Leserbriefe (Funke Nr. 239)


Seit einigen Wochen kommen immer mehr Details zu den Missbrauchs-Skandalen der SOS-Kinderdörfer an das Tageslicht. Unter anderem: Ein Großspender hat die Möglichkeit erhalten mehrere Nächte in einem SOS-Kinderdorf in Nepal zu verbringen, um dort Kinder zu missbrauchen. Dabei ist es nach allen Vorschriften strengstens verboten, dass Fremde in den Kinderdörfern übernachten. Ermöglich wurde das durch die oberste Führungsriege, wie eine veröffentlichte E-Mail des damaligen Präsidenten zeigt („Drei Nächte sind zugesagt“).
Zufälligerweise kommen die Vorwürfe erst jetzt ans Tageslicht, nachdem die meisten Beschuldigten bereits verstorben sind. Ein System gestützt auf Superreiche, die nahezu mit Straflosigkeit durch die Welt gehen und sich alles kaufen können, provoziert genau sowas. Das zeigen auch die Aufdeckungen rund um Jeffrey Epstein, in die große Teile US-Elite (Demokraten wie Republikaner) verwickelt ist.
Felix aus Bregenz
Nach einer unserer Hörsaalreden erwähnte ein Professor, dass wir gerne 20 Minuten am Anfang des Unterrichts für eine kurze Rede und Diskussion haben könnten.
Um das Ganze zu konkretisieren, schrieb ich ihm noch eine Mail und schlug das Thema „Meinungsfreiheit an den Unis“ vor, wobei ich auch erwähnte, dass wir dabei auf Palästina eingehen würden. Er könne gerne Gegenvorschläge machen und ich würde ihm die Rede vorab schicken.
Seine Antwort war, dass er den Semesterplan noch einmal genauer überprüft hatte und er doch keinen Platz für unsere Diskussion fand. Im persönlichen Gespräch wiederholte er diese Ausrede und fügte hinzu, dass man solche Themen doch im nächsten ÖH-Wahlkampf aufgreifen könnte. Es ist also klar, dass der Professor nicht auf das Thema Palästina eingehen wollte.
Was sich hier wieder klar zeigt ist, dass wir einen Raum für Diskussion brauchen, der es uns ermöglicht an den Unis endlich frei über Palästina zu diskutieren. Wir fordern eine Studierendenvollversammlung an den Universitäten!
Elias aus Graz
Der Infotisch vor der FH St. Pölten begann mit einer außergewöhnlichen Situation. Die Polizei hat uns Tage zuvor informiert, dass sie uns wegen der Kundgebungsanmeldung „Für besser finanzierte Bildung durch Kommunismus & Freiheit für Palästina“ einen Polizeischutz für die gesamte Zeit der Kundgebung geben „müssen“.
Beim Infotisch ergab sich dadurch eine ganz neue Dynamik. Die Polizei, die sich sehr offensiv nur 15m von uns entfernt parkte, entfachte ziemlichen Enthusiasmus bei einigen Leuten.
So verkauften wir einige Zeitungen für 10€ und eine für 20€ und viel mehr Leute sprachen uns an, was zuvor an dem Standort niemals in dem Ausmaß der Fall war.
So kaufte sogar ein liberaler Typ eine Zeitung, obwohl er eine pro-Ukraine Position hatte (und uns auch das wissen ließ) – einfach nur, weil die Polizei wegen uns da war. Von den Angesprochenen stimmten alle zu, dass der Waffenstillstand in Gaza ein Verrat ist und die Waffenruhe nur durch die Massenbewegungen in Europa erzwungen wurde. Insgesamt erlebten wir eine viel enthusiastischere Stimmung als je zuvor.
Severin aus St. Pölten
Ich arbeite im Maschinenbau, meiner Firma geht es im direkten Vergleich zu anderen zwar besser, trotzdem merkt man welche Apathie eigentlich im Betrieb herrscht.
Nicht nur werden Maschinen immer mehr „auf Lager“ gebaut (heißt: es gibt keinen Kunden), es ist jedem klar gewesen, dass die KV-Verhandlungen enttäuschend ausfallen werden. Die Arbeitskollegen machen zwar immer das Beste aus ihrer Situation, aber niemand macht sich falsche Vorstellung, dass es besser wird: Weder mit Lohn oder Pension noch mit der Firma oder der Wirtschaft.
Einer meiner Betriebsräte hat mich nach meiner Nachfrage zu den KV-Verhandlungen beiseitegenommen, um mir zu erklären, was meine Lohnaussichten sind, nachdem ich ausgelernt bin. Und obwohl er es nicht so direkt gesagt hat, war die Message basically: „Erwarte nicht zu viel und sei besser zufrieden, weil mehr bekommst du nicht und besser wird es nicht mehr werden.“
Charlie aus Linz
Mit 1. Jänner 2026 erhalten subsidiär Schutzberechtigte, meist Geflüchtete aus Kriegsgebieten, in Tirol keine Mindestsicherung mehr. Aktuell betrifft das 850 Personen, die zurück in die Grundversorgung fallen. Die Mindestsicherung ist für die meisten Geflüchteten die einzige Garantie, so schnell wie möglich aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen zu können. Nun heißt es zurück in die Legebatterie Flüchtlingsheim, wo es besonders in den großen Heimen Tirols immer wieder Krätzefälle gibt und ein Taschengeld von nicht mal 300€.
Tirol und das rote Wien waren bis jetzt noch die einzigen Bundesländer, in denen subsidiär Schutzberechtigte Anspruch auf Mindestsicherung hatten, nun zieht die Sozialdemokratie auch hier eifrig bei der nationalen Rassismuskampagne mit und erhofft sich für Tirol Einsparungspotenzial von 6,2 Millionen Euro.
Diese Maßnahmen werden vom ehemaligen ÖGB- und jetzigem SPÖ Tirol Chef Wohlgemuth umgesetzt. Im „Facts-Sheet“ der Reform steht u.a. auch, dass in Zukunft „bei Großfamilien sich der Gesamtbetrag reduzieren soll, um den Abstand zu Familien mit regulärem Einkommen gerechter zu gestalten.“ Also denen die eh schon wenig haben, noch mehr wegzunehmen, damit jene, die ein wenig mehr haben, sich besser fühlen können. Das ist aktive rassistische Spaltung der Gesellschaft. Es entblößt die absolute Heuchelei der Soziallandesrätin Pawlata, die sich als besonders sozial darstellen möchte. Da kann Frau Pawlata auf noch so vielen Tagungen betonen, dass sie Gewalt an Frauen bekämpfen möchte. Diese Reform wird nämlich migrantische Frauen, Kinder und Minderjährige besonders hart treffen. Die Arbeiterklasse braucht eine neue Führung, die sich mutig der rassistischen Sparkampagne entgegenstellt und Kampfmaßnamen gegen alle Verschlechterungen organisiert.
Vicki aus Tirol
Am 19. November ist das Steampunk Spiel „Duskpunk“ erschienen. „Dredgeport“ ist eine Stadt regiert von einem korrupten Kaiser, der seine Bevölkerung im Krieg an die Front in den Tod schickt, während zuhause alles im Elend versinkt. Man spielt als Kriegsveteran, der zu überleben versucht, gejagt von der Polizei. Im Laufe des Spiels lernt man verschiedene Charaktere kennen: In der Fabrik Kollegen, die einen illegalen Betriebsrat gründen möchten, in der Kneipe eine Gruppe junger Revolutionäre, die das Regime stürzen will.
Ein sehr cooles Game, wo man eine Revolution durchspielen kann (wenn man alles richtig macht)!
Mio aus Wien