Zwei Kündigungen von besonders kämpferischen Lohnabhängigen im BIT Schulungscenter sorgen in der Branche der DeutschtrainerInnen für Betroffenheit und mediales Echo. Doch der Kampf geht weiter. Eine Augenzeugin berichtet.

 

Unterstütze unsere Abo-Kampagne:
133/200

Die nun gekündigten KollegInnen haben sich für die Arbeitsbedingungen aller eingesetzt und die Geschäftsleitung begegnete der Forderung nach Vor- und Nachbereitungszeit mit Zuckerbrot und Peitsche: Die Forderung, für einen Vollzeitjob 30 Stunden in der Klasse zu stehen und 8 Stunden Vor- und Nachbereitungszeit (VNZ) zu gewähren, wurde nicht durchgesetzt, statt dessen wurden bis zu 2,4 Wochenstunden VNZ festgeschrieben. Jene KollegInnen, die die Forderungen vorangetrieben und letztendlich den Teilerfolg durchgesetzt haben, wurden nun gekündigt.

Der Schock über dieses Ereignis war bei einer Podiumsdiskussion der DeutschtrainerInnen am 21.September spürbar, als sich einer der gekündigten TrainerInnen zu Wort meldete und die Kündigungen beschrieb. Der Veranstaltungsraum war mit ca. 80 Personen voll, die Stimmung war am köcheln. Die regionalverantwortliche Geschäftsführerin des AMS, Petra Draxl, die für Finanzierung und Vergabebedingungen der Ausschreibungen an den privaten Instituten für die Situation mitverantwortlich ist, kam spürbar in Bedrängnis. Manche ihrer Aussagen wurden von lautem Gelächter oder Raunen in der Menge der DeutschtrainerInnen im Publikum begleitet.

Zum Hintergrund: Diese Sprachkurse werden von privaten Unternehmen organisiert, jedoch von staatlicher Hand finanziert, wie vieles im Flüchtlingsbereich. Dem AMS ist dabei nur wichtig, wie viele Menschen die Prüfungen schaffen und ob sie mit dem Lehrpersonal einigermaßen zufrieden sind. Wie prekär die Arbeitsbedingungen als DeutschtrainerIn sind, interessiert in der Politik und den Institutionen niemand.

In diesem Kontext kam es zu zwei plötzlichen Kündigungen samt sofortigen Freistellungen. In einem Fall erfolgte der Rausschmiss direkt aus dem Unterricht heraus. Die Firma ließ es sich einiges kosten, die MitarbeiterInnen in hohem Bogen mit Hausverbot aus der Firma zu werfen, obwohl der Arbeitskampf zuvor vorsichtig und kospirativ geführt wurde. Es gibt Hinweise von KollegInnen, dass die Firma nach dem Erscheinen eines Artikels in „Der Standard“ am 6.September, private Mails auf den Privataccounts von KollegInnen mitgelesen haben könnte, denn der Datenverkehr der Firma läuft über den eigenen Server. So könnte eine interne Mailingliste der AktivistInnen aufgeflogen sein.

Auf Nachfrage konnte kein Grund für die Kündigungen genannt werden, im Gegenteil wurde in einem Fall von „guter Arbeit“ gesprochen, im anderen Fall von Überforderung. Letzteres wurde damit begründet, weil bei einem Teammeeting nachgefragt wurde, warum indirekt angeordnete Überstunden nicht ausbezahlt werden würden.

Die Kündigung passierte im Laufe eines Arbeitskampfes, in Rahmen dessen kritische Fragen offen aufgeworfen wurden, und ist insofern ein politisches Statement und ein Einschüchterungsversuch gegenüber allen KollegInnen in der Branche. (mehr dazu hier.)

In der gesamten Branche der DeutschtrainerInnen wird noch immer bei 30 Stunden Unterricht in der Klasse Teilzeit gearbeitet, wenn überhaupt, dann werden maximal vier Stunden Vor¬- und Nachbereitungszeit bezahlt, BIT bezahlt nunmehr bis zu 2,4 Stunden.

Trotz dieses Rückschlags geht die Auseinandersetzung weiter: Anfang nächsten Jahres werden bei BIT Betriebsratswahlen stattfinden und das Ziel bleibt es eine konkurrierende Liste zum bestehenden Gremium aufzustellen. Der aktuelle BR hat durch Nicht¬ oder destruktives Handeln die (teil)erfolgreiche Arbeit der Betriebsgruppe zugunsten seines eigenen Vorteils boykottiert.

Die Gewerkschaft hatte zwar teils eine unterstützende Rolle gespielt, gleichzeitig war sie aber nicht bereit, die Offensive der aktiven Teile der Belegschaft voll mit zu tragen. Das Interesse der GPA-djp erschöpfte sich in unserer Erfahrung darin, Strukturen im Betrieb aufzubauen und zu halten. Eine Haltung, die die konsequente Vertretung der sozialen Interessen der Beschäftigten im Mittelpunkt hat, konnten wir nicht wahrnehmen.
 
