Aufruhr im Uni-Mittelbau


2021 hat sich das Netzwerk Unterbau Wissenschaft (NUWISS) aus Protest gegen die Verschärfung der sogenannten Kettenvertragsregel (UG 2002 §109) gebildet. NUWISS vereint jene, die die Arbeit der öffentlichen Universitäten tagtäglich tragen: wissenschaftliche Mitarbeiter, Lektoren, Projektangestellte (alle außer Professoren). Von Sabine, Uni-Angestellte
Vereint ist diese Gruppe durch meist prekäre Anstellungsverhältnisse – rund 80% der österreichischen Universitätsangestellten an öffentlichen Universitäten arbeiten in befristeten Verträgen. NUWISS weist in seiner Arbeit auf Missstände im Unibetrieb hin (u.a. mit Studien) und möchte Arbeitsbedingungen durch Protestaktionen und Gremienarbeit (mittlerweile sind einige in Betriebsräten und Kurien vertreten) verbessern. Das Ziel: bessere, planbare Arbeitsbedingungen an Universitäten und mehr Demokratie im Unibetrieb.
An der JKU Linz gibt es erste Verbesserungen mit neuen Karrieremodellen, in denen Personen aus dem Mittelbau auch ohne Professur entfristet werden können, aber diese Modelle wurden bewusst nicht von weiteren Unis übernommen. An anderen Unis wurden nur eine Handvoll an Mitarbeitern entfristet, die wiederholt Drittmittel für ihre Unis eingeworben haben. Diese Maßnahme ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Die Masse der Angestellten an öffentlichen österreichischen Universitäten hangelt sich weiterhin von Uni zu Uni und von einem Vertrag zum Nächsten mit geringen Chancen auf Entfristungen, während die Arbeitslast (Lehre, Abschlussarbeiten, Projekte, Admin, Gremienarbeit) Großteils auf ihr abgeladen wird.
Zu diesen strukturellen Problemen kam kürzlich die nächste Hiobsbotschaft hinzu: Die Regierung kündigt eine Milliarde an Budgetkürzungen für die öffentlichen Universitäten an, obwohl die Uniko (Zusammenschluss der Rektoren) drei Milliarden mehr fordert, um den laufenden Betrieb abzusichern zu können. Natürlich wurden seitens der Rektorate nicht ihre eigenen frappierend hohen Gehälter (nachlesbar in der Presse), große Bauprojekte (Areal Alte WU/Althangrund) oder Verträge, die amerikanische Forscher nach Österreich holen, um die sogenannten „Exzellenzunis“ auszubauen, aufgegriffen.
NUWISS hat die richtigen Schlussfolgerungen in der Misere gezogen: Schulterschluss mit den Studierenden, denen Studiengebühren angedroht werden, Teilnahme und Mobilisierung an der Demonstration unter dem Motto „Supergau im Unterbau“ und klare Kritik an Einsparungen zulasten des Mittelbaus während Spitzengehälter kritisiert werden.
Gerade die Stellen von Kolleginnen und Kollegen, die bereits prekarisiert sind und eine hohe Arbeitslast tragen, sind von Einsparungen bedroht. Dies löst gerechtfertigten Zorn und Frustration in der Belegschaft aus. NUWISS gab sich auf der Demonstration kämpferisch und kritisierte als progressivste Kraft an den Unis die Gehälter der Rektoren, die Einsparungspläne im Unterbau/Mittelbau und die Studiengebühren. Trotz des offenen Appells an Studierende und Beschäftigte, an der Demonstration teilzunehmen, sollen keine falschen Hoffnungen auf die heuchlerischen Rektorate projiziert werden. Die Masse der Protestteilnehmer wird nur genutzt, um Druck auf die Regierung in Verhandlungen auszuüben. Wir sollten uns aber bewusst sein, dass unsere Interessen und Forderungen bei der ersten Gelegenheit verraten werden. Deswegen darf der Kampf für eine Demokratisierung der Universitäten und bessere Arbeitsbedingungen nicht aufhören. Die Rektoren müssen bereuen, eine Bewegung vom „Unterbau“ und den Studierenden entfesselt zu haben!