One Piece: Wahre Freiheit kommt nicht von Helden, sondern von den Massen


Die Gen-Z-Revolutionen auf der ganzen Welt haben die Fahne der Strohhut-Piraten aus One Piece als ihr Symbol auserwählt. Das begeistert Kommunisten und Anime-Fans gleichermaßen. So haben wir nach dem Leserbrief von Jurai der letzten Ausgabe 238 eine weitere Einsendung erhalten.
Von Gabriel Wolf
One Piece erzählt nicht nur von Abenteuern, sondern von einer Welt, die von Unterdrückung geprägt ist. Gerade deshalb ist die Serie politisch so relevant. Freiheit, Gerechtigkeit und der Widerstand gegen Tyrannei stehen im Zentrum jeder Handlung und genau deswegen lohnt es sich zu fragen, was wir daraus für unsere Welt lernen können.
Das System der Weltregierung ist kein moderner Kapitalismus, sondern eher ein feudal-imperialistisches Herrschaftsgefüge. Eine kleine erbliche Klasse, die Himmelsdrachenmenschen (Tenryūbito), steht an der Spitze, darunter Könige, Adel, hohe Beamte etc. Die Marine steht für den Staatsapparat, der die bestehende Ordnung schützt. Die Piraten und die Revolutionäre Armee verkörpern den desorganisierten bzw. organisierten Aufstand gegen die Herrschenden. Das einfache Volk tritt in Form von Fischern, Handwerkern, Ärzten, Bauern usw. auf.
Genau diese klare Klassenstruktur macht One Piece marxistisch analysierbar. Unterdrückung entsteht nicht aus individuellen Fehlern, sondern aus dem Gesellschaftssystem.
In fast jeder großen Handlung wird gesellschaftliche Unterdrückung dargestellt und kritisiert. In Alabasta werden die Massen durch Lügen und Armut gegeneinandergehetzt; in Dressrosa durch Manipulation beherrscht und auf der Fischmenscheninsel durch Rassismus und koloniale Unterdrückung gespalten. Dazu kommen Sklavenhandel, Informationskontrolle, Massenüberwachung und die Auslöschung ganzer Inseln und Bevölkerungsgruppen wie Ohara oder Lulusia. One Piece zeigt, dass Unterdrückung strukturell ist. Sie ist die Grundlage der Weltordnung.
Auffällig ist jedoch, dass Befreiung in One Piece fast immer Aufgabe eines „Helden“ ist. Die Strohhutbande hat keine revolutionäre Strategie, sie handelt aus unmittelbarer Überzeugung und Solidarität.
Ihr Anführer Luffy ist ein rebellischer Individualist, kein Führer der Massen. Deshalb können sie sich in der Geschichte selten selbst befreien. Politischer Fortschritt entsteht aber nicht durch Helden, sondern durch organisierte Menschen.
In unserer Welt verschwinden Ausbeutung und Unterdrückung nicht durch Einzelne. One Piece deutet die Antwort an: Die Revolutionäre Armee unter Monkey D. Dragon ist die einzige Kraft, die bewusst das herrschende System selbst angreift, organisiert, strategisch und mit Programm.
One Piece inspiriert nicht, weil wir hoffen, dass jemand für uns kämpft, sondern weil klar wird, wie unvereinbar die Freiheit der einen und die Unterdrückung der anderen wirklich ist. Wenn du wirklich eine Welt willst, in der niemand mehr unter den „Tenryūbito unserer Welt“ leidet, dann reicht Hoffen nicht. Das heißt: organisiere dich, so wie es in One Piece nur die Revolutionäre Armee tut.
Nicht der Held stürzt das System, sondern die Arbeiter und die Jugend.
Und dazu gehörst auch du.
(Funke Nr. 239)