…wird ein Feuer entfachen!

Am Freitag, den 22.Oktober, fand vor dem Landhaus in Linz eine Demonstration gegen die Einsparungsmaßnahmen im Kinderbetreuungsbereich statt. Hintergrund der Demonstration ist die Novelle im Kinderbetreuungsgesetz, wonach mit massiven Verschlechterungen für die Beschäftigten zu rechnen ist. Dieses Flugblatt verteilten wir auf der Demo.

Kindergartenaufstand macht Mode

In Wien hat sich rund um die Missstände im Kindergartenbereich das „Kollektiv Kindergartenaufstand“ gegründet. Seit dem ersten öffentlichen Auftritt auf der Demonstration "Wir zahlen nicht für eure Krise" im März 2009 wurde viel erreicht. Der „Kindergartenaufstand“ konnte der weit verbreiteten Unzufriedenheit unter den PädagogInnen einen kraftvollen Ausdruck verleihen und ihr eine Form der demokratischen Organisierung verleihen. So ist es gelungen, bei zahlreichen Aktionen – die in zwei Demonstrationen mit jeweils 3.000 TeilnehmerInnen gipfelten – die Anliegen der KindergartenpädagogInnen lautstark zu vertreten. Die leichte Verbesserung der Gehälter für PädagogInnen in den Kindergärten der Gemeinde Wien ist auch eine Reaktion auf diesen aufgebauten Druck. Klar ist aber auch, dass diese "Verbesserungen" gemessen an den eklatanten Missständen – die sich angesichts des horrenden Personalmangels laufend verschlechtern – nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.

Es brennt im Sozialbereich

Im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich, einer Branche, in der überwiegend Frauen arbeiten, sind die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung denkbar schlecht. Die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, die mit einer laufenden Intensivierung der Arbeit einhergehen, gehen auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten und zu Lasten der Qualität dieser wichtigen Dienstleistungen.
Diese Situation wird von den von der Bundesregierung geplanten Sparpaketen noch weiter verschärft werden – dagegen gilt es mit allen zur Verfügung stehenden gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen mobil zu machen. Für die Banken und Konzern hat es in der Krise auch genug Geld gegeben – jetzt sind wir dran! Die GPA-djp und vida fordern zu Recht eine Sozialmilliarde und mittelfristig die Schaffung eines Pflegefonds, der aus Vermögenssteuern finanziert werden soll. Das finanzielle Aushungern der sozialen Dienste muss endlich ein Ende haben. Für die Aufrechterhaltung des Gesundheits- und Sozialwesens sowie den Ausbau des Angebots an Pflege und Betreuung braucht es dringend mehr Geld. Die Politik darf den Kopf nicht länger in den Sand stecken, sondern muss für ausreichend Geld für den oft als Zukunftsbranche titulierten Bereich sorgen.

Auch kämpfen will gelernt sein!

Trotz vieler kämpferischer Ansagen blieb die Gewerkschaft im Großen und Ganzen aber eher zögerlich. Deshalb arbeiten wir seit einigen Jahren mit BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen über Fraktionsgrenzen hinweg eng zusammen, um in der Gewerkschaft einen kämpferischen und demokratischen Kurswechsel herbeizuführen. Die meisten haben in ihren Betrieben gewerkschaftliche Betriebsgruppen aufgebaut, um betriebs- und gewerkschaftspolitische Fragen mit der Belegschaft zu diskutieren, stehen für Urabstimmungen in allen relevanten Fragen (z.B. bei KV-Abschlüssen) und unterstützen sich gegenseitig bei betriebsinternen Problemen/Fragen/Kämpfen. Für die Abwehr des Sparpakets, geschweige denn die Erkämpfung einer Sozialmilliarde, wird es mehr brauchen als eine Demonstration. Die Belegschaften müssen sich vernetzen und den Widerstand ausgehend von den Betrieben vorbereiten und planen. Sie müssen in den anstehenden Kämpfen vor allem selbst die Regie übernehmen. Genau das können wir von unseren KollegInnen in Frankreich lernen!

Die ExpertInnen sind WIR selbst!

Wir sind BildungsexpertInnen für den Elementarbereich und fordern, dass diese gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit entsprechend anerkannt wird. Als ExpertInnen müssen wir in die Entwicklung von österreichweiten Bildungsplänen eingebunden werden. Weiters fordern wir eine Ausbildung zu KindergartenpädagogInnen an den Universitäten. Außerdem fordern wir einen Kollektivvertrag und eine gemeinsame, demokratische gewerkschaftliche Organisierung aller Beschäftigten im primären Bildungsbereich.

Unsere weiteren Forderungen:
1. Reduzierung der Gruppengröße mit einem Betreuungsschlüssel von acht Kindern pro PädagogIn.
2. Mehr und ausreichend Zeit zur Vorbereitung und Dokumentation, um die gestiegenen Arbeitsanforderungen wie individuelle Förderung, Planung von spezifischen Förderangeboten, Sprachförderung, transparente Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit, Supervision und Vorbereitung von Entwicklungsgesprächen usw. entsprechend pädagogisch vor- und nachbereiten zu können.
3. Ein angemessener Lohn.
4. Für eine Sozialmilliarde
5. Einsatz aller erforderlichen gewerkschaftlichen Kampfinstrumente zur Durchsetzung dieser Forderungen. Die Zeit des Kompromisses ist vorbei!


Bilder von der Demo:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,490793,C

In den nächsten Wochen wird sich auch in Oberösterreich eine Plattform kämpferischer KindergartenpädagogInnen formieren, die den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen weiterführen wollen. Wenn du Interesse hast, schreib bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!




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