Iran-Krieg: Ein Desaster für den US-Imperialismus


Donald Trump wird auf jeden Fall in die Militärgeschichtsbücher eingehen – doch sicherlich nicht auf die Art und Weise, wie der megalomanische US-Präsident es sich gewünscht haben mag: Der Irankrieg ist eine der größten Fehlkalkulationen der modernen Militärgeschichte. Von Florian Keller
Erinnern wir uns zurück: Bei Kriegsbeginn hatte der US-Präsident noch selbstbewusst verkündet, dass der Krieg ein paar Tage dauern und mit einem Regime-Change im Iran enden würde. Die iranischen Verbündeten der „Achse des Widerstandes“ in der Region sollten neutralisiert werden, der Iran generell keinerlei militärische Bedrohung mehr darstellen können und sein Atomprogramm ein für alle Mal beendet werden. Jetzt, fast zwei Monate später, ist all das gescheitert. Und noch mehr: Der Iran ist in einer stärkeren Position als zuvor.
Wie steht es um den Regime-Change? Die Machthaber in Teheran sitzen fester denn je im Sattel – der Angriff hat das Regime nicht gestürzt, sondern gefestigt. Dies, weil die iranischen Massen verständlicherweise alles tun, damit es nicht zu einer „Auslöschung einer ganzen Zivilisation“ (O-Ton Trump und erklärtes Kriegsziel Israels) kommt. Nicht nur das: Das Regime wurde durch die „Enthauptungsschläge“ zu Beginn des Krieges auch auf eine Art und Weise verjüngt, die angesichts der inneren Rivalitäten und Widersprüche sonst niemals möglich gewesen wäre.
Auch die regionalen Verbündeten des Iran sind nicht zerstört. Israel hat es nicht geschafft, die Hisbollah aus mehr als ein paar Grenzdörfern im Libanon zurückzudrängen, und hat mit dem von den USA aufgezwungenen Waffenstillstand sogar die Hände für Offensivaktionen gebunden bekommen. Viele der Angriffe mit Drohnen auf Saudi-Arabien werden von irakischen Milizen ausgeführt – die irakische Regierung kann oder will dem nichts entgegensetzen. Und die Huthis im Jemen haben noch nicht einmal wirklich in den Kampf eingegriffen.
Die Verbündeten der USA sind dagegen hart getroffen. Eine massive Welle von Raketen- und Drohnenangriffen auf die reaktionären Golfmonarchien hat diese wirtschaftlich in massive Bedrängnis gebracht. Die Krise geht so tief, dass die Finanzmärkte offen über die mögliche Notwendigkeit einer internationalen Rettungsaktion für die Währung der Vereinigten Arabischen Emirate diskutieren. Dass gerade der Chef des Luxuskonzerns Louis Vuitton vor den katastrophalen Auswirkungen des Krieges warnt, zeigt, wie tief die Probleme seiner wichtigsten Kunden sind. Auch die Beziehungen der USA zu den europäischen Verbündeten sind schwer angeschlagen, weil diese abgelehnt haben, sich an der Öffnung der Straße von Hormus (soll heißen: am Krieg) direkt zu beteiligen.
Der Iran selbst liegt militärisch gar nicht am Boden. Bis zur Verkündung des Waffenstillstandes hat der Iran alle Angriffe mit Wellen von Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und die Golfstaaten beantwortet, die mit der Zeit tendenziell effektiver geworden sind. Selbst die Schätzungen von US-Experten sagen jetzt, dass der Iran bei einer Fortführung des Krieges Raketen und Drohnen für mindestens 1-2 Monate gleichbleibend intensiver Angriffe hätte. Die USA müssen immer größere Teile ihrer Flotte, Truppen und besonders die knappe Flugabwehrmunition zusammenziehen – wodurch die Präsenz in anderen Weltgegenden geschwächt wird. 13 US-Basen in der Region wurden schwer beschädigt und mussten aufgegeben werden, dutzende teure Drohnen, Flugzeuge und Hubschrauber der US-Luftwaffe wurden bisher abgeschossen oder am Boden zerstört. Insbesondere bei der Rettung von zwei Piloten eines über dem Iran abgeschossenen Kampfjets (oder, wenn man der iranischen Interpretation glauben schenken möchte, dem fehlgeschlagenen Versuch, das iranische angereicherte Uran zu erobern) hatten die USA hohe Verluste an Kriegsmaterial.
