Prides: Gegen jede Unterdrückung!


Die großen Prides versuchen seit Jahren, die kämpferische Tradition der queeren Bewegung abzustreifen, um gemeinsam gesponserte, klassenübergreifende Partys unter liberalen Vorzeichen zu machen. Auf den jungen Regenbogenparaden der Kleinstädte, aber auch in alternativen Ansätzen in Wien (etwa dem „Marsch fürn Arsch“, der sich gegen katholische Fundamentalisten stellt) werden neue Herausforderungen und Ansätze greifbar. Von Maya Kwich
Dem Wiener Vorbild gemäß wurde der Umzug der Pride in Baden von lauter Musik, pro-kapitalistischen Parteien und unpolitischen Sprüchen wie „Wir färben Baden in Regenbogenfarben“ passiviert. Gleichzeitig wurde die Parade aus den Seitengassen mit Eiern beworfen.
Wir können auch in allen herrschenden Klassen weltweit eine Tendenz weg von Akzeptanz hin zu offener Queerfeindlichkeit erkennen. Wer am Land queer ist, weiß, dass die Frage der LGBT-Befreiung in Österreich noch lange nicht gelöst ist.
Seit Oktober 2023 behaupten Israel und seine Verbündeten, dass queere Personen nicht pro-Palästina sein können, obwohl für die Mehrheit der LGBT-Community die Solidarität mit anderen Unterdrückten instinktiv gegeben ist. Einige Veranstalter, wie etwa die Pride Bregenz, halten an dieser pro-imperialistischen Linie fest. Dies bedeutet in der Praxis, LGBT+ mit Völkermord zu versöhnen.
Gern wird auch übersehen, dass diese Leute gegen sexuelle Minderheiten vorgehen, um die Geburtenraten anzukurbeln: ÖVP-Familienministerin Bauer zementiert mit Sagern wie „es braucht mehr Gspür beim Kinderkriegen“ traditionelle Familienbilder. ÖVP-Gemeinderat Michael Rosenmayr darf trotzdem eine Rede auf der Pride in Linz halten. Was soll das?
In diesen Zick-Zacks steckt ein System: der Arbeiterklasse Sand in die Augen streuen, sie gegeneinander aufhetzen und so im Dienst des Kapitals Klassenfrieden sichern. Die Gegendemo zur Badner Pride offenbarte dieses Geheimnis. Diese eierwerfenden Männer in Lederhosen hetzen gegen Queers und Ausländer mit Sprüchen wie „Ja zur traditionellen Familie“ auf Österreichflaggen.
Warum sollten wir unsere Kämpfe isoliert voneinander bestreiten, wenn unser Gegner es nicht tut?
Im Gegenteil müssen alle unterdrückten Gruppen lernen, gemeinsam gegen Spaltung und gegenseitige Vorurteile zu kämpfen. Die materielle Grundlage einer jeden Unterdrückung ist die von uns allen geteilte Ausbeutung für den Profit der Kapitalisten. Queere Jugendliche und Arbeiter müssen die Heuchelei der Herrschenden klar benennen, sich nicht für Rassismus instrumentalisieren lassen. Migranten sollen ebenso Schulter an Schulter auf den Prides mitmarschieren wie die queere Community auf den Anti-Kopftuchverbots– und Palästinademos, um die Basis und das Selbstbewusstsein für einen gemeinsamen Kampf zu entwickeln.
Die Spaltung entlang Nation, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, kurz jeglicher Unterdrückung, dient nur dazu, den Profit zu steigern und uns gleichzeitig schwach zu halten. Alle Herrschenden stützen sich auf eine Politik des Teilens und Herrschens. Erst der Sturz des Kapitalismus wird die Basis für eine Gesellschaft legen, die die Unterdrückung unnötig machen und abschaffen wird. Dafür braucht es einen gemeinsamen Kampf aller Arbeiter.
(Funke Nr. 245/08.07.2026)