Antifaschismus ist kein Verbrechen


Zwei Jugendliche wurden Ende März wegen eines „fck nzi“-Ansteckers aus ihrem AMS-Kurs ausgeschlossen. Von Katja Stingl und Wadie Jomaa
Wir (Kathy und Wadie) tragen immer einen „fck nzi“-Anstecker. Wadie hatte einen „Free Palestine“-Sticker aufgeklebt, woraufhin die Chefin kam und ihn fragte, ob er interessiert an Politik wäre und welche Meinungen er denn vertrete. Sie fragte, ob er Pins oder Sticker hatte, und er zeigte ihr den Anstecker.
Danach holte sie ihn in ein Büro mit ihrem Schoßhündchen, a.k.a. einem anderen Trainer, der ihr bei allem brav zuhört. Dort erklärten sie ihm, dass, wenn er den Anstecker noch einmal tragen würde, es zu einem sofortigen Kursausschluss kommt und dass er auch Kathy davon „bescheid sagen soll“.
Als Kathy am Mittwoch dann wieder im Kurs war, sind wir zusammen zum Trainer gegangen. Kathy erklärte, dass wir nicht verstehen, warum wir die Anstecker nicht tragen dürfen, woraufhin wir anfingen, zu diskutieren. Dort sagte dieser Trainer Dinge wie zum Beispiel, dass es doch keinen Unterschied zwischen Nazis und Linken gäbe, da beides ja politisch sei.
Am nächsten Tag wurden wir angehalten, weil wir wieder unsere Anstecker hatten. Kathy verlangte mit etwas kaltem Ton, dass wir gerne mit der Chefin drüber reden wollen, aber sie bemühte sich, respektvoll zu bleiben. Sie hatte extra die Seminarvereinbarung noch einmal durchgelesen und auf einem Zettel Fakten, Zitate und wichtige Stichpunkte aufgeschrieben. Außerdem hatte sie das RKI-Manifest dabei.
Kathy meinte, dass in der Seminarvereinbarung nicht einmal das Wort „Politik“ vorkommt. Als sie einen Historiker zitieren wollte, begann die Chefin, uns anzuschreien, dass wir sofort ihr Büro verlassen sollen und dass sie nachdenken muss, „was sie mit uns tut“.
Ein paar Stunden später kam sie mit ihrem Hündchen und legte uns ein Gesprächsprotokoll vor. In diesem stand, dass wir „politische Anstecker“ trugen, dass Kathy das Manifest dabei hatte, außerdem wären wir angeblich sehr respektlos gewesen. Als wir nachfragten, meinten sie, dass sich andere Schüler von uns gemobbt fühlten. Das brachte uns zum Schmunzeln, da wir uns seit Monaten wegen Mobbing beschweren. Daraufhin meinte die Chefin, dass wir ja selbst schuld an dem Mobbing wären.
Es stand nichts von ihrem Wutausbruch im Protokoll, also wollten wir es nicht unterschreiben, worauf sie provokant meinte: „Kommt, traut euch doch, es ist eh nur eine Unterschrift, dass ihr es zur Kenntnis genommen habt.“
Das, was wir erlebt haben, war ein offener Angriff auf die Meinungsfreiheit. Wir brauchen viel mehr Möglichkeiten, über Politik zu reden, vor allem an Orten, wo Sexismus und oft auch Faschismus als „witzig und normal“ angesehen werden. Es sollte offene politische Debatten geben. In St. Pölten, in Österreich und international werden politische Räume zugemacht, da die Herrschenden und ihre Bürokraten immer mehr Angst vor einem politischen Erwachen der Jugend und der Arbeiterklasse haben.
(Funke Nr. 243/24.04.2026)