Zentral ist, dass der Iran seine wirtschaftliche Trumpfkarte vollumfänglich ausgespielt hat. Die Straße von Hormus an seiner Südküste ist eine der Hauptarterien des Welthandels. In normalen Zeiten werden etwa 20 % des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels sowie große Teile wichtiger Vorprodukte für Plastikwaren, die Chipproduktion und Düngemittel gehandelt. Er hat sie gesperrt und dann angefangen, sie unter eigenen Bedingungen (Mautgebühren und die Festlegung, wer durchdarf und wer nicht) wieder zu öffnen.
Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: Die Ölpreise schießen in die Höhe; Ernteerträge gehen wegen höherer Düngemittelpreise zurück und werden die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schießen lassen. Die UN geht davon aus, dass der Krieg schon jetzt (!) 0,5 bis 0,8 % der globalen Wirtschaftsleistung vernichtet hat und mehr als 30 Mio. Menschen zusätzlich in die Armut treiben wird.
Trump und seinen Kumpanen ist das Leiden von Millionen Menschen persönlich völlig egal – aber die Auswirkungen davon destabilisieren weltweit wichtige Verbündete der USA, etwa Ägypten, wo hohe Lebensmittelpreise ein Auslöser für die Revolution 2011 waren. Es schwächt die US-Verbündeten in Asien, die direkt von Öl- und Düngerlieferungen aus der Region abhängig sind oder treibt sie in die Hände Chinas: Die indonesische Regierung etwa hat in Rekordzeit ein Abkommen mit China geschlossen, um Solarpaneele für die Energieversorgung zu installieren. Strategische Gegner der USA sind nicht so stark betroffen (China kann die Auswirkungen abfedern) oder profitieren dagegen sogar von der Ölknappheit und den steigenden Preisen (Russland).
Trump weiß daher weder vor noch zurück. Zuerst hat er mit der Auslöschung der Zivilisation, der Zerstörung aller Kraftwerke und Brücken gedroht, nur um danach zu Kreuze zu kriechen, die iranischen Verhandlungsbedingungen für einen 2-wöchigen Waffenstillstand am 8. April zu akzeptieren und nach deren Ablauf am 22. April sogar einseitig zu verlängern. Zuerst hat er die Sanktionen für iranisches und russisches Öl aufgehoben, um die Preise dafür zu drücken. Jetzt sind sie für den Iran wieder aufrecht und gleichzeitig kapert die US-Marine iranische Öltanker in der Straße von Hormus – wodurch die Preise steigen und die Kräfte im Iran, die jede Verhandlung für sinnlos halten, gestärkt werden. Alle Maßnahmen Trumps sind extrem widersprüchlich und zeugen davon, dass es keine guten Optionen für den US-Imperialismus gibt.
Bisher sind alle Versuche Trumps gescheitert, die USA halbwegs intakt und gesichtswahrend aus dem Krieg herauszubekommen. Der Grund dafür ist: Der Iran hat die Zügel in der Hand und ist nicht bereit, sie aufzugeben. Er hat einige Karten auch noch gar nicht ausgespielt, z. B. die Sperrung einer weiteren wichtigen Meerenge für den Welthandel (der zum Roten Meer) durch die Huthis Doch wenn Trump eine offene und demütigende Niederlage der USA eingestehen müsste, hätte das massive Konsequenzen. Insgesamt spitzen sich die Dinge daher in Richtung einer erneuten (bzw. weiteren) Eskalation zu – ohne dass die USA und Israel einen schnellen Sieg erwarten können.
Statt eines Regimechanges im Iran erleben wir eine enorme Destabilisierung der Weltwirtschaft und insbesondere der US-Verbündeten, die den Zorn der Massen spüren. Und angesichts der Kriegsmüdigkeit der amerikanischen Arbeiterklasse stehen die Zeichen auch auf Klassenkampf in den USA selbst. Bestes Zeichen dafür ist, dass die Lego-Videos aus dem Iran mit Lines wie „This government is run by pedophiles – they ordered you to die for Israel – they lie to you all“ tatsächlich einen Nerv in der Arbeiterklasse und Jugend treffen. „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ ist für Millionen Amerikaner zum Leitmotiv geworden. Trump ist jetzt so unbeliebt wie Joe Biden zum Ende seiner Amtszeit. Der Irankrieg spitzt nicht nur die Armut und Ungleichheit durch die steigende Inflation zu, er zeigt Millionen Menschen auch die verbrecherische Rolle des US-Imperialismus auf. Verlorene Kriege sind immer ein Katalysator für revolutionäre Prozesse – die Barbarei beenden kann nur die sozialistische Revolution!
(Funke Nr. 243/24.04.2026)