heer. 1944 wurde aus der WIL die Revolutionary Communist Party mit etwa 500 Mitgliedern.
Nach dem Krieg spielte Ted Grant als führender Theoretiker eine zentrale Rolle. Wo beinahe die gesamte 4. Internationale die falschen Schlüsse zog, schaffte er es, die neue Weltsituation korrekt zu analysieren. Seine Texte zum Nachkriegsaufschwung, dem Stalinismus, zur kolonialen Revolution und vielen weiteren Themen bieten großartige marxistische Analysen der jüngeren Geschichte.
Auf dieser festen Grundlage wurden die RKI und ihre österreichische Sektion, die RKP, gegründet.
(Funke Nr. 244/03.06.2026)