Die Öffentlichkeitsarbeit hat erste Zugeständnisse der Geschäftsleitung gebracht. Die Vernetzung  der KollegInnen innerhalb der Branche ist ein zentraler nächster  Schritt, um weitgreifende Forderungen durchzusetzen.

Im Endeffekt geht es darum, bessere Unterrichtsbedingungen für die (bald) arbeitende Bevölkerung, den Flüchtlingen, und die Unterrichtenden zu erreichen, im Unternehmen und in der Branche, national und international.

Das funktioniert nur durch ehrliches und konsequentes Eintreten für die Menschen mit dem Anspruch, dass sich die Menschen selbst vertreten können und wollen. Gewerkschaften und Betriebsräte sind kein Selbstzweck für sich, für die Stabilität des „Standortes Österreich“ und für die dort freigestellten und hauptamtlichen KollegInnen. Vielmehr haben diese historisch erkämpften Organisationen und Gremien, sich den Zweck der Verbesserung des Lebensstandarts der Lohnabhänigen zu verschreiben.

Einen Schritt zurück, zwei Schritte vorwärts. Der Kampf der DeutschtrainerInnen ist nicht einfach, aber er steht erst am Anfang.


 

  • DiE: BABE und SWÖ - Gemeinsamer Kampf für die Forderung der 35-Stunden-Woche +

    Während die Kollektivvertrags-Verhandlungen im SWÖ schon die ersten Runden hinter sich haben, laufen die Verhandlungen in der privaten Erwachsenenbildung (BABE-KV) an. Was das mit den SWÖ (Sozialwirtschaft Österreich) KV-Verhandlungen zu tun hat, von Markus Haunschmid. Mehr...
  • Deutsch für AnfängerInnen - Arbeitsbedingungen im privaten Deutschunterricht +

    DeutschtrainInnen, also LehrInnen für Deutsch als Fremdsprache, kämpfen mit prekären Arbeitsbedingungen und sind in vielerlei Hinsicht gegenüber ihren KollegInnen in staatlichen Schulen benachteiligt. Die Gründe dafür erläutert eine Genossin vor Ort. Mehr...
  • BIT kündigt BetriebsaktivistInnen +

    Zwei Kündigungen von besonders kämpferischen Lohnabhängigen im BIT Schulungscenter sorgen in der Branche der DeutschtrainerInnen für Betroffenheit und mediales Echo. Doch der Kampf geht weiter. Eine Augenzeugin berichtet. Mehr...
  • Der Tragödie letzter Akt? +

    Die Bestrebungen von Deutschlehrenden für Flüchtlinge, bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen, waren schon zweimal Thema in unserer Zeitung. Ein Update zu einem verhinderten Kampf. Mehr...
  • Für „Bildung und Gerechtigkeit“ +

    Die Deutschlehrenden in privaten Bildungseinrichtungen organisieren sich um die Streikfähigkeit in dieser Branche herzustellen. Es gilt höhere Löhne und stabile Arbeitsverhältnisse zu erkämpfen, erklärt ein Aktivist. Mehr...
  • Deutschlehrende in die Offensive! +

    Deutschlehrende in der Erwachsenenbildung (DiE) stehen auf, um bessere Arbeitsbedingungen in dieser Branche mit prekären Beschäftigungsbedingungen zu erreichen. Funke-Aktivist Markus Haunschmid ist Teil dieser Basisinitiative. Mehr...
  • Integration von innen +

    Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) standardisiert „Werte“, d.h. Klischees, die Neue ÖsterreicherInnen (MigrantenInnen und Flüchtlinge) lernen müssen, um in Österreich bleiben zu dürfen. Finanziell profitiert davon ein ÖVP-nahes Institut. Mehr...
  • DeutschtrainerInnen: Eine Branche wagt die Auseinandersetzung – seien wir solidarisch! +

    Bildung. In der Branche der Deutschlehrenden für Fremdsprachige brodelt es: Einerseits wegen der Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 8000 Beschäftigten, andererseits weil die Schwarz-Blaue Regierung die öffentlichen Geldhähne zudreht. Ein Aktivist berichtet. Mehr...
  • Wir wollen keine Lehrenden zweiter Klasse sein! +

    Die Initiative „Deutschlehrende in der Erwachsenenbildung“ (kurz DiE) wurde vor nunmehr über zweieinhalb Jahren von AktivistInnen gegründet, die sich gegen die schlechten Bedingungen in der Branche zur Wehr setzen. Wir müssen auf unsere eigene Kraft setzen und gewerkschaftlichen Druck von Mehr...
  • 1


Unsere Arbeit kostet Geld. Dabei sind wir exklusiv auf die Unterstützung unserer LeserInnen und UnterstützerInnen angewiesen. Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, zögere nicht und lass uns deine Solidarität spüren. Ob groß oder klein, jeder Betrag hilft und wird wertgeschätzt.

Der Funke  |  IBAN: AT48 1513 3009 5102 5576  |  BIC: OBKLAT2L

Artikel aus der Kategorie