Anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution wurde unser Genosse Wasil Faizi vom Sender BBC Pashto, der in Afghanistan und Pakistan eine Reichweite von bis zu 60 Mio. hat, interviewt.

 

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Er war der einzige, der in diesem Programm die Revolution verteidigte und gegen die Gleichsetzung von Stalinismus und den Bolschewiki unter Lenin argumentierte.

Es ist das erste Mal seit langem, dass im afghanischen Fernsehen brisanten Themen wie der russischen Revolution so viel Platz gegeben wird und BBC sogar einen Marxisten einlädt, Stellung zu beziehen. Dies spiegelt auch das Interesse wider, eine Alternative zum Kapitalismus zu finden. Gerade in Afghanistan und den umliegenden Regionen ist sonnenklar, dass dieser außer Krieg, Terror, Armut und Korruption nichts anzubieten hat. Hier stellt die russische Revolution eine große Inspiration für die Unterdrückten dar. Wir veröffentlichen hier das Fernsehinterview in übersetzter und schriftlicher Form.

Herr Faizi, wie wir in der Geschichte gesehen haben, war Osteuropa nach der sowjetischen Besatzung in einer wirtschaftlich schlechten Lage, aber manche sagen, dass diese Länder gesellschaftlich gleichberechtigter waren als der Rest der Welt und es keine größeren Klassenunterschiede gab. Was sagen Sie zu den Auswirkungen der Oktoberrevolution in der ganzen Region?

Als die Bolschewiki die Oktoberrevolution 1917 unter der Führung von Wladimir Lenin gemacht haben, haben Sie die erste Arbeiter-Regierung in der Geschichte der Menschheit gegründet. Sie haben den Zaren gestürzt, der immer wie ein Gott verehrt wurde, aber nichts für die Leute getan hat. Er war ein Diktator und hat Russland in den ersten Weltkrieg geführt. Diese Revolution hat nicht nur die Region, sondern die ganze Welt erschüttert. Und am meisten die Länder, die geografisch näher an der Sowjetunion waren. Diese Revolution hat den politischen Diskurs der ganzen Welt verändert. Es war das erste Mal, dass eine Regierung für die Rechte der Arbeiter, Bauer und Soldaten – die armen 99 % der Bevölkerung der Welt, einstand. Vor diesem historischen Ereignis hat keine Regierung der Welt über diese Themen geredet oder sie umgesetzt. Sie hat für die Rechte der Frauen und unterdrückten Völker in der Region gekämpft, die seit Jahrhunderten keine Stimme gehabt hatten. Sie gaben ihnen eine Stimme.

Aber Herr Faizi, die Sowjet-Regierung hat mehr als 70 Jahre bestanden und als es im Jahr 1991 zu ihrem Ende kam, waren alle Länder, die Teil der Sowjetunion waren, sehr arm. Was ist ihr Argument dagegen?

Was durch die Oktoberrevolution 1917 unter Lenin zustande kam, war wirklich eine Arbeiterregierung, die auch komplett demokratisch war. Aber gleich nach der Revolution gab es einen schrecklichen Bürgerkrieg und danach starb Lenin 1924. Als diese großen Vorfälle gleich nach der Revolution passiert sind, ging es in den nächsten Jahren schrittweise auf immer schwerere Zeiten zu. Danach ist der Stalinismus zur Macht gekommen und daraufhin, im Laufe des 2. Weltkriegs und dann im kalten Krieg mit dem Westen, verlor die Sowjetunion viele Errungenschaften, die 1917 gleich nach der Revolution unter Lenin erreicht wurden. Aber was die Revolution in den ersten Jahren unter Lenin erreicht hat und auch teilweise danach, kann niemand ignorieren. Und so wie sie es gesagt haben, war die Sowjetgesellschaft gleicher als der Westen. Am Ende war dann letztendlich nichts von den kommunistischen Ideen geblieben und genau deswegen waren diese Länder auch wirtschaftlich nicht in einer besseren Position.

Danke, Herr Faizi, für ihre Teilnahme.


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