Bei der Fa. Doppelmayr in Wolfurt (Vbg), einem der größten Seilbahnproduzenten der Welt, werden aktuell nach einer langen Kurzarbeitsphase weltweit 190 Mitarbeiter gekündigt. Am Hauptsitz selbst sind davon 95 Personen betroffen. Diese erste Kündigungswelle ist das Ergebnis davon, dass die Produktion um 2/3 eingebrochen ist.

 

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Bevor man das Kurzarbeitsmodell in Anspruch genommen hat, hat man 120 Leiharbeiter entlassen, danach wurden die Stammmitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt, die von April bis Oktober andauerte. Natürlich haben die Mitarbeiter in dieser Zeit ohnehin 20% von ihrem Gehalt verloren. Zusätzlich sind aber auch die Überstunden weggefallen, wodurch die Mitarbeiter viel mehr als nur die 20% verloren haben. Die Kürzungen hatten aber erst begonnen. Der Grund, weshalb die Kurzarbeit beendet wurde, war uns Mitarbeitern allen klar: Es werden Mitarbeiter gekündigt, aber keiner wusste, wie viele es treffen wird. Dann wurden die Mitarbeiter im Oktober in den Urlaub geschickt, damit sie ihren Urlaub abbauen. Im Urlaub wurden die Betroffenen angerufen und in die Firma eingeladen. In dem Telefonat wurden keine Auskünfte bezüglich der Einladung gegeben. In dem Gespräch ging es um die Vorinformation der Gekündigten.

Die Arbeiter trifft es hart. Es gibt Mitarbeiter die 30 Jahre dazugehören oder über 50 Jahre alt sind. Familienväter, die Alleinverdiener sind und Kinder mit Beeinträchtigung betreuen müssen. Das spielt aber im Kapitalismus keine Rolle: Man spart an erster Stelle bei der Arbeiterklasse. Man hat den Leuten immer vom Firmeninteresse erzählt, aber jetzt wird es noch klarer, was die Firmeninteressen sind. Der Trost, der den Mitarbeitern bleibt, ist, dass ein Sozialplan erstellt wird. Jeder weiß, dass man mit über 50 viel schwieriger einen Job findet, vor allem mit dem Gehalt, das man in den Jahren zuvor verdient hat. In der jetzigen Krise ist es ganz unmöglich.

Auf der anderen Seite sind die Mitarbeiter froh, die noch arbeiten dürfen. Es gibt kaum Solidarität. Vom Betriebsrat ist nichts zu sehen, man muss ihn bei den Kündigungsgesprächen extra anfordern, damit er dabei ist. Normalerweise sollte das selbstverständlich sein. Das widerspiegelt die Perspektivlosigkeit einer unorganisierten Arbeiterklasse mit einem verkauften Betriebsrat. Aber hätten sich die Arbeiter solidarisiert und einen Arbeitskampf geführt – und hätte sich der Betriebsrat an die Spitze gestellt, wäre die Situation eine ganz andere. Mit einem Kampf für Verstaatlichung oder flexiblere Arbeitszeitmodelle bei vollem Lohnausgleich hätten die Arbeitsplätze gesichert werden können.

Von Ali Gül

(Funke Nr.188/11.11.2020)


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