„Alle Kämpfe sind connected“ – Rafi Veni im Funke Podcast


In unserer neuen Podcast-Folge haben wir Rafael Eisler aka Rafi Veni interviewt. Wir sprachen über seinen politischen Werdegang vom Minecraft-Streamer zum politischen Aktivisten, die „Global Sumud Flotilla“ sowie die generelle Stimmung in der Gesellschaft zu Palästina, der Sparregierung und der Notwendigkeit sich zu organisieren. Im Folgenden haben wir einige Ausschnitte aus dem Gespräch abgedruckt, das Florian Keller führte. In Voller Länge könnt ihr es als Podcast oder auf Youtube nachhören.
Flo: Wir sehen, dass auf der ganzen Welt die Palästina-Solidaritätsbewegung extrem stark ist. Es ist ein zentraler Politisierungsgrund für eine ganze Generation von jungen Leuten, die einfach sehen, was den Palästinensern angetan wird, ist in Wirklichkeit ein Spiegelbild für das, was in der gesamten Gesellschaft passiert mit allen Unterdrückten und Ausgebeuteten.
Rafi: Jede Person, die für ein freies Palästina kämpft, muss als logische Schlussfolgerung auch für die Freiheit von allen Menschen kämpfen. Und der palästinensische Befreiungskampf ist gerade ein Sinnbild für den Befreiungskampf der Menschheit. Und wenn wir den verlieren, haben wir glaub ich so ein Kipppunkt, wo wir ein bisschen Menschlichkeit verloren haben.
Rafi: Es ist ein guter Vergleich aus Österreich heraus nach Deutschland zu schauen. Wir sind eigentlich die „softere“ Version, weil wir uns die Neutralität darauf schreiben und dementsprechend nur illegal Rüstungsgüter und nicht über staatsweisende Entscheidungen liefern. Beispielsweise Rotax, Motorenfirma in Gunskirchen, über 50% der israelischen Drohnen – die nachweislich gegen palästinensische Kinder eingesetzt werden – haben Motoren aus Oberösterreich. Wir dürfen das nicht exportieren, es gibt keine Genehmigung dafür bei Dual-Use-Gütern, wir dürfen kein Militärgüter in ein aktives Kriegsgebiet oder an eine Kriegspartei liefern, wir machen es trotzdem. Die ÖVP-Reaktion darauf: Wir ändern einfach das Gesetz nachträglich, damit‘s dann legal geworden ist.
Flo: Das geht zum Kern der Sache. Israel kann diesen Völkermord nur umsetzen, weil es die aktive Unterstützung vom Westen hat und der Westen hat ein eigenes Interesse – die Unternehmen sehen Israel als Hebel, um ihre Interessen im Nahen Osten umzusetzen. Menschenrechte sind Wörter, die geschrieben sind, aber an die hält sich kein einziger Politiker.
Rafi: Die Parteien unterscheiden sich eigentlich darin worüber sie reden und welche Farben sie haben, aber im Endeffekt dienen sie alle dem EU-Imperialismus und der Staatsräson in Österreich und das einzige Interesse ist das Kapitalinteresse.
Flo: Ich glaub die zentrale Frage [in der Palästinabewegung] ist noch nicht gelernt, nämlich wer hat tatsächlich die Macht in der Gesellschaft. […] Kein Rad dreht sich, keine Lampe leuchtet ohne die Erlaubnis der Arbeiterklasse. Wenn z.B. beim ESC die Gewerkschaft oder die Arbeiter selbst entschieden hätten, wir drehen ihnen das Licht ab, hätte er nicht stattfinden können. Das ist die zentrale Schlussfolgerung: Die Macht in der Gesellschaft hat die Arbeiterklasse und die Einzigen, die wirklich die Gesellschaft ändern können, sind auch die Arbeiterklasse. Und die Aufgabe von Aktivisten, von jenen, die revolutionär organisiert sind, ist das aufzuzeigen und dabei zu helfen, dass dieser Prozess vorwärts geht.
(Funke Nr. 245/08.07.2